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Wortwelten

Baxa/ Essen/ Kreszmeier (Hrgs.)

Verkörperungen – Systemische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual

„Verkörperungen“ – ein in mehrerer Hinsicht vieldeutiger Titel, der es in sich hat...
In einer Aufstellung verkörpert ein mehr oder weniger zufällig vom Klienten ausgewählter Stellvertreter eine Person des aufgestellten Systems. Er stellt sozusagen seinen Körper kurzfristig zur Darstellung zur Verfügung. Daneben „sind“ wir alle lebenslang die Verkörperung unseres eigenen Platzes im System. All die Erfahrungen, Glaubenssätze, Traumata unseres Lebens verkörpern sich in unserer Haltung, unserem Körperbau, in all unseren Zellen. Bert Hellingers Arbeit hat den Erkenntnissen der Körperpsychotherapie einen wichtigen Aspekt hinzugefügt – nicht alle Erfahrungen und Emotionen, die ich verkörpere, sind meine eigenen! Und noch wieder auf einer anderen Ebene ist unser Körper ein excellentes Wahrnehmungs- und Erkenntnisorgan, dessen wir uns bei einer Aufstellung bedienen.
Grund genug also, dem Thema Körper/Verkörperungen im Zusammenhang mit der systemischen Aufstellungsarbeit in einem Sammelband Raum zu geben. Darüberhinaus kommt ja nicht nur Bert Hellinger selber ursprünglich aus den Reihen der Körperpsychotherapeuten, sondern auch viele der Therapeuten, die mit Aufstellungen arbeiten, haben hier ihre Wurzeln. Nicht wenige unter Ihnen experimentieren bereits mit Möglichkeiten, Körperarbeit und Aufstellung zu verbinden.
Dieses Buch schlägt mit seinen vielfältigen Beiträgen der unterschiedlichsten Autoren (die meisten entstammen der Arbeitstagung „Verkörperungen“ in Wiesloch im Jahre 2000) eine Brücke zwischen zunächst einander fremd erscheinenden Themen. Vom Zen-Buddhismus über schamanische Rituale bis zu Verbindungen der Aufstellungsarbeit mit anderen Therapieformen wie z.B. Skan, Craniosacraltherapie oder Kinesiologie reicht dabei das Spektrum. Verschiedenste Facetten des Grundthemas Körper – Leib – Aufstellungsarbeit werden beleuchtet.
Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert: Theoretische und philosophische Hintergründe zum Thema Körper und Leib, Leibliche Aspekte beim Aufstellen selbst, Kulturübergreifende Anregungen zum Thema Ritual, Schamanismus und Körper und last but not least praxisbezogene Beiträge „aus der Werkstatt“.
Der umfangreiche Band lädt zum Blättern, stöbern, hier und dort verweilen ein – und natürlich dazu, einen Blick über die verschiedensten „Teller-Ränder“ zu werfen!

Antje Moritzen


Wortwelten

Satsang mit H.W.L.Poonja

„Sei still!“

Shri Poonjaji (1910-1997) ist ein direkter Schüler Ramana Maharshis, des großen Weisen aus dem Süden Indiens. Ramana Maharshi ist der Urheber der berühmten Frage „Wer bin ich?“, in deren Beantwortung sich seither unzählige spirituelle Sucher aus aller Welt versuchen. Auch Shri Poonjaji hat diese Frage immer wieder gestellt in seinen Satsangs. Das Wort „Satsang“ bedeutet: „sich in der Gegenwart eines Erleuchteten/ Verwirklichten aufhalten“. Das vorliegende Buch enthält Ausschnitte aus Satsangs des Jahres 1992, also einer Zeit, in der noch nicht so viele Menschen zu Poonjaji kamen.
Shri Poonjaji verstand es meisterhaft, den Menschen ihren „Schleier“ wegzuziehen. Dazu ein kleiner Ausschnitt als Beispiel:
Frage: Soweit ich es verstanden habe, sind wir alle erleuchtet und müssen das Konzept, dass wir nicht erleuchtet sind, loslassen. Ist das richtig?
Poonja: EinenTeil davon hast du verstanden. „Ioch bin nicht erleuchtet“ ist ein Konzept. „Ich bin erleuchtet“ ist auch ein Konzept. Hast du verstanden? Lass beide Konzepte fallen, und was siehst du?
(Der Fragesteller ist für einen Moment ruhig.)
Poonja: Aha. Dieses Lächeln auf deinem Gesicht ist weder erleuchtet noch gebunden. Lächle weiter und bleib still! Wenn du lächelst, wlecher Gedanke ist in deinem Mind (Anm.: Ich-Konzept, denkender Verstand etc.)? Wer bist du? Wer lächelt? Indem Gebundensein und Freiheit zurückgewiesen werden, ist Lächeln da. So, mach jetzt weiter, ohne dich auf Unfreiheit oder auf Erleuchtung zu beziehen!
Für Poonjaji gibt es keine Konzepte. Was immer man auch vorbringt, er lässt es nicht gelten, denn letztlich geht es für ihn nur um die radikale Reduzierung auf das Wesentliche. Was immer der Verstand meint, „das“ sei es jetzt, das ist es bestimmt nicht. Dies schließt sämtliche Heilskonzepte, Erleuchtungsphantasien, Erlebnisse der höheren oder niederen Art ein – es bleibt nichts übrig, und selbst das „nichts“ ist nicht was es zu sein scheint. Es geht also um die vollständige Entblätterung der „Zwiebel“.
Nun könnte man meinen, dass es doch furchteinflössend sein muss, wenn einem da derart der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Dem ist aber nicht so. Mit viel Einfühlungs-vermögen, Mitgefühl und unvergleichlichem Humor versteht es Poonjaji, Angst gar nicht erst aufkommen zu lassen. Da ich das Privileg, oder die „Gnade“, wie Poonjaji es auszudrücken pflegte, hatte, eben zu jener Zeit dort bei ihm sein zu können, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es den meisten dort ganz leicht fiel, sich zu „entblättern“. Interessant wäre nun zu sehen, ob sich diese Erfahrung auch über das Lesen des Buches vermittelt.
Dieses Buch ist sicher sehr schön für alle, die schon mal bei einem Satsang, insbesondere bei einem von Poonjajis Schülern – Gangaji oder Om Parkin oder anderen – waren, sozusagen um nochmal an die Quelle zu gehen. Für Menschen ohne Satsang-Erfahrung ist das Buch gleichermaßen interessant, denn mit dieser unbeirrbaren Direktheit geht in dem sehr unübersichtlich und undurchschaubar gewordenen "Eso-Markt" kaum noch jemand zur Sache.
Es ist sehr erfrischend.

Ulrike Plaggenborg

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