Bewusstes Leben - ältere Ausgaben


Herbst 2016


Leben mit Flüchtlingen

Ein großer Teil der Hausgemeinschaft im Winter 2016
Ein großer Teil der Hausgemeinschaft im Winter 2016

Autor: Wolf Schneider

 

Seit Januar 2016 lebt Wolf Schneider mit 12 bis 16 Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan in dem Haus, das zuvor das Verlagshaus des Connection-Verlages war. Dort hatte er viele Jahre lang in einem 1.300 qm großen Haus in einer Gemeinschaft von Deutschen u.a. die Zeitschriften Connection Spirit produziert. Der Verlag endete im Herbst 2015, und Wolf wandelte das Haus in eine transkulturelle Begegnungsstätte um, die nun einen neuen Besitzer sucht. Währenddessen bloggt er auf leben-mit-fluechtlingen.de und staunt, wie spirituell transformativ ein solches Zusammenleben sein kann und wie sehr es die Achtsamkeit fördert.

 

Genau genommen sind wir alle Flüchtlinge. Vor allem fliehen wir vor der Selbsterkenntnis, der Entdeckung unserer Schattenseiten und der Einsicht in unsere blinden Flecken. Wir fliehen aber auch vor unseren Eltern, die – schon als wir noch Kinder waren – dies und das aus uns eigenwilligen Wesen machen wollten, vor verständnislosen Nachbarn, der deutschen Bürokratie, aus manipulativen Intimbeziehungen oder monokultureller Öde anderer Art in, ja … wohin denn? In Abenteuer, die uns glauben lassen, mit einem mutigen Schritt nach draußen das Verabscheute und vermeintlich Überwundene hinter uns lassen zu können.
Die Menschen, mit denen ich jetzt zusammenlebe, sind jedoch aus Staaten geflüchtet, in denen in krasser Weise Gewalt herrscht, viel krasser als bei uns in Deutschland. Sie kamen Tausende Kilometer über Land aus Afghanistan, weil dort Mitglieder ihrer Familie erschossen wurden oder im Krieg umkamen. Andere flüchteten aus Syrien in die Türkei, von wo sie sich von Schleppern nachts in einem Schlauchboot über die Ägäis bringen ließen. Das ist eine andere Art von Flucht als die der deutschen Couchkartoffel oder des japanischen Hikikomori vor den Herausforderungen des gefährlichen Lebens 'da draußen'.
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Mut zum Lebenswandel: In den Jahren zwischen 43 und 63

Autorin: Brigitte Hieronimus

 

Auf innerer Wanderschaft


Wenn wir biografisch zurückschauen auf die Phase zwischen 14 und 35, stellen wir fest, dass wir damals wegweisende Entscheidungen trafen, mit denen wir erst mal leben mussten, um zu wissen, ob und wo eine Korrektur notwendig ist. Als Teenager hatten wir noch bestimmte Erwartungen an das Leben, die dann aber mit der späteren Lebenswirklichkeit nicht mehr vereinbar waren. Diese Erwartungen und Vorstellungen aufzugeben, bedarf es nicht selten eines jahrelangen zähen Ringens mit sich selbst. Dabei sind es in der Regel die früh erworbenen Lebensmuster und Egostrukturen, die sich der befreienden Veränderung widersetzen. Bewegen wir uns aus der Jugend heraus, suchen wir nach einem idealen Lebenskonzept, bis wir uns früher oder später für den Platz entscheiden, der uns am meisten zu entsprechen scheint - um dann irgendwann erneut aufzubrechen und Lebenskorrekturen vorzunehmen, die wiederum einen neuen Wandel einleiten. Stemmen wir uns in den Jahren nach 30 gegen notwendige Lebenskorrekturen, stagnieren wir und erfinden Ausreden und Rechtfertigungen dafür, dass das Leben nicht gelingen mag. Meist stolpern wir über die viel zu hohen Ansprüche an uns selbst und an die Menschen um uns herum.

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Achtung: Jedes System ist konservativ!

Autor: Robert Heeß

 

Denn niemand stirbt gerne, auch nicht unsere Identität.   
Und eine gemeinsam gewebte Paar-Identität schon gar nicht.

Menschen in Beziehungsnot klagen im Allgemeinen zuerst einmal darüber, was in ihrem Leben nicht klappt und wer oder was ihrer Meinung nach daran schuld ist. Gehen wir im Gespräch aber tiefer, werden unsere Sehnsüchte und Träume deutlich. Diese laufen letztlich alle darauf hinaus, dass wir als Menschen glücklich, geliebt, geborgen, anerkannt, wertgeschätzt, möglicherweise auch bewundert sein wollen.
Meist sollen uns unsere Liebes-Beziehungen diese Träume erfüllen. Schauen wir dann noch genauer, entdecken wir nicht nur die Sehnsucht Liebe zu bekommen, sondern dass es uns mindestens genauso wichtig ist selbst lieben zu dürfen. Und nach Möglichkeit auch zu erfahren, dass unsere Liebe willkommen ist. Umgekehrt bemerken wir unsere eigene Bereitschaft, uns lieben zu lassen und dass wir damit jemandem eines der größten Geschenke machen, das wir einem anderen Menschen machen können.

Geliebt werden ist großartig!
Liebe annehmen ist großartig – und ein großes Geschenk!

Da gibt es also ein Wissen um die eigene Liebenswürdigkeit und Liebesfähigkeit. Und um die des Partners natürlich auch. Da ist guter Wille. Bei vielen Paaren zeigt er sich immer wieder in der Bereitschaft, in schwierigen Beziehungsphasen das Ruder herumzureißen, manchmal sogar ganz neu zu beginnen, nochmal von vorn anzufangen.

Aber warum gelingt das so häufig nicht?

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Sommer 2016


Achtsame Selbststeuerung ASST ® - Wenn Achtsamkeit konkret wird

Autor: Matthias Ennenbach

Bestimmt gibt es bei Ihnen bereits einige Ideen, was Achtsamkeit sein könnte. Und wahrscheinlich fragen Sie sich dennoch, wenn Sie sich damit beschäftigen, wie Sie Ihr Wissen in Ihrem Alltag umsetzen können. Das scheint oft das größte Problem zu sein: die Umsetzung.
Die ASST®-Methode liefert nun eine gut erprobte Strategie, mit der Sie Achtsamkeit in Ihrem Alltag, und zwar in jeder Situation, auf eine sehr leichte Art und Weise umsetzen können.

Kurz zum Hintergrund: ASST® verbindet zwei sehr wesentliche Konzepte. Achtsamkeit und Selbststeuerung. Das Prinzip der Achtsamkeit wurde bereits schon als zentrale Methode der Geistesschulung in 2.600 Jahre alten buddhistischen Texten beschrieben. Heute ist Achtsamkeit gut erprobt und wir wissen um die zahlreichen heilsamen Wirkungen, wie z. B. die Steigerung von Konzentration, Gedächtnis, Gelassenheit, innerer Ruhe, aber auch von der Stabilisierung direkterer Gesundheitsfaktoren, wie unser Immunsystem.
Selbststeuerung ist der heilsame Gegenspieler von Hilflosigkeit. Während letzteres unsere Psyche labilisiert oder gar zersetzt, sind Erfahrungen von Selbstwirksamkeit Balsam für unsere Psyche. Also vollkommen unabhängig vom individuellen Problem, kann uns die Kultivierung von Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit deutlich spürbar weiterhelfen. Ob Sie zu viel grübeln, zu oft traurig, ängstlich, wütend-reizbar sind, ob Sie unter Schmerzen leiden oder Sorgen Ihr Leben schwer macht, ob Sie zu viel Alkohol konsumieren, Beziehungsprobleme haben, unter Einsamkeit leiden oder berufliche Probleme haben, immer geht es darum, diese Themen, bzw. sich selbst wieder eigenständig steuern zu können.

Die Methode der Achtsamen Selbststeuerung ASST® bietet Ihnen diese Möglichkeit. Es handelt sich hier um ein mittlerweile gut erprobtes Integrationsprojekt, dass die effektivsten Bausteine aus der ursprünglichen buddhistischen Literatur über Achtsamkeit, pragmatische Techniken aus westlichen Therapieverfahren und Ergebnisse und Darstellungsweisen der Neurowissenschaften zu nutzen weiß.
Die Umsetzungsmöglichkeiten werden in den buddhistischen Texten sehr exakt dargestellt. Hier wird uns ein strategisches Vorgehen angeboten, dass auf Grund des Alters der Texte bereits schon in zahllosen Selbstversuchen bestätigt werden konnte. Aber auch das müssen Sie als moderner Leser nicht einfach nur aufnehmen und glauben. Es handelt sich immer um eine Einladung zum Selbstversuch. Lernen Sie die Methode jetzt und hier kurz kennen und wenn Sie es interessant finden, dann probieren Sie es einfach mal aus.
Die erwähnte Strategie rät uns, die Achtsame Selbststeuerung immer zuerst auf der Körperebene zu beginnen. Nur zu oft versuchen wir durch Nachdenken, das aber schnell zur Grübelei wird, zu einer Lösung zu kommen. Aber solange unser Körper entweder in Aufruhr oder zu lethargisch ist, werden wir unsere Geistestätigkeiten nie effektiv nutzen können.
Also egal in welcher Situation Sie gerade sind, versuchen Sie sich für einen Augenblick auf Ihren Körper zu konzentrieren. Richten Sie sich auf. Nehmen Sie eine gute aufrechte Position ein. Wenn Sie das umsetzen können, werden Sie bereits erste heilsame Signale in sich wahrnehmen. Körperhaltung und Geisteshaltung sind sehr eng miteinander verknüpft. Ein hängender Körper erzeugt einen hängenden Geist, ein aufrechter Körper erzeugt eine aufrechte Geistesgrundlage. Selbst dieser kleine Aspekt kann eine sehr effektive Übung werden: Bringen Sie Ihren Körper so oft Sie daran denken, in eine gute Position. Sie werden bemerken, dass sich sowohl Ihr Körper durch das Training und Ihr Geist durch die Bewusstheit verändern.


