Gesundheit & Heilen 2018


Wildkräuter

Von Michaela Lewitz

 

Wildkräuter- wilde Schätze direkt vor der eigenen Haustür entdecken und nutzen

 

Solange es Menschen gibt, wurden die Kräuter zu unseren Füßen für die Ernährung und/oder medizinisch genutzt. Ihr Wissen war immer gegenwärtig und wurde, der jeweiligen Zeit angepasst, in das Leben und die Heilkunde integriert. In den Grabbeigaben der Ägypter und unserer direkten Vorfahren wurden viele entsprechende Kräuter sicher gestellt. Auch Ötzi führte sehr viele Heil- und Wildkräuter in seinem Köcher mit sich! Karl der Große ließ von ihm vorgeschriebene Kräuter in seinen Gärten an vielen Orten anpflanzen, um seine Soldaten zu nähren und gesund zu pflegen.

 

Dr. Samuel Hahnemann begründete um ca. 1800 mit vielen Kräutern die Klassische Homöopathie und Dr. Edward Bach begründete 1930 die „Bachblütentherapie“. Gerade in unsere rohvegane Küche sollten die Wildkräuter wieder vermehrt einkehren, um dadurch ein großes Plus an Gesundheit und Wohlbefinden zu bringen.

 

Die wilden Kräuter vor unserer Haustür strotzen vor Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Auch natürliche Antibiotika, z. B. Kapuzinerkresse finden sich unter ihnen. Leider laugt unsere heutige konventionelle Landwirtschaft die Böden sehr stark aus und setzt mit Pflanzenschutzmitteln, z. B. Glyphosat den Pflanzen so weit zu, dass immer weniger wichtige Inhaltsstoffe dem menschlichen Organismus zur Verfügung stehen. Ein guter und sinnvoller Weg zum Umweltschutz sind „essbare Städte“ (http://www.essbare-stadt-minden.de/wissenswertes/links-essbare-stadte/) und/ oder der Umstieg auf kontrolliert biologischen Anbau. 

 

Aber gerade mit der Nutzung von Wildkräutern und das in rohem Zustand können wir noch so viel mehr für uns und die Umwelt bewirken! Sie brauchen keinen Transport, keine Zwischenhändler, keinerlei Dünger oder/und Pestizide, bringen uns direkt ohne Verlust der flüchtigen Inhaltsstoffe ihre Kraft und wir profitieren noch von der zusätzlichen Bewegung an frischer Luft! Was will Mensch mehr? Die heimischen Wildkräuter sind unsere Superfoods! Überdies liefern auch unsere heimischen Laub- und Nadelbäume Nahrung und Heilmittel. Wir können Fichtentriebe, Knospen der Laubbäume, Blätter (gerade im Frühling von z. B. Birke und Linde) sehr gut in unseren Speiseplan integrieren.

 

Nun aber Infos zum Sammeln der Wildkräuter generell: nimm ein leeres Glas (Gurkenglasgröße) und ernte soviel, wie du für ca. 4 Tage verwertest. Du kannst das Glas verschlossen gut im Kühlschrank lagern. Sei bitte dankbar und achtsam beim Ernten und nimm nur soviel einer Pflanze, wie du benötigst und wie sie verschmerzen kann ohne zu leiden. Nimm nur von den Kräutern, die du eindeutig bestimmen kannst und lasse im Zweifel die Pflanze lieber stehen.

 

Jedes Kraut ist essbar, aber manches eben nur ein einziges Mal. Viele Korbblütler sind giftig! Beginne lieber mit eindeutigen Pflanzen, wie dem Gänseblümchen, von dem alle Teile essbar sind und dem Löwenzahn, der auch noch die wichtigen, vernachlässigten Bitterstoffe bietet. Vom Löwenzahn bitte von der Blüte nur die Zungenblätter austrennen und genießen, sonst sind alle Teile, auch die Wurzel, essbar. Auch sehr viele Blüten lassen sich für die Rohkostküche nutzen und bringen immer wieder wundervolle Highlights auf Torten, Salat und ins Heilwasser. Setze Blüten der wilden Malve zusammen mit Ringelblume und Stockrose mit gefiltertem Wasser an. Du kannst auch mit Gurke in Scheiben oder Apfel ergänzen. Lasse das Ganze gut eine Stunde stehen und dann genieße! Du trinkst gleich nochmal so gerne und mit Genuss, oder? Genieße mal Nachtkerzen- und Kapuzinerkresseblüten. Du wirst sicher überrascht sein. Auch Taglilie- und Stiefmütterchenblüten sind essbar und ein Augenschmaus. 

