Bewusstes Leben 2021


April - August 2021


Fühlen, was die Welt fühlt?

© geraldfriedrich2 – pixabay.com
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Autor: Joachim Bauer

 

Merkmale und Voraussetzungen der Empathie

 

Die Natur zu erkunden, sie richtig zu »lesen« und zu verstehen, war für den Menschen über Hunderttausende von Jahren hinweg die wichtigste aller Aufgaben. Bekanntlich hat die gesamte Menschheit einen Migrationshintergrund. In mehreren Auswanderungswellen haben die Vorfahren des modernen Menschen im Verlauf der letzten 200 000 Jahre den afrikanischen Kontinent in Richtung Mittlerer Osten verlassen, von wo aus sie Asien und Europa zu besiedeln begannen. Bis zum Beginn der Sesshaftigkeit, deren Geschichte nicht länger als etwa 12 000 Jahre zurückreicht, musste der Mensch seine natürlichen Biotope ständig wechseln. Jedes Gelände war neu, konnte gefährlich oder chancenreich sein und musste hinsichtlich seiner Eignung für einen vorübergehenden Aufenthalt richtig eingeschätzt werden. Die Natur zu verstehen oder – wie es der Titel dieses Buches formuliert – zu fühlen, was die Welt fühlt, ist keine romantische Vermenschlichung, keine »Anthropologisierung«, sondern war über Zehntausende von Jahren das Kerngeschäft unserer Vorfahren. Diese Fähigkeit stellt eine einzigartige Begabung unserer Spezies dar. Dass wir sie vergessen haben oder verkommen ließen, bildet den Kern der Probleme, vor denen wir heute stehen.

 

Dass wir Menschen über einen langen evolutionären Zeitraum vor die Aufgabe gestellt waren, ständig neues Gelände zu erkunden, ist eines der Alleinstellungsmerkmale unserer Spezies. Zugvögel oder Wale, die saisonabhängig ihre Biotope wechseln, wandern jedes Jahr in etwa in die gleichen Destinationen aus und kehren alljährlich überwiegend an die gleichen Ausgangsorte zurück. Unsere Vorfahren dagegen mussten, wenn sie weiterzogen, ständig eine neue Welt entdecken. Daher ist die Verbundenheit, die sich im Laufe der evolutionären Vorgeschichte zwischen Mensch und Natur entwickelt hat, einzigartig. Diese über Zehntausende von Jahren gewachsene Verbundenheit dürfte erklären, warum eine kürzlich an Tausenden von Menschen durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung etwas zeigte, das wir aus unserer Alltagserfahrung eigentlich längst wissen: dass wir Menschen nicht nur gegenüber unseresgleichen Einfühlung und Mitgefühl zeigen und die Bereitschaft aufbringen, für das jeweilige Gegenüber etwas zu tun. Es waren keine Esoteriker, sondern »ganz normale Menschen«, die Wissenschaftlern Auskunft darüber gaben, welches Maß an Empathie sie für ihnen unbekannte Mitmenschen, aber auch für Tiere und Pflanzen empfinden.

 

Getestet wurde zum einen die Einfühlung, also die Fähigkeit, sich vorzustellen, wie ein nicht menschliches Lebewesen sich fühlt, zum anderen die Anteilnahme oder »Compassion«, also die Bereitschaft, für das Wohlergehen dieses Lebewesens etwas zu tun. Gegenüber insgesamt 52 verschiedenen Lebewesen zeigten die Versuchspersonen sowohl Einfühlung als auch Anteilnahme, allerdings – wie zu erwarten – in unterschiedlichem Ausmaß. Das Maß der Empathie war abhängig davon, wann in grauer Vorzeit sich unser eigener evolutionärer Stammbaum von dem des jeweiligen anderen Lebewesens getrennt hatte (…). 

 

Die Ergebnisse der hochrangig publizierten Studie zeigen, 

dass Menschen sowohl gegenüber Tieren als auch gegenüber Pflanzen – 

und hier insbesondere gegenüber Bäumen – Empathie empfinden können.

 

Sich in andere Lebewesen einfühlen zu können und insofern zu fühlen, was die Welt fühlt, war für unsere Vorfahren in mehrfacher Hinsicht überlebenswichtig. Nicht nur das Verhalten von Tieren musste richtig gedeutet, auch ortsgebundene Lebewesen wie Pflanzen und Bäume mussten hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Menschen und ihres Zustandes richtig eingeschätzt werden. Die Beziehung des nicht sesshaften Menschen zur Natur beschränkte sich jedoch nicht nur auf Lebewesen. Landschaften, Berge, Täler, Wasserläufe und Seen waren – genauso wie Tiere und Pflanzen – Elemente einer ganzheitlichen, holistischen Welt, als deren Teil sich der Mensch empfand. Die Natur war, bevor der Mensch vor rund 12 000 Jahren mit Ackerbau und Viehzucht begann, noch kein utilitaristischer, der Ausbeutung unterworfener Bewirtschaftungsraum. Sie war eine Lebenswelt, zu welcher der Mensch – als ein Akteur unter vielen – selbst gehörte.

 

Die Natur war jedoch nicht nur Gegenstand menschlicher Einfühlung. Sie dürfte, so meine Hypothese, auf einer intuitiven, unbewussten Ebene auch ihrerseits vom Menschen als einfühlend erlebt worden sein. Dass sie Quellen der Gefahr – Raubtiere, giftige Lebewesen wie Schlangen und Skorpione und giftige Pflanzen – beherbergte, steht dazu nicht im Widerspruch. Denn ungeachtet ihrer Gefahren war die Natur für den sammelnden und jagenden Menschen der überwölbende Lebensraum, der ihm alles, was er zum Überleben benötigte, bedingungslos gab.

 

Vieles spricht dafür, dass Menschen auch heute noch – in ihrem intuitiven, unbewussten Erleben – die Natur als einen empathischen Lebensraum empfinden, der uns umgibt, wie eine schwangere Frau ihr Kind umhüllt. In diese Richtung weisen die signifikant positiven Effekte auf die psychische und körperliche Gesundheit, die im Menschen durch intensives Naturerleben ausgelöst werden können (ebenso wie umgekehrt die krank machenden Effekte durch die Abwesenheit von Natur). Zu den positiven Effekten, die zahlreiche natürliche Wirkstoffe und Nahrungsmittel haben können, kommen also hoch wirksame psychische und physische Effekte hinzu, welche sich im Menschen aufgrund der puren Präsenz der Natur, also ohne jede stoffliche Einwirkung beobachten lassen. Starke Präsenz- oder Zuwendungseffekte auf die körperliche und seelische Gesundheit des Menschen wurden bisher nur im Falle der Anwesenheit empathischer anderer Menschen beobachtet. Neuere Untersuchungen zeigen derartige Effekte inzwischen aber auch dann, wenn »nur« ein Naturerleben im Spiel ist. Daher erscheint es als naheliegend, dass die Natur – als ganzheitliches, unser Leben überwölbendes System – vom Menschen unbewusst als empathisch wahrgenommen wird.

 

Intensive Naturerlebnisse können, wie fast jeder aus eigener Erfahrung weiß,

Gefühle tiefer emotionaler Ergriffenheit und des Staunens auslösen.

