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Der Rhythmus der Organe

von Michael Gienger

Wäre es nicht schön, eine Heilkunde zu kennen, die verhindert, daß man/frau krank wird? Mit der sich entstehende Beschwerden schon im voraus erkennen und behandeln lassen? Ein System der Gesunderhaltung statt Krankheitenbehandlung? – Tatsächlich gibt es ein solches System längst! Seit mindestens 4000 Jahren kennt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) solche Möglichkeiten, die im Grunde auf einer ganz simplen Beobachtung basieren: Die Organe unseres Körpers sind nicht zu jeder Tageszeit in gleichem Maße aktiv!
Besonders auffällig ist dies bei den Funktionen unseres Gehirns, das uns täglich bewegt, einzuschlafen und wieder aufzustehen. Hier sind Phasen der Aktivität und Phasen der Ruhe, Phasen höchster Leistung und Phasen der Regeneration längst eine Selbstverständlichkeit für uns. Doch noch immer ist wenig bekannt, daß dieselben Rhythmen auch bei allen anderen Organen existieren. Ähnlich unserem äußeren Tageslauf hat jedes Organ seinen individuellen „Morgen“, einen Zeitpunkt, an dem seine Aktivität zunimmt, seinen „Mittag“, wenn der Gipfel der Leistung erreicht wird, seinen „Abend“, an dem die Aktivität abnimmt und seine „Nacht“, den Zeitraum der Ruhe. Jedes Organ hat dabei seine „eigenen Zeiten“.
Die Aktivität der Organe vollzieht sich im Einklang mit dem Tagesrhythmus. Jedes einzelne Organ ist genau dann besonders aktiv, wenn die momentane Tagesqualität seiner Aufgabe entspricht. Am Morgen sind wir besonders aufnahmefähig, daher ist hier der Magen als „Aufnahmeorgan“ aktiv. Am Nachmittag wird deutlich, ob wir unser Tagwerk (und damit sinnbildlich unser Leben) im Griff haben, das ergibt Resonanz zur Harnblase, dem „Organ der Kontrolle“. Und die Nacht ist die Zeit der Ruhe und Regeneration, weshalb die Leber hier ihre „Schicht“ fährt. Auf diese Weise beeinflußt der Tagesrhythmus die Funktion der zeitgleich arbeitenden Organe.
Umgekehrt beeinflußt jedoch auch die Organtätigkeit unseren Tagesablauf. Wir fühlen uns gut und leistungsfähig, wenn die Aktivität der zeitgleich arbeitenden Organe in Ordnung ist. Liegen dort jedoch Störungen oder Erkrankungen vor, treten zu bestimmten Zeiten allgemeine Schwäche, Schlafstörungen oder konkrete Beschwerden auf. Optimal ist daher ein gesunder Zustand der inneren Organe, der uns einen reibungslosen Tagesablauf ermöglicht.
Wenn wir im Tagesablauf immer wieder zu bestimmten Zeiten Schwächen, Auffälligkeiten, Beeinträchtigungen oder Verschlechterungen unseres Befindens feststellen, können diese gesundheitliche Störungen anzeigen oder ankündigen. Da entsprechende Befindlichkeiten oft schon Monate vor der eigentlichen körperlichen Erkrankung auftreten, haben wir hier eine einzigartige Chance aktiver Gesundheitsvorsorge. Wenn wir das Signal verstehen, können vorbeugende Maßnahmen oder eine entsprechende Änderung unseres Tagesrhythmus’ rechtzeitig heilsamen Ausgleich schaffen. Frühzeitiges Erkennen entstehender Disharmonien und frühzeitige Lebenskorrekturen machen Krankheiten überflüssig.
Schon seit viertausend Jahren beobachtet die chinesische Medizin die Rhythmen der Organe und hat zur übersichtlichen Darstellung der Zusammenhänge die „Organuhr“ entwickelt: Da jedes Organ täglich in einem bestimmmten Zeitraum seine Phase höchster Leistung und genau 12 Stunden später eine Phase der Ruhe und Regeneration aufweist, ordnet die chinesische Medizin die verschiedenen Organe einer 24-Stunden-Uhr zu. Die angegebenen Zeiträume zeigen dabei immer die Phase der höchsten Organaktivität an, die nicht dargestellte Phase der geringsten Aktivität liegt in der Uhr genau gegenüber.
Diese rhythmische Organtätigkeit wird inzwischen durch die Erkenntnisse der westlichen Schulmedizin bestätigt: Die im Tageslauf schwankenden Organ-, Hormon- und Stoffwechselaktivitäten unseres Körpers vollziehen sich tatsächlich gemäß der Organuhr. Und es ist längst bestätigt, daß bestimmte Beschwerden gerne zum selben Zeitpunkt auftreten: Erkältungs- oder Raucherhusten um 4.00 Uhr (Lunge 3.00 - 5.00 Uhr), Erwachen durch Stuhldrang (Dickdarm 5.00 - 7.00 Uhr), die Morgenübelkeit (Magen 7.00 - 9.00 Uhr) u.v.m. Auch der Volksmund kennt Ratschläge, die sich wohl auf ähnliche Erkenntnisse beziehen: „Morgens essen wie ein König (viel, da Magen-Aktivität), mittags wie ein Edelmann (gekochtes, da Dünndarm-Aktivität) und abends wie ein Bettler (wenig, da Magen-Tiefpunkt)“.

