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Wir sind die Arbeit

Basierend auf Auszügen aus dem Buch „Wir sind die Wirtschaft“ von Kai Romhardt

Die geistige Krise unseres wirtschaftlichen Denkens
Das wirtschaftliche Denken und Handeln ist in der Krise. Wir glauben nicht länger, dass uns Wachstum, steigende Gewinne und Renditen als Einzelne und als Gesellschaft dauerhaft glücklicher machen können. Etwas Wesentliches fehlt. Wir suchen nach Sinn. Wir wollen eine andere, eine heilsamere Wirtschaft. Eine Wirtschaft, die verbindet und nicht trennt und die dem Leben dient. Wo beginnen wir?
Bei uns selbst. Denn wir sind die Wirtschaft. Wir sind es, die arbeiten, einkaufen, investieren und sparen. Wir schaffen jeden Tag aufs Neue diese Wirtschaft. Unsere Energie treibt sie an. Kultivieren wir Achtsamkeit, können wir heilsame ökonomische Ideen, Gewohnheiten und Handlungen von unheilsamen unterscheiden. Wir gewinnen unsere innere Freiheit zurück. Wir sehen, dass es unser eigener Geist ist, der diese Wirtschaft erschafft und dass wir durch Veränderung unserer Geisteshaltung diese Wirtschaft ändern können. Im Großen wie im Kleinen. Wir sind die Wirtschaft.

Was bedeutet Arbeit für uns?
Was erwarten wir von ihr? Wo bringt sie uns Freude, wo macht sie uns Angst? Haben wir unsere Arbeit gewählt oder hat sie uns gefunden? Macht unsere Arbeit Sinn? Wie duftet sie? Fahren wir mit einem Lächeln zur Arbeit oder sind wir froh, wenn sie vorbei ist?
Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Außerhalb des Freundeskreises werden wir häufig mit unserer beruflichen Tätigkeit gleichgesetzt. Für unser persönliches Selbstverständnis und unsere Identität mag unsere Profession und Position eine wichtige Rolle spielen. Schließlich verbringen viele von uns den Großteil ihrer bewussten Lebenszeit mit Arbeit.
Viele unserer Erwartungen an die Arbeit sind unrealistisch. Es ist ein wenig so wie in romantischen Vorstellungen von der Liebe. Wir meinen, der Partner sei es, der uns glücklich machen kann, und vergessen darüber, an unserer eigenen Liebesfähigkeit zu arbeiten. Unsere Arbeit kann uns nicht glücklich machen, wir müssen schon an unserer eigenen Fähigkeit zum Glücklichsein arbeiten. Was tun wir dafür? Wir beginnen mit dem tieferen Verständnis der vier Hauptdimensionen unserer Arbeit.

Vier Tatdimensionen unserer Arbeit
Wir fragen uns nach der geistigen Qualität, dem Duft, der Ausstrahlung unserer Arbeit, nach unserer inneren Haltung und Wirkkraft. Wie arbeiten wir? Starten wir mit einem Lächeln oder mit zusammengebissenen Zähnen in den Tag? Welcher Ton macht die Musik? Zwei Personen können die gleiche Tätigkeit ausführen und sie dennoch völlig unterschiedlich erleben. Unsere geistige Haltung prägt jede Tätigkeit, die wir ausführen. Was wir ausstrahlen, wird von unseren Kunden, Mitarbeitern oder Vorgesetzten gespiegelt werden. Hier können wir ansetzen und mit konkreten Methoden die Ausstrahlung unserer Arbeit erkennen und verändern.
Wir fragen uns nach der wahren Natur unserer Arbeit. Was mache ich hier wirklich? Welche Auswirkungen hat diese Tätigkeit auf mich, mein Umfeld und die Welt? Wir schauen uns unsere Arbeit mit frischem Blick an. Wir hinterfragen Mythen und Schlagworte des Arbeitslebens.
Wir schauen uns das Maß unserer Arbeit an. Laugt uns die Arbeit aus? Gehen wir über unsere Grenzen? Dominiert die Arbeit alle anderen Lebensbereiche? Können wir abschalten? Oder sind wir unterfordert und kämpfen gegen Lustlosigkeit und Trägheit an?
Schließlich schauen wir in die tiefere Motivation unserer Arbeit. Was Arbeit für uns bedeutet, hat viel mit unserer familiären „Arbeitsgeschichte“, gesellschaftlichen Arbeitsnormen und individuellen Erfahrungen zu tun. Wir machen uns nichts vor, sondern fragen uns ehrlich, was wir wirklich von unserer Arbeit erwarten. Was treibt uns an? Was lähmt uns? Wessen Urteil ist uns wichtig und aus welchen Gründen? Was ist der psychische Gewinn, den wir aus unserer Arbeit ziehen?

Arbeitsmeditation oder was mache ich wirklich?
Die effektivste Methode, um in Kontakt mit der eigenen geistigen Arbeitsqualität, mit dem Duft unserer Arbeit, zu kommen, ist für mich die Arbeitsmeditation. Zen-Meister Hakuin sagt:
„Meditation in der Mitte der Aktivität ist der Meditation in der Stille tausendfach überlegen.“
Wer einmal die persönliche Erfahrung gemacht hat, welche Wohltat es ist, in einem achtsamen Umfeld zu leben und zu arbeiten, der gewinnt einen neuen Blick auf das eigene Arbeitsumfeld. Das, was bisher als normal angesehen wurde, ist nicht mehr normal. Wir haben etwas anderes erlebt. Und wir wollen dies nicht nur bei Besuchen in Achtsamkeitszentren erleben, sondern auch in unserer täglichen Arbeit.
Dr. Kai Romhardt, ist Initiator des Netzwerkes Achtsame Wirtschaft, Unternehmensberater und Meditationslehrer, Wissensmanagementexperte, Lehrbeauftragter und Trainer. Er erschließt in seinen Büchern, Seminaren und Vorträgen das Potential der buddhistischen Lehre und Übungspraxis für unser alltägliches Leben und unser ökonomisches Handeln.

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