 

In der englischen Fachliteratur wird dieses Gefühl als »Awe« bezeichnet. Wie zahlreiche neuere Studien zeigen, hat die Natur, über das »Awe« hinausgehend, positive Auswirkungen auf das seelische Befinden, auf depressive Stimmungen, auf posttraumatische und allgemeine Stress-Symptome, auf den Spiegel des Stresshormons Cortisol sowie auf die belastungsabhängige Anpassungsfähigkeit der Herzfrequenz und damit auf das Herzinfarktrisiko.

 

Der natürliche Lebensraum dieser Erde ist in hohem Maße bedroht. Wie lässt sich angesichts der bedrohlichen ökologischen Lage, in der sich unsere Welt befindet, erklären, dass viele Menschen sich nicht wirklich angesprochen fühlen und kein oder nur geringes Engagement zeigen? An einem Mangel an Informationen kann es kaum liegen, denn ein solcher liegt nicht vor. Die wissenschaftliche Datenlage ist unter Fachleuten unumstritten und daher eigentlich klar. Wir stehen somit vor dem eklatanten Widerspruch zwischen einer objektiv hoch gefährlichen ökologischen Situation und einer subjektiv nur geringen Aktivierung der Menschheit, die weiterhin ein fahrlässiges »business as usual« betreibt. Dabei ist sie bereits jetzt vom Klimawandel heftig betroffen und wird in wenigen Jahren seine Auswirkungen noch heftiger erleben.

 

Leider lassen sich die Motivationssysteme des Menschen durch im Vorhinein gegebene Belehrungen, Ermahnungen und durch die Hervorrufung von Schuldgefühlen nur wenig aktivieren. Was die menschliche Motivation in Gang bringt, sind positive Gefühle. Ein besonders kraftvolles Motiv, für jemanden oder für etwas tätig zu werden, sind Gefühle der Sympathie und der Empathie. Die Auflösung des Widerspruchs zwischen der objektiven ökologischen Bedrohung und dem Mangel an einer angemessenen subjektiven Reaktion der Menschen kann daher nur gelingen, wenn wir die Empathie, die Menschheit und Natur einst verbunden hat, wiederentdecken und stärken. Diese Empathie hat, wie ich ausgeführt habe, eine uralte, durch die Evolution begründete Geschichte. Dass die Empathie gegenüber der Natur aus unserem Blickfeld verschwand und die Liebe einer Entfremdung gewichen ist, hat mit der Sesshaftwerdung des Menschen und der damit einhergehenden Entfremdung zwischen Mensch und Natur zu tun, die ich im zweiten Kapitel beschreibe. Wenn wir unsere gefährdete Erde vor dem ökologischen Untergang bewahren wollen, dann wird es nicht ausreichen, weiterhin nur ständig die Tatsache ihrer Gefährdung zu verkünden. Was uns, die Menschen in den westlichen Ländern, daran hindert, sich auf die anstehenden, ökologisch dringend gebotenen Veränderungen unserer Lebensweise einzulassen, ist eine tief reichende Störung unserer Empathie – und unserer »Beziehung zur Welt«, wie sie der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Standardwerk Resonanz benennt.

 

Ihre Herkunft verdankt die Empathie, wie bereits Charles Darwin erkannte, dem menschlichen Zusammenleben. Nur wer – insbesondere in den Jahren der Kindheit – selbst Empathie empfangen hat, kann sie in sich entwickeln und an andere weitergeben. Zwischenmenschliche Empathie und die Empathie zwischen Mensch und Natur stehen in wechselseitigem Zusammenhang. Das Maß der in einer Gesellschaft vorhandenen Empathie bestimmt, ob die in ihr lebenden Menschen fühlen, was die Welt fühlt. Umgekehrt beschädigt eine Gesellschaft, die sich von der Natur entfremdet hat, ihr eigenes Empathie-Potenzial. Wir brauchen Gesellschaften, in denen Empathie wachsen kann und in denen sich bereits vorhandene Empathie-Potenziale entfalten können. Fühlen zu können, was andere fühlen, ist eine der herausragendsten Eigenschaften des Menschen. 

 

Empathie war das evolutionäre Erfolgsticket unserer Spezies. 

Hinter dieses evolutionäre Erbe sollten wir nicht zurückfallen.

 

Wie also ist es – angesichts einer am Rande des ökologischen Abgrunds stehenden Welt – um unsere tatsächliche Bereitschaft bestellt, zu fühlen, was die Welt fühlt? Im ersten Kapitel werde ich mich mit dem Ausgangspunkt menschlicher Empathie, also mit dem einzelnen Menschen befassen. Welche Rolle spielt die soziale Verbundenheit für den einzelnen Menschen, für die Entwicklung seines »Selbst« und für seine Identität? Was wissen wir über die Beziehungen, die den Einzelnen mit Gemeinschaften verbinden, denen er angehört – oder nicht angehört? Gegenstand des zweiten Kapitels wird die Geschichte der Sesshaftwerdung und der Bewirtschaftung der Natur durch den Menschen sein, die erst vor 12 000 Jahren ihren Anfang nahm. Die zivilisatorische Entwicklung, die der Sesshaftwerdung folgte, hat sowohl den Menschen als auch die Natur an gefährliche Abgründe herangeführt. Der unserer heutigen Zivilisation drohende Kollaps wäre, wenn wir ihn nicht zu verhindern vermögen, nicht der erste. Es waren durchweg Störungen des natürlichen, ökologischen Gleichgewichts, die den großen Kulturen der Menschheit unerwartet und oft in erstaunlich kurzer Zeit den Garaus gemacht haben. Im dritten Kapitel finden sich die wichtigsten Daten zusammengestellt, die Auskunft darüber geben, wie die Erde sich fühlt. Hier wird die sogenannte Earth System Science ins Spiel kommen, eine noch relativ junge Wissenschaft, die sich mit dem Befinden unseres Planeten als Ganzes befasst. Was die Welt im Jahre 2020 mit der durch den SARS Corona-Virus-2 verursachten Epidemie erleben musste, war ein vorhersehbares – und tatsächlich auch vorhergesagtes – Ereignis.

 

Die COVID-19-Epidemie war nicht die erste und wird nicht die letzte ihrer Art gewesen sein. Die tief liegende Ursache von Katastrophen dieser Art ist die Naturzerstörung durch den modernen Menschen. Das vierte Kapitel soll die in unserer Gesellschaft beobachtbaren Brüche, Verwerfungen und drohende Fehlentwicklungen beleuchten. Das fünfte soll die Chancen beschreiben, die sich für die Rettung unseres Planeten – trotz derzeit sehr gemischter Aussichten – bieten.

Textauszug aus „Fühlen was die Welt fühlt“ von Joachim Bauer mit freundlicher Genehmigung des Blessing-Verlages. Siehe auch unter „Wortwelten“.