 

Hier habe ich noch zwei Kurzsteckbriefe von mir lieben Wildkräutern:

 

Wilde Möhre Daucus carota

Sie ist die Stammmutter aller kultivierten Möhrenformen und genau so verwendbar! Sie gehört zur Familie der Doldengewächse und ähnelt leider oft giftigen „Verwandten“! Bitte deswegen während einer Kräutertour zeigen und erklären lassen, auf die dunkle Mittelblüte achten, auf den gekerbten, behaarten Stiel und die Finger davon lassen beim klitzekleinsten Zweifel!!!

Inhaltsstoffe sind in der Wurzel: ätherische Öle, Flavonoide, Lycopin, Pektin, hoher Mineralstoffgehalt, insbesondere viel Kalium, Carotinoide (wie der lateinische Name schon sagt), Vitamin B1, B2 und C. Diese wiederum erklären die Eigenschaften: Stoffwechsel anregend, harntreibend, entzündungshemmend und appetitanregend, gut für die Augen. Die Wurzel findet den gleichen Einsatz, wie die Kulturmöhre, sie ist nur sehr viel gesünder und härter! Carotinoide schützen die Zellen vor freien Radikalen, wirken also krebsvorbeugend und können gut in das wichtige Vitamin A umgebaut werden! Die Blätter, Blüten, Samen sind auch gut verwendbar! Die jungen Blätter schmecken im Salat, der Suppe, im Smoothie. Selbst die Samen sind ein gutes süßliches Gewürz.

 

Löwenzahn Taraxacum officinale

Der Zusatz „officinale“ bedeutet, dass ein Wildkraut schon lange Zeit als Heilmittel in den Apotheken gehandelt wurde!

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Flavonoide, Cumarine, Phytosterole, Schleimstoffe (über 1%), nur im Frühjahr etwa 18 % Zucker und ungefähr 2 % Inulin, welches im Herbst bis auf 40 % steigt, hoher Kaliumgehalt und um ein vielfaches mehr Mineralien als im Kopfsalat.

Zusammen mit Brennnessel wird er sehr gerne für Frühjahrskuren zur Entgiftung und Regeneration eingesetzt. Er unterstützt die Leber exzellent in ihren Entgiftungsaufgaben, fördert die Gallensekretion und wird gegen Gicht und rheumatische Beschwerden eingesetzt.

Alles an ihm ist essbar, auch die Blütenstengel und die Wurzel. Nehmt aber bitte Rücksicht und lasst die Wurzel stecken. Am feinsten sind die jungen Blätter. Wenn du den Löwenzahn zurück schneidest treibt er neu aus und du kannst ihn bis in den Herbst hinein beernten. Denk aber dran, dass er sich über die Pusteblumen fortpflanzt und lass ihm die Möglichkeit!

 

Bitte besucht Wildkräuterwanderungen, auch mehrere zu unterschiedlichen Jahreszeiten, an unterschiedlichen Wachstumsorten und hört Experten zu um Wissen zu sammeln und die Kräuter sicher zu bestimmen. 

 

Michaela Narayana Lewitz, OL, www.123kraeuterzauberei.de: Wildkräuterwanderungen Vorträge, Workshops, Blog

 

Der ausführliche Beitrag erschien zuerst in der „Natürlich leben!“ Vereinszeitschrift, März 2018.


Vitamin B 12

Von Uta Fernkäse

Vitamin B12- Blutbildung und Nervenschutz

 

Vitamin B12 ist ein Sammelbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Substanzen mit verschiedenen Aufgaben. Doch nicht nur die Gesundheitseffekte sind interessant, sondern die gesamte Geschichte dieses Vitamins. 

 

Nobelpreis gekürt

In den 1920er Jahren entdeckte der US- amerikanische Pathologe George H. Whipple, dass Hunde, die an einer bösartigen Blutarmut litten, durch die Fütterung mit roher Leber geheilt werden konnten. Für die Beschreibung dieser Heilmethode erhielten er und seine beiden Kollegen George R. Minot und William P. Murphy im Jahr 1934 den Nobelpreis für Medizin. Die Isolierung des Wirkstoffes Vitamin B12 gelang allerdings erst 1948. Sieben Jahre später wurde die chemische Struktur von der britischen Biochemikerin Dorothy C. Hodgkin entschlüsselt. Auch sie bekam dafür einen Nobelpreis. Den wissenschaftlichen Namen Cobalamin verdankt Vitamin B12 dem Cobalt. Das metallähnliche Element ist Bestandteil der verschiedenen Vitamin B12-Verbindungen: Cyanocobalamin, 5'-Adenosylcobalamin und Methylcobalamin. Häufig sind diese an Eiweiß gebunden, wodurch sich der Heilerfolg mit der rohen Leber erklärt.   

