Nachhaltigkeit & Neue Wirtschaft 2017


Herbst 2017


„Wir werden einmal darüber lachen, Arbeit müsse bezahlt werden“

dm-Gründer Götz Werner über Arbeitsglück und Unternehmensethik 

Interview: Melanie Redlberger von „trailer kultur.kino.ruhr“

 

trailer: Herr Professor Werner, Sie stehen für einen betont unautoritären Führungsstil im Unternehmen und plädieren außerdem für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Was muss passieren, damit Arbeit nicht nur Geld, sondern auch innere Zufriedenheit oder sogar Glück bringt?

Götz Werner: Wenn Menschen in ihrer Arbeit über sich selbst hinauswachsen können, macht sie das glücklich. Wenn man sagen kann: Mensch, heute habe ich etwas geschafft, das hatte ich mir nicht zugetraut. Zum Beispiel: Heute waren so viele Kunden im Laden und ich bin überhaupt nicht nervös geworden, habe das souverän gemeistert, mit meinen Kollegen zusammen.

Als Unternehmer muss man Rahmenbedingungen schaffen, dass die Mitarbeiter für diejenigen arbeiten, für die sie tatsächlich arbeiten: für die Kunden. Nicht, weil ein Chef es anordnet oder weil der Vorgesetzte so ein tolles Vorbild ist oder weil er eine Riesenprämie verspricht, sondern weil sie den Sinn ihrer Arbeit in der Aufgabe selbst entdecken. Es ist eine Bewusstseinsfrage. Wenn das, was man tut, extrinsisch, also von außen motiviert ist, ist es Maloche, wie man im Ruhrgebiet sagt. Wenn die Arbeit intrinsisch motiviert ist, also die Einsicht dahinter steht, dass man es nicht nur für sich selbst tut, sondern für die ganze Welt, dann ist das eben keine Maloche mehr, sondern Lebenssinn.

Die eine Säule für Arbeitsglück ist also Sinnstiftung. Die zweite Säule ist, dass die Arbeit wertgeschätzt wird. Es gibt keine Drecksarbeit, sondern es gibt nur Arbeit, die wertgeschätzt wird, und solche, die nicht wertgeschätzt wird. 

 

Apropos Wertschätzung: Welche Änderungen sind in den deutschen Chefetagen dringend notwendig?

Man kann immer noch so neofeudalistische Verhaltensweisen beobachten. Richtig wäre, dass man den anderen Menschen, und mag es auch der Geringste sein, wie es in der Bibel heißt, genauso wertschätzt und ihm auf Augenhöhe begegnet. Und dass man nicht meint, die da oben sind die Schlauen und die da unten die Dummen, die oben denken und die unten arbeiten. So ein Verhalten führt nicht dazu, dass die Mitarbeiter sagen, jawohl, hier bin ich Mensch, hier steige ich ein. Ich versuche das seit vielen Jahren deutlich zu machen: Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist ein fataler Grundirrtum. Beides ist Lebenszeit. Wir haben in Deutschland bei dm 40.000 Kolleginnen und Kollegen, und als Unternehmer geht man mit der Lebenszeit der Kolleginnen und Kollegen um. Dieses Bewusstsein muss man haben. Dadurch hat man nicht weniger Mut, aber mehr Demut.

 

Wir alle geben der Arbeit eine immense Bedeutung. Wenn ich mich aber über meine Arbeit nicht definieren kann, worüber definiere ich mich dann?

Dann müssen Sie sich eine andere Arbeit suchen.

 

Ist es richtig, dass die reguläre Erwerbsarbeit gesellschaftlich mehr geachtet ist als das, was Menschen an nicht bezahlter Arbeit leisten, von Kindererziehung über soziales Ehrenamt bis Sportverein?