 


Wie fast jeden Tag

© Jose Antonio Alba – pixabay.com
© Jose Antonio Alba – pixabay.com

Autor: Helmut Gruber

 

Wie fast jeden Tag begegnen mir Nachrichten aus meiner Social Media Blase, die mich dazu ermutigen sollen, mich zu optimieren, um noch mehr in noch weniger Zeit schaffen zu können. Oder es geht darum, meinen Zweck auf dieser Welt zu finden. Da schreit mir sowas wie „Eat, sleep, sell“ entgegen oder jemand fragt mich heute Montag, was mein geplanter persönlicher Outcome der Woche sein könnte, um mir letztendlich ein Coaching verkaufen zu können. Warum muss es überhaupt einen geplanten Outcome der Woche geben? Warum kann ich mich nicht von der Woche überraschen lassen, was sie an Outcome für mich bereit hält? Wieso will mir permanent jemand einreden, ich wäre so wie ich bin nicht in Ordnung? Dahinter steckt eine millionenschwere Selbsthilfeindustrie. Unsere menschlichen Beziehungen werden über Social Media ausgebeutet. Jeder Kontakt kann in einen potentiellen Kunden umgewandelt werden, man müsse nur wissen wie und dann können jeder und jede mit diesen Möglichkeiten Geld verdienen. Niemand weiß mehr, ob eine harmlose private Kontaktanfrage wie „wär nett, wenn wir uns mal wieder sehen“ nicht zu einem Verkaufsmeeting ausartet. Die surreale Erwartungshaltung bestärkt uns darin, jedes Ziel erreichen zu können und wenn wir es nicht schaffen, sind wir dann Totalversager, denn mit den heutigen Mitteln könne jeder und jede alles schaffen. Jedes Ziel ist folglich erreichbar und nur wir selbst könnten uns im Weg stehen. 

 

Das Internet zeigt nur Leute, die es geschafft haben. Wir leben in einer ToDo-getriebenen Gesellschaft, die uns permanent fordert. Aber vielleicht sollten wir vom Tun ins Sein kommen, mehr der eigenen Intuition folgen und dadurch bewusster leben. Sonst kommen wir am Ende noch drauf, dass wir vergessen haben das Leben zu leben - in all seiner Vielfalt und den unendlich vielen Momenten mit all den Geschenken, die einfach da sind, sobald man sie erkennt. Es ist doch ohnehin nie nichts. Wieso haben wir so viel Angst vor dem Nichts? Ermöglicht nicht erst das Nichts, dass etwas Neues ins Leben tritt und nicht eine vollgestopfte ToDo-Liste? Und ja, das Leben läuft nicht konstant ab, mal geht es rauf und mal runter. Und jedes Ende ist schwanger mit einem Anfang. Alles geschieht in Wellen, so wie die Rose auf ihren Höhepunkt zugeht, dann in voller Blüte steht, um kurz darauf zu verwelken und zu sterben. Der Kreislauf des Lebens wird auch durch Gegensätze bestimmt. Was wäre die Ebbe ohne die Flut oder der Tag ohne die Nacht? Es gibt Phasen im Leben, in denen wir mehr im Außen sind und andere, in denen es ratsam ist, nach Innen zu sehen. 

 

Lange hab ich meine negativen Anteile weg gedrückt, die sich aus meiner Biografie heraus ergeben haben. Doch mit dem damit einhergehenden Aufbau eines Schutzpanzers dringen auch die positiven Gefühle nicht durch und die Lebensenergie schwindet. Das Funktionieren mithilfe von ToDo-Listen hat mein Leben dominiert. Die Herausforderung ist (für mich zumindest) jetzt los zu lassen und einfach mal nur zu sein - mir einzugestehen, mich in Ruhe lassen zu dürfen. Hier geht es um das Wahrnehmen von dem, was jetzt ist. Und all dem, was hochkommen will den Raum zu geben, um heilen zu können. Den Schmerz zu unterdrücken und mich mit den alltäglichen ToDos abzulenken raubte mir die Lebendigkeit. Nun gilt es, alles was ist in seiner ganzen Polarität zuzulassen, ins Fließen zu kommen und dankbar zu sein für alles, wirklich alles. Auch wie meine Vergangenheit mich hat leiden lassen. Sie hat mich zu dem gemacht, der nun diese Zeilen schreiben kann. Wir entwickeln Mut und Stärke, indem wir schwierige Zeiten überstehen. Ich will nun meinen Wandel zulassen und ihn leben, ohne mich mit stupiden Alltäglichkeiten abzulenken. Ich gebe mich dem Fluss hin, Tag für Tag aufs Neue, ganz ohne ToDo-Liste, über den Weg des mühelosen Handelns. 

 

Wenn du aufhörst dich vordrängen zu müssen wird dir auffallen, dass dir paradoxerweise alles besser gelingt, weil was wichtig im Hier und Jetzt ist, dir entgegen kommen kann, weil du dem Fluss des Lebens Raum gibst - ganz mühelos! Also Fuß vom Gas, Fenster runterkurbeln und den Arm raus hängen. Was will mein Leben grad von mir und wohin fließt es? Worauf könnte ich mich einlassen ohne feste Vorstellungen, was ich sein will und deshalb tun müsste. Es geht darum, dir bewusst zu machen, wohin der Fluss des Lebens dich gerade hin zieht und dir genau das auch zu erlauben. Wozu kämpfen in einer Phase, in der du vielleicht gerade Ruhe brauchst? 

 

Helmut Gruber ist Vorstand von Option 2.0 –einer Plattform zur Stärkung der Zivilgesellschaft, die Website kann man finden unter: www.opt2o.org .


Dezember 2020 - April 2021


Der Zauber guter Gespräche

Foto: ©Truhon Leong - pixabay.com
Foto: ©Truhon Leong - pixabay.com

Autorin: Ulrike Döpfner

 

Das Geschenk der ungeteilten Aufmerksamkeit

Erinnern Sie sich, mit wem Sie sich als Kind besonders gern unterhalten haben? Mit wem hatten Sie die schönsten Gespräche? Ich habe Erwachsene und Kinder danach gefragt: 

 

Thomas, 41 Jahre: »Die schönsten Gespräche führte ich mit meiner Großmutter auf der Küchenbank. Sie saß da, hatte immer eine Strickarbeit auf dem Schoß und hörte endlos zu. Ich konnte ihr alles erzählen. Sie interessierte sich für alles und hatte so viel Zeit. Ich stand für sie immer im Mittelpunkt.«

Beatrice, 38 Jahre: »Seit meiner Kindheit habe ich die besten Gespräche mit meiner Freundin Andrea. Sie kennt mich seit der ersten Klasse und weiß einfach, wie ich ticke. Ich habe nie Angst, ihr etwas zu erzählen, schäme mich auch nie. Ich weiß, alles ist bei ihr gut aufgehoben.«

Lea, 8 Jahre: »Am liebsten mag ich es, wenn meine Tante Lisa kommt. Dann spielen wir Zirkus, ich bin Akrobatin und turne, meine Tante schaut zu. Ich erkläre ihr dann alles, was ich mache, und sie hört mir die ganze Zeit zu.«

Linus, 11 Jahre: »Die schönsten Gespräche habe ich mit meinem Papa, bevor ich schlafen gehe. Dann kann ich ihm auch geheime Sachen sagen. Er hört mir zu und erzählt mir, wie es bei ihm in der Schulzeit war. Das finde ich schön.«

 

Schöne Gespräche verbinden wir mit Interesse am anderen, sich Zeit nehmen füreinander und Vertrauen haben. Wir spüren, dass wir für unseren Gesprächspartner im Mittelpunkt stehen. Sowohl aus den Antworten der beiden Erwachsenen als auch der beiden Kinder können wir herauslesen, was den Zauber der guten Gespräche für sie ausgemacht hat: ungeteilte Aufmerksamkeit!