Als zweiten Schritt nach den Haltungsübungen, prüfen Sie nun, ob Sie innerlich entweder zu wenig oder zu viel Energie haben. Wenn Sie zu wenig Spannungen bemerken, dann atmen Sie jetzt ein paar kräftige Atemzüge in Ihren oberen Brustkorb hinein. Diese Technik stimuliert Ihr neuronales Stresszentrum im vegetativen Nervensystem und das wiederum setzt Adrenalin frei, um uns zu aktivieren. Generell stimuliert jede unserer Handlungen ein entsprechendes Hirnareal. So ist jedes Handeln immer auch zugleich Hirntraining. Es ist also recht bedeutsam, was Sie täglich tun und wie oft Sie es tun. Wenn Sie bei Ihrer Bilanz aber spüren sollten, dass Sie über zu viel innere Spannungen verfügen, dann versuchen Sie Ihre Atmung langsam und sanft zu beruhigen und zu vertiefen. Unterstützend können Sie anfangs Ihre Hände auf Ihren Bauch legen und versuchen so zu atmen, dass sich beim Einatmen Ihre Bauchdecke nach vorne schiebt. So wird in unserem vegetativen Nervensystem der Ruhepol aktiviert und bei steten Wiederholungen auch trainiert. Diese einfachen Selbststeuerungsbeispiele haben u.a. den Sinn, in uns zuerst eine hilfreiche Verfassung zu erzeugen. Nur zu oft versuchen wir in einem vollkommen gestressten Zustand für uns wichtige Probleme zu lösen. Dabei machen wir immer wieder negative Erfahrungen. Meist liegt das einfach nur an ungünstigen inneren Vorbedingungen. Niemand ist in der Lage in einem inneren „Schneegestöber“ die Übersicht zu behalten.
Die nachfolgende Skizze möchte den zugrunde liegenden Prozess verdeutlichen. Sie sehen 3 Schneekugeln, die unsere innere Verfassung symbolisieren. Zuerst sind wir ganz aufgewühlt und gestresst. Alle Schwebeteilchen sind in Aufruhr. In so einem Zustand haben wir nur wenig Chancen auf gute Ergebnisse. Die ASST®-Methode liefert nun die Techniken, um die inneren Schwebeteilchen zu Boden sinken zu lassen.

Erst wenn unsere innere „Schneekugel“ beruhigt ist, finden wir zur Klarsicht zurück und sind in der Lage die ursprügliche Problematik konstruktiv anzugehen. Wenn Sie sich demnächst mit einem Problem konfrontiert sehen, fragen Sie also zuerst nach dem Zustand Ihrer inneren Schwebeteilchen. Nutzen Sie gerne die ASST®-Techniken zur inneren Klärung und erst dann unternehmen Sie Lösungsversuche. Dieser Vorgang spiegelt übrigens den in der buddhistischen Literatur beschriebenen Achtsamkeitsvorgang wieder. Wir beginnen auf der Körperebene, indem wir unsere Körperposition wahrnehmen, sie sanft in Richtung einer aufrechten Haltung korrigieren und bewusst unseren Atemfluss beobachten. Darauf wird unser aufgewühlte Geist dann unweigerlich heilsam reagieren. So können wir Achtsamkeit konkretisieren: Achtsamkeit beginnt auf der Körperebene. Nehmen Sie Ihren Körper bewusst wahr und führen Sie ihn auf heilsame Weise in eine gute Ausgangslage. Dazu gehört natürlich auch, dass Sie selbstkritisch prüfen, mit welchen Substanzen und (Genuss-) Giften Sie Ihren Körper belasten. Vielleicht integrieren Sie in Ihrem Selbstversuch die Unterlassung von Selbstvergiftungen. Anfangs mag sich das wie Verzicht anfühlen, aber geben Sie sich die Chance für eine eigene neue Erfahrung. Prüfen Sie selbst die Auswirkungen.
So können Sie das Phänomen der Achtsamkeit für sich konkretisieren. Alles beginnt zuerst auf der Körperebene.

Diese wenigen Aspekten bilden die Grundbausteine zum Fundament der Achtsamen Selbststeuerung ASST®. Üben Sie das in der nächsten Zeit, wenn möglich zweimal täglich für ca. 5 Minuten. Aufrecht hinsetzen und entweder aktivierend oder beruhigend atmen. Konzentrieren Sie sich, auch wenn immer wieder Gedanken stören sollten, zurück auf Ihren Atemfluss. Vielleicht hilft es Ihnen zu wissen, dass es sich dabei nicht um einen Psychotrick, sondern um eine messbare und nachgewiesene, neurowissenschaftliche Methode handelt. Sie werden sich quasi per Naturgesetz verändern, wenn Sie das fortsetzen. Vielleicht nutzen Sie anfangs feste Zeiten, das hat sich als hilfreich herausgestellt. Ein letzter Aspekt betrifft eine Technik, die dabei hilft, von der Theorie in die Praxis zu kommen. Die sogenannten Mikropausen sind gewissermaßen mikroskopisch kleine Tagesunterbrechungen von nur 1 bis 2 Atemzügen, in denen wir unsere tagtäglich ablaufenden Automatismen unterbrechen, uns kurz aufrichten und entweder aktivierend oder beruhigend durchatmen. Um sich an die Mikropausen im Alltag regelmäßig zu erinnern, haben sich Erinnerungshilfen als wichtig herausgestellt. Suchen Sie sich dafür Ihre eigene Erinnerungshilfe.
Wenn Sie die Mikropausen oft genug wiederholen, werden sich sehr hilfreiche neue Automatismen bilden, die sich zukünftig immer leichter abrufen lassen. Ihre Fünf-Minuten-Übungen, die sich natürlich ausdehnen lassen, werden in Ihnen spürbare heilsame Ressourcen, insbesondere Ihre innere Veranlagung zur Achtsamkeit, aktivieren und die Mikropausen werden Ihre Achtsamkeit in Ihren Alltag hineinbringen. Fühlen Sie sich eingeladen, diese kleinen aber effektiven Techniken selbst zu überprüfen. Es reichen nur 14 Tage aus, um selbst die ersten Effekte zu spüren.
Sie können sich gerne weiter mit der ASST®-Methode beschäftigen. Sie finden weitere Umsetzungs- und Vertiefungsmöglichkeiten im hier angebotenen Literaturtipp.

Dr. Matthias Ennenbach, Diplom Psychologe, psychol. Fakultät Bielefeld, Promotion medizin. Fakultät München, Gastreferent Humboldt-Universität zu Berlin, BPT® und ASST® - Ausbilder, Appr. Psychol. Psychotherapeut TP, Tiefenpsychologe (Fachkunde), Gesprächstherapeut (Rogers), Hypnotherapeut (M.E.G.), Fachbuchautor
Weitere Infos über Seminare, Ausbildungsmöglichkeiten etc.: www.Info-BPT.de

Literatur:

Achtsame Selbststeuerung

Ennenbach, Matthias, 330 S.

Windpferd Verlag 2015


Warum mich Verschwörungstheorien nerven

Autorin: Ulrike Plaggenborg

Um es vorweg kurz zusammenzufassen: es schwächt die Vision, wenn ich Gedanken an solche Verschwörungen denke. Ich konnte das schon sehr oft feststellen – es ist, als ob der Stöpsel aus der Badewanne gelassen wird und da geht sie hin, die Energie.
Denn: es gibt sie nicht – die „DIE“ (die uns vergiften wollen usw.). Das ist wie bei der Angst vorm schwarzen Mann, den gibt’s ja auch nicht. Das ist ein Mann in einem (schwarzen) Mantel, den kann man ansprechen und ihm klarmachen, dass es bis hierher geht und nicht weiter.

 

Ein Beispiel: Chemtrails - da sind Flugzeuge am Himmel, die irgendeine ungeklärte Substanz in den Himmel entlassen (wenn man mal absieht von den Kondensstreifen, die uns im Übrigen viel mehr bedrohen, weil sie unser Klima beeinflussen), da sitzt also ein Pilot drin, den kann man fragen, von wem der Auftrag stammt. Dann landet man bei einer Firma, die das beauftragt hat. Dann hakt man nach und fragt nach der Legitimation – es handelt sich ja schließlich um gesundheitsgefährdende Stoffe. Man hakt weiter nach und fragt nach Lobbyisten in der Politik, die das beauftragt haben. Dann startet man bei einer der großen NGOs (Avaaz, Campact oder Greenpeace) eine große Aktion um Einfluss zu nehmen auf die Politiker, die schielen ja nach den Wählerstimmen. Und man verlangt mit den vielen anderen auch, dass das aufzuhören hat mit der Besprühung mit was auch immer.
Warum ist das noch nicht passiert in dem Zusammenhang? Das Thema ist seit 10 Jahren bekannt. Warum sind wir nicht ALLE krank, wenn so viel Aluminium herunterregnet? Ein fundierter und sachlicher Artikel ist von David Rotter von der SEIN: https://www.sein.de/chemtrails-echte-verschwoerung-oder-reine-fiktion/

Die Interessenlagen in der heutigen Welt sind hinlänglich bekannt. Fast 99 % aller Aktivitäten in der Welt sind wirtschaftlichen Interessen bzw. der Gier von unbewussten Menschen untergeordnet. Wenn irgendetwas gemacht wird, dann, weil man sich dadurch mehr Einfluss mithilfe von Geld verspricht.
Wir haben zum Glück heutzutage so viele Möglichkeiten uns aus den verschiedensten Richtungen zu informieren, wir sind wirklich nicht mehr auf die Mainstream-Medien angewiesen, um Dinge zu erfahren, die verschwiegen werden sollen.
Wenn allerdings im Zusammenhang mit solchen Meldungen wie z.B. zu Chemtrails der Name Andreas Popp fällt stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ich habe einen 7. Sinn für Leute, die ihr Ego mit Macht verknüpfen und insbesondere im Zusammenhang mit Themen, die abseits des Mainstreams sind. Herr Popp ist sich ja nicht zu schade, als Redner bei Pegida-Demos aufzutreten. Der Herr ist reichlich rechts gesinnt. Bei solchen Leuten muss man sehr genau nach den Motiven fragen.

Warum nerven mich Verschwörungstheoretiker?
Sie ändern gar nichts an dem, was sie da angeblich aufgedeckt haben. Und es ändert sich auch nichts dadurch, dass sie da irgendwelche Zusammenhänge erfinden, außer dass massiv Ängste geschürt werden. Das haben wir aber nun wirklich zur Genüge! Außerdem nervt mich die Exklusivität, die Verschwörungstypen (meistens Typen, also Männer) mit sich tragen. SIE haben die Infos, sonst niemand! Das ist doch krank! Wenn man sich die Leute mal genau anschaut, dann sind das irgendwelche Möchtegernwichtigtuer, die ihre Unsicherheit zu kaschieren versuchen.
Auf einer persönlichen Ebene stellt es sich ja so dar: jemand behauptet, da gäbe es Mächte, die ich nicht kenne (und eigentlich niemand), die bestimmen über unser Leben. Wie fühle ich mich da: ohn-mächtig. Wozu soll das gut sein, Menschen sich ohnmächtig fühlen zu lassen? Heutzutage können wir wirklich herausfinden, wer die Menschen sind, die angeblich über uns bestimmen.

Und tun sie das wirklich?
Das war jetzt sozusagen die weltliche Ebene. Wenn wir jetzt mal auf die geistige Ebene gehen, da stellt es sich doch so dar: alles was sich da „draußen“ abspielt bin ich, sind alle. Alles ist mit allem verbunden, also kann es das gar nicht geben, dass da was ist was nicht mit mir zu tun hat und auf das ich keinen Einfluss nehmen kann. Mächte, die ich nicht „geschaffen“ habe? Gibt’s nicht. Die über mich bestimmen können? Wie sollten sie? Ich habe das so oft erlebt, dass ich mit bestimmten Sachen absolut nicht einverstanden war, sie aber nicht direkt ändern konnte und das abgegeben habe an höhere Ebenen, wo es letztendlich nach einiger Zeit sich tatsächlich geändert hat. Natürlich habe ich die damit zusammenhängenden Themen auch innerlich bearbeitet.
Mir ist schon klar, was Leute fasziniert an Verschwörungstheorien: wenn ich mich ohnehin ohn-mächtig fühle, dann ist das ja Wasser auf meine Mühlen. Dazu gibt es einen Beitrag von dem Soziologen Bernhard Heinzelmaier, der einige ungeschminkte und unbequeme Wahrheiten ausspricht: „Der ungebildete Mann sieht sich als Opfer der Verhältnisse, weil er nicht mehr machen darf, was er will: zu schnell Auto fahren, besoffen Auto fahren. Stattdessen muss er sich um den Haushalt kümmern. Das irritiert die verblödeten Männer. Deswegen folgen sie einer Partei, die sich systematisch als Opfer inszeniert…“ Zum Artikel hier: http://www.jetzt.de/was-ist-rechts/warum-waehlen-junge-maenner-so-gerne-rechts.

Was sollen also die Verschwörungstheorien bewirken?
Sie sind schlicht überflüssig, denn es geht doch wirklich um Selbst-Ermächtigung heutzutage. Und alles andere schwächt die Kraft, die Vision. Man könnte sich einfach jedes Mal, wenn wieder eine dieser Verschwörungsgeschichten auftaucht und man drauf anspringt, fragen: woran genau erinnert mich diese Situation? Woher kenne ich das? Was hat es mit diesem äußerst unangenehmen, gleichzeitig aber auch aufregenden Gefühl von Hilflosigkeit auf sich? Die Aufregung kommt von der insgeheimen Ahnung, dass es ein tief sitzendes Thema berührt. Und dieses tief sitzende Thema kann man mit einem offenen und neugierigen Forschergeist zu ergründen versuchen. Es wird garantiert spannend, was dort in der Tiefe auf einen wartet!

Menschen sind zu allen Zeiten mit Unmenschlichkeit in jeder Form konfrontiert gewesen, sie haben die unfassbarsten Dinge erlebt – man denke nur an unsere eigenen Eltern - und sie sind alle irgendwie daraus hervorgegangen. Diejenigen, die sich innerlich mit einer höheren Ebene verbunden hatten, haben es leichter überstanden und für sich eine innere Freiheit und Unangreifbarkeit entwickelt. Ab dem Punkt ist man nicht mehr empfänglich für angstmachende Botschaften. Das ist Selbst-Ermächtigung, das ist Freiheit.

Zur Ermutigung: mein Blog www.fenster-zur-zukunft.org. Oder unser Blog hier auf Achtsames-Leben.org.

Foto: www.pixabay.com


Von den Illusionen einer unbeschwerten Kindheit und dem Glück, erwachsen zu sein

Autor: Albrecht Mahr

„Werdet wie die Kinder“: Ein spirituelles Missverständnis
Kind zu sein wird oft verstanden, als unbeschwert, spielerisch und spontan ein Leben ganz im Jetzt zu führen, voller Entdeckerfreude, Abenteuerlust und erfrischender Sorglosigkeit. Und Gott sei Dank gibt es solche glücklichen Kinder tatsächlich. Und dennoch – Leiden heißt oft, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen. Denn die Möglichkeiten des kindlichen Bewusstseins sind von Natur aus begrenzt und bringen ein Kind dazu, vieles auf sich zu beziehen und sich entsprechend belastet zu fühlen. Ist die Mutter zum Beispiel krank, ruft dies bei ihrem Kind oft den innigen Wunsch hervor, sie zu entlasten, und die Überzeugung, dafür vielleicht verantwortlich und, bei rechter Anstrengung, irgendwie auch fähig zu sein. Was zu chronischer Überforderung und zu Gefühlen von Versagen, Minderwertigkeit und Schuld führt. Als Erwachsener erlebt sich dieser Mensch später dann unter dem unbewusst fortdauernden Einfluss dieses Kinderbewusstseins ständig als verantwortlich, überanstrengt, untergründig erbost und entsprechend unglücklich.
In ihren Bewusstseinsgrenzen deuten Kinder ihre Lebenswirklichkeit immer wieder zu ihren Ungunsten und verknüpfen Ursachen und Wirkungen oft auf eine Weise, die für sie belastend oder gar ängstigend ist, indem ein Kind zum Beispiel annimmt: „Irgendwie liegt es an mir, dass meine Eltern so unglücklich sind und andauernd streiten. Wenn ich nicht da wäre, dann …“
Wenn Kinder unter traumatisierenden Umständen – also zum Beispiel von selbst schwer traumatisierten, vernachlässigenden oder drogenabhängigen Eltern – empfangen beziehungsweise gezeugt werden und das bereits während ihrer Zeit im Mutterleib und mehr noch nach ihrer Geburt erleben und spüren, gelten die skizzierten Glückseinschränkungen natürlich noch viel mehr.
Die als glücklich und unbeschwert idealisierte Kindheit ist für zahlreiche Kinder oft alles andere als nur schön, sondern von viel Furcht, Unsicherheit und Verwirrung geprägt, mit denen sie in ihrem kleinen Bewusstsein nicht gut umgehen können.

So kann das Jesuswort „Werdet wie die Kinder“ leicht missverstanden werden.
Nach Matthäus 18, 1–5 beschäftigen sich die Jünger mit der Rangfolge untereinander und fragen Jesus: „Wer ist doch der Größte im Himmelreich?“ Jesus bittet darauf ein Kind mitten in die Runde und sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“
Wenn wir zustimmen, dass mit „Himmelreich“ kein äußerer Ort, sondern ein weit entwickelter, gereifter Bewusstseinszustand gemeint ist, und wenn wir dieses merkwürdige „sich selbst erniedrigen“ zu verstehen suchen als das Wesensmerkmal eines Kindes im Sinne von Unbekümmertheit, Einfachheit, Bescheidenheit und mitfühlender Offenheit, so ist das für die meisten Menschen die Frucht eines langen Bewusstwerdungs- und Reifungsprozesses, der eines Tages vielleicht in die innere Verfassung des „Himmelreichs“ führen kann. Jesus spricht dann mit dem Bild vom Kind offensichtlich über einen Reifungs- und Läuterungsweg, der nur einem erwachsenen Bewusstsein möglich ist, der also nicht als „Zurück in die Kindheit“ gemeint sein kann, sondern als „Vorangehen zum Immer-bewusster- und damit Immer-erwachsener-Werden“.

Das Missverständliche beim Bild von den Kindern spiegelt auch einen häufigen psychologisch-spirituellen Irrtum wider, den der amerikanische Anthropologe Ken Wilber als „Prä-Trans-Trugschluss“ bezeichnet: die Verwechslung der kindlichen vorrationalen und vorbewussten Wahrnehmung („prä“) mit dem transrationalen, gereiften und erwachsenen Bewusstsein („trans“), eben dem „Himmelreich“ – als das Königreich der bewussten, lebensfreundlichen „Niemande“.

Erwachsen sein
Das Erwachsensein genießt nicht immer einen guten Ruf. Es ist die Rede von ständigem Leistungs- und Verantwortungsdruck, erschöpfendem Leerlauf, Stress und chronischen Erkrankungen, Verlust von Spontaneität und Kreativität, von Erstarrung in Traditionen und Konventionen oder von quälender Sinnleere. „Das vorherrschende Bild des Erwachsenseins vermengt all diese Bedeutungen zu einem einzigen sauren Gebrau“ (Neiman 2014). Und tatsächlich leben wir als Erwachsene allzu oft in dieser Verfassung.
Bei genauerem Hinschauen aber kann uns nichts Besseres widerfahren als das Erwachsenwerden, nichts Beglückenderes als das Erwachsensein. Damit ist der Prozess gemeint, der unser Bewusstsein aus der Enge und der Gefangenschaft der kindlichen Vorstellungen herausführt in eine zunehmende Weite, die vor allem durch die Qualitäten Klarheit, Leichtigkeit, Selbstliebe, Liebe zu unseren Mitmenschen und zum Leben, Freundlichkeit, Wohlwollen anderen gegenüber und – nicht zuletzt – durch Humor auch in schwierigen Lebenslagen ausgezeichnet ist.
Tatsächlich haben Kinder oft viel weniger zu lachen als Erwachsene! Wie bereits angesprochen, deuten sie in ihren Bewusstseinsgrenzen ihre Lebenswirklichkeit immer wieder zu ihren Ungunsten und verknüpfen Ursachen und Wirkungen oft auf eine Weise, die für sie belastend oder gar ängstigend ist.
Wenn wir die viel größeren Möglichkeiten unseres erwachsenen Bewusstseins nutzen und ausschöpfen, so lebt es sich viel freier, als das vielen von uns als Kind möglich war. Das geschieht natürlich nicht von selbst, sondern braucht Einsicht, Förderung und Übung. Unser Bewusstsein wachsen und erwachsen werden zu lassen ist wie das Erlernen eines Musikinstruments, auf dem wir mit der Zeit immer schönere Tone hervorbringen.(…)

Wie wir unsere Vorfahren wahrnehmen, so wirken sie in uns
Wir meinen oft, unsere Vorfahren seien eine Last für unser Leben. Wenn sie es schwer hatten, wirken sie als Schwere in uns, und wir wollen sie endlich loswerden. Diese Überzeugung erweist sich jedoch bei genauerer Untersuchung als „Vor-stellung“, das heißt als eine bloße Idee, die buchstäblich vor der Wirklichkeit steht und sie verdeckt. Und wir haben die Möglichkeit, diese Vorstellungen zu verändern.

Ein Beispiel: „… und die Musik“
Im Sommer 2005 verwüstete der Wirbelsturm „Katrina“ große Teile von New Orleans, vor allem die Wohngebiete der benachteiligten afroamerikanischen Bevölkerung. Die zunächst mangelhafte Unterstützung der Regierung verbitterte viele afroamerikanische US-Bürger aus der Region und führte zu großer aggressiver Spannung, „nicht weit weg vom Bürgerkrieg“, wie mir einige Gesprächspartner noch Monate später versicherten. Unmittelbar nach der Katastrophe hatte sich eine große Zahl von Menschen, vor allem Afroamerikaner(innen), vor den Fluten ins Louisiana Superdome gerettet, ein Footballstadion in New Orleans, das nun vom Wasser eingeschlossen war. Es war extrem heiß, es gab kein Trinkwasser mehr, und Menschen starben. Als diese Bilder im Fernsehen kamen, so hörte ich an drei verschiedenen Orten unabhängig voneinander, kam einigen Menschen sofort das Bild „Wir sind wieder auf dem Sklavenschiff!“ – so ähnlich sah das im Wasser isolierte und extrem überfüllte Superdome für sie aus.
Auf einer US-Fachtagung zu systemischer Therapie zwei Monate später wollte eine Afroamerikanerin, Mitte vierzig, mithilfe einer Systemaufstellung ihre „miese Situation“, wie sie sagte, klären. Sie war wütend, anklagend, erlebte sich als völlig hilflos und bezog ihre schwierige soziale Lage auf die Weißen, deren Privilegien und rassistischen Vorurteile. Sie sah sich in direkter Nachfolge ihrer versklavten Vorfahren und stellte schließlich fünfzehn Stellvertreter(innen) der aus Afrika deportierten Ahnen auf. Diese standen kraftlos und gebeugt vor ihr. Sie wandte sich an uns, den Außenkreis, und sagte: „Na, seht ihr? Klar, so ist das, da komme ich her. Kein Wunder, wie mies es mir geht …“

Schweigen im Raum, niemand konnte widersprechen, ja, sie hatte doch eigentlich recht – so fühlten wir uns bedrückt und hilflos wie sie. Nach einigen Minuten des Schweigens geschah etwas Merkwürdiges. Zu der Gruppe ihrer Ahnen gewandt, murmelte und nuschelte die Frau, gerade noch verständlich: „Na ja …Ihr habt unter unmöglichen Umständen überlebt damals …“, woraufhin einige der damals Versklavten sich aufrichteten und deutlich kräftiger und würdevoller erschienen. Das überraschte uns alle und auch die Frau, die davon irritiert war – ihr Bild von den Vorfahren stimmte nicht mehr ganz –, und sie war zugleich deutlich angezogen davon.

Weiteres Schweigen. Dann murmelte sie etwas vernehmlicher: „… und ihr hattet Sex und verbotene Liebe und so was, trotz allem… na ja…“ Und wieder richteten sich einige weitere der fünfzehn Ahnen auf, was erneut irritierend und faszinierend für die Frau – und für uns alle – war. Nach weiterem Schweigen sagte sie schließlich zögernd und bedächtig drei Worte zu ihren Vorfahren dort: „… und die Musik…“ Und es war klar, was sie damit meinte: die aus der Sklaverei hervorgegangene Musik der Worksongs, des Blues, Soul, Gospel, Jazz und so fort. Die letzte Aussage führte dazu, dass alle fünfzehn Vorfahren sich ganz aufrichteten und die Frau ruhig, freundlich und voller Würde anschauten. All das war ohne das Eingreifen von Gruppe oder Leiter abgelaufen, die Frau hatte alles ganz aus sich heraus gestaltet. Sie schwieg, war sichtlich berührt und wirkte auch ihrerseits kraftvoller.

Diese Aufstellung war die letzte des kurzen Seminars, und ich habe die Frau nicht mehr wiedergesehen. Sie ist für mich eine wichtige Lehrerin geblieben.(…)

Foto: www.pixabay.com

Textauszüge mit freundlicher Genehmigung des Scorpio Verlages

Albrecht Mahr:

Von den Illusionen einer unbeschwerten Kindheit und dem Glück, erwachsen zu sein

Scorpio Verlag 2016


Frühling 2016


Schritte der Selbsterforschung

Autoren: Josef Rabenbauer & Gabriele Michel

Selbsterforschung ist offenes Erkunden und Entdecken, wie unsere Seele sich entfaltet, den Reichtum unseres Bewusstseins offenbart.
Selbsterforschung bringt uns in Kontakt mit den Qualitäten der Seele: Liebe und Neugier, die Wahrheit über uns und die Welt zu entdecken.
 
Aber wie geht das, uns selbst zu erforschen?
Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade sehr wütend auf jemanden und wissen nicht, wohin mit Ihrem Zorn. Dann ist es hilfreich, sich zu fragen: „Für was ist es gut, jetzt so wütend zu sein?“
Wir beginnen, uns für unser unmittelbares Erleben, die Wahrheit dahinter und seine tieferen Beweggründe zu interessieren. Wir fragen uns, wofür diese Wut die genau richtige Antwort ist.
Es wird spannend, wenn die Wut erst einmal Raum bekommt, um besser verstanden zu werden.

