Gesundheit & Heilen - ältere Ausgaben


Herbst 2016


TianTao Yoga - Das Ende der Anstrengung

Julia Kant
TianTao Yoga

TianTao Yoga ist eine Perle der Selbstheilung und Langlebigkeit aus den Klöstern Chinas, die besonders effektiv bei Problemen im Bewegungsapparat wie Rücken- und Nackenschmerzen, verspannten Schultern und insgesamt eingeschränkter Mobilität wirkt.
Darüber hinaus setzen die sanften Übungen einen regenerierenden und verjüngenden Prozess im Praktizierenden in Gang, der seine heilende Wirkung bis tief in die Organe hinein entfaltet.
Das verblüffendste an TianTao Yoga ist aber der Umstand, dass man die besten Resultate erzielt, wenn man sich nicht anstrengt; aus diesem Grunde wurde es auch schon einmal augenzwinkernd als „Yoga für Faule“ bezeichnet. Im Kern geht es darum, die Bewegungen spontan aus einem entspannten Zustand ohne Leistungsdruck entstehen zu lassen und das damit einhergehende Gefühl zu genießen anstatt hart daran zu arbeiten alles richtig zu machen.

Erfahrungen 


Oftmals tritt beim Praktizieren eine starke Wärmeentwicklung entlang des unteren Rückens ein; parallel beginnt die Übung zur Verjüngung der Wirbelsäule sofort zielgerichtet an Blockaden im Rückenbereich zu arbeiten. Mit jeder Wiederholung der sowohl kreis-als auch wellenartigen Bewegung bekommen Wirbel, Muskeln und umgebende Körpergewebe einen Impuls zur Neuausrichtung. Meistens geht dieser Prozess ganz unauffällig von statten, einfach in dem die Körperstrukturen einen Weg finden von innen heraus loszulassen;  manchmal lässt sich auch ein Geräusch, ähnlich wie bei einer chiropraktischen Anwendung vernehmen,  jedoch mit dem bedeutenden Unterschied, dass diese Justierung  ganz von allein ohne äußere Krafteinwirkung geschieht. Gleichzeitig setzt die Auflösung des alten, Probleme verursachenden Musters automatisch und ganz natürlich das Erlernen gesünderer Bewegungsmuster in Gang. Schon in kurzer Zeit kann sich die Haltung verbessern, ohne dass man absichtlich versucht gerader zu sitzen oder zu stehen, auch das Laufgefühl gewinnt neue Leichtigkeit.
Die Wirkprinzipien dieser anmutigen und früher nur erfahrenen Mönchen zugänglichen Übungen lassen sich sowohl mit überlieferter Erfahrung über das energetische Design des Menschen als mit zeitgenössischem physiologischen und psychologischen Wissen erklären.

Aus dem Verspannungskreislauf aussteigen


Im Prinzip handelt es sich bei der Korrektur von Haltung und Bewegungsmustern um einen neurologischen Prozess, an dem das Gehirn intensiv beteiligt ist. Da die Bewegung nie stoppt, werden Gehirn und Muskeln ständig auf sanfte Weise angeregt, den harmonischsten und einfachsten Weg zu suchen oder besser gesagt sich wieder an ihn zu erinnern, denn grundsätzlich ist das Wissen um einen ausgeglichenen und heilsamen Bewegungsfluss instinktiv in uns angelegt. Im Laufe der Zeit schleichen sich durch Stress, unverarbeitete Emotionen, Schonhaltungen z.B. nach Verletzungen und allgemeinen Bewegungsmangel Blockaden ein, die immer mehr einschränken und schließlich einen Kreislauf aus Schmerz und immer noch mehr Verspannung hervorrufen, bis man sich am liebsten gar nicht mehr bewegen möchte. In Folge dessen stagniert auch die innere Bewegung, genauer gesagt der Transport von Energie, Blut und Körperflüssigkeiten wie der Lymphe – ein degenerativer Zyklus, der ebenso die Funktion der Organe erheblich schwächt.
All dem kann mit TianTao Yoga entgegengewirkt werden: Die Übungen mobilisieren und „schmieren“ die Gelenke, darüber hinaus  stärken sie die feinen inneren Muskelgruppen, die den Körper aufrecht halten. Die Organe werden massiert, die Durchblutung wird effektiv angeregt und die Lymphe in Fluss gebracht. Bei regelmäßigem Üben beginnt der Körper wieder mehr essentielle Flüssigkeiten zu bilden, auf diese Weise kann die Haut praller und feuchter erscheinen. Eine der wichtigsten Wirkungen ist sicherlich der Ausgleich und die Belebung der Gehirnfunktion, was das Eintauchen in meditative Zustände und das Erleben von Glücksgefühlen und Zufriedenheit unabhängig von äußeren Faktoren ermöglicht.