Ob erwachsen oder Kind, durch ungeteilte Aufmerksamkeit fühlen wir uns geschätzt und wertvoll. Nach solchen Momenten sehnt sich jeder. Als Erwachsene geben wir dieses Bedürfnis nicht mehr so offen zu. Kinder können es direkt formulieren: Es ist schön, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen!

Wann hat Ihnen ein Gesprächspartner oder eine –partnerin das letzte Mal aufmerksam zugehört? Mit wem sprachen Sie? Und worüber? Versuchen Sie einmal, sich an dieses Gespräch zu erinnern und noch einmal das positive, wohlige Gefühl abzurufen, das es bei Ihnen auslöste. In Ihrer Erinnerung spüren Sie: Es tut gut, von einem Gesprächspartner als wichtig empfunden zu werden. Wir alle kennen die Situation von Festen oder anderen Veranstaltungen, bei denen man auf viele Menschen trifft, die man begrüßt. Einige sind herzlich, und wir haben das Gefühl, dass sie sich wirklich freuen, uns zu sehen. Andere gucken, noch während sie uns die Hand schütteln, im Raum umher, wen sie denn sonst noch begrüßen könnten und was sie gerade verpassen, während sie sich mit uns befassen. Sie vermitteln uns mit ihrem flackernd- suchenden Blick, dass es durchaus Wichtigeres gibt als uns. Das fühlt sich nicht gut an – manchmal wäre es sogar besser, diese Person hätte uns gar nicht begrüßt als nur so halbherzig.

Ganz anders fühlen wir uns, wenn wir mit unserem Partner oder einer Freundin sprechen, und der andere erhält während des Gesprächs einen Anruf, nimmt diesen aber nicht an, um das Gespräch mit uns nicht zu unterbrechen. Wir fühlen uns wertvoll und beachtet – wir spüren: Wir und das Gespräch mit uns sind tatsächlich im Moment die Priorität für den anderen.

Wenn es uns in unserem Alltag manchmal gelingen sollte, unserem Kind für kurze Momente genau das zu vermitteln: »Du bist jetzt gerade das Wichtigste für mich und alles andere blende ich für einen kurzen Moment aus«, dann machen wir nicht nur unserem Kind ein Geschenk, sondern auch uns selbst: Wir schaffen uns und unseren Kindern Inseln der Nähe und Geborgenheit. 

 

Gute Gespräche schaffen Nähe

Woran erkennen wir gute Gespräche? Am deutlichsten an den Gefühlen, die sie bei uns auslösen: Gute Gespräche mit unseren Kindern beglücken, sie stellen Verbindung und Nähe her. Aber auch an der Art und Weise, wie die Gespräche sich entwickeln, lässt sich viel erkennen: Gute Gespräche »fließen« mit Leichtigkeit – ein Satz führt zum nächsten. Wir erfahren etwas vom anderen und geben auch etwas preis von uns – wir tauschen uns tatsächlich aus. Es ist ein Dialog, in dem beide Seiten zu Wort kommen und beiden Seiten Gehör verliehen wird. Gute Gespräche schaffen eine Atmosphäre der Intensität und gegebenenfalls auch der Tiefe. In solchen Gesprächen bleiben wir nicht an der Oberfläche wie in Plaudereien oder kurzen Textnachrichten (die auch nett sein können) – im Gegenteil: Wir haben das Gefühl, dass dieser Austausch eine Bedeutung hat. Äußerlich sieht man Menschen die Verbundenheit während dieser Gespräche an: Die Körper sind einander zugeneigt, sie schauen sich in die Augen, manchmal berühren sie sich während der Unterhaltung, und ihre Mimik drückt durch einen interessierten Blick, einen freundlichen Gesichtsausdruck, ein Lächeln Zugewandtheit und Wertschätzung aus.

Gute Gespräche bleiben uns im Gedächtnis, sie haben eine emotionale Bedeutung – sowohl für uns als auch für unsere Kinder – und dadurch einen positiven Effekt auf unsere Beziehung zueinander: Es entsteht Nähe zwischen uns und unserem Kind. Selbst wenn so ein Gespräch vor Jahren stattgefunden hat, erinnern wir uns manchmal noch heute, dass wir es an einem verschneiten Sonntagmorgen bei einer Tasse Kakao im Bett geführt haben. 

 

Dem Zauber die Tür öffnen - Chancen nutzen

Guten Gesprächen wohnt ein Zauber inne. Eine positive Energie der Verbindung entsteht zwischen beiden Gesprächspartnern. Das Gespräch plätschert nicht dahin, es lässt uns nicht kalt – es macht einen Unterschied. Jeden Tag führen wir unendlich viele Gespräche mit unseren Kindern, um den Alltag zu organisieren: »Guten Morgen. Was magst du frühstücken?«, »Hast du an deine Sportsachen gedacht?«, »Wann schreibst du heute den Deutschtest? «, »Hast du Hausaufgaben zu machen?«, »Bist du heute Nachmittag verabredet?«, und so weiter und so weiter. Um den Familienalltag zu bewältigen, müssen unendlich viele Dinge abgestimmt und Sachinformationen ausgetauscht werden. Diese Kommunikation ist zweckdienlich. Sie schafft Struktur im Alltag und verbindet uns auf einer organisatorischen Ebene.

Doch es sind die persönlichen Gespräche, in denen es um die Einstellungen, die Ideen, die Gefühle und die Bedürfnisse unserer Kinder geht, die uns auf einer emotionalen Ebene zusammenführen. Manchmal kann ein gutes Gespräch spontan aus einer Situation heraus entstehen, in der wir dieses gar nicht geplant hatten –manchmal gibt es Fragen, die unsere Kinder stellen, oder Bemerkungen, die sie machen, bei denen wir spüren: Das dürfen wir jetzt nicht nebensächlich behandeln oder vorbeiziehen lassen.

 

Der eher schüchterne elfjährige Lukas sprach seine Mutter auf der Fahrt zum Sportverein auf den Tod der kürzlich verstorbenen Großmutter an. Das Thema Tod war in der Familie vor den Kindern gemieden worden – die Mutter hatte früh ihren jüngeren Bruder verloren und vor dem Tod der Großmutter einige andere Verwandte. Sie war so belastet durch diese Verluste, dass sie ihren Kindern diese negativen Themen ersparen wollte. Als ihr Sohn sie jedoch so unvermittelt auf den Tod ansprach — das hatte er zuvor noch nie getan –, fuhr sie an den Straßenrand, parkte das Auto und stellte sich den Fragen ihres Kindes, auch denen nach ihrer eigenen Traurigkeit. Es wurde für sie beide zu einem wichtigen Gespräch, in dem der Sohn neugierig fragte und sie antwortete. Sie war selbst erstaunt, dass sich kein trauriges und belastendes, sondern ein sehr verbindendes Gespräch ergab. Geplant hatte sie das nie. In dem Moment, als ihr Sohn sie so direkt ansprach, erkannte sie die Tragweite seiner Frage und entschied spontan, sich darauf einzulassen und sich für seine Fragen zu öffnen. Sie hatte die Chance auf einen innigen und wichtigen Austausch erkannt und genutzt.