 

Das Zusammenspiel entscheidet

Die Aufnahme und Verdauung von Vitamin B12 ist ein Beispiel dafür, wie in unserem Körper alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. Noch während wir essen, geben die Speicheldrüsen im Mund ein Eiweiß ab, das im Magen Vitamin B12 vor der Magensäure schützt. Gleichzeitig produziert die Magenschleimhaut den sogenannten Intrinsinc Faktor (IF), der im oberen Dünndarm Vitamin B12 übernimmt und auf dem Weg zum unteren Dünndarm begleitet, wo schließlich der B12-IF-Komplex über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen wird. Damit Vitamin B12 optimal verwertet werden kann, muss das Verhältnis stimmen. Ist zu wenig IF vorhanden, kann Vitamin B12 nicht aufgenommen werden. Ist zu viel IF im Spiel, beeinträchtigt das ebenfalls die Resorption durch die Darmschleimhaut. Somit bildet ein gesunder Verdauungstrakt die Grundvoraussetzung für eine gute Vitamin B12-Versorgung. 

 

Stoffwechselaktivator und Blutbildung

Vitamin B12 wird bei vielen Stoffwechselprozessen benötigt. Es ist ein unentbehrlicher Helfer für die Enzyme, welche chemische Umwandlungsprozesse bewerkstelligen. Die Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißverarbeitung hängen u.a. von Vitamin B12 ab. Fehlt es, ist ein Energiemangel in den Zellen die Folge. Überall da, wo sich Zellen ständig erneuern müssen, zeigen sich dann typische Mangelsymptome. Im Mund wären das z. B. eine entzündete Mundschleimhaut und eine raue, gerötete Zunge. Auch die Blutzellen, insbesondere die roten Blutkörperchen, müssen in einem gewissen Zeitrahmen ersetzt werden. Vitamin B12 sorgt im Rückenmark für den Einbau von Eisen in die roten Blutkörperchen. Diese transportieren Sauerstoff in jeden Winkel unseres Körpers. Ist die Blutbildung beeinträchtigt, fühlen wir uns müde und schlapp. Bei einem Vitamin B12-Mangel zeigt sich eine spezielle Form der Blutarmut. Die Mediziner sprechen von einer megaloblastären Anämie, wobei die roten Blutkörperchen nicht vollständig ausreifen und daher als Megaloblasten im Rückenmark und im Blut nachweisbar sind. Äußerlich fallen eine blasse Haut und blasse Schleimhäute auf.    

 

Wichtiger Nervenschutz

Unsere Nerven sind mit einer Schutzhülle (Myelin) versehen, an deren Bildung Vitamin B12 maßgeblich beteiligt ist. Bei Vorliegen eines Vitamin B12-Mangels treten daher Störungen im peripheren Nervensystem auf, die sich in Form von Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Händen und Füßen, einem Verlust des Tastsinnes, einem unsicheren Gang und einer gestörten Koordinationsfähigkeit zeigen. Im zentralen Nervensystem lassen sich Gereiztheit, Aggressivität, Gedächtnisstörungen, Verwirrung, Erregungszustände, Psychosen, Depressionen und Müdigkeit beobachten. Eine Patientin, die an ruhelosen Beinen leidet, beschrieb ihre Situation wie folgt: „Bei mir wurde ein ausgeprägter Vitamin B12-Mangel festgestellt, der höchstwahrscheinlich mit meiner chronischen Gastritis zusammenhängt. Seitdem bekomme ich Vitamin B12 gespritzt, da eine orale Aufnahme nichts bringen wurde, weil ja die Resorption gestört ist. Ich merke genau, wenn ich die Vitamin B12-Spritze wieder benötige, denn dann bekomme ich ganz unruhige und zappelige Beine, besonders am Abend und nachts. Nach der Spritze verschwinden diese Beschwerden komplett.“  

 