Stressmuster im Gehirn auflösen


Die Herausforderungen, denen wir im täglichen Leben gegenüberstehen, sind heutzutage sehr viel komplexer als noch vor fünfzig Jahren. Oft fühlt sich das Gehirn durch den Ansturm von unzähligen schnell hintereinander folgenden oder gleichzeitig einstürmenden Informationsimpulsen überlastet. Es verfängt sich in einem Kreislauf von Stressreaktionen, die die primitiven Gehirnzentren und die damit verbundenen Angriffs- oder Fluchtmechanismen aktivieren. In diesem Zustand ist es nicht möglich, effektiv zu denken oder zu lernen, kreativ zu sein oder sich zu erholen.
Die im Sitzen ausgeführten Übungen des TianTao Yoga führen den Geist innerhalb kürzester Zeit in eine beschauliche Stille, die Stresszentren beruhigen sich und die höheren auf Kohärenz und Ganzheitlichkeit ausgerichteten Gehirnregionen und Drüsen werden genährt. Dadurch verbessern sich u.a. auch die Fähigkeit der inneren Wahrnehmung, die Intuition und die Konzentrationsfähigkeit.

Das Plus an Lebensenergie


Als großer Bonus kommt hinzu, dass dem Körper anders als bei herkömmlichen Sportarten oder Gymnastik Energie hinzugefügt wird. Wenn man sich beim Sport anstrengt und verausgabt, trainiert das zwar einerseits den Körper, gleichzeitig werden aber Energiereserven verbraucht, die ihm dann nicht mehr für innere Heilprozesse zur Verfügung stehen. Den TianTao Übungen liegt dagegen ein ausgefeiltes Energiemanagement zu Grunde, das einerseits vorhandene aktive Lebensenergie unablässig im Körper regeneriert und andererseits den Zustrom von externer, sogenannter vorgeburtlicher Urenergie anregt. Dies ist gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen an chronischer Müdigkeit und Erschöpfungszuständen leiden, besonders wichtig.

Natürliche Zyklen


Manche Wirkungen treten schnell ein, manche entfalten sich im Laufe der Zeit. Die Übungen scheinen ihre eigene Intelligenz zu haben und bei jedem Menschen individuelle Prozesse in Gang zu setzen. Auf jeden Fall stellen die positiven Entwicklungen eine natürliche Konsequenz regelmäßigen Übens dar. Selbst zehn Minuten täglicher Übungspraxis bringen bereits Resultate. Ratsam ist, sich nicht unter Druck zu setzen, sondern die vielen kleinen Dinge zu beobachten, die sich auf allen Ebenen in Bewegung zu setzen beginnen und Freude am Praktizieren zu finden. Anfänglich strengt man sich bei dem Versuch sich nicht anzustrengen vielleicht besonders an, was völlig normal ist und mit Humor genommen werden sollte. Manchmal kommt es nach einer Phase deutlicher Verbesserung von Symptomen zu einem Stillstand oder einer kurzfristigen Verschlechterung – auch das ist ganz normal, denn auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Harmonie muss das System „Altlasten“ verarbeiten, die physischer, emotionaler und mentaler Natur sein können. Nach dieser Phase stabilisieren sich die Fortschritte und es geht fühlbar weiter aufwärts – den Möglichkeiten sind dank des ganzheitlichen Ansatzes keine Grenzen gesetzt. Da TianTao Yoga ohne Vorbereitung und zu jeder Tageszeit, ohne spezielle Kleidung oder Ausrüstung praktiziert werden kann, stellt es eine ideale Lösung für den stressigen und komplexen Lebensstil unserer Zeit dar.

Übung: Energie vom Himmel aufnehmen


Diese einfache Atemtechnik baut den Energiespeicher im Innersten des Körpers auf, und versorgt Körper und Verstand in verstärktem Maße mit Geisteskraft. Die Besonderheit der Technik liegt darin, dass die Atmung fast von selbst geschieht und nicht aktiv erzeugt werden muss. Sie generiert Wärme im Unterbauch und massiert die inneren Organe und wird im Sitzen, entweder auf einem Kissen bzw. Hocker am Boden oder auf einem Stuhl ausgeführt.

Drücken Sie den Bauch sanft nach vorn und haben Sie das Gefühl, als wenn sich der Oberkörper dabei leicht öffnet, so als wolle er dem Bauch etwas Raum geben.
Diese Bewegung führt automatisch dazu, dass Luft über die Nase in den Körper hinein strömt, ähnlich wie bei einem Blasebalg.
Achten Sie darauf, nicht mit dem Atem zu helfen um den Bauch nach vorn zu drücken, lassen Sie ihn einfach passiv hinein strömen.
Halten Sie einen Moment lang nach der Einatmung inne. Währenddessen bleibt der Bauch herausgedrückt und der Atem wartet.
Lassen Sie den Bauch los, bevor es anstrengend wird.
Durch das Loslassen sinkt der Bauch nach innen, auch der Oberkörper lässt etwas los, wodurch der Atem ganz von allein und völlig geräuschlos durch die Nase hinaus strömt.
Finden Sie bei der Ausatmung Wege die Schultern, den Nacken und die Schädelbasis loszulassen. Machen Sie es sich leicht.
Wenn Sie dieses Prinzip des Passiv-Atmens verinnerlicht haben, können Sie damit beginnen den Körper mit Energie vom Himmel zu füllen.
Haben Sie bei der nächsten Einatmung das Gefühl, dass Sie sich durch die Mitte der Stirn - dem sogenannten vierten Auge - öffnen. (Das 4. Auge liegt ca. 2 cm über dem dritten Auge.)
Lassen Sie Energie vom Himmel über das vierte Auge einfließen und entlang der Zentrallinie an der Vorderseite des Körpers hinab in den Bauchraum strömen.
Bei der Ausatmung richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Bauch, welcher durch den Zufluss an Energie gefüllt, gewärmt und genährt wird.

Fahren Sie mit der Atmung für 1-2 Minuten oder auch länger fort. Beobachten und fühlen Sie was geschieht, ohne sich anzustrengen. Danach ruhen Sie sich für einen Moment aus und lassen den Atem kommen und gehen, wir er möchte.
Vielleicht verspüren Sie jetzt ein angenehmes Wärmegefühl im Körper oder können ein Kribbeln wahrnehmen. Auch wenn Sie keine besonderen körperlichen Empfindungen haben und sich einfach nur beruhigt fühlen, wird die Übung ihre Wirkung im Inneren entfalten.

Julia Kant
Julia Kant

Sommer 2016


Lebensprozesse – die heiligen Gesetze der Gesundheit und Langlebigkeit

Autor: Frank Albrecht

Ein Leben ohne Krankheit und Alterung - davon träumt man schon seit vielen Jahrtausenden. Unsere tägliche Realität scheint uns zu beweisen, dass dies nicht im Bereich des Möglichen liegt – dennoch, wenn wir der Überlieferung vertrauen wollen dann haben die Menschen vor Noah (vor der Sintflut) des Öfteren 800 Jahre oder noch länger gelebt. Das erscheint zunächst fantastisch, aber wenn wir uns näher betrachten wie der Alterungsprozess und die Ursachen von Krankheiten genau funktionieren, dann öffnet sich uns ein unerwartet neuer Blickwinkel. Wir müssen zu dem Schluss kommen, dass unsere Lebensweise, als auch unsere Ernährung soweit von den ursprünglich angelegten heiligen Gesetzen des Lebens abweicht, dass Krankheit und beschleunigte Alterung die logische Konsequenz sind. Der Alterungsprozess ist nichts anderes als eine Aneinanderkettung von Fehlern unsererseits, welche wir zumindest zum großen Teil auch selbst wieder beheben können. (…)

Der Alterungsprozess als auch die Ursache von Krankheiten kann allein auf physischer und biochemischer Ebene nicht geklärt werden. Unsere konventionelle Wissenschaft ist daher auf diesem Gebiet überfragt. Alles Leben ist Materie, Energie und Geist (und nicht nur Materie, wie heutzutage auf den Universitäten gelehrt wird), und so muss auch eine ganzheitliche Heilkunde jeden dieser drei Faktoren berücksichtigen. Es gibt daher genau drei unterschiedliche kausale Krankheitsfaktoren, die für alle Zivilisationskrankheiten als auch den Alterungsprozess gelten, und diese sind immer miteinander verknüpft:

1. die Ebene der Materie, welche sich im Biochemismus des Körpers ausdrückt, der vor allem nicht übersäuert sein darf (alle Zivilisationskrankheiten entstehen nur in einem übersäuerten biologischen Terrain). Diese Ebene ist vor allem von der Ernährung beeinflusst.
2. die energetische Ebene. Sie bezieht sich auf die organisierende Lebensenergie (die in China „Qi“ und in Indien „Prana“ genannt wird), welche alle zellulären Prozesse steuert. Auf dieser Ebene muss vor allen Dingen unser Lebensumfeld (z. B. die elektromagnetischen und geopathischen Störfelder in unserer Lebensumgebung, unserem Haus) berücksichtigt werden.
3. die seelische Ebene, welche oft durch Traumen oder Karma aus früheren Leben belastet ist. Das Unterbewusstsein der meisten erwachsenen Menschen ist oft mit viel „Unrat“ belastet, welcher die Funktionen der Chakren und Meridiane beeinträchtigt, und damit auch die Funktionen der verschiedenen Organe. Diese belastenden Faktoren müssen durch geeignete Techniken aufgelöst werden.
Jede Krankheit ist eine Kombination dieser drei Faktoren, und alle drei müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden, um eine vollständige Heilung zu erreichen.

Materielle Ursachen der Alterung (das biologische Terrain):
Circa 99 % der Menschen in westlichen Ländern sind übersäuert. Je saurer das Bio-Terrain, desto schneller laufen degenerative Prozesse im Körper ab. Eine Säure ist aggressiv, sie verursacht Korrosion. Vielleicht haben Sie schon erlebt wie ein Tropfen Schwefelsäure aus einer Autobatterie ein Loch in Ihr Hemd gebrannt hat. Wir haben ähnliche Säuren in Tausenden von Kombinationen in unserem Körper.
Diese transformieren „lebendige Substanzen“ (unsere körpereigenen Mineralstoff-Speicher, die Basis unserer Gesundheit und Schönheit) in „tote Substanzen“ (saure Salze oder Schlacken, die die biologische Grundlage für jede Art der Zivilisationskrankheit bilden). Dies ist der (biochemische) Prozess des Alterns und der Beginn aller Krankheiten (lange bevor sich das eigentliche Symptom einstellt). Es ist jedoch möglich diesen Prozess zu verlangsamen und bis zu einem gewissen Grad auch umzukehren.

Energetische Ursachen der Alterung (das energetische Lebensumfeld):
Die Wahrheit ist, dass der Körper ein offenes System ist, welches von vielen anderen Systemen beeinflusst wird. Für die Lebensprozesse ist es besonders wichtig, die schädlichen Einflüsse von geopathischen und elektromagnetischen Energiefeldern zu berücksichtigen. Es gibt aber noch eine Vielzahl anderer Faktoren, die unseren energetischen Lebensraum und damit unsere Gesundheit und unseren Alterungsprozess beeinträchtigen, wie zum Beispiel baubiologische und geomantische Gegebenheiten. (…) Dieser Faktor ist ebenso wichtig für unsere Gesundheit und Heilung wie die Ernährung und Entgiftung.

Seelische Ursachen der Alterung:
Die Auswirkung der Seele auf die menschliche Gesundheit wird in der zeitgenössischen Medizin gemeinhin als psychosomatisch bezeichnet. In Wirklichkeit beinhaltet dieser Aspekt Karma aus früheren Leben, das Chakrensystem, das Meridiansystem, die Interaktion mit dem Reich der Verstorbenen und vieles mehr. Der Zustand unserer Seele hat einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit. Diesen Einfluss einfach „psychosomatisch“ zu nennen, trifft nicht genau den Punkt. Die Aktivität unserer Seele bestimmt zu einem großen Teil das Prana (die Lebensenergie), das wir für unser Leben zur Verfügung haben.


