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„Vertraue auf Gott – und binde dein Kamel an“

Gut aufgestellt auf zwei tragfähigen Beinen

von Wolfgang Schnetzer

Gibt man den Titel dieses Beitrags als Suchbegriff bei Google ein, wird man mit mehreren tausend Treffern belohnt. Als Zugabe erhält man alle möglichen Varianten dieses alten arabischen Sprichworts, zum Beispiel diese: „Binde dein Kamel fest – und dann vertraue auf Gott.“ Wesentlich ist in beiden Varianten das Wörtchen „und“, das die beiden Aspekte verbindet, um die es hier geht. Was kann und muss ich selbst in die Hand nehmen – und wo hilft nur das Vertrauen, dass das Leben es einigermaßen gut mit mir meint?
Der erste Aspekt- machen, kämpfen, (sich) unterscheiden, anders (und möglichst besser) sein als alle anderen-ist in unserer Gesellschaft hoch angesehen und ein wichtiger Wegbereiter für beruflichen Erfolg. Die andere Seite ist vielen von uns nicht so ganz geheuer: sich dem Leben anvertrauen, sich getragen fühlen. Denn wer die Kontrolle über etwas hat (oder zu haben glaubt), fühlt sich meist besser und stärker als derjenige, der sich der Tatsache bewusst ist, dass längst nicht alles in seiner eigenen Hand liegt. Wir sind wohl lieber stolz als dankbar.
Die Crux dabei ist, dass beide Seiten zusammenkommen müssen. Was nützt mir die beste Ausbildung, der tollste Job, wenn die Gesundheit nicht mitspielt? Was mache ich mit dem verlockenden beruflichen Angebot, wenn es seit längerem eine Stimme in mir gibt, die „kürzer treten“ sagt? Wie kriege ich Arbeit und Familie unter einen Hut? Wie kann ich im Alltag meine Träume verwirklichen? Das beglückende Gefühl, Sinnvolles zu tun und am richtigen Platz zu stehen, berufliche Zufriedenheit, persönliches Glück-allesamt Wünsche, die nicht durch Anstrengung, Machen, Leistung alleine zu erreichen sind.
Sich nur zurücklehnen, nichts tun und „auf Gott vertrauen“, hilft freilich auch nicht weiter. Denn das Spiel des Lebens findet zwischen zwei Polen statt. Anstrengung und Hingabe, Differenzieren und Integrieren, Trennen und Verbinden sind verschiedene Bezeichnungen für die beiden gegensätzlichen Qualitäten, die ständig in Balance gehalten werden wollen.

Leicht gesagt. Doch wie finde ich diese Balance im Alltag, im Berufleben?
Die konkreten Problemstellungen, die meine Seminarteilnehmer auf ihrer Suche nach beruflicher Zufrieden¬heit formulieren, haben oft eines gemeinsam: den Konflikt zwischen dem, was „der Beruf“, „die Kar¬riere“, „das Business“ vermeintlich unausweichlich fordern und dem, was die Klienten sich „wirklich“ wünschen, was ihnen im Leben „wesentlich“ ist.

Wie kann man Lösungen auf die Spur kommen, die Sinn, Zufriedenheit, Glück ermöglichen?
Ein möglicher Zugang ist der Körper: das leibliche Verstehen der beiden grundlegenden Seinsqualitäten. Seit einiger Zeit beginne ich deshalb meine Aufstellungsseminare „Gut aufgestellt-mein Platz im Beruf“ regelmäßig mit einer kleinen seelischen Lockerungsübung, die es erlaubt, beide Seiten unmittelbar zu erleben: sich in der Welt aufgehoben zu fühlen und gleichzeitig die persönliche Freiheit und die mit ihr verbundenen Möglichkeiten zu spüren.
Oft führt diese immer wieder berührende Erfahrung schon zu einer Erweiterung des ursprünglich mitgebrachten Themas. Und hinter dem im Vordergrund stehenden (meist beruflichen) Thema wird vielleicht schon ein weiteres Thema sichtbar, bei dem es sich fast immer um ein bisher (zu) wenig beachtetes Lebensthema handelt.
Diese thematischen Zwillinge zeigen sich mit ganz unterschiedlichen Namen: Selbstwert & Zweifel, Äußere Erwartungen & Eigener Weg, Vertrautes & Unbekanntes, Sicherheit & Freiheit, Begrenzung & Verlockung, Disziplin & Leichtsinn, Vernunft & Lebenshunger, Machenmüssen & Geschehenlassen, Stolz & Dankbarkeit.
Mit ihnen geht es in die eigentliche Aufstellungsarbeit, die innere Bilder nach außen bringt, Beziehungsstrukturen unmittelbar sichtbar und fühlbar macht und dadurch ein tieferes Verstehen der eigenen beruflichen und persönlichen Situation ermöglicht. Ganz oft steht dabei am Ende ein „Und“, über das sich das „weltliche“ Problem mit einer bisher noch nicht gesehenen eher spirituellen Komponente verbindet. Hieraus erwachsen mit der Zeit häufig neue, vorher nicht zugängliche Lösungsmöglichkeiten und es wird deutlich, wie eigene Anstrengung und Hingabe zusammenfinden können im Sinne von „Binde dein Kamel fest-und dann vertraue auf Gott.“

„Gut aufgestellt – mein Platz im Beruf“, Systemische Aufstellung der beruflichen Innen- und Außenwelt, Eintagesseminar (sonntags), Termine 2010: 24. Jan., 14. März, 25. April, 13. Juni, 12. Sept., 31. Okt., 5. Dez; Info/Anmeldung: Dr. Wolfgang Schnetzer, Tel. 0421 / 5980725, kontakt@zufrieden-im-beruf.de, www.zufrieden-im-beruf.de

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