 

Das Auto, der Zug oder der Bus sind wichtige Orte, weil hier oft interessante Gespräche zustande kommen. Häufig nutzen wir Auto- oder andere Fahrten, um Telefonate zu führen, die wir noch auf unserer To-do-Liste abhaken wollen. Dinge müssen erledigt werden, daran lässt sich nichts ändern. Vielleicht aber können wir einige Telefonate auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, um uns auf der Fahrt mit unserem Kind oder unseren Kindern zu unterhalten. Oft kommen gerade in dieser räumlich überschaubaren Situation, die dadurch etwas Verbindendes herstellen kann, Gesprächsthemen auf, die zu schönen Unterhaltungen führen.

Viele wichtige Fragen kommen von Kindern auch gern in Vorbereitungssituationen, beispielsweise, wenn wir gerade dabei sind, uns morgens fertig zu machen, oder wenn unser Kind sich seine Schuhe anzieht, kurz bevor wir gemeinsam aus dem Haus gehen wollen. Dann kann eine Fünfjährige schon mal fragen: »Mama, warum habe ich so Angst, wenn es dunkel wird« oder »Was passiert, wenn ich sterbe?« oder »Muss ich meinen kleinen Bruder immer lieb haben?« Fragen, bei denen wir merken, dass die Tochter mit einem Thema beschäftigt ist und gern mit uns darüber sprechen möchte.

Weil es eine Situation ist, in der wir mit organisatorischen Dingen rund um den Aufbruch beschäftigt sind, antworten wir knapp, denken uns vielleicht, dass wir auf die Frage später noch einmal eingehen wollen, aber dann vergessen wir es, oder unsere Tochter ist dann nicht mehr in der Stimmung für ein Gespräch. Wenn wir es schaffen, uns in solchen, für uns meist zeitlich angespannten Situationen trotzdem einige Minuten Zeit zu nehmen, um auf die Frage des Kindes einzugehen, haben wir die Chance auf ein besonderes Gespräch. Ob wir fünf Minuten zu spät im Kindergarten waren, ist in wenigen Tagen vergessen, an das Gespräch mit unserer Tochter erinnern wir uns vielleicht noch in Wochen und Monaten. Gerade für kleinere Kinder ist es schwierig, Fragen in »Wiedervorlage« zu besprechen. Sie leben im Hier und Jetzt, im Moment – wenn sie jetzt gerade eine Frage auf dem Herzen haben, heißt das nicht unbedingt, dass sie auch noch darüber sprechen möchten, wenn wir dafür Zeit haben.

 

Sich emotional einlassen

Nicht immer sind Eltern in der Stimmung, intensive Gespräche mit ihren Kindern zu führen. Manchmal sind wir belastet oder traurig und fühlen uns nicht stark genug, uns den Fragen unserer Kinder zu stellen oder uns mit ihren Sorgen zu beschäftigen. Sind wir emotional unausgeglichen, können wir uns nur mit viel Kraft und Disziplin auf einen Austausch einlassen, denn wir sind abgelenkt von unseren eigenen Gefühlen und Gedanken. Zunächst sollten wir uns um unsere eigene emotionale Balance kümmern. Es gelingt uns leichter, gebende und fürsorgliche Eltern zu sein, wenn wir für uns selbst sorgen und auch auf unsere eigenen Bedürfnisse achten. Sich einlassen lässt sich nicht forcieren, es wird uns besser gelingen, wenn wir entspannt und fokussiert sind. Auf ein gutes Gespräch zu hoffen, wenn wir selbst unausgeglichen und abgelenkt sind, ist unrealistisch. Stattdessen sollten wir etwas tun, was uns hilft, unsere Gefühle zu klären und Lösungswege aus unserer belasteten Stimmung zu finden. Dies kann je nach Alter der Kinder und Familiensituation ein Spaziergang, ein Gespräch mit einer Freundin, etwas Musik hören oder vielleicht eine Stunde Sport sein. Wenn es uns besser geht, werden auch unsere Kinder von dieser Ausgeglichenheit profitieren.

Bei chronischer Belastung wie bei Stress am Arbeitsplatz oder solchem, der durch Partnerschaftsprobleme ausgelöst wird, reichen punktuelle Hilfsmaßnahmen nicht aus. Auch hier sollten wir kontinuierlich versuchen, Maßnahmen der Selbstfürsorge wie Sport, Meditation, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf in unseren Alltag einzubauen, es kann wichtig sein, sich zusätzlich externe Hilfe zu suchen – sei es etwa therapeutische Hilfe oder eine Selbsthilfegruppe.

Je mehr wir bei uns sind und je ausgeglichener wir uns wahrnehmen, desto besser sind wir in der Lage, empathisch auf unsere Kinder zu reagieren, auf sie einzugehen und Angemessenes über uns preiszugeben. Fühlen wir uns balanciert, sind wir »gut drauf«, haben wir die Kraft, mit dem, womit die Kinder uns konfrontieren, umzugehen.

 

Textauszug mit freundlicher Genehmigung des Beltz-Verlages aus „Der Zauber guter Gespräche“ von Ulrike Döpfner.

Siehe auch unter „Wortwelten“ auf S. 64.


Vertrauen - Finden was mich wirklich trägt

Bild: ©skeeze-pixabay.com
Bild: ©skeeze-pixabay.com

Autorin: Sylvia Wetzel

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Motto der Moderne

 

Vertrauen reduziert Komplexität. 

nach Niklas Luhmann

 

Was ist besser? Vertrauen oder Kontrolle? Ich halte Kontrolle in vielen Bereichen des Lebens für sinnvoll und nützlich, aber mit Vertrauen kommen wir weiter, denn Vertrauen reduziert Komplexität, wie der Soziologe Niklas Luhmann so prägnant formulierte. Noch immer halten aber viele am Motto der Moderne fest, dass Vertrauen gut, Kontrolle jedoch besser sei, und wir spüren das am Dokumentations- und Berichtswahn in vielen Bereichen. Aber die Welt wird immer unübersichtlicher, und viele Menschen begreifen, dass völlige Kontrolle trotz der vielen Computer ein bloßer Wunschtraum ist oder sogar ein Albtraum. 

Was hilft uns in Umbruchzeiten, wenn wir bemerken, dass wir das Leben nicht völlig in den Griff bekommen? Was kann uns Zuversicht schenken, wenn unser Vertrauen in uns, in andere oder in die Welt immer wieder erschüttert wird?

 

(…) Gerade in Umbruchzeiten können wir besonders gut Vertrauen finden, auch wenn das nicht leicht ist. Wie kann das sein? In schwierigen Zeiten dämmert uns die – vermutlich auch schmerzhafte – Einsicht, dass wir unser Leben mit dem Verstand und technischen Mitteln nicht völlig kontrollieren können. Und erst (…) wenn wir nicht mehr so verbissen und verzweifelt an unseren Ansichten und Meinungen, an Erwartungen und Befürchtungen hängen, entdecken wir ein Vertrauen, das mehr weiß, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Krisen- und Veränderungszeiten sind nicht einfach, aber sie schenken uns die Chance, Kontrollwünsche und allzu feste Lebensstrategien zu hinterfragen und loszulassen. Dann haben wir die Chance, ein Vertrauen zu entdecken, das uns auch dann trägt, wenn alles zusammenbricht. Dieses Vertrauen gibt uns die Kraft und die Zuversicht, uns aufs Leben einzulassen, gerade weil wir wissen, dass wir es nie völlig in den Griff bekommen können. Vertrauen reduziert Komplexität, weil wir nicht mehr alles verstehen müssen, und zwar aus der tiefen Einsicht, dass wir das auch gar nicht können

Es ist und bleibt paradox. Gerade dann, wenn das Vertrauen auf unsere eigenen Fähigkeiten und die der anderen erschüttert wird, können wir ein neues und tieferes Vertrauen ins Leben entdecken. Dabei können uns Gespräche mit vertrauten Menschen und das Interesse an neuen Wegen und der Mut, sie auszuprobieren, unterstützen. (…)

Mangelndes Vertrauen ist nichts als die Ursache von Schwierigkeiten.

Schwierigkeiten haben ihren Ursprung in mangelndem Vertrauen. 

Lucius Annaeus Seneca

Was ist Vertrauen?

Wenn wir uns selbst und anderen Menschen einigermaßen vertrauen, kommen wir ziemlich weit, und vermutlich leben wir dann ein einigermaßen gutes Leben. Wir wissen, dass wir in einem bestimmten Bereich mit unserem Tun etwas bewirken können, und fühlen uns ziemlich geborgen mit vertrauten Menschen. Das hilft uns, das alltägliche Auf und Ab zu verarbeiten und nicht zu verzweifeln, wenn Dinge schieflaufen oder wir in Konflikte mit anderen geraten.

In ernsthaften Lebenskrisen – schwere Krankheit, schmerzhafte Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes oder der beruflichen Perspektive, der Tod naher Menschen u. Ä. – kann es sein, dass uns auch eine zuversichtliche Lebenseinstellung, nahe Menschen und unsere vertraute alltägliche Welt nicht wirklich trösten können. Sie sind und bleiben wichtig, doch manchmal verzweifeln wir. Wir fragen uns, was dieses ganze Leben soll. Wenn langjährige Freundschaften und Zweierbeziehungen und scheinbar stabile Lebensverhältnisse zerbrechen, geht uns auf, dass wir das Leben nie völlig in den Griff bekommen werden, auch dann nicht, wenn wir fast alles »richtig« machen. Was kann uns in solchen Momenten tragen? Meine Mutter und Großmutter konnten noch mit tiefster Zuversicht sagen: »Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt.« Es gab Zeiten, da habe ich sie um diese Zuversicht beneidet. 

 

Wenn alle Stricke reißen und der Boden unter unseren Füßen ins Wanken gerät, brauchen wir Vertrauen ins Leben, dann brauchen wir das, was religiöse Menschen Gottvertrauen nennen. Letztlich ist es ziemlich gleichgültig, wie wir das, was uns dann trägt, bezeichnen. Die Menschen haben im Laufe der kulturellen Entwicklung unterschiedliche Bilder und Metaphern gefunden, um das Unfassbare, das uns alle trägt, zu beschreiben. Wir nennen es Gott oder Kosmos, Natur oder Leben. Im indischen Kulturkreis nennen sie es Brahman oder Buddha-Natur und im alten China die unauflösbare Verbindung von Himmel, Erde und Mensch. In den letzten Jahren höre und lese ich häufiger: das, was größer ist als wir.

Vertrauen hat viele Dimensionen und entsprechend viele Bedeutungsnuancen. Sprachlich verwandt sind »sich trauen« und »Zutrauen« und umgangssprachlich »Traute haben«, im Sinne von Selbstvertrauen und Mut. Eine Grundbedeutung ist »treu«, auch »fest und sicher sein, hoffen und glauben« und »teuer, tapfer, fest«. Manche Sprachforscher sehen eine Verbindung zu Holz und Baum und davon abgeleitet die Bedeutung »fest wie Holz oder wie ein Baum«. Auch der Begriff »Trauung« für die Heiratszeremonie oder die alten Begriffe »Angetraute, Angetrauter« für Ehefrau und Ehemann erinnern uns an den Mut, den es braucht, sich einem anderen Menschen »anzuvertrauen«, sich auf andere zu beziehen und zuzulassen, dass andere sich auf uns beziehen. Worauf beruhen diese unterschiedlichen Arten des Vertrauens und wie entstehen sie? Wie können wir sie stärken? Das ist meine Leitfrage für dieses Buch. 

Die Wortfamilie von Vertrauen hat etwas mit Mut und mit Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten zu tun und mit der Hoffnung auf Sicherheit und der Hoffnung auf stabile Beziehungen zu anderen. Das deckt zwei der zentralen Dimensionen von Vertrauen ab: Selbstvertrauen und Vertrauen in andere. Die dritte Dimension – Vertrauen ins Leben oder Urvertrauen, religiöse Menschen nennen es Gottvertrauen – wird, hoffentlich, spürbar, wenn man im Laufe des Lebens schmerzhaft erlebt, dass Selbstvertrauen und Vertrauen in andere Menschen nicht ausreichen. Denn wir können und wissen nicht alles und schätzen uns und andere auch häufig falsch ein, und da die anderen Menschen genauso fehlbar und unvollkommen sind wie wir selbst, können sie unsere Erwartungen enttäuschen. (…)

 

Vertrauen ins Leben und die Grenzen des Denkens

Vertrauen heißt, seine Ängste nicht mehr zu fürchten.

Ernst Ferstl

Die dritte Art des Vertrauens – das bedingungslose Vertrauen ins Leben – trägt uns am Anfang unseres Lebens, wenn nicht besonders schwierige Umstände, wie etwa Krieg und Gewalt, das verhindern. Aber wir brauchen es das ganze Leben, um an schwierigen Erfahrungen nicht zu verzweifeln, wenn wir uns und andere und die ganze Welt infrage stellen. Manche Menschen scheinen eine große Portion Urvertrauen mitzubringen. Wir nennen sie Optimisten, und die Glücksforschung »weiß«: »Optimisten leben länger« (Seligman 2010). Diese Art von Vertrauen fällt besonders den Menschen schwer, die sich für aufgeklärt halten und nur materiell fassbare Tatsachen und vernünftige Gründe und Beweise ernst nehmen. Dass auch sie bloß an die Beweiskraft materieller Tatsachen glauben, bemerken sie in der Regel nicht. Wird dieser Glaube an die Macht der Vernunft und Kontrolle erschüttert, verzweifeln Verstandesmenschen leicht. Auch das ist aus meiner Sicht ein Faktor für die Zunahme von Depressionen und Lebensangst. Das Paradox besteht nun darin, dass gerade Kopfmenschen erst dann tiefes Vertrauen ins Leben finden können, wenn sie, meist in einem Schock, begreifen, dass sie ihr Leben trotz guter Planung und korrekter Lebensführung nie ganz in den Griff bekommen. Philosophisch formuliert bedeutet das, ihnen ist »das Leben problematisch geworden« (Jaspers 1971). Die Erschütterung des Glaubens an die Macht der Vernunft ist die Voraussetzung für Gottvertrauen, für Vertrauen ins Leben, mitten in einer Krise. 

 

Umbruchzeiten und der frustrierte Verstand

Uns wird das Leben »problematisch«, wenn wir in Umbruchzeiten und Lebenskrisen feststellen müssen, dass unsere bisherigen Ansichten und Meinungen über das Leben uns nicht mehr tragen. Bisher akzeptierte Aussagen über das Leben als Fortschritt, als erklärbar und verstehbar, greifen nicht mehr. Wir können das nicht mehr glauben, und in dem Moment begreifen wir, dass wir auch bisher nicht wirklich wussten, wie das Leben funktioniert, sondern nur glaubten, das zu wissen. Diese Einsicht kann uns tief erschüttern, und die meisten Menschen erleben dann eine kürzere oder längere Krise. Gerade in solchen Zeiten sind Gespräche mit Gleichgesinnten und mit Vorbildern, mit Menschen, die auch durch Krisen gegangen sind, eine unschätzbare Hilfe. Sie zeigen uns, dass auch solche Krisen zum erwachsenen Leben gehören und dass tiefe Zweifel nichts Verkehrtes sind. 

Wenn wir in solchen Zeiten nur auf den Verstand setzen, kann uns das in die Sackgasse des Nihilismus führen. Das geschieht dann, wenn wir nur das glauben, was wir selbst verstehen, wenn wir nur uns selbst und ein paar ausgewählten Menschen trauen, denen es ähnlich geht wie uns. Wenn der Verstand begreift, dass er nicht alles verstehen kann, zieht er leicht den falschen Schluss, dass es nämlich alles, was er nicht versteht, nicht gibt, und dann wird der ganze Bereich des Nichtverstandenen ein schwarzes Loch. Der Verstand bezeichnet das, was er nicht versteht, als nichts und glaubt dann an »nichts« und behauptet: »Es gibt keinen Sinn im Leben« und: »Der Mensch ist bloß ein Staubkorn in einem sinnlosen Weltall ohne jede Bedeutung«. 

Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand geraten wir nicht in die Sackgasse des frustrierten Verstandes. Uns geht dann nämlich auf, dass wir bisher nur glaubten, wir könnten irgendwann die Welt wirklich verstehen: mithilfe der harten Wissenschaften und der neuen Medien, mit Maschinen und Techniken, ja vielleicht mit künstlicher Intelligenz und biologisch aufgerüsteten Computern. Genau dieser Glaube an die Möglichkeit des begrifflichen Verstehens hat uns bisher Mut gemacht, uns dem Leben in seinem Auf und Ab mit mehr oder weniger Zuversicht zu stellen.

Wenn wir diesen Glauben an die Verstehbarkeit des Lebens als Glauben durchschauen, könnte es sein, dass wir erleichtert aufatmen und – uns entlastet fühlen vom Verstehenmüssen. Dann dämmert uns vielleicht, dass Körper und Geist, wir und die anderen, Natur und Kultur auch dann funktionieren, wenn wir sie nicht verstehen. Und vielleicht sogar besser, wenn wir die Grenzen unseres Verstandes erkennen und mit mehr Wertschätzung und »Demut« staunen über das Wunder des Lebens. Tiefes Vertrauen ins Leben kann entstehen, wenn wir die Grenzen unseres Verstandes, die Grenzen von Wissen und Können ahnen und gleichzeitig über die unendliche Vielfalt der Welt staunen.

 

Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Scorpio Verlages aus

„Vertrauen – Finden was mich wirklich trägt“ von Sylvia Wetzel.

Siehe auch unter „Wortwelten“ auf S. 67.


Potenzialentfaltung in der Schule

Autorin: Heidrun Drescher-Ochoa

 

Wie jedes Kind mit seinem besonderen Potenzial im Unterricht Selbstwirksamkeit und Partizipation erfahren kann 

 

Eines Tages kam unser Beratungslehrer besorgt auf mich zu, weil die Klasse mit Manuel, einem 14-jährigen Jungen, nicht zurechtkam: Ohne erkennbaren Grund wurde er plötzlich wütend, wobei er auch Schimpfwörter benutzte, was selbstverständlich die Empörung der Mitschüler und Lehrer hervorrief. Nichts half: weder gute Worte noch Strafandrohungen und sogar ein möglicher Schulverweis konnten etwas ausrichten - und allmählich waren auch die Eltern mit ihrem Latein am Ende.

 

Was war zu tun? 

Zuerst hospitierte ich im Unterricht und beobachtete die Gruppendynamik, dann führten Manuel und ich ein Gespräch unter vier Augen, wobei ich gelenkte Fragen zum Persönlichkeits-Enneagramm stellte und seine Antworten auswertete und darüber einen Potenzial-Bericht abfasste. In einem zweiten Gespräch besprachen wir ihn und ich händigte ihn allen Beteiligten in einem Beratungsgespräch schriftlich aus, also auch seinen Eltern, der Schulleitung und den beteiligten Lehrern. 

 

Mit welchem Ergebnis?

Es wurde klar, dass Manuel, ein zurückhaltender Junge mitten in der Pubertät, nicht gerne im Rampenlicht stand und alles andere als ein Klassenprimus aus der ersten Reihe war. Er ließ gerne andere die Initiative ergreifen, während er mit seiner wachen Beobachtungsgabe die Rolle des "guten Zuhörers" übernahm. 

Dieses Schülerverhalten entsprach eigentlich nicht der Unterrichtskonzeption, wonach auf einen Impuls des Lehrenden hin eine Schüleraktivität vorgesehen war und da sein Verhalten nicht in die Denkschablone von Unterricht und der jeweiligen Rolle ihrer Akteure passte, wurde er als unmotivierter, lernfauler und mental zurückgebliebener Schüler bewertet, den man besser links liegen ließ. 

Da sich also weder Lehrer noch Mitschüler mit ihm abgaben, ihr kollektives Vorverständnis nicht in Frage stellten, sondern ihn demgemäß als Spielverderber negativ beurteilten, fühlte er sich nicht als Subjekt wahrgenommen und verstanden, während er sich doch in seiner Zurückhaltung lebhaft für die Persönlichkeit seiner Mitschüler und die seiner Lehrer interessierte! 

 

Dieses Missverstehen und diese mangelnde Empathie der Klasse und der Lehrer seiner Person gegenüber erschienen ihm ungerecht und ihre Sichtweise unverständlich: Das Wahrnehmen und Verstehen der Schülerpersönlichkeit als Mitspieler eines Unterrichtsszenarios, das ihn brennend interessierte, war offensichtlich gar nicht angesagt, vielmehr ging es darum, die richtige Schülerrolle in einem Unterrichtsgeschehen zu spielen, das einem vorgegebenen Curriculum zufolge inszeniert wurde. 

 

So fühlte er sich missverstanden, kollektiv falsch eingeschätzt und nur als Objekt eines von ihm nicht zu beeinflussenden Geschehens im Klassenzimmer; all diese Fehleinschätzungen und Ungeklärtheiten ihm gegenüber empfand er als Demütigung seiner Person. Diese schulische Situation mit ihren Akteuren widersprach grundsätzlich seiner Vorstellung von einem selbstwirksamen und sinnvollen Lernprozess, er sprach von ‚Wahrheit und Gerechtigkeit‘, die er dort nicht fand - und die Verzweiflung darüber ließ ihn gelegentlich Wut und Zorn empfinden. Zwar versuchte er, seine negativen Gefühle zu unterdrücken, bis sie dann doch plötzlich auf vulkanische Weise ausbrachen. Wieder erntete er auf sein ungehöriges Verhalten hin Kritik, Unverständnis und Ablehnung. Da er offensichtlich etwas an dem Lernort Schule suchte, was kein anderer so verstand, gab er sich selbst die Schuld für sein Fehlverhalten, was zu Selbsterniedrigung, Selbsthass, Zynismus und zu selbstaggressiven Handlungen führte.

 

Am Ende, wie gesagt, reagierte er mit Abstinenz und galt als mittelmäßiger Schüler, der schnell übersehen wurde, keine Freunde hatte und sogar Opfer von Mobbing wurde, so dass er immer mehr Ängste entwickelte. Folglich war sein Leitsatz im Leben: "Ich muss mich zurückziehen, sonst gibt es einen Konflikt und ich werde abgelehnt.“ Aber in Wirklichkeit war es sein großer Wunsch, den Menschen zu helfen, einander besser zu verstehen. Er wollte in die Fußstapfen große Psychologen treten, mit denen er sich privat lesend und im Internet recherchierend beschäftigte; er wollte als Vermittler und Friedensstifter wirken und sich für eine humanere Welt einsetzen. 

Wie anders wäre es gewesen, wenn seine Lehrer sich ein wenig für sein psychologisches Potential interessiert hätten, von dem die Franziskaner Rohr und Ebert sagten, dass Menschen wie ihm die Welt mit gutem Gewissen und ohne Angst, sich zu bereichern oder andere auszubeuten, anvertraut werden könnte. Solche Menschen könnten vielleicht die Welt retten. (Rohr, Ebert, Das Enneagramm: Die neun Gesichter der Seele). 

 

Und so kam es denn auch: 

Zuerst herrschte Erstaunen angesichts der Kenntnisse, die eine Enneagramm-Analyse erbringen kann, danach Betroffenheit über die fehlende Achtsamkeit in der Kommunikation und Interaktion im Klassenzimmer. Man erkannte, dass man dem ‚Fehler‘ im System keine wirkliche Aufmerksamkeit geschenkt, sondern dem eigenen Selbstverständnis gemäß nur auf ihn reagiert hatte. Nun nutzte man ihn, um umzudenken: Die Lehrer änderten ihre Einstellung zu Manuel und entwickelten ein bewussteres Verhalten ihm gegenüber im Klassenzimmer, banden ihn nun als Persönlichkeit mit psychologischen Potenzialen ins Unterrichtsgeschehen ein. Infolgedessen wurde er nach und nach seinem Talent entsprechend zu dem Unterrichtsgeschehen befragt, wozu ihm besonders im Literaturunterricht Raum gegeben wurde; mit entsprechenden Arbeitsaufträgen wurde er in Arbeitsgruppen integriert, so dass er Selbstwirksamkeit zu erfahren begann und der Unterricht durch seine Beiträge aus neuen Perspektiven bereichert wurde. Darüber hinaus einigten sich Manuel und seine Eltern auf ein spezifisches "Potenzialtraining" in privatem Raum zur Stärkung seiner Selbstwahrnehmung und seines Selbstwertgefühls.

 

Außerdem beschloss Manuel, an Projekten in Zusammenarbeit mit sozialen Trägern teilzunehmen, was ihm die Möglichkeit gab, sich für Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen und sich selbst als Vermittler und Friedensstifter zu erleben. Er konnte dann spüren, dass andere an ihn glaubten, was ihn davon überzeugte, dass er in der Lage war und ist, die für sich gefundene Aufgabe seines Lebens zu erfüllen.

 

„Potenzialentwicklung in der Schule“ von Heidrun Drescher-Ochoa, bestellbar über: www.epubli.de , ISBN: 978-3-752994-64-3.


Homo Sapiens

Bild: Manoel M. Pereira Mvalido - Pixabay.com
Bild: Manoel M. Pereira Mvalido - Pixabay.com

Autor: Wolf Schneider

 

Homo sapiens ist die Spezies, die bisher wie keine andere eine Spur der Ausrottung (Extinction) auf dem Planeten hinterlassen hat. Noch ohne dass eine Rebellion dieser Zerstörung etwas Wesentliches hätte entgegen setzen können. Der Kapitalismus macht einfach weiter. Seine Fähigkeit »Bewegungen« aller Art, auch Gegenbewegungen gegen seine Dominanz, in sich aufzunehmen und auf den Märkten machen zu lassen, was sie wollen, wenn sie es denn von ihrer PR-Kraft her können, ist ungebrochen.

 

Um das zu ändern, könnte es helfen, die »darwinsche Wende« besser zu verstehen. Noch mehr als die kopernikanische Wende stürzt die darwinsche Wende unsere menschliche Überheblichkeit – »sapiens« nennt sich der Mensch, »weise« – vom Sockel und definiert unsere Position im Kosmos neu. Zu verstehen, wie dieses Tier mit seiner außerordentlichen Fähigkeit an Fiktionen zu glauben sich schon in der Steinzeit an die Spitze der Nahrungskette gesetzt hat und schon damals eine Spur massiver Umweltzerstörungen hinterließ. Yuval Noah Harari erzählt dies in seinem Hauptwerk »Eine kurze Geschichte der Menschheit« so phänomenal verdichtet und eloquent, dass ich sie mir nun zum dritten Mal anhöre – im Auto. Während der Sommerferienreise mit ‚unseren beiden Jungs‘, die zehn und elf Jahre alt sind. Sie verfolgen die Erzählung gespannt mit und haben dazu viele Fragen. 

Ein solches Verständnis des Menschen eröffnet der Ethik ganz neue Felder. Hat Sapiens einen »freien Willen«? Statistisch gesehen eher nicht, da kann man sein Verhalten voraussagen, auch wenn der Einzelne Optionen zu haben scheint. Der Mensch als ein mustergesteuertes Tier, dessen Psyche sich in der Steinzeit gebildet hat. Kann ein Bewusstsein dieser Muster uns retten?

 

Die dies lesen halten sich gutmöglich für ein bisschen bewusster als das Gros von Homo sapiens. Können sie, können wir gegen Zerstörer wie Donald Trump und Jair Bolsonaro etwas ausrichten? Vielleicht könnten wir es, wenn wir Ideen hätten, die sich viral so weit ausbreiten würden, wie einst Occupy, MeToo, Fridays for Future oder auch damals Gandhis Widerstand gegen das Britische Imperium in Indien. »Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist«, verkündete einst Victor Hugo. Was für eine Optimist! Welche heutige Idee ist denn so stark? Ich wünsche mir ein Labor für virale Ideen, die gute Wirkungen haben und fähig sind, sich so weit, schnell und durchschlagend auszubreiten wie Covid 19.

 

Wolf Sugata Schneider, www.connection.de , www.bewusstseinserheiterung.info