Wenn wir die heiligen Gesetze der Lebensprozesse in unserem Leben berücksichtigen werden wir sicher nicht gleich 800 Jahre alt, aber viele Forscher sind sich einig, dass 140 Jahre das Alter wäre, das für uns Menschen normal wäre. Mit dem Verständnis der Lebensprozesse und der individuellen Analyse eines Patienten lässt sich auch eine Heilungsmöglichkeit für jede Krankheit finden. (…)

Foto: www.pixabay.com

Lebensprozesse – die universellen Gesetze der Gesundheit und Langlebigkeit, Via Nova Vlg., 2015

Frank Albrecht, in Deutschland aufgewachsen, lebte er von 2000 bis 2015 in Irland. Er arbeitet als ganzheitlicher Forscher, Wellness Coach, Autor, Feng Shui- und Ernährungsberater, Rutengänger, Seminarleiter und ganzheitlicher Pädagoge. Durch spirituelle und biophysikalische Forschungen und Studien, die von einem Prozess der inneren spirituellen Transformation begleitet waren, erhielt Frank Albrecht tiefe Einsichten in die bio-chemischen, bio-physischen und spirituellen Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit. Sein Wissen gibt er in Einzelberatungen, Vorträgen und Seminaren weiter.

www.stopageing.com , www.lebensprozesse.org  und www.frankalbrecht.eu


Frühling 2016


Heilsame Berührung mit Therapeutic Touch

© karelnoppe –Fotolia.com

Brückenschlag zwischen moderner Medizin und alten Heiltraditionen
Autorin: Vera Bartholomay

 

Leila ist vier Jahre alt und schwerstbehindert. Sie ist spastisch, der Körper ist stark verdreht. Sie kann nicht sprechen, sitzen oder gehen. Ihre Mutter hält sie im Arm und streichelt sie sanft, während sie mit uns über das Heilen mit Energien spricht. „Ich kann so etwas nicht – dafür muss man wahrscheinlich eine besondere Begabung haben“. Dabei schaut sie ihre Tochter liebevoll an und streichelt sie weiter. Leila macht eine Mundbewegung, die man als Lächeln verstehen könnte. „Wenn sie so reagiert, hat sich alle Mühe gelohnt“, sagt die Mutter und alle im Raum sind ergriffen von dieser selbstlosen Liebeserklärung. Ich erkläre ihr, dass sie das, was wir unter „energetischem Heilen“ verstehen, gerade selbst ununterbrochen macht, dass sie es besser kann als die allermeisten – und dass alles, was sie darüber lernen könnte, nur eine Verfeinerung der Technik wäre. Sie schaut mich ungläubig an. „Ich mache doch nichts Besonderes, ich streichele Leila nur.“ Dass dabei ein feiner Strom reiner Liebe hinüberfließt, ist keine bewusste Aktivität.
Mit Leila erleben wir, was alle Eltern tun, wenn sie ihre Kinder lieben. Und was alle Menschen tun, wenn sie lieben. Wenn das Herz überfließt, fließt Energie. Es ist nichts Mystisches, nichts Magisches, sondern gehört zu unserem normalen Alltag dazu. Und wenn diese Energie Liebe transportiert, hat sie eine heilsame Wirkung.
Aber nicht nur unter Liebenden fließen heilsame Energieströme. Die heilsame Berührung ist eine Technik, die ganz leicht von jedem gelernt werden kann. Denn es ist eine uralte Fähigkeit, die schon in uns vorhanden ist und lediglich wieder geweckt werden muss.
 
Therapeutic Touch – eine energetische Heilmethode
Mit Therapeutic Touch hat diese besondere Art der Berührung eine moderne Form gefunden, die sogar in vielen deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen angewandt wird. Patienten können dann parallel zu den klassischen medizinischen Therapien eine energetische Heilbehandlung in Anspruch nehmen. Allein in Berlin sind ca. 400 Krankenpfleger in Therapeutic Touch ausgebildet worden.
Mittlerweile wird sie aber nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, sondern auch in anderen medizinischen Berufen wie in der Physiotherapie und bei Massagen angewandt, und natürlich auch in privaten Praxen oder rein privat in der Familie und unter Freunden.
Immer mehr Anwender sind überzeugt davon, dass eine gezielte Berührung und sanfte Stimulationen die energetischen Prozesse im Körper aktivieren und harmonisieren.
Die positive Wirkung von Therapeutic Touch zeigt sich meist sofort als tiefe Entspannung und allgemeine Vitalisierung. Die Methode ist sinnvoll bei Angst und Stress, zur Schmerzlinderung und bei der Wundheilung. Auch Chemotherapien und Bestrahlungen werden so besser vertragen. Aber nicht nur in den genannten Fällen, sondern bei vielen Krankheiten oder Befindlichkeitstörungen können Beschwerden reduziert werden.