Stellen Sie sich mal unsere Gesellschaft ohne ehrenamtlich Tätige vor. Was wäre das für eine Gesellschaft? Da würde kein Mensch leben wollen. Man hat sich so daran gewöhnt, die Lohnarbeit in den Vordergrund zu stellen, aber schaut man in die Statistiken, werden ja viel mehr, ungefähr zweieinhalb mal so viel, ehrenamtliche Arbeitsstunden in der Gesellschaft geleistet. Und dabei sind wir dann aber bereit, viel mehr zu zahlen für die Wartung unserer Autos, als für die Betreuung unserer Kinder in den Kindergärten, und die Pflege unserer Eltern im Altersheim. Das könnten wir auch anders machen, wenn wir wollen. 

 

Wie schafft man eine Veränderung solcher gesamtgesellschaftlichen Werten und Normen?

Indem man in den Gesellschaftsdiskurs geht und dadurch zu anderen Wertvorstellungen kommt. Vor hundert Jahren haben Zeitungen noch geschrieben, Frauen dürften nicht wählen, weil sie nicht denken könnten. Wie urteilen wir heute darüber? Wir wollen noch nicht einmal mehr darüber lachen. So ändern sich die Dinge. Und so wird sich die Einstellung zur Arbeit auch ändern. Wir werden einmal darüber lachen, dass wir gedacht haben, Arbeit müsse bezahlt werden. Sie können die Arbeit durch eine Bezahlung immer nur ermöglichen. Die Arbeit selbst ist gar nicht bezahlbar. Erst einmal müssen Sie möglich machen, dass jemand überhaupt die Zeit aufwenden kann, um zu arbeiten. Und schon sind Sie beim bedingungslosen Grundeinkommen. Ein Mensch, der in unserer Gesellschaft lebt, muss ein Einkommen haben, damit er leben kann. Wenn Sie kein Einkommen hätten, könnten Sie es sich gar nicht leisten, mit mir ein Interview zu führen. Sie brauchen das Einkommen, um arbeiten zu können. Aber so denken wir im Allgemeinen nicht. Wir denken, wir bekommen das Einkommen, weil wir arbeiten. Wir denken heute verkehrt herum. Deshalb brauchen wir eine kopernikanische Bewusstseinsdenkwende.

 

Was motiviert Sie dazu, für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu streiten, so wie Sie es in Ihrem gerade erst erschienenen Buch tun, „Sonst knallt‘s!, Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“, geschrieben zusammen mit Marc Friedrich und Matthias Weik?

Denken Sie an den Leitspruch der Aufklärungsbewegung: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Durch das bedingungslose Grundeinkommen wird dies erfüllt. Bekomme ich jeden Monat ein Grundeinkommen, bildet dies einen kleinen Freiheitsraum, in dem ich bescheiden, aber menschenwürdig leben kann. Ab diesem Moment bin ich nicht mehr abhängig von anderen. Weder von meinem Vorgesetzten noch von meinem Partner. Ich kann immer sagen: Das klappt mit uns nicht, ich mache etwas anderes. Und die Brüderlichkeit, heute sagt man Geschwisterlichkeit, wäre dadurch real geworden. Das heißt ja nichts anderes als: Sie haben den gleichen Anspruch auf ein Grundeinkommen wie ich. So einfach ist das.

 

Ökonomisch gedacht: Wieso braucht es zudem eine Änderung bei der Versteuerung?

In unserem heutigen Steuersystem besteuern wir das Einkommen und damit den Leistungsbeitrag. Das ist ein großer Fehler. Diese Art von Versteuerung kommt noch aus der Selbstversorgungszeit, als der Bauer den Zehnt abgab von seiner Ernte. Damals haben die Menschen von ihrer eigenen Produktion gelebt. Und heute leben wir von der ganzen Welt. Die ganze Welt versorgt uns, wir versorgen die ganze Welt. Das ist neu. Und es heißt, dass wir heute immer für andere leisten, nie für uns selbst. Und die ganzen finanziellen Aufwendungen, die wir haben, kommen daher, dass wir konsumieren. Somit dürfen wir nicht den Leistungsbeitrag besteuern, sondern müssen die Leistungsentnahme besteuern. Nicht die ersten 300 Liter Wasser, die man zum Leben braucht sollten die teuersten sein, und die letzten 100 Liter die billigsten, sondern umgekehrt – die ersten 300 Liter sind lebensnotwendig, die letzten 100 Liter, die man vielleicht in den Swimmingpool laufen lässt, sollten die teuersten sein. Wenn Sie in die Welt schauen, dann wird alles im Dutzend immer billiger, obwohl immer mehr Ressourcen verbraucht werden. Wir müssten eigentlich an den Punkt kommen, je mehr Umwelt man verbraucht, also die Umwelt belastet, desto teurer müsste es werden.