Aber wo führt uns das hin, wenn wir sie zulassen und erforschen?
Es führt nicht etwa zu Chaos, Aufmerksamkeit und Betrachtung können im Gegenteil Handlungen und Haltungen freisetzen, die genau angemessen sind. Wir neigen oft dazu, unangenehme oder bedrohliche Gefühle loswerden zu wollen. So aber berauben wir uns auch der Energie, die in dem Gefühl steckt – bei Wut zum Beispiel ihrer Kraft und ihres Potentials, uns zu schützen.
Wenn wir uns für diese Möglichkeit öffnen, können wir entdecken, dass unser Gegenüber unabsichtlich eine alte Wunde in uns berührt hat, die wir nicht spüren wollen. Haben wir das bemerkt und verstanden, können wir dem Gegenüber anders begegnen. Und wir können uns für diese alte Wunde interessieren:
„Was genau ist in uns verletzt?“
„Wer hat uns ursprünglich so verletzt?“
„Auf wen bin ich also eigentlich so wütend?“

Möglicherweise entdecken wir dann, dass diese Wut uns vor anderen Gefühlen wie Schmerz und Trauer geschützt hat. Wenn wir durch die Wut wieder in Kontakt kommen zu diesen Gefühlen, kann die Wunde zu heilen beginnen.
So offenbart sich die Intelligenz unserer inneren Realität. Wir beginnen, tief zu verstehen, dass jede Regung und jedes Gefühl einen Sinn hat, sonst würde es nicht auftauchen. Wir spüren, wo sie wie hingehören und was sie dort bewirken wollen und auch bewirken können.
In unserem Beispiel der Wut können wir in der aktuellen Beziehung angemessener reagieren. Zudem verweist uns die Wut auf verdrängten Schmerz, der uns jetzt, wo er offenbar wird, den Weg zur heilenden Trauer zeigen kann.

Dieser Prozess macht deutlich, wie wohltuend es ist, uns unseren unmittelbaren Gefühlen zuzuwenden. Doch oft gelingt uns das nicht. Wir alle kennen die Wut über einen Nachbarn, der ständig in der Mittagspause den Rasen mäht oder nachts den Fernseher aufdreht. Aus dieser Wut kann Mut, eine Kraft erwachsen, wenn wir sie uns erst einmal zugestehen. Der Mut wiederum kann uns unterstützen, mit diesem Nachbarn zu sprechen – und die Kraft eine Klärung ermöglichen. Doch um so erleben und handeln zu können, braucht es einen langen Atem und Geduld. Es ist ein weiter Weg hin zu klarer Ruhe und großzügiger Gelassenheit. Auf dem Weg zu dieser Gelassenheit geraten wir lange Zeit immer wieder ins Bewerten oder Manipulieren, wir rechtfertigen uns oder verfallen in innere Dialoge wie: „Ich sollte, müsste doch ein bisschen großzügiger sein!“ oder „Warum nur muss ich immer so pingelig sein?!“ oder „Wieso kann ich nicht mal nachgeben?“

Diese Sätze für sich klingen erst einmal gar nicht so schlimm. Wenn wir aber auf ihre Wirkung achten, spüren wir, wie destruktiv sie sind und wie rasch sie sich zu Selbsthass verdichten können.
Solche inneren Dialoge entsprechen den Glaubenssätzen, die wir verinnerlicht haben, und sie zementieren unsere Selbstbilder. Gleichzeitig führen sie in der Realität dazu, dass wir uns jedes Mal schlecht fühlen, wenn wir wieder einmal ganz normal Wut haben; weil wir unsere Wut als schlechte Aggression abwerten und ablehnen. Das ist anstrengend und erzeugt unangenehme Gefühle, Widerstände und Anspannung. Und es führt dazu, dass wir uns nicht vollständig wahrnehmen, dass uns immer etwas fehlt, was wir stattdessen im Außen suchen, bei anderen. So gewinnen wir aber nicht das Vertrauen, dass wir alles in uns tragen.
Wir sind nicht unmittelbar verbunden mit dem, was ist; wir sind nicht unmittelbar bei uns.
Das verhindert, dass wir unser ursprüngliches Potenzial an Lebendigkeit, unsere vielfältige Ganzheit leben. Und darum geht es: unsere wahre und vielfältige Natur wieder als unsere Identität wahrzunehmen.
 
Was brauchen wir auf dem Selbsterforschungsweg?

  • Liebe zur Wahrheit,
  • Übung in der Grundhaltung des Nicht-Bewertens, also einen geübten Umgang mit dem Inneren Richter,
  • Bereitschaft zum Risiko: Offenheit,
  • Übung im Präsent-Sein (here and now),
  • Übung im unmittelbaren Spüren und Übung darin, statt über etwas zu reden, ein Sprechen zu finden, das uns ermöglicht, während des Redens in der Erfahrung zu bleiben.

Diese Merkmale kennzeichnen die Selbsterforschung als phänomenologisches Vorgehen.

 

Diese Form der Selbsterforschung wird in der Ridhwan-Schule von A.H. Almaas gelehrt. Mehr Info dazu: www.buchhandlung-plaggenborg.com

© Axel Bueckert – Fotolia.com

Textauszug aus dem Buch „Sich selbst erforschen

von Josef Rabenbauer & Gabriele Michel

mit freundlicher Genehmigung

des Arbor-Verlages.


Winter 2016


Spreche aufrichtig - Lass die Wahrheit deine Zuflucht sein

Autor: Rick Hanson

 

Es wird gesagt, dass das wirkungsvollste Werkzeug für die körperliche Gesundheit die Gabel oder der Löffel ist, weil die Entscheidungen, die du damit triffst, bestimmen, welche guten oder schlechten Dinge du in deinen Körper aufnimmst.
In gleicher Weise ist vielleicht das wirkungsvollste Werkzeug für deine mentale Gesundheit – und ganz sicher für die Gesundheit deiner Beziehungen – deine Zunge. Viele Tausend Male jeden Tag bringt sie (oder deine Finger auf der Tastatur: genau das Gleiche) das gute oder schlechte Wort in deine Welt.
Wenn du sagst, was für dich wahr ist, und es klar und freundlich sagst, führt das zu einem bestimmten Ergebnis. Aber wenn du eine scharfe Zunge benutzt, etwas Falsches sagst, übertreibst oder die Dinge weglässt, die dir am Wichtigsten sind, dann erhältst du andere Ergebnisse: unnötige Konflikte, verpasste Gelegenheiten, eine Enge in deiner Brust etc.

Wahrheit ist das Fundament
Natürlich ist es am Wichtigsten, dass du aufrichtig mit dir selbst sprichst, in deinen inneren Gesprächen. Finde Frieden in der Wahrheit: die Tatsachen, deine Erfahrungen und Absichten, die Güte in deinem Herzen – was führte zu welchem Ergebnis, zum Guten oder zum Schlechteren.
Andererseits, wenn du so handelst, als wäre etwas wahr, aber tief in dir weißt du, dass es nicht so ist – wie zum Beispiel, dass es ok ist, einen großen Traum nicht zu verfolgen oder dass du es noch verschieben kannst, dich um ein gesundheitliches Problem zu kümmern, wie zum Beispiel das Rauchen, oder dass in einer kalten, distanzierten Ehe alles in Ordnung ist –, dann lebst du auf dünnem Eis: Es ist schwer, auf dieser Grundlage ein gutes Leben aufzubauen.
Wahrheit ist das Fundament. Selbst wenn du dir wünschst, dass die Wahrheit anders wäre, in einer Welt des Verkaufens, der Lügen und Manipulation vertraust du darauf. Die Wahrheit ist deine Zuflucht.

Aufrichtiges Sprechen bedeutet nicht, dass du alles sagst
In einem Gespräch kannst du schnell zum Punkt kommen, doch du musst ein Kind nicht mit mehr belasten, als es verstehen kann, du kannst dich zurückhalten, wenn du wütend bist und du musst in einem Meeting nicht deinen ganzen Ärger ablassen.

Teile nicht mehr mit, als angemessen ist
Es gibt einen Ort für Privatsphäre, sodass du A nicht alles über B erzählst, um zu erkennen, wie nah du in einer bestimmten Situation oder Beziehung sicher kommunizieren kannst.

Aufrichtig sprechen – zu dir selbst und anderen – bedeutet, authentisch zu sein
Ist dein äußerer Ausdruck in Übereinstimmung mit deiner inneren Erfahrung? Viele von uns haben „diese eine Sache“, die schwer auszudrücken ist. Als ich aufwuchs, war es das Gefühl, minderwertig zu sein. Für viele Männer sind es Gefühle der Angst und Schwäche. Für viele Frauen sind es Gefühle der Wut und Macht. Kannst du angemessene Wege finden, um deine ganze Wahrheit zu sagen, egal was es ist?

Frage dich: „Was ist wichtig und findet keine Worte?“
Und das trifft auf dich und auf andere zu. Denk an die Verletzung oder Angst unter der Gereiztheit oder die Rechte oder Bedürfnisse, die eigentlich das Thema sind. Gibt es einen Elefanten im Raum, den niemand beim Namen nennt? Vielleicht hat jemand ein Problem mit Wut oder mit Alkohol oder jemand ist einfach depressiv. Vielleicht lässt der Riesenjob mit 60-70 Stunden pro Woche plus Fahrzeit und Emails am Wochenende keinen Platz mehr für das Familienleben.

Achte bei den Worten, die du benutzt, auf Verzerrungen
Dazu gehört, den Kontext wegzulassen (wie beispielsweise bei der Wut auf ein hungriges Kind, das sich nicht benimmt), die Verwendung von extremen Worten – wie „immer“ oder allgemeine Aussagen, die erklärt werden sollten – oder einen Ton zu nutzen, der grob und gemein ist. Ohne wie ein Roboter zu sprechen, suche nach Wegen, um bei dem, was du sagst, besonnen, akkurat und genau zu sein.

Akzeptiere die Tatsache, dass niemand ein perfekter Kommunikator ist
Du wirst immer etwas weglassen und das ist ok. Du musst den Gesprächen Raum zum Atmen geben, ohne dich ständig selbst zu beurteilen, ob du auch aufrichtig bist! Kommunizieren ist ein ständiges Ausbessern. Solang du mit einer grundlegenden Ehrlichkeit und guter Absicht sprichst, werden deine Worte in allen deinen Beziehungen einen Teppich der Wahrheit weben und ihn ständig ausbessern.

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Speak truly veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

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Wir Nebelkinder

Autor: Joachim Süss

Nebelkinder sind Menschen, die in den Jahrzehnten nach dem Krieg unter undurchschaubaren Bedingungen und in einer ungeklärten gesellschaftlichen Situation aufgewachsen sind. Ihr Blick auf die Geschichte ist verstellt, und damit ist zugleich ihre Zukunft verschlossen. Nebelkinder bewegen sich, wie es der amerikanische Philosoph Ken Wilber formuliert, in einem zweidimensionalen Flachland. Die Dreidimensionalität der Wirklichkeit, die Tiefenlinien des Daseins liegen sowohl in familiärer als auch in gesellschaftlicher Hinsicht für das Auge des oberflächlichen Tagesbewusstseins nicht sichtbar und wie in einem Nebel verborgen. Dass aber die Erfahrung des Flachlands nicht alles ist, sondern allenfalls ein kleiner, ungenauer Ausschnitt einer viel komplexeren Realität, das spüren Nebelkinder als ein leises Unbehagen, obwohl sie zu Beginn ihrer Suche noch nicht sagen können, woher es kommt.

Ich kam auf den Begriff Nebelkinder, als ich mich daranmachte, mein Lebensgefühl und dasjenige meiner Generation in den 1970er-Jahren zu beschreiben und damit das Charakteristikum einer Zeit zu erfassen, in der wir als Jugendliche und junge Erwachsene darangingen, unser Leben in die eigenen Hände zu nehmen.
Ich wuchs in den 1960er- und 1970er-Jahren in einer der bemerkenswertesten Städte der alten Bundesrepublik auf, die bis heute allerdings immer noch nicht viele Menschen kennen (Stadtallendorf, Anm. d. Red.). In ihr verdichtet sich aber wie unter einem Brennglas die Geschichte Deutschlands in der Mitte des 20. Jahrhunderts. (…)
Ich empfand den Charakter meiner Heimatstadt immer als „amerikanisch“, bestand sie doch hauptsächlich in einer Ansammlung neuzeitlicher Gebäude ohne tiefere Geschichte. Viele waren ursprünglich für einen bösen Zweck aus dem Boden gestampft worden. Diejenigen, die von den vorrückenden amerikanischen Truppen nicht gesprengt worden waren, dienten unmittelbar nach dem Krieg dazu, große Mengen von Flüchtlingen und Vertriebenen unterzubringen, die aus dem Osten gen Westen brandeten. (…)
Dort, wo man die geografische Mitte hatte festlegen können, lag ein gewaltiger Busbahnhof (…). Rückblickend wirkt er wie ein Sinnbild für den besonderen Charakter dieser Stadt, wie die überdimensionierte Drehscheibe für das Ankommen und Fortgehen; ein Denkmal für das Schicksal der Zwangsarbeiter und der alliierten Soldaten, der Flüchtlinge und Heimat-vertriebenen, der Händler und der Gastarbeiter, für das Kommen und Gehen der Bundeswehrangehörigen und zuletzt für die Ankunft der Spätaussiedler aus Oberschlesien und Siebenbürgen in den 1970er-, 1980er-Jahren.

(…) Und gleichzeitig war da ein leises Gefühl von Unvollständigkeit. Etwas schien zu fehlen, das ich aber mit 15 oder 16 Jahren nicht genauer bestimmen konnte. Nur wenn ich hin und wieder einen Schulfreund im „alten Dorf“ besuchte, konnte ich dieses Gefühl von Fremdheit, diesen Eindruck einer inneren und ganz elementaren Distanz deutlicher wahrnehmen. Meine Freunde erlebte ich als selbstverständlichen Teil ihrer Gemeinschaft, mich selbst empfand ich als nicht dazugehörend. Nichts war an ihnen von jener Unvollständigkeit wahrnehmbar, die ich an mir empfand und die mir mit zunehmendem Alter immer schmerzlicher bewusst wurde. Ihnen schien es an nichts zu fehlen. Ihre Geschichte reichte Jahrtausende bis in die Jungsteinzeit zurück. Meine Geschichte und die der anderen, die in der neuen Stadt wohnten, reichte nur bis zum Rand der Nebelwand, die uns umgab. Alles andere war darin verborgen.
Warum ist ein großer Busbahnhof kein Ausdruck der Reisefreude und der lustvollen Aufbrüche in schöne Gegenden und in den Urlaub, sondern kommt wie ein trostloses Sinnbild geronnener Flucht daher? (...)
Wieso ist es so schwierig, sich in einem Umfeld zu entfalten, dessen Geschichte im Nebel liegt? (…)

Was ich als Kind nicht wusste und worüber stadtöffentlich kaum gesprochen wurde, als ich Heranwachsender war: Die DAG, die Siedlung also, in der ich aufwuchs, steht für „Dynamit Aktiengesellschaft“, ein Ableger der IG-Farben, die dieses Munitionswerk mit seinen vielen Hundert Produktionsstätten betrieb. (…) Die Tri-Halde, auf der wir als Kinder so ahnungslos spielten, war Lagerplatz Tausender durchkorrodierter und hochgiftiger Fässer mit Trinitrotoluol-Derivaten, den Abfällen aus der Sprengstoff-Produktion. (…) Stadtallendorf war in den 1950er-Jahren buchstäblich auf vergiftetem Grund errichtet worden; und ich meine das nicht nur chemisch, sondern auch historisch. Das Fundament der Stadt war verseucht: durch den Nationalsozialismus, eine verbrecherische Produktionsmaschinerie, die sich Tausender unschuldiger Zivilisten als Zwangsarbeiter bediente, bereitgestellt durch eine Allendorfer Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Auch davon hatten wir bis in die 1980er-Jahre hinein keine Ahnung. Ein öffentliches Bewusstsein für die Abgründe der Stadtgeschichte war so gut wie nicht vorhanden.
Meine Heimatstadt ist jedoch nur ein Beispiel. Wenn auch ein besonders augenfälliges für die Kräfte, die viele Menschen meiner Generation prägten. Was unter dem Brennglas dieses Ortes sichtbar wird, ist die Signatur jener Generation, die unser Land heute gestaltet. Und zwar unabhängig davon, ob ihre Vertreter aus München, Rostock oder Gummersbach stammen.

Wir Nebelkinder sind in einer Zeit groß geworden, in der die lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte, der persönlich-familiären wie der nationalen, hinter dem Schleier einer scheinbaren Normalität verschwand. Was uns Stadtallendorfer in höchstem Maße hätte irritieren müssen, die gewaltigen Überreste geborstener Bunkeranlagen überall im Wald, die vielen Häuser mit Bäumen auf den Dächern, in denen seit 1945 Menschen wohnten und die es anderswo – mit Ausnahme des Auenlandes – nicht gab, die Namen der Wohnviertel DAG und WASAG sowie der seltsame Grundriss der Stadt, all das beschäftigte uns kaum. Aber vor allem, es kümmerte die nicht, die es eigentlich selbst direkt hatte angehen müssen: die Erlebnisgeneration, unsere Eltern und Großeltern. Es war kein Thema für sie. Man sprach nicht darüber. Alle Energien waren darauf gerichtet, nach all den Entbehrungen im Krieg und danach endlich ein „normales“ Leben zu führen und „seine Ruhe“ zu haben. Dieses scheinbar normale Leben erschöpfte sich dann aber im Vorzeigen kleinbürgerlicher Insignien – dem schmucken und selbst gebauten Häuschen, dem Kleingarten und dem Kleinwagen der Marke VW, Opel oder Ford. (…)

Die Nabelschnur zu den Vorfahren war durchtrennt. Wir wurden beinahe ohne Geschichte groß. Deshalb fühlten wir uns in Gegenwart unserer Freunde aus dem „alten Dorf“ auch „unvollständig“. Das damit einhergehende defizitäre Selbstwertgefühl, nämlich weniger wert zu sein als die anderen, prägte bei nicht wenigen von uns die ersten Jahrzehnte ihres Erwachsenseins. Mit schwerwiegenden beruflichen und persönlichen Folgen für nicht wenige von uns.
Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Ohne Wurzeln keine Flügel“. Es drückt das Schicksalsmuster unserer Generation aus. Wir, die wir der mittleren Generation in Deutschland angehören, sind buchstäblich in den Sedimenten von Krieg und Gewalterfahrungen groß geworden. Aber alle Autoritäten, unsere Eltern, unsere Lehrer und die Politik, haben in unserer Jugend die kaum überwucherten echten und die ebenso präsenten geistigen Ruinen zu etwas Normalem, Gewöhnlichem erklärt. Zu etwas, das ist, was es ist, und das nicht weiter befragt werden muss.
Wir wurden damit zu Ausgeschlossenen, die am fundamentalen Gesamtgefüge des Lebens keinen Anteil mehr hatten. Das Urbewusstsein menschlichen Daseins, nämlich Teil des großen Stroms der Existenz zu sein und dort seinen natürlichen Platz und seine natürliche Aufgabe zu haben, erreichte uns nicht mehr. Stattdessen entwickelten wir das charakteristische Lebensgefühl des Nebelkindes, eines Menschen also, der nicht sehr weit blicken kann, weder zurück noch nach vorn.
Wer aber nicht in die Geschichte zurückblicken kann, wird auch seine Zukunft nicht tragfähig gestalten können. Er kennt sich selbst nicht. Wer aber seine Wurzeln nicht kennt, wird auch keine tragfähigen Entscheidungen treffen können, weder persönlich noch im Beruf.
Die Generation vor uns, die sogenannten 68er, wuchsen noch in unmittelbarer Anschauung des Krieges und seiner Folgen auf. Sie hatten Vater, die oft Täter waren und gegen die sie in die Rebellion gehen konnten. Unsere Väter dagegen waren keine Marinerichter oder SS-Leute. Sie waren im Krieg noch Kinder oder Jugendliche. Und wir selbst wurden in eine Zeit hineingeboren, in der die große Katastrophe scheinbar lange zurücklag und sich schon wieder eine neue feste Ordnung herausgebildet hatte. Wir hatten Eltern, die mehr Opfer als Täter waren und denen etwas zugestoßen war, über das viele gar nicht sprechen wollten. Wir wuchsen unter ihrem Traumaschatten auf, sodass wir uns klein, gehemmt und hilflos fühlen mussten. Traumaschatten bedeutet: Durch Krieg, Flucht und Vertreibung schrumpfte der Lebensmut einer Elterngeneration, die ihrerseits ein Klima verkümmerter Lebenschancen für ihre Kinder erzeugte. Oder Täterschuld überschattete Familien und belastete die Nachkommen. Ich spreche lieber von Traumaschatten als von „transgenerationaler Weitergabe kriegsbedingter Traumatisierungen“. Denn es ist nicht das Trauma selbst, das die Generationsgrenzen überspringt, sondern es sind die von ihm hervorgerufenen psychosozialen Deformationen, die die Nachfolgegenerationen belasten.

Was ist zu tun, um den Nebel zu lichten? Gibt es auch für unsere Generation einen Auftrag, so wie es ihn für unsere Vorgänger gab? Haben die Angehörigen der mittleren Generation eine Generationenaufgabe zu erfüllen, einen spezifischen Beitrag zu leisten, für sich selbst, für dieses Land, für seine Bewohner, für Europa und vielleicht auch für die menschliche Zivilisation als solche?
Der Nebel, mit dem ich das Klima umschrieb, in dem wir aufwuchsen, ist letztlich ein Produkt der Angst. Der Angst nämlich davor, selbst verschlungen zu werden, wenn man sich den Schrecken der eigenen Geschichte stellt. „Nebel“ bedeutet zugleich Schutz und Hemmnis. Für die Generation unserer Eltern stand oft „Schutz“ im Vordergrund. Sie gehörten der Kriegserlebnisgeneration an. Diejenigen, die wie meine Eltern vor 1945 Kinder oder Jugendliche waren, wurden mitunter Zeugen und/oder Opfer furchtbarer Ereignisse. Sie konnten sich nicht so ohne Weiteres dem Schrecken der Geschichte stellen, weil sie befürchteten, angesichts monströser und unbewältigter Erfahrungen von ihrer Angst überwältigt zu werden.
Und in Familien, in denen NS-Täter lebten, wurden deren Taten nicht selten verschwiegen oder mit grausamen Argumenten legitimiert („wir erfüllten nur unsere Pflicht“), und die Lüge wurde zum Status quo erklärt.

Mit welchem Hintergrund auch immer, für unsere Generation war der „Nebel“ nicht lebensfordernd. Unsere tiefere Geschichte, die schlimmen, aber über den Traumaschatten auch unsere Biografie prägenden Erfahrungen und damit wichtige Prägekräfte unseres Lebens blieben darin für uns verborgen. Kräfte, die wir unbedingt hätten kennen müssen, um uns persönliche und berufliche Umwege, ein defizitäres Selbstbild und falsche Erwartungen an Gegenwart und Zukunft zu ersparen.
Der Weg zur Heilung erfordert nun die Konfrontation mit dem Nebel und ist gleichzeitig der notwendige Durchgang zu den Stärken und Kräften, die sich in den Tiefen der Geschichte befinden und die wir dringend brauchen, um doch noch im letzten Lebensdrittel heil und ganz zu werden.
Wir müssen vor diesem Weg keine Angst haben, denn die schlimmen Erfahrungen unserer Eltern können uns nicht auffressen. Wir haben keinen Anteil an ihnen.

Gibt es also eine Generationenaufgabe für uns? Ja, es gibt sie. Es ist unsere Aufgabe als Nebelkinder, als Kriegsenkel, den Nebel der Geschichte zu lichten, Licht in die letzten dunklen Ecken der Geschichte zu tragen und die noch offenen Wunden zu heilen. (...) Den Nebel lichten, die gekappten Verbindungen zu unserer ganzen Geschichte, also auch den schmerzhaften Anteilen an ihr, wiederherzustellen, Vertrauen aufbauen und vertiefen, darin sehe ich die Generationenaufgabe der Nebelkinder und Kriegsenkel. Wir sollen Heiler der Geschichte sein. Und dies ist tatsächlich ein Auftrag von gesamteuropäischer und zivilisatorischer Tragweite. (…)

Textauszug aus dem Buch „Nebelkinder

von Michael Schneider und Joachim Süss

mit freundlicher Genehmigung des

EuropaVerlagBerlin.

 

Eine besondere Empfehlung von der Achtsames Leben Redaktion: eines der wichtigsten Bücher zum Thema Kriegskinder / -enkel! Unbedingt lesenswert!


Zwischen Angst und Mitgefühl - Vom inneren Umgang mit der aktuellen Flüchtlingswelle

Richard Stiegler
Richard Stiegler

Autor: Richard Stiegler
 
Das wohl aktuellste gesellschaftliche Thema ist hierzulande die Flüchtlingskrise. Aber erleben wir derzeit wirklich bereits eine Krise? Oder einfach nur eine neue Dimension eines Geschehens, das es schon immer gab? Dabei gibt uns das Wort „Krise“ einen Hinweis darauf, wie die aktuelle Flüchtlingswelle betrachtet wird, nämlich durch die Augen der Angst. Es ist höchste Zeit, dass wir erkennen, dass die größte Herausforderung zurzeit nicht im Außen, in der Bewältigung und Integration der Flüchtlingswelle, liegt, sondern im Inneren: im Umgang mit unserer Angst.

Angst ist ein ungeheurer Motor für vielfältige Abwehrmechanismen, die uns gegen die vermeintliche Bedrohung schützen sollen. Eine Abwehr ist wie eine Rüstung, die wir anlegen. Sie schottet uns ab und macht uns hart. Sobald die Angst uns besetzt und Abwehrreaktionen anspringen, werden das Herz und das Mitgefühl überdeckt. Die Folge ist, dass wir nur noch auf uns, auf unsere Sicherheit und unsere Bedürfnisse schauen, und das Gegenüber und das große Ganze aus dem Blick verlieren.

Angst und ihre Hintergründe
Der Vorgang der Verhärtung geschieht immer, wenn die Angst uns besetzt. Wir können sie beobachten, wenn wir uns von einem Nachbar bedroht fühlen, und genauso, wenn uns eine diffuse neue gesellschaftliche Entwicklung ängstigt. Gerade unkonkrete, diffuse Entwicklungen bieten ein breites Projektionsfeld für innere diffuse Grundängste. Egal ob es in uns ein unterschwelliges Unsicherheitsgefühl gibt oder eine grundlegende Sorge darum, genug zu bekommen oder eine Angst davor, ausgeliefert zu sein und überwältigt zu werden, all diese Grundängste werden aktiv, wenn sich diffuse gesellschaftliche Entwicklungen anbahnen und wir endlich eine konkrete Ursache für diese Ängste, die uns unterschwellig plagen, ausmachen können.

Dabei verwechseln wir Ursache und Wirkung. Nicht die gesellschaftliche Veränderung ist die Ursache für unterschwellige Ängste, sondern sie ist die Projektionsfläche unserer Grundängste. Eine Flüchtlingswelle, wie wir sie derzeit erleben, bietet besonders viele Ansatzpunkte, um Grundängste darauf zu projizieren. Wenn wir als Kind Haltlosigkeit und keine äußere Sicherheit erfahren haben, dann liegt es nahe, uns vorzustellen, dass mit den Flüchtlingen „gefährliche Menschen“ zu uns kommen. Wenn unsere Bedürfnisse nicht adäquat erfüllt wurden und wir die grundsätzliche Sorge in uns tragen, ob wir genug bekommen, dann stellen sich Befürchtungen ein, dass Flüchtlinge unsere Arbeitsplätze und unseren Lebensstandard wegnehmen könnten. Grunderfahrungen von Ausgeliefertsein führen dazu, dass wir uns von der Masse an Flüchtlingen überrollt fühlen. Was immer uns innerlich ängstigt, auf eine so diffuse und komplexe gesellschaftliche Veränderung lässt sich alles projizieren.

An den Rändern unserer Identität
Eine besondere Angst, die in uns allen steckt, ist die Angst vor dem Fremden. Das andersartige Aussehen, die Kopftücher, die unbekannte Religion, die fremdklingende Sprache sowie unbekannte Sitten und Gebräuche, wecken in uns Unsicherheit und diffuse Bedrohungsgefühle. Im Vertrauten und Bekannten fühlen wir uns wohl und sicher. Hier fühlen wir uns beheimatet. Tatsächlich wird das Vertraute zu einem wesentlichen Teil unserer alltäglichen Identität und gibt uns Halt. Wenn wir jetzt mit dem uns Unvertrauten konfrontiert werden, rüttelt das an den Grundfesten unserer Identität. Das ist unbequem und macht unsicher, denn um uns für das Fremde zu öffnen, müssen wir über die sicheren Grenzen unserer Identität hinausgehen.

