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Wortwelten

von Pema Chödrön

Geh an die Orte, die du fürchtest

Pema Chödrön ist eine amerikanische Meditationsmeisterin in der Tradition des tibetischen Buddhismus. Sie ist Schülerin von Chögyam Trungpa und hat das erste tibetische Kloster Nordamerikas – Gampo Abbey im kanadischen Cape Breton, Nova Scotia – gegründet und lehrt dort. Sie ist eine bekannte buddhistische Autorin.
Pema Chödrön versteht es meisterhaft, wichtige buddhistische Grundbegriffe so zu entschlüsseln, dass wir Menschen aus dem Westen sie verstehen und anwenden können. Es verblüfft mich immer wieder wie einfach verständlich sie Dinge darstellen kann. Sehr beeindruckend ist auch ihr tiefes Verständnis, ihre Klarheit und ihr durch alle Zeilen durchschimmerndes Mitgefühl. Oft reichert sie die Erläuterungen an durch eigene Erlebnisse und ist dabei erfrischend offen und unverkrampft.
Pema Chödrön befasst sich im vorliegenden Buch im wesentlichen mit dem Begriff Bodhichitta und wie dies durch Schulung geweckt werden kann. „Chitta heißt „Geist, Bewußtsein“, aber auch „Herz“ oder „Einstellung“. Bodhi heißt „erwacht“, „erleuchtet“ oder „völlig offen“. Manchmal werden das völlig offene Herz und der völlig offene Geist von Bodhichitta auch der wunde Punkt genannt – es ist eine Stelle, die so verletzlich und empfindlich ist wie eine offene Wunde. So wird Bodhichitta auch mit unserer Fähigkeit zu lieben gleichgesetzt.“
Die Übung der Meditation, der Liebenden Güte, des Mitgefühls, der Freude und des Gleichmuts, das sind die Werkzeuge, mit deren Hilfe man den wunden Punkt von Bodhichitta freilegen kann. Auch Pema Chödrön benutzt den Begriff des „Kriegers“, denn es ist keineswegs ein Kinderspiel: es erfordert vielmehr Mut und Unerschrockenheit, sich der Unsicherheit des Lebens, den Schmerzen, dem Leid, der eigenen Unzulänglichkeit zu stellen und stehenzubleiben; nicht wegzulaufen wenn es „schwierig“ wird. „Ich mußte einmal zur gleichen Zeit meine Arbeitsstelle und meine Wohnung wechseln. Ich fühlte mich schutzlos, unsicher und so, als hätte ich keinen Boden mehr unter den Füßen. In der Hoffnung, er würde mir etwas sagen, was mir helfen könnte, mit all diesen Veränderungen umzugehen, beklagte ich mich bei Trungpa Rinpoche, ich hätte Schwierigkeiten mit dieser Übergangsphase. Er sah mich mit leerem Gesichtsausdruck an und sagte:“Wir sind immer in einer Übergangsphase“. Dann sagte er: „Wenn Sie sich damit einfach anfreunden können, dann haben Sie kein Problem.“
Das Buch enthält eine ganze Reihe wichtiger buddhistischer Praktiken, wie z.B. die Lojong-Unterweisungen oder die Tonglen-Praxis, die Pema Chödrön gut verständlich und auch für den Laien umsetzbar darstellt. Sie macht deutlich, wie wir unsere Ängste nutzen können, um in einer schwierigen Welt und in schweren Zeiten zu Furchtlosigkeit zu finden und authentisch leben zu können. „Schulen wir uns also in allem, was wir tun – nicht nur, wenn die Dinge besonders gut laufen oder die Situation besonders schlimm ist – mit den Bodhichitta-Losungen des Atisha. Aber erinnern wir uns: „Versuche nicht, der Schnellste zu sein.“ – „Lass alle Hoffnung auf Ergebnisse fahren.“ – und „Erwarte kein Lob.“

Ulrike Plaggenborg


Wortwelten

von Wilfried Nelles

Liebe, die löst. Einsichten aus dem Familienstellen

Schon wieder ein neues Buch aus dem wachsenden Markt über das Familienstellen? Da kann ja gar nichts Neues mehr drin stehen, oder? Weit gefehlt! Gleich vorab: Dieses Buch ist ganz ausgezeichnet und besonders für interessierte Laien gut geeignet! Wilfried Nelles versteht es hervorragend, in einer einfachen – und immer verständlichen – Sprache, auch komplizierteste Zusammenhänge darzustellen. Manchmal liest sich das Buch wie ein Roman und ist sehr spannend, so dass man fast vergisst, dass es sich um ein Sachbuch handelt. Doch immer hat Wilfried Nelles im Blick, dass er etwas vermitteln möchte, das manchmal mit Worten nur schlecht zu beschreiben ist, nämlich das Wesen von Familienaufstellung. Das besondere für mich an diesem Buch ist, dass Nelles immer wieder Verbindungen vom Familienstellen zu gesellschaftspolitischen Prozessen herstellt und aufzeigt, wie sehr und wie tief diese Verbindungen auf unser alltägliches Leben wirken. So scheut er sich auch nicht davor, brenzlige Themen wie Vergewaltigung und Mord anzusprechen. Immer wieder reichert er sein Buch mit passenden praktischen Beispielen aus der eigenen Arbeit oder der von Anderen an, die seine Thesen auf wirkungsvolle Weise (unter-) stützen. Was ich an diesem Buch noch erfrischend finde, ist die Tatsache, dass er ganz ohne die vielen Aufstellungsgrafiken auskommt, die sonst so manches Buch illustrieren und viel Platz beanspruchen. Nelles gelingt es auf diese Weise, Zusammenhänge und Prozesse so flüssig darzustellen, dass sie ganz leicht nachzuvollziehen sind. Nicht zuletzt zeigt Wilfried Nelles, welche Konsequenzen die phänomenologische Haltung für die persönliche Lebensweise hat, ein ganz wichtiger Punkt für TherapeutInnen und Menschen, die sich intensiv mit dem Thema befassen. Nicht ganz folgen kann ich ihm, wenn er über den Unterschied von Intuition und „leerer Mitte“ spricht. Da wird er mir zu theoretisch und auch unverständlich. Das aber ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich habe. Ein Klasse Buch für alle, die sich schon ein wenig mit dem Familienstellen befasst haben!

Peter Jaruschewski

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