 

Ihre Argumente für das bedingungslose Grundeinkommen basieren auf einem unglaublich positiven Menschenbild: Der Mensch will sich produktiv entwickeln, hat genug eigene Motivation, um sein Grundeinkommen als Basis zu nutzen und sich dazu weitere sinnvolle Tätigkeiten selbst zu schaffen, Selbstentfaltung geht vor Profitgier. Gleichzeitig wären Sie als Geschäftsmann nicht derart erfolgreich gewesen ohne eine prinzipielle Profitorientierung, ohne die Expansion in immer mehr Filialen, und ohne das Streben nach Umsatzsteigerung…

Statt Profit sagen Sie einfach mal, dass wir etwas zustande gebracht haben für alle. Es geht nicht um den Profit für den Einzelnen, sondern um den Profit für die Gemeinschaft. Indem die Arbeitsgemeinschaft etwas umsetzt, und die Kunden dann sagen: Wir sind froh, dass hier ein dm-drogerie markt ist. Es geht um Profit im umgekehrten Sinne: um den gemeinsamen Nutzen.

 

Sie nehmen die Stichworte, die ich Ihnen gebe, auch die kritisch gemeinten, und geben ihnen eine positive Bedeutung. In Ihrem Denken hat jeder Baustein eine andere, bessere Bewertung. Wo bei mir ein Minus ist, steht bei Ihnen ein Plus. Sie müssen ein glücklicher Mensch sein.

Sonst hätte ich nicht so lange ein Unternehmen leiten können. Wir haben in Deutschland 40.000 Mitarbeiter bei dm. Und jeden Tag zwei Millionen Kunden. Stellen Sie sich mal vor, ich wäre der Meinung, jeder Kunde, der zu uns kommt, ist ein potentieller Ladendieb. Wenn man es so sehen würde, müsste man alle Läden schließen.

 

Sie könnten Ihren Mitarbeitern misstrauen, Ihren Kunden misstrauen, trotzdem Ihr Geschäft öffnen und dann eben auf maximale Ausbeutung setzen. Sie würden möglicherweise in einem gewissen Sinne erfolgreich sein, nur wahrscheinlich sehr unglücklich. Und Ihre Mitarbeiter auch.

Wahrscheinlich nicht so erfolgreich. So eine Negativstimmung befördert nicht die Kreativität.

 

Mitarbeiterfreundliches, ethisch motiviertes Handeln, verbunden mit wirtschaftlichem Erfolg: Wieso sind Sie damit eine solche Ausnahmeerscheinung in der deutschen Wirtschaft?

Das bin ich gar nicht. Menschen, die erfolgreich sind, machen das in den meisten Fällen intuitiv richtig. Schauen Sie sich doch mal erfolgreiche Unternehmen an, da wird vieles im Prinzip richtig gemacht, aber oft nicht bewusst. Diese Unternehmer geben vielleicht keine Interviews. Bei dm machen wir mehr als nur Zahncreme verkaufen. Das ist es, was Spuren hinterlässt. Das krasse Gegenbeispiel war im Prinzip die Methode Schlecker. An Schlecker habe ich viel gelernt. Aber nicht im positiven Sinne. Genauso darf man es nicht machen.