Besonders in der gesellschaftlichen Debatte über die „islamische Unterwanderung unserer christlichen Kultur“ spiegelt sich diese Grundangst wider. Unsere Gesellschaft ist nach wie vor stark christlich sozialisiert und unabhängig davon, wie viele Menschen noch in die Kirche gehen, ist die christliche Religion ein wichtiger Teil unserer Identität. Die Rituale des Christentums sind vertraut, die der Moslems nicht. Obwohl bereits viele Muslime in unserem Land leben, sind wir nach wie vor kaum im öffentlichen Leben damit konfrontiert. Wenn jetzt die meisten Flüchtlinge Muslime sind, dann liegt die eigentliche Schwierigkeit nicht darin, dass noch mehr Moscheen entstehen werden, sondern im Festhalten an unserer christlichen Identität.

Dabei ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass es nicht darum geht, unsere christliche Identität aufzugeben, sondern lediglich darum, diese zu erweitern. Wir müssen anerkennen, dass es keine homogenen Gesellschaften gibt und auch niemals geben kann. Aus der Ökologie wissen wir, dass die Vielfalt ein entscheidendes Merkmal einer intakten Natur ist, nicht die Monokultur. Bereits jetzt leben in diesem Land Christen, Muslime und andere Religionsgemeinschaften. Sie alle sind ein natürlicher und wertvoller Bestandteil unserer lebendigen Gesellschaft.

Mitgefühl öffnet
Am einfachsten können wir eine Öffnung unserer Identität zulassen, wenn wir nicht auf die fremde Kultur oder die fremde Religion schauen, sondern auf das, was uns alle verbindet: das Menschsein. Mit der Flüchtlingswelle kommen keine Muslime oder Jesiden oder Andersgläubige zu uns, sondern Menschen aus schwierigen und schwierigsten Lebenssituationen. Menschen aus Kriegsgebieten, die täglich um das eigene Leben oder das Leben ihrer Kinder Angst haben müssen. Menschen, die nicht wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Menschen, die wegen ihrer Religion oder ihrer politischen Meinung verfolgt werden. Menschen, die keine Perspektive für ihr Leben oder das Leben ihrer Kinder sehen. Wenn wir auf das Menschsein und auf das konkrete Leiden in all diesen Menschen, die aus fernen Ländern zu uns kommen, schauen, dann wird sich wie von selbst unser Mitgefühl für sie öffnen und das Trennende einer fremden Kultur zurücktreten.

Wir kennen vielleicht die Werte und Gebräuche Andersgläubiger nicht und wir können vielleicht nicht verstehen, wie sie leben und sich verhalten, aber wir kennen Schmerz und menschliches Leiden. Wir können nachfühlen, wie es sich anfühlt, wenn jeden Tag unser Wohnort bombardiert wird, wenn wir täglich um das Leben unserer Kinder Sorge tragen müssen, wenn wir nicht wissen, wie wir uns und unsere Familie ernähren sollen und ahnen, wie es sich anfühlen muss, wenn es keine Perspektive für das eigene Leben und das Leben unserer Kinder gibt. Diese und ähnliche Erfahrungen gehören zum kollektiven Bewusstsein aller Menschen und Kulturen. Alle Menschen, unabhängig ihrer Ethnie und ihrer Kultur, sehnen sich nach Sicherheit, nach Versorgung ihrer Grundbedürfnisse und nach einem Leben, in dem sie und ihre Kinder sich in Freiheit und Würde entfalten können. Diese kollektiven Erfahrungen des Leidens und diese Sehnsüchte sind viel grundlegender als alle kulturellen und religiösen Verschiedenheiten.

Auf dieser Ebene sind wir zutiefst verbunden und können uns in unterschiedlichste Menschen und Lebenssituationen einfühlen. Aus dieser Empathie entsteht das natürliche Bedürfnis, auf diese Menschen zuzugehen. Plötzlich leiten uns nicht mehr das Trennende und die Angst vor dem Fremden, sondern das Verbindende und das Mitgefühl für das menschliche Schicksal. Das gibt uns die Kraft, die Grenzen der eigenen Identität zu überschreiten und uns für das zu öffnen, was außerhalb des vertrauten Terrains liegt.

Mitgefühl ist die Kraft, die unsere Selbstgrenzen überschreiten lässt, wogegen Angst die Grenzen unserer Identität immer mehr festzurrt. In der Angst schotten wir uns ab und werden starr. Wir mauern uns gleichsam in der kleinen und bekannten Welt unserer Ich-Identität ein. Wollen wir das wirklich?

Unsere Ängste umarmen
Unabhängig davon, ob ein Mensch spirituell orientiert ist oder nicht, wird er oder sie durch eine gesellschaftliche Veränderung wie der aktuellen Flüchtlingswelle mit beidem reagieren: mit Angst und mit Mitgefühl. Machen wir uns nichts vor. Auch wenn wir zum Beispiel die christlichen Werte des Mitgefühls hochhalten oder einer politischen Strömung angehören, die grundsätzlich die Offenheit für anderslebende Menschen propagiert, können in der aktuellen Situation trotzdem innere Ängste auftauchen. Wenn es diffuse Grundängste in uns gibt (und wer ist schon frei davon), dann können diese hochgespült werden. Das ist ganz natürlich und noch kein Problem.

Die Frage ist aber, wie wir mit diesen Ängsten umgehen. Erkennen wir, dass das Problem nicht die Flüchtlinge sind, sondern unsere Grundängste? Oder nähren wir die Angst, indem wir auf das Andersartige und Fremde in den Flüchtlingen schauen? Flüchten wir uns in Abwehrreaktionen, in dem wir fordern, die Landesgrenzen dicht zu machen und den Kontakt mit den Flüchtlingen zu vermeiden? Bestätigen wir unsere Ängste durch Diskussionen, in denen Generalisierungen stattfinden und wir nur noch von „den Muslimen“ und einer „Masse an Flüchtlingen“ sprechen, und nicht mehr von einzelnen Menschen und Schicksalen? Versuchen wir uns die Weltlage mit Verschwörungstheorien und einfachen Rezepten zu erklären, um die eigene Ohnmacht abzuwehren?

Wir wissen von der psychotherapeutischen Arbeit mit Angstpatienten, dass jede Vermeidung der Angstsituation die Angst in die Höhe treibt. Ein Teufelskreis beginnt. Eine Person, die unter Ängsten leidet, versucht der Angst zu entkommen, indem sie sich immer mehr vor der scheinbaren Bedrohung abschottet. Doch das Gegenteil geschieht. Die Angst wird mit jeder Vermeidungsreaktion größer und größer. Genau das könnte jetzt auch kollektiv in unserer Gesellschaft geschehen, wenn wir uns nicht der Angst stellen und auf Vermeidungsreaktionen verzichten.

Daher liegt die große Herausforderung zur Zeit darin, unsere Ängste zu fühlen, ohne uns davon leiten zu lassen. Wir dürfen Ängste haben. Es ist sogar wichtig, sie nicht zu verschleiern oder zu rationalisieren. Erst dann können wir tiefer schauen und erkennen, dass es unsere eigenen Grundängste sind, die durch die Weltlage ausgelöst werden. Wenn wir uns die Ängste eingestehen, dann können wir uns im nächsten Schritt diesen Ängsten widmen, sie gleichsam mit unserer Aufmerksamkeit und unserem Mitgefühl umarmen, bis wir den „Ort der inneren Sicherheit“ wiederentdecken. Dieser kann niemals im Außen gefunden werden, sondern nur im Kontakt zu unserer Essenz – der Seins-Realität in unserer Seele. Von hier aus ist es ein leichtes, die Verbundenheit und das Mitgefühl für andere Menschen zu verspüren. Dann – aus der Kraft des Mitgefühls heraus - werden wir uns vollkommen anders auf Menschen auf der Flucht oder auf Menschen aus fremden Kulturen beziehen als aus unseren Ängsten heraus.

Eine Gesellschaft des Mitgefühls
Letztlich ist das Mitgefühl die Kraft, die unsere Ängste transformieren und unsere Selbstgrenzen überwinden kann. Das hat nicht nur für uns selbst eine große Bedeutung, weil wir uns dann nicht mehr so bedroht fühlen und einen neuen Sinn im Leben erfahren, sondern es wirkt unmittelbar in die Gesellschaft hinein. Viele Menschen bewegt die Frage, ob es der Menschheit jemals gelingen wird, Gewalt, Krieg und menschengemachtes Leiden zu überwinden und ein friedliches Zusammenleben auf der Erde zu ermöglichen. Der erste und vielleicht entscheidende Schritt dazu scheint mir, dass wir unsere Ängste überwinden und uns in eine Gesellschaft des Mitgefühls verwandeln, denn mit jedem Menschen, der sich vom Herzen leiten lässt, kommen wir dem Frieden unter Menschen näher.

Wir haben nicht die Macht, auf dieser Welt Konflikte und Gewalt zu beenden und wir können Vertreibung und Kriege nicht stoppen. Aber wir können diese Welt Schritt für Schritt in einen Ort des Mitgefühls verwandeln. Vielleicht ist das Paradies kein Ort ohne Schmerz, Gewalt und Leiden, sondern eine Gesellschaft des Mitgefühls.

Richard Stiegler www.seeleundsein.com
Siehe auch "Nach innen lauschen" von Richard Stiegler.