Teamarbeit mit Folsäure 

Nicht selten arbeiten verschiedene Nährstoffe im Team zusammen. Vitamin B12 ist für die Umwandlung von Folsäure in ihre aktive Form zuständig. Fehlt es, kann zwar genügend Folsäure in den Körperspeichern vorhanden sein, jedoch nützt das Vitamin in seiner inaktiven Form wenig. Alle Prozesse, wie etwa die Zellteilung und das Zellwachstum sind dann beeinträchtigt. Das zeigt sich zum Beispiel im Verdauungssystem. Durch die Schwächung der Regenerationsfähigkeit treten Entzündungsprozesse an der Magen- und Darmschleimhaut auf, welche in der Folge die Nährstoffverwertung beeinträchtigen. Ein Teufelskreis beginnt. Um herauszufinden, welches der beiden Vitamine tatsächlich einen Mangel in der Versorgung aufweist, ist eine differenzierte Analyse notwendig. Zum Nachweis eines Vitamin B12-Mangels hat sich die Bestimmung von Methylmalonsäure im Urin bewährt. Sie stellt einen frühen Marker dar, da sich Methylmalonsäure auf Grund der ungenügenden Methylierungsreaktionen bei einem Vitamin B12-Mangel anreichert.

 

Tierisch gut

Ausschließlich spezielle Mikroorganismen sind in der Lage Vitamin B12 zu bilden, daher kommt dieses Vitamin vorrangig in tierischen Nahrungsmitteln und in geringeren Mengen auch in fermentierten, pflanzlichen Nahrungsmitteln wie etwa Sauerkraut vor. Auch die Mikroflora des menschlichen Dickdarms produziert Vitamin B12, das dem Organismus jedoch nicht zur Verfügung steht und ungenutzt ausgeschieden wird. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Innereien, z. B. Leber, welche das Vitamin speichern. In Muskelfleisch, Milch und Eiern liegen die Gehalte niedriger. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder Camembert gelten ebenfalls als gute Quellen. Der Tagesbedarf von 3 Mikrogramm Vitamin B12 ist z. B. in 100 Gramm Lachs oder 100 Gramm Camembert enthalten. Von Rinderleber bräuchte man nur etwa 5 Gramm zu essen, um genügend Vitamin B12 für den Tag aufzunehmen.  

 

Der Ursache auf der Spur

Obwohl nur eine minimale Zufuhr an Vitamin B12 notwendig ist, zeigen neue Untersuchungen, dass bis zu 90 Prozent der Senioren mit Vitamin B12 unterversorgt sind. Der Grund ist eine gestörte Magen-Darm-Funktion durch Alterungsprozesse, aber auch durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, welche eine chronische Magenschleimhautentzündung provozieren. Zudem kann ein hoher Alkoholkonsum die Magenschleimhaut schädigen. Somit muss bei einem Vitamin B12-Mangel unbedingt die Ursache mitbehandelt und in der Zwischenzeit Vitamin B12 als Injektion verabreicht werden. Die Vitamin B12-Versorgungslage kann sich aber auch durch eine einseitige, vegane Ernährung verschlechtern.  

 

Was tun Veganer?

Mit der Zunahme der veganen Ernährungsweise rückt die Versorgung mit Vitamin B12 mehr und mehr in den Fokus. Pflanzen können selbst kein Vitamin B12 herstellen, weisen aber, wenn sie auf humusreichem Boden gedeihen, gelegentlich geringe Gehalte auf. Eine Kartoffel, Karotte oder rote Beete aus einem nachhaltigen, ökologischen Anbaubetrieb könnte demnach Spuren von Vitamin B12 enthalten, aber darüber fehlen verlässliche Daten. Gerne wird die Bevölkerung der ländlichen Gebiete Indiens als Beispiel herangezogen, wo trotz veganer Ernährungsweise kein Vitamin B12-Mangel bekannt ist. Man geht davon aus, dass die verhältnismäßig schlechtere Hygiene eine höhere Aufnahme an Mikroorganismen z. B. über das Trinkwasser und das Baden in Flüssen wie dem Ganges dafür verantwortlich ist. Auch bei Rohköstlern, die regelmäßig frisch gesammelte Wildkräuter verzehren, lässt sich kaum ein Vitamin-B12-Mangel nachweisen. Mittlerweile werden vegane Produkte, wie Sojadrinks, Cornflakes, Säfte oder Tofu-Produkte mit Vitamin B12 angereichert. Um die Gehalte zu ermitteln, sollten die Angaben auf der Verpackung berücksichtigt werden. Dennoch scheint es schwierig zu sein über eine rein vegane Ernährung den Vitamin B12-Bedarf zu decken, so dass der Versorgungs-Status regelmäßig überprüft werden sollte.    

 

Literatur: Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm „Taschenatlas der Ernährung“ und Hans Konrad Biesalski u.a. „Ernährungsmedizin

 

Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Zeitschrift „Deine Gesundheit“ (siehe auch unter „Wortwelten - Zeitschrift“).