 

dm ist ein Wirtschaftsunternehmen, das auch aufgrund seine IT-Anwendungen erfolgreich ist. Die Daten Ihrer Payback-Kunden werden detailliert ausgewertet und in maßgeschneiderte Angebote umgesetzt. Sie selbst sind im Aufsichtsrat von Payback. Haben Sie selbst eine Payback-Karte und geben Ihre Daten preis? Wie passt der gläserne Kunde in Ihr Menschenbild?

Natürlich habe ich selbst eine Payback-Karte. Der Kunde ist ja nicht wirklich gläsern. Wir bekommen dadurch nur Assoziationen, können besser abschätzen, wann sich an welchem Punkt etwas verändern wird. Im Handel gibt es so viele Veränderungen, die man nicht zu früh, aber auch nicht zu spät erkennen muss. Ein Unternehmen ist wie ein Schiff – wenn Sie vorher wissen, dass da ein Riff kommt, können Sie drumherum fahren, damit Sie nicht wie die Titanic enden. Klar ist: Wenn man für Kunden tätig ist, dann muss man die Kunden mögen, an ihnen Interesse haben. Mehr als das: Man muss seine Kunden lieben. Und man sollte sich klar machen, die wichtigsten Kunden sind die eigenen Mitarbeiter. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht überzeugen, können Sie Ihre Kunden auch nicht überzeugen.

 

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie in den Zeitungen lesen, „dm endet bald wie Schlecker“, es gäbe Mobbing-Vorwürfe und man habe in den Filialen systematisch die Betriebsratsarbeit erschwert?

dm ist ein großes Unternehmen. Wie in unserer gesamten Gesellschaft gibt es nichts, was es nicht gibt. So etwas gehört dazu, auch wenn es Tritte vors Schienbein sind. Wenn so etwas kommt, müssen wir korrigieren. Das ist die Aufgabe der Unternehmensleitung. Man muss sich das Ganze aber auch noch ein bisschen genauer und aus anderer Perspektive anschauen. Gehen wir mit dem, was wir machen, mit dem richtigen Bewusstsein um?

 

Welches Bewusstsein braucht es denn, damit Arbeitsglück für alle möglich ist?

Es ist eine Frage der Gesamtgesellschaft. Eine Frage der Kulturwerte. Nach meinen Vorträgen fragen mich die Zuhörer immer: Herr Werner, wenn Sie das bedingungslose Grundeinkommen einführen, dann arbeitet ja keiner mehr bei dm an der Kasse. Dann sage ich: Gottseidank! Daraufhin fragen die Leute: Was? Wieso? Und ich sage, nun ja, dann sieht man endlich, welche Kollegen wirklich bei uns kassieren wollen. Oder welche dies nur machen wegen des Geldes. Und dann mehr schlecht als recht. Stellen Sie sich mal vor, wir hätten nur Kassiererinnen beim dm-drogerie markt, die das alle wollen. Und nicht müssen.

 

Aber vielleicht wollen die Kassiererinnen lieber Filialleitung sein…

Ja, das können sie ja werden.

 

Da kommt dann der Konkurrenzkampf ins Spiel… oder ist das jetzt wieder im Minus gedacht?

Kein Kampf, ein Wetteifern… Beobachten Sie einmal Kinder, dieses Wetteifern ist angeboren. Im Gegensatz dazu ist ein Tier rundherum zufrieden, ein Mensch ist immer ein Stück weit unzufrieden. Tiere sind determiniert, der Mensch ist ergebnisoffen. Dadurch, dass er diese Ergebnisoffenheit hat und auch diesen Drang – wie heißt es bei Goethe: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst“ – damit können Sie bei jedem Menschen rechnen. Er wird seine Erfüllung suchen und die kann man auch an der Kasse bei dm finden. Fakt ist, erst in der Gemeinschaft wächst man über sich hinaus. Das Grundeinkommen braucht man, um zu leben. Für was braucht man dann noch die Arbeit? Die Arbeit braucht man, um sich zu entