Bewusstes Leben 2020


Winter 2020


Jede Generation macht ihre Erfahrungen und hat ihre Aufgaben

Foto: NiklasPntk auf pixabay.com
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Autorin: Ulrike Plaggenborg

 

Die Fridays for Future-Bewegung hat einiges in Bewegung gebracht, auch wenn noch nicht im erhofften Umfang darauf reagiert wurde (die Politik stellt sich nach wie vor mehr oder weniger stur). Die jungen Menschen mit ihrem wunderbaren Engagement scheinen jedoch bei vielen aus meiner Generation, der (nach) 68er-Generation, sowas wie Schuldgefühle und Selbstverurteilung hervorzurufen. So wird zuweilen behauptet, wir hätten „der Jugend einen Scherbenhaufen hinterlassen“. Und natürlich sind wir an dieser Entwicklung beteiligt, d. h. wir haben sie mit verursacht und es braucht unsere Unterstützung für die anstehenden Veränderungen. Und gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass jede Generation ihre ganz eigenen Aufgaben in ihrer jeweiligen Zeit hat und ihre eigenen Erfahrungen macht.                     Weiterlesen....  


Auch du müllst dein Gehirn zu

Foto: Gerd Altmann auf pixabay.com
Foto: Gerd Altmann auf pixabay.com

Autorin: Prof. Dr. Maren Urner 

 

Bevor wir loslegen, mach zunächst eine kurze – aber ehrliche – Bestandsaufnahme deines Informationskonsums. Beantworte dafür spontan ein paar ganz banale Fragen: 

  • Wie viel Zeit verbringst du täglich online?
  • Wie viel vor dem Fernseher oder mit anderen Medien?
  • Was schätzt du, wie oft du dich täglich durch E-Mails, Push-Nachrichten, Social-Media-Benachrichtigungen und andere »Ich checke das mal eben«-Botschaften ablenken lässt?
  • Wie oft ärgerst du dich darüber und wünschst dir, dich anders zu verhalten?

Wenn unser Informationsdrang süchtig macht

Im 21. Jahrhundert besteht die Herausforderung nicht mehr darin, stunden- oder gar tagelang in Bibliotheken nach einer bestimmten Jahreszahl oder Aussage zu suchen. Ausgerüstet mit einem internetfähigen Mobilgerät kannst du von fast überall in Sekundenschnelle an eine unbegrenzte, ja unüberschaubare Menge an Informationen kommen. Kein vergebliches Suchen mehr, kein Streit mehr darüber, wann Napoleon lebte, und keine Sorge mehr darüber, ob wir auf dem Weg zur Arbeit vom Regen kalt erwischt werden.

Doch was, wenn unser Gehirn da nicht hinterherkommt – weil es einfach nicht dafür gemacht ist, unsere regelrechte Informationswut zu verarbeiten, und stattdessen überfordert ist? Wenn es vielleicht sogar abhängig wird von bestimmten Informationsquellen? 

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Wie uns die Liebe durch das Leben trägt

Foto: yc0407206360 www.pixabay.com
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Autorin: Theresia de Jong

Frühe Bindungserfahrungen

Eine kleine Geschichte zeigt, dass die Nähe zwischen Mutter und Kind schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt gestaltet wird. Die Mutter-Kind-Bindung umfasst durchaus auch die Kommunikation mit unserem eigenen innersten Sein. Dabei glaube ich, dass die Beziehung, die wir zu unserem Kind knüpfen, wenn wir es auf dem Arm tragen, immer auch etwas mit der Beziehung zu unserem eigenen inneren Kind zu tun hat, das heißt: Verletzungen, die unsere Seele in frühester Zeit erlitten hat und noch nicht geheilt wurden, können sich dann auch auf die Beziehung zu unserem Kind auswirken und dadurch an die nächste Generation weitergegeben werden.

Nun aber zunächst zu dieser Geschichte, die ich angekündigt habe: Sie gefällt mir auch deshalb so gut, weil sie uns vieles über die Kontinuität des Daseins sagen kann, im ewigen Kreis von Tod und Leben und auch über die innige Verknüpfung zwischen Mutter und Kind. Es ist eine Geschichte von einem ostafrikanischen Stamm, die zeigt, wie Liebesfähigkeit auch über Rituale angelegt werden kann.

Wenn sich bei diesem Stamm eine Frau, ein Paar, ein Kind wünscht, zieht sich die Frau in die Einsamkeit zurück. Sie setzt sich unter einen Baum und wartet, bis sie das Lied ihres (zukünftigen) Kindes empfängt. Hat sie das Lied vernommen, geht sie singend in ihr Dorf zurück. Sie bringt das Lied allen Dorfmitgliedern bei. Wenn sie mit ihrem Mann in Liebe verbunden ist, singen sie beide das Lied, um die Seele des Kindes zu sich einzuladen. Ist sie dann schwanger, singt sie das Lied für ihr Kind im Bauch. Bei der Geburt singen die Frauen des Dorfes das Lied. Es ist das erste, was das Kind hört, wenn es geboren wird. Dieses Lied wird es sein gesamtes Leben begleiten. Es wird bei allen wichtigen Übergängen im Leben gesungen, bei der Hochzeit und auch auf dem Sterbebett.

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