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Wortwelten
Ken WilberVon Ken Wilber habe ich bisher nur „Mut und Gnade“ gelesen, das ja zum größten Teil die Tagebuchaufzeichnungen seiner später verstorbenen Frau enthält und ein ganz wunderbares Buch ist – die Geschichte einer großen Liebe und eines außergewöhnlichen Umgangs mit einer tödlichen Krankheit, dem Krebs. Ansonsten habe ich Wilbers Bücher eigentlich immer gemieden, weil ich schon vom Durchblättern „Knoten ins Hirn“ bekam.Nun erschien das vorliegende Buch, und da mich immer interessiert, wie so bekannte Menschen eigentlich ihren Alltag leben, wußte ich, das muss ich lesen! Und ich bin nicht enttäuscht worden. Das Buch ist großartig! Ken Wilber schildert hier zum einen in entwaffnender Offenheit sein alltägliches Leben. Sein üblicher Tagesablauf sieht in etwa so aus: aufwachen gegen zwei Uhr morgens, 2 Stunden (wechselnde) Meditation, gegen 5 Uhr am Schreibtisch, arbeiten bis ca. 14 Uhr, dann 1 Stunde Hanteltraining, einkaufen, essen, abends vielleicht Freunde treffen, ins Kino gehen oder Video schauen, leichte Lektüre, ca. 22 Uhr Bettruhe. Wilber liest am Tag 3-4 Bücher, wenn er sich in der „Recherchephase“ befindet, im Jahr also ein paar Hundert – selbst relative Vielleser wie mich beeindruckt das schon sehr! Was das Buch abgesehen von den „leichten“ Seiten, die z.T. auch äußerst amüsant sind, aber so wertvoll macht, sind die Gedanken, die Wilber sich zu den einzelnen Publikationen macht, an denen er gerade arbeitet. Ich habe jedenfalls den Eindruck, auf diese Weise einen Einblick in seine Weltsicht, seine Ideen, sein Denken bekommen zu haben und es macht einfach neugierig jetzt auch andere Bücher von ihm zu lesen. Alte Wilber-Kenner werden natürlich den Kopf schütteln und fragen: „Wo ist das Problem?“ Aber ich glaube, dass ich nicht die einzige bin, die Berührungängste mit Wilbers Werke hat(te). Wilber selbst bezeichnet sein Tagebuch als ein eher philosophisches als ein persönliches Tagebuch. Er lässt uns die Freiheit, die philosophischen Teile einfach auszulassen und nur die persönlichen Teile zu lesen, was an sich schon spannend genug ist. Sehr aufschlussreich finde ich auch seine Schilderungen des "„Einfach Das“. Hier wird klar, wie tief seine „spirituelle“ Erfahrung greift. Er ist eben nicht nur der intellektuelle Theoretiker, für den man ihn halten könnte. Seine geschilderten Erfahrungen belegen eindeutig, dass offensichtlich ein sehr hoher Grad an Verwirklichung oder Erleuchtung oder wie auch immer man „es“ bezeichnen möchte, erreicht ist. Mir gefällt es einfach gut zu sehen, hier ist ein Mensch, der auf allen Ebenen seines Seins das Leben ausschöpft. Er ist eben nicht der asketische Heilige, der nie mehr eine Frau anfasst. „Wenn dieses Tagebuch ein Thema hat, dann ist es der Gedanke, dass Körper, Seele und Geist sich nicht gegenseitig ausschließen. Die Begierden des Fleisches, die Ideen des Geistes und die Erleuchtungen der Seele sind jeweils auf ihre Weise vollkommener Ausdruck des strahlenden Geistes, der allein in der Welt wohnt, sublime Gesten jener großen Vollkommenheit, die allein über der Welt leuchtet.“ 478 Seiten, 19,90 Euro, Fischer Taschenbuch Verlag
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