Logo Achtsames Leben

Seelenwege -

wie das Buch mich fand und geschrieben werden wollte.

von Ina Ruschinski

2007, dieses für mich sehr besondere Jahr begann schon am Neujahrstage mit sehr viel Licht und Freude. Zu dieser Zeit ruhte ich tief in meiner Kraft und meinem Herzen und wartete eigentlich nur darauf, dass sich mir mein nächster Schritt offenbarte. Ich hatte mich bis dahin viel mit Energiearbeit und Schamanismus beschäftigt, eigentlich in der Hoffnung, meinem Pferd helfen zu können, das seit einigen Jahren immer wieder seltsam herum kränkelte, was mir von Anfang an das Gefühl gab, sein Leiden hat in irgendeiner Form mit meinem Weg zu tun.
Im Mai reiste ich nach England und war tief berührt von den Kraftorten Old Sarum, Silbury Hill, Avebury Circle, Stonehenge und Glastonbury, die nur darauf zu warten schienen, dass man mit ihnen kommunizierte, was ich tat und was mich der Erdseele so nah wie nie zuvor brachte. Ich wusste, sie würde meinen weiteren Weg begleiten, weitaus bewusster und intensiver, als sie es bisher getan hatte. Diese tiefe Verbundenheit war magisch.
Nur wenige Wochen später spürte ich, dass es Zeit war sich an ein neues Buch zu wagen: Seelenwege rief. Sieben Monate schrieb ich daran und ich bin in dieser Zeit einem Weg gefolgt, meinem Weg. Ich war voller Zuversicht, Glück und Licht. Ich bin durch meine Täler gewandert, habe meinen inneren Wolf geschaut, mich entsetzlich vor meinem eigenen Schatten gefürchtet. Ich bin gestorben und wieder neu geboren. Ich habe dieses Buch durchlebt. Und das war wirklich nicht einfach. Doch am Ende, einige Zeit danach, stellte ich voller Verwunderung fest: Es war ein Kraftbuch, die Offenbarung eines Seelenweges und das Geschenk eines noch viel umfassenderen Lichtes.
Ruht nicht in jeder von uns eine Schamanin? Der Wunsch, die tiefe Sehnsucht nach Verbundenheit mit dem großen Ganzen, die Fähigkeit die eigenen beschränkten Grenzen aufzulösen und in dem Moment zu spüren, das alles, wirklich alles, richtig so ist und selbst Tod oder Leben keine Rolle mehr spielen? Das ist der Zustand in dem man sich der Größe seiner eigenen Seele bewusst wird und manch einer bekommt Einblicke oder Weisheiten geschenkt, in die Dinge, so wie sind. Ich selbst spüre in diesen Augenblicken eine tiefe alles verbindende Liebe, weiß, ich bin aufgehoben, ich entscheide meinen Weg und im Grunde ist alles Wissen, alle Weisheit präsent, ohne das sie formuliert werden könnte.
Die mongolische Sicht auf die Wichtigkeit der Erde, war es, die mich gedanklich und emotional für dieses Buch in die Mongolei schickte. Einem Bergsee mit Ehrfurcht zu begegnen, seine Heiligkeit zu erkennen und in dem Bewusstsein zu leben, dass sich in der uns umgebenden Natur die Große Quelle offenbart, aus der in jedem von uns ein Tropfen wohnt. Das ist die Sicht der Schamanen auf die Schöpfung und wer möchte diese nicht teilen?
In der Mongolei haben Schamanen eine lange Tradition und genießen hohes Ansehen. Sie werden zu dieser Aufgabe berufen und nicht selten gibt es Familien in denen der „Beruf“ der Schamanin weitergegeben wird, von der Mutter zur Tochter oder von Großmutter zur Enkelin, wenn sie denn von den „Geistern“ auserwählt wurde. Die nomadischen Mongolen suchen für sämtliche Probleme, ob gesundheitlicher oder seelischer Art oder einfach auch aus ganz pragmatisch alltäglichen Gründen die Schamanin auf. Sie ist Heilerin, Lebensberaterin und Familientherapeutin zugleich. In der endlosen Weite der mongolischen Steppe gibt es eben nur sie, die Schamanin und sie genießt das höchste Vertrauen des Nomadenvolkes.
In Übereinstimmung mit der überwältigenden Gegenwart der mongolischen Natur spirituell zu leben, ist einfach, ist dazu gehörig zum Leben. Alles andere würde seltsam und fremd erscheinen. In Deutschland erscheint es uns fremd, für Probleme eine Schamanin aufzusuchen. Ihr wird ein Spagat zwischen den Welten abverlangt.
Ich habe von einer chilenischen Schamanin Einweihungen erhalten, an einem sehr normal nüchternen Ort in Deutschland. Ich habe mit einer befreundeten deutschen Schamanin gearbeitet, die wenn man so will, ebenso zu dieser Arbeit berufen wurde – von ihrer eigenen Seele allerdings. Beide bedienten sich sehr unterschiedlicher schamanischer Methoden. Beides war spannend und stimmig. Man muss nicht in die Mongolei reisen, um seiner Seele zu begegnen. Ein alter Baum, ein Wald, ein See oder auch das Meer sind Kraftorte an denen es leicht ist, sich mit dem Oben und Unten und dem „Alles was ist“ zu verbinden. Und in den Zustand des Gefühls zu kommen, das sich die eigenen beschränkten Grenzen des Egos auflösen und plötzlich nur noch reines Sein, reine Liebe da ist. Für mich geschieht es dann, wenn ich mit meinem Pferd allein, befreit von Sattel und Zaumzeug, durch die Stille der Moore und Wäldchen reite und mich ganz bewusst mit der Erdseele, der göttlichen Quelle und meinem Pferd verbinde. Dann lausche ich den Inspirationen, die da kommen und höre meiner eigenen Seele zu, die ihren Weg weiter gehen will.

-- nach oben --