Dabei findet ein bewusst gesteuerter Prozess des Energieaustausches durch die Hände des Behandlers statt, um die in jedem Menschen vorhandenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren, auszugleichen und zu stabilisieren. So wird der Heilungsprozess beschleunigt. Auch das Immunsystem wird durch die heilsame Berührung stimuliert.
 
Gemeinsame Wege einer Krankenschwester und einer Heilerin
Entstanden ist diese Methode in den USA in den 70er Jahren. Dolores Krieger war Krankenschwester in New York, als sie sich zusammen mit der Heilerin Dora Kunz auf der Suche nach einer neuen Methode der energetischen Medizin machte. Ihr Wunsch war, das energetische Heilen so einfach und unkompliziert zu machen, dass es in den normalen Krankenhausalltag leicht integriert werden konnte. Dafür musste die Methode schnell anwendbar sein, nicht befremdlich wirken und messbare und überprüfbare Ergebnisse bringen.
Die spätere Professorin für Krankenpflege an der University of New York hat dieses alte Heilwissen in einem moderneren Gewand zuerst für Krankenpfleger in ihrem Umfeld angeboten. Dort „testeten“ diese, inwieweit man innerhalb von wenigen Stunden so viel lernen konnte, dass ein heilsamer Effekt bei anderen bewirkt wurde. Die beiden Pionierinnen waren selbst überrascht von ihrem Erfolg: ihre ersten Schüler waren erstaunlich schnell dazu in der Lage gewesen, heilsame Energie zu übertragen.
Die Methode mit dem neuen Namen „Therapeutic Touch“ wurde daraufhin sehr schnell bekannt und füllte eine Lücke in der Schulmedizin, denn viele Pfleger waren unzufrieden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, den Patienten Gutes zu tun und zur Heilung beizutragen. Gleichzeitig wollten sie aber auch keine allzu fremdartigen Methoden in den Krankenhausalltag hineinbringen.
 
Weltweite Anwendung
Mittlerweile wurden über 200 000 Personen in mehr als 100 Ländern in dieser Methode ausgebildet. In den letzten Jahren ist die heilsame Berührung auch in Europa immer beliebter geworden und wird mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, der Schweiz, Holland, Österreich und Skandinavien unterrichtet.
Therapeutic Touch gehört zu den am häufigsten dokumentierten komplementärmedizinischen Methoden und versteht sich ausdrücklich nicht als Alternative zur Schulmedizin, sondern als Ergänzung hierzu.
 
Körperliche Berührung
Ursprünglich wurde Therapeutic Touch als eine non-contact-Methode entwickelt. Das heißt, dass der Körper nicht berührt wird, sondern ausschließlich in dem Energiefeld behandelt wird. Aber die Entwicklung zeigt immer deutlicher, dass Menschen eine direkte körperliche Berührung als sehr entspannend und heilsam empfinden, und in Europa hat sich somit die körperlich berührende Variante deutlich durchgesetzt.
 
Heilsame Berührung in der Onkologie und Hospizarbeit
TT hat sich als begleitende Therapie in der Onkologie sehr bewährt. In Wien leistete die österreichische Ärztin Dr. Anita Ritt-Wollmersdorfer über viele Jahre hinweg Pionierarbeit und integrierte so Therapeutic Touch als Bestandteil in der onkologischen Arbeit in drei großen Krankenhäusern. Das Angebot wurde dankbar von den betroffenen Patienten aufgenommen und die Ergebnisse waren sehr positiv.
In vielen Einrichtungen bekommen Patienten mit Krebsdiagnosen regelmäßig Therapeutic Touch-Behandlungen parallel oder im Anschluss an die üblichen Chemotherapien oder Bestrahlungen. Sie berichten von der wohltuenden Wirkung, einer tiefen Entspannung und fühlen sich durch diese berührende Methode sehr angenommen. Und sie fühlen sich dadurch meist gestärkt für die anstehenden nächsten schulmedizinischen Behandlungen.
Auch in der Hospizarbeit wird diese Methode immer beliebter, denn gerade hier braucht man eine sinnvolle Ergänzung zu den notwendigen Medikamenten. Gerade auch für die letzten Lebenstage ist eine sehr präsente und wohlwollende Berührung nicht wegzudenken.
 
Behandlungsablauf
Ziel der heilsamen Berührung ist es, das menschliche Energiefeld – auch Aura genannt – mit den Händen zu erspüren und zu harmonisieren. So wird der Energiefluß angeregt und die Selbstheilungskräfte können wieder besser fließen.

 

Eine klassische Therapeutic Touch Behandlung besteht aus vier Schritten:
 
1. Zentrieren:
Die behandelnde Person bringt sich bewusst in einen entspannten, stillen und konzentrierten Bewusstseinszustand. Sie fokussiert sich auf den Patienten und aktiviert für sich selbst einen Zustand erweiterter Wahrnehmung. In diesem Zustand werden Störungen aus der Umgebung weitgehend ausgeblendet. Während der gesamten Behandlung soll dieser Bewusstseinszustand aufrechterhalten bleiben.
 
2. Energetische Befundaufnahme:
Mit den Händen gleitet der Behandler langsam und gleichmäßig in einem Abstand von 5 - 15 Zentimetern über das gesamte Energiefeld des Patienten und stellt dabei eventuelle Unregelmäßigkeiten und Asymmetrien fest, die in Form von besonderer Wärme, Kälte, Prickeln, Fülle, Leere etc. wahrgenommen werden können. Diese Informationen bilden die Grundlage der darauffolgenden Behandlung.
 
3. Behandlung:
Zuerst wird das Energiefeld geglättet und ausgestrichen; hierbei wird der Energiefluss angeregt. Wenn die Energie an bestimmten Stellen nicht gut fließt, wird dort in besonderem Maße aktiviert. Danach werden die soeben erspürten besonders bedürftigen Stellen gezielt mit den Händen harmonisiert. Es wird Energie hinzugefügt oder ausgeleitet und das Energiefeld neu geordnet. Die Bewegungen sind dabei immer weich und gleichmäßig.
 
4. Erneutes Erspüren des Energiefeldes:
Abschließend wird nachkontrolliert, was sich durch die Behandlung geändert hat. Nach Bedarf wird eventuell auch der vorherige Schritt wiederholt, bis das Ergebnis stimmig ist. Jede Behandlung wird im Anschluss dokumentiert: Wie fühlte sich der Patient vor der Behandlung? Was wurde im Behandlungsablauf vom Behandler festgestellt? Wie fühlt sich der Patient danach? Wurden seine Erwartungen erfüllt?
 
Eine Stärkung auch für die Behandler
Ist es nicht anstrengend, Energie zu geben? Diese Frage hören die Anwender oft. Aber nein, ist es nicht. Sogar eher im Gegenteil. Denn die Anwender lernen in ihrer Ausbildung zuallererst, wie sie sich selbst energetisch versorgen und stärken können, damit sie bei dieser Art Behandlung nichts von den eigenen Energiereserven hergeben müssen und irgendwann ein Burn-out droht.
Während einer Behandlung werden die Anwender selbst energetisch mitversorgt – sie sind sozusagen in der Lage, sich in einen fortlaufenden Energiestrom hineinzubegeben – und viele berichten, dass eine Behandlung auch für sie selbst eine wohltuende Wirkung hat.
Wir erleben heute ein immer größer werdendes Interesse an komplementärmedizinischen Methoden. Vor allem solche, die nicht gegen die Schulmedizin ankämpfen, sondern sich als Ergänzung dazu betrachten, finden immer mehr überzeugte Anhänger.
Und es entsteht eine immer stärkere Sehnsucht nach einer tiefen Berührung auf allen Ebenen.
Vielleicht werden ganz neue Therapien in einigen Jahren zum normalen Alltag gehören – darunter auch die besonders wohltuende heilsame Berührung.

Vera Bartholomay ist Therapeutin und Lehrerin für Therapeutic Touch. Sie unterrichtet in Deutschland, in der Schweiz und in Norwegen. Autorin von „Heilsame Berührung – Therapeutic Touch“,

www.therapeutic-touch-bartholomay.com

Literatur: