Bewusstes Leben 2022


April - August 2022


Wenn das Leben kippt

© No-longer-here – pixabay.com
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Autorin: Tita Kern

Wir alle haben ein mehr oder weniger deutliches Bild davon, wie wir uns das Leben vorstellen, wie wir selbst sein möchten und was wir uns für unsere Kinder wünschen. Ein Bild, dem wir – das ist ganz normal – im Laufe unseres Lebens immer wieder einmal mehr, ein anderes Mal weniger nahekommen. Nach Schicksalsschlägen oder in Lebenskrisen jedoch kann es manchmal in so weite Ferne rücken, dass wir eine ganz neue Sicht auf uns und die Welt lernen müssen. Dann geht es darum, unter veränderten Vorzeichen weiterzugehen und uns anzupassen an das, was nun ist, selbst wenn wir es so nie gewollt haben.

Wie gelingt es Menschen in stürmischen Zeiten, einen so festen Stand zu erlangen und sich so flexibel auf die Anforderungen der Krise einzustellen, dass sie durchstehen, was das Leben ihnen abverlangt? Oder dass sie sogar gestärkt, mit neuen Erkenntnissen oder tieferen Beziehungen daraus hervorgehen? Die Antworten auf diese Fragen sind vielschichtig und bilden die Basis für das Bild des inneren Kompasses, das sich als roter Faden durch dieses Buch ziehen wird. Es soll nicht nur verdeutlichen, wie innere Stabilität und Flexibilität entstehen, sondern auch, was wir selbst dazu beitragen können. (…)

 

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Likest du noch oder lebst du schon?

© Anastasia Gepp – pixabay.com
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Autorin: Christina Feirer

Unser Belohnungszentrum und das Dopamin

Unser Gehirn und unser Körper sind faszinierend. Joachim Bauer, ein deutscher Neurowissenschaftler, Facharzt und Psychotherapeut, schildert, dass aus neurobiologischer Sicht Menschen nach zwischenmenschlicher Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung streben. In seinem Buch Prinzip Menschlichkeit geht er sogar noch einen Schritt weiter mit der Behauptung, dass uns Menschen nichts so sehr motiviert, wie von anderen gesehen zu werden oder Anerkennung, Zuwendung und Liebe zu erfahren. Unbewusst wollen wir als Person gesehen werden. Unser Gehirn verfolgt demnach mit jedem Ziel im Alltag den tieferliegenden Sinn, wahrgenommen zu werden. Genau diese Behauptung unterstreicht den Instinkt des Dazugehörens und unterstützt, dass dieser Instinkt tief in uns verankert ist.                               

 

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Der Sinn des Gebens

© Vonecia Carswell – Unsplash.com
© Vonecia Carswell – Unsplash.com

Autorin: Kristina Simons

Anderen zu helfen, erfüllt uns mit Zufriedenheit. Denn Wohltaten lösen ganz unmittelbar Glücksgefühle aus, langfristig geben sie uns Anerkennung und Sinn. Der Zusammenhang ist sogar messbar. Höchste Zeit also, anderen – und auch sich selbst – Gutes zu tun.

 

Geben ist seliger denn Nehmen, heißt es schon im Neuen Testament. Doch es macht nicht nur seliger, sondern auch glücklicher. Wer sich anderen gegenüber großzügig verhält, gastfreundlich ist, Geld spendet oder jemandem Zeit und ein offenes Ohr schenkt, weiß um das gute Gefühl, das dabei entstehen kann – selbst wenn nicht unmittelbar ein Dankeschön oder ein Lächeln folgt. „Warm glow effect“ nannte der Wissenschaftler James Andreoni Ende der 1980er-Jahre dieses wohlige Gefühl, das Menschen nach einer guten Tat empfinden.

 

 

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Der innere Kritiker ist immer dabei

© Helen_Field / iStock
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Autorin: Doris Iding

 

Leider sind es primär die schmerzvollen Situationen, die uns reifer werden lassen. Sie bringen uns an unsere Grenzen, machen uns demütig und öffnen so unser Herz. Auch wenn die Lektionen noch so qualvoll sind, brauchen wir sie, um mit uns selbst in Kontakt zu kommen. Mit etwas, was größer ist als unser kleines Ich. Nach solchen Erfahrungen können alte Verletzungen häufig an Bedeutung verlieren. Das passiert dann, wenn wir die Lektion verstehen, die uns das Leben, unser Meister, damit geschickt hat. Durch eine solche Erfahrung können wir einen Perspektivenwechsel vornehmen und betrachten uns nicht länger als Opfer eines schlechten Umstands, einer falschen Arbeit, eines egoistischen Kollegen oder einer rachsüchtigen Partnerin. Wir lernen, dass solche Erfahrungen zum Weg gehören. Und im Nachhinein sind wir häufig sogar dankbar dafür und können dem Leben mit tieferer Offenheit, mehr Vertrauen und Neugierde begegnen. Wir gehen gestärkt aus den Erfahrungen hervor und schauen dem Leben gelassener entgegen. Wir fühlen uns nicht länger vom Leben betrogen, sondern erkennen, dass wir selbst mehr und mehr zu Meistern werden.

Aber bei einem bleibt Vorsicht geboten: bei unserem inneren Kritiker. Solange wir mit seinen Augen auf unser Leben, auf unsere Lektionen und auf unsere daraus gewonnenen Erkenntnisse schauen, haben wir das Gefühl, dass mit uns etwas nicht stimmt und wir etwas falsch machen. Selbst dann, wenn Außenstehende uns versichern, dass wir eine Krise mit Bravour gemeistert haben, kann unser innerer Kritiker versuchen, uns weiterhin das Gefühl zu vermitteln, dass wir es hätten besser machen können. Er gibt uns immer wieder das Gefühl, dass etwas an uns zu bemängeln ist. Seine harten Urteile verstellen den Blick auf das, was uns auszeichnet und wer wir im tiefsten Innern sind.

Wenn wir an den Erfahrungen reifen, können wir diese veralteten Zuschreibungen loslassen. Wir erkennen, dass wir nicht das sind, was der innere Kritiker in uns sieht. Wir realisieren, dass wir nicht die Geschichten sind, die er uns über uns erzählen will. Und wir entwickeln mit  jeder neuen Lektion Bewusstsein dafür, dass wir selbst entscheiden können, ob wir uns unserem inneren Kritiker zuwenden oder ob wir lieber auf unser Herz hören, das uns bedingungslos liebt.

Aber selbst dann, wenn Sie und ich die besten Absichten haben, werden wir dem inneren Kritiker immer wieder begegnen. Sie werden immer wieder bemerken, dass es viel Achtsamkeit, viel Selbstmitgefühl, viel Geduld, viel Zuversicht, viel Selbstliebe, viel Mitgefühl und einen starken Willen braucht, um das eigene Herz nicht aus dem Auge zu verlieren. Deshalb ist es wichtig, ein spielerisches Verhältnis zum Leben als Ihrem Lehrmeister zu gewinnen. Absichtsvoll und nachsichtig zugleich. Geduld, Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und Klarheit sind Eigenschaften des Herzens. Diese Qualitäten wohnen jedem Menschen inne, aber wir haben sie vergessen, und so ist es an uns, sie mit jeder Lektion, die das Leben uns schenkt, wieder hervorzuholen und weiterzuentwickeln.

Geduld ist eine besonders wertvolle Eigenschaft. Sie stärkt unsere Zuversicht und Hoffnung und vermittelt uns, dass es sich lohnt, sich nicht länger als Opfer äußerer Umstände zu betrachten. Stattdessen können wir es als ein Privileg ansehen, vom Leben lernen zu dürfen. Unserer innerer Kritiker hingegen pflegt permanent Krieg zu führen: gegen uns und gegen die Dinge, wie sie sind. Leider ist er sehr resistent, und es reicht nicht, diesen Krieg mit ihm einmal zu beenden. Wir müssen es immer wieder tun. Er wird nicht müde, Zweifel, Verlangen, Verwirrung in unseren Geist zu streuen, und wir müssen immer wieder achtsam und offen sein, um dies mitzukriegen. Alle Lektionen, die das Leben, unser Meister, uns schenkt, sind Übungen, die uns dazu führen sollen, noch mehr Selbstmitgefühl, Herzenswäre, Geduld und Akzeptanz auf dem Weg zur inneren Freiheit zu entwickeln.

Das Leben als unser Meister ist ein strenger Lehrer. Erkenntnisse, die wir nicht selbst gemacht haben, werden uns nicht weiterbringen. Angelesenen, Übernommenes oder Antrainiertes sind wie Pech, das an unseren Flügeln klebt und uns daran hindert, selbstständig in die Freiheit zu fliegen. Das Leben möchte uns selbst zu Meistern machen. Es möchte, um mit den Worten Buddhas zu sprechen, dass wir den Buddha im Außen töten. Es will, dass wir uns selbst ein Licht werden. Keine leichte Übung, aber eine machbare (…), auf jeden Fall eine, die Sie stärker, weiter und weiser werden lässt.

 

 

Textauszug aus „Das Leben, mein Meister“ von Doris Iding, mit freundlicher Genehmigung des Lotos Verlages, siehe auch unter „Wortwelten“.

 


Dezember 2021 - April 2022


Sag mir, was du wirklich meinst

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash.com
Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash.com

Autor: Oren Jay Sofer

Was wir sagen, ist bedeutsam. Wir alle haben schon einmal die Kraft der Worte gespürt, die uns heilen, beruhigen oder fröhlich stimmen kann. Selbst eine einzige warmherzige Bemerkung kann entscheiden, ob wir aufgeben oder ob wir die Kraft finden, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen. 

Wir alle haben auch schon erlebt, welch großer Schaden durch Sprache angerichtet werden kann. Bissige Worte, mit Zorn oder Grausamkeit gespickt, können eine Beziehung zerbrechen lassen und jahrelang unheilvoll nachwirken. Sprache kann missbraucht werden, um Massen zu manipulieren und sie unter Druck zu setzen, um Ängste zu schüren, Unterdrückung auszuüben und zu Krieg, Terror und Völkermord aufzuhetzen. Wenige Dinge, die so mächtig sind, sind gleichzeitig so alltäglich. 

Sprache ist in den Stoff unseres Lebens eingewoben. Die erste Liebe. Der erste Job. Die Abschiedsworte an einen geliebten Menschen. Unsere Anfänge und Enden und auch die unzähligen Momente dazwischen sind durchzogen vom Spiel der Worte, in dem wir unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche miteinander teilen.

 

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Die Alemannenschule Wutöschingen – eine Schule der Zukunft

AutorInnen: Alemannenschule Wutöschingen

In einer kleinen Ortschaft im südlichen Baden-Württemberg, wenige Kilometer von der Schweizer Grenze, befindet sich die Alemannenschule Wutöschingen (ASW). Die ehemalige Grund- und Werkrealschule, die vor einigen Jahren noch um ihre Sekundarstufe bangte, zählt heute zu einer von acht Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe in Baden-Württemberg. Schulleiter ist Stefan Ruppaner, der das Ganze ins Rollen brachte.

© Alemannenschule Wutöschingen
© Alemannenschule Wutöschingen

An der ASW gibt es keine festen Klassen, keine Klassenzimmer, keine Schulbücher, keinen herkömmlichen Unterricht. Der Lernwunsch der Kinder und die Freude am Lernen steht im Mittelpunkt des Schullebens. Lehrerinnen und Lehrer sind hier Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter, Schülerinnen und Schüler nennen sich Lernpartnerinnen und Lernpartner. Die LernpartnerInnen nehmen dabei den aktiven Part beim Lernen ein, die LernbegleiterInnen gestalten das Lernumfeld für die Kinder und unterstützen sie auf dem persönlichen Lernweg. 

Das Ziel der ASW ist, jedem/jeder LernpartnerIn einen individuellen Lernweg zu ermöglichen und ersetzt das "7-G-Modell" (Alle gleichaltrigen Kinder sollen beim gleichen Lehrer mit dem gleichen Lehrmittel im gleichen Tempo das gleiche Ziel zur gleichen Zeit gleich gut erreichen) durch eine "V-8-Begleitung" (Auf vielfältigen Wegen mit vielfältigen Menschen an vielfältigen Orten zu vielfältigsten Zeiten mit vielfältigen Materialen in vielfältigen Schritten mit vielfältigen Ideen in vielfältigen Rhythmen zu gemeinsamen Zielen). 

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Willkommen bei Seelenohren

Bild: ANUKAN-Zentrum
Bild: ANUKAN-Zentrum

AutorInnen: ANUKAN-Zentrum

 

Ein Projekt vom ANUKAN – Zentrum für Berührungskunst

In Zeiten wie diesen kommen viele Menschen an ihre Grenzen, sei es durch familiäre Belastungen, Isolation oder wirtschaftliche Zwänge. Wir sehen großen Bedarf an psychologischer Hilfe oder Seelsorge, die schon darin bestehen kann, jemandem einfach zuzuhören. Auf der anderen Seite steht ein kompetentes Team bereit mit Ressourcen an Zeit, Mitgefühl und sozialem Engagement. Wir bringen diese beiden Seiten zusammen und bieten ein neutrales Zuhörangebot für Hilfesuchende, denn Zuhören kann Wunder wirken!

Wer sich unterstützt fühlt, kann besser für sich und andere sorgen. Damit gestalten wir gemeinsam eine bessere Gesellschaft und ein vertrauensvolles Miteinander in der Krise und darüber hinaus.

So funktioniert’s: auf der Startseite von https://seelenohren.de/ siehst du, welche ZuhörerInnen momentan erreichbar sind. Klicke dich durch deren Profile und suche dir jemanden aus. Je nachdem, wie der-/diejenige kontaktiert werden möchte, kannst du dann eine SMS, WhatsApp, E-Mail etc. schreiben, um einen Seelenohren-Termin per Telefon oder Zoom zu vereinbaren. 

Unsere Hilfe soll in dieser besonderen Situation für alle zugänglich sein, deshalb ist unser Angebot für Anrufer kostenfrei. Unsere ZuhörerInnen freuen sich dennoch jederzeit über eine freiwillige Spende.

 

https://seelenohren.de/