Die Organuhr ist eine große Hilfe für alle in der Medizin, Heilkunde oder Therapie tätigen Menschen, sowie für jeden, der bewußt mit dem Tagesrhythmus seines Körpers leben möchte, und nicht gegen ihn. Zwar sind wir frei, zu tun und zu lassen, was wir wollen, doch verläuft unser Leben leichter und Gesundheit ist uns sicher, wenn wir diesem Rhythmus folgen. Wogegen der Verschleiß größer und Krankheit wahrscheinlicher wird, wenn wir gegen diesen Rhythmus steuern.
Die chinesische Medizin ordnet alle körperlichen, seelischen, mentalen und geistigen Funktionen zwölf Funktionskreisen zu. Jeder Funktionskreis trägt dabei den Namen eines inneren Organs oder einer Körperfunktion, geht jedoch in seinem Wirkungsfeld darüber hinaus. So umfaßt der Funktionskreis „Lunge“ nicht nur das gleichnamige Organ und die Atemwege, sondern die gesamte Funktion der „Atmung“. Daher zählen z.B. Haut und Zellatmung ebenso hierher, wie alle seelischen Vorgänge, die den Atem beeinflussen („atemberaubend schönes“, „Dinge, die den Atem verschlagen“, „Situationen, die die Luft zum Atmen nehmen“ etc.). Auch das geistige Thema „Kontakt“ spielt eine Rolle, da der Atem alles mit allem verbindet. Insofern darf die Organuhr nicht auf unsere westlich-materialistische Sicht der Dinge begrenzt werden. Mehr dazu finden Sie in dem Buch „Heilsteine der Organuhr“ Michael Gienger/Wolfgang Maier, Heilsteine der Organuhr, Neue Erde Verlag.
Ausschlaggebend ist, was sich zu welchem Zeitpunkt zeigt. Bei allen zu einer bestimmten Zeit auftauchenden Symptomen sollte sowohl das in der Organuhr angegebene Organ, als auch das gegenüberliegende beachtet werden! Deuten die Symptome auf einen Energiestau und -überschuß (Anzeichen überschießender Aktivität) hin, ist das in der Uhr angegebene Organ in Balance zu bringen. Deuten sie eher auf einen Energiemangel (Anzeichen mangelnder Aktivität) hin, gilt es, das gegenüberliegende Organ zu unterstützen.
Maßnahmen können eine bewußte Änderung des eigenen Lebensrhythmus sein, ebenso die gezielte Anwendung von Heilsteinen oder anderen heilkundlichen Maßnahmen. In der chinesischen Medizin gilt zudem die Ernährung als bestes Mittel zur Gesunderhaltung, zur Heilung dienen darüber hinaus Akupunktur und Akupressur. Wege und Möglichkeiten gibt es demzufolge viele. Was jedoch niemand ersetzen kann, ist die persönliche Achtsamkeit. Je früher wir die Signale unserer Organe beachten, desto leichter sind Korrekturen unseres Lebensstils. Und desto stabiler bleibt unsere Gesundheit.

Vortrag: „Lebensrhythmus und Gesundheit-Gesundheitsvorsorge mit Heilsteinen“ mit Michael Gienger am Mi. 24. Febr. 2010, 19.30 Uhr im Landesmuseum für Natur und Mensch, Damm 38-41 Oldenburg.

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