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Das Leben als Kür und Ernte
Mit Buddhas Wissen ins Übermorgenland
von Manfred Folkers
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Das Leben bejahen und die eigene Anwesenheit als Mensch nutzen, um diese Wertschätzung uneingeschränkt auszudrücken - wer möchte das nicht? Doch der Wunsch, das Dasein nicht nur als Pflicht, sondern als eine Art Ernte oder gar als Kür zu erleben, ist nicht einfach zu erfüllen. Schließlich ist allerlei Ungemach in den Alltag zu integrieren. Auf der persönlichen Ebene sind es Phänomene wie Altern, Krankheit, Tod und negative Gefühle. Im sozialen Bereich zeigt sich Leid u. a. in Form von Ungerechtigkeit, Vereinzelung und Fehlleitung.
Da individuelles Leiden letztlich immer auf den geistigen Umgang mit äußeren Rahmenbedingungen zurückgeführt werden kann, lässt es sich durch innere Arbeit oft erfolgreich transformieren. Im Grunde beschäftigen sich (neben der Psychologie) alle spirituellen Traditionen - auch die Lehre des Buddha - mit dieser Möglichkeit.
Schwieriger scheint es jedoch zu sein, soziale und ökologische Missstände zu überwinden. Hier gibt es etliche unheilsame Phänomene, die in einem jahrhundertelangen gesellschaftlichen Prozess entstanden sind (z. B. Diskriminierung, Ausbeutung, Entfremdung und Egoismus).
Gegenwärtig sorgt ein lange Zeit unterschätzter Aspekt zunehmend für Unruhe, nämlich die Unsicherheit hinsichtlich einer gedeihlichen Zukunft. Jeder Blick ins „Übermorgenland“ zeigt, dass die Menschheit nicht mehr lange so weiterwirtschaften kann wie bisher.
Globale Erwärmung, Ressourcenerschöpfung, Artensterben, Überbevölkerung, Wassermangel, Humusvernichtung usw. weisen auf ein baldiges Ende des herrschenden Maximierungswahns hin. Die logischen Folgerungen aus der Erkenntnis, dass es in einem begrenzten System wie unserer Erde kein unbegrenztes Wachstum geben kann, werden jedoch weitgehend verdrängt.
Die Systemwissenschaftlerin Joanna Macy hat diese Haltung schon 1991 beschrieben: „Heute haben wir die Sicherheit verloren, dass wir eine Zukunft haben werden. Und ich glaube, der Verlust dieser Gewissheit ist die zentrale psychologische Realität unserer Zeit. Eine ganze Gesellschaft hängt fest zwischen dem Gefühl von drohender Katastrophe und der Unfähigkeit, sich dieses Gefühl einzugestehen“.
Es ist fürwahr nicht leicht, sich das bevorstehende Ende unserer so vielfältig und erfolgreich scheinenden Zivilisation vorzustellen. Dieser Umschwung wird entweder als Schock erfolgen oder indem wir rechtzeitig einen anderen Weg einschlagen. Letzteres heißt im günstigsten Fall: freiwillig. Wenn wir uns nicht vorher selbst ändern, werden wir geändert, und zwar abrupt und gewaltsam.
Eine zentrale Frage lautet deshalb: „Wie können wir diese Sackgasse noch rechtzeitig verlassen?“ Eine erste Antwort: Wir haben uns dieser Tatsache erst einmal ernsthaft zu widmen. Hier ist auf Grund des immer deutlicher werdenden Klimawandels und dank der Ende 2008 ausgebrochenen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ein Bewusstseinswandel spürbar. Es ist endlich möglich, offener über das „Steigerungsspiel“, über „Gier-Wirtschaft“ und „mangelhafte Zukunftsfähigkeit“ zu sprechen und ein Umschwenken vorzuschlagen. Die bisher erfolgten Maßnahmen sind allerdings eher Makulatur, denn noch immer herrscht das Motto vor: „Schönreden und weiter so“.
Ein Grund dafür ist die fehlende Einsicht, dass auch die ökonomischen und ökologischen Probleme geistige Ursachen haben. Schon Albert Einstein wies darauf hin, dass „die Probleme, die es heute auf der Welt gibt, sich nicht auf der Ebene des Denkens lösen lassen, das sie erzeugt hat“. Der Buddha hätte wohl hinzugefügt, dass es nicht die (materiellen) Umstände sind, die Glück und Leid verursachen, sondern deren geistige Bewältigung.
Die gegenwärtigen Schwierigkeiten sind Ausdruck eines hartnäckigen Festhaltens an schädlichen Antriebskräften wie Gier, Hass und Verblendung (bzw. Besitzstreben, Konkurrenz und Selbstüberhöhung). Für die Umwandlung dieser Motive gibt es zahlreiche Ansätze. Besonders offene Methoden bietet die Lehre des Buddha an, die sich nicht nur als Anwendung des gesunden Menschenverstandes auf das ganze Leben, sondern auch auf das Leben als Ganzes versteht.
Wer z. B. Meditation praktiziert, also anhält und genau hinschaut (bzw. sich entschleunigt und achtsamer wird), kann den eigenen Geist beruhigen und - ähnlich wie der Buddha - drei fundamentale Merkmals des Daseins wahr nehmen: Wandel, Verbundenheit und Offenheit. Die Natur definiert sich durch ihre Eigenschaft, ununterbrochen in Bewegung, also veränderbar zu sein. Da weder Dingen noch Menschen eine unabhängige oder gar abgetrennte Existenz möglich ist, zeichnet sich das Dasein durch eine uneingeschränkte Zusammengehörigkeit aus. Und weil der „Grund des Seins“ („Nirvana“) letztlich leer von Konzepten und Vorstellungen ist, ist das Leben an seiner Basis frei von Angst und Sorge.
Von dieser Basis aus ist es leichter, bis zu den wirklichen Ursachen der heutigen Probleme zu vorzudringen und Kraft zu schöpfen für die vor uns liegenden Aufgaben. Darüberhinaus gibt diese von Grund auf klare Sicht dem Leben Tiefe und hilft dabei, es als Kür und Ernte zu gestalten.
Das Leben ist Kür, wenn die bewusste Bejahung der eigenen Anwesenheit als Mensch bei jedem Blick in den Spiegel das wissende Gefühl entstehen lässt, auf einem Weg zu sein, der dazu beiträgt, dass alle Menschen (auch die Zukünftigen) ein waches, integres und zufriedenes Leben führen können.
Das Leben ist Ernte, wenn es zu einer ständigen Wertschätzung und Pflege der vielen feinen Fähigkeiten kommt, die jedem Menschen jederzeit zur Verfügung stehen. Der Buddha hat diese menschlichen Qualitäten als “Vier Grenzenlose Geisteszustände“ zusammengefasst und sie mit Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut überschrieben. Sie zu verwirklichen bedeutet nichts anderes, als ein Buddha zu sein.
Der Vortrag „Das Leben als Kür und Ernte - Mit Buddhas Wissen ins Übermorgenland“ (Referent: Manfred Folkers) wird von der VHS Oldenburg im Rahmen der „‘Übermorgenstadt‘ Oldenburg - Stadt der Wissenschaft“ unter dem Titel „Buddhas Wissen - Den Geist beruhigen“ veranstaltet.
Termin: Mi 11.11.009, 19:30 Uhr, VHS-Kulturspeicher; Wallstraße; Raum 35. Eintritt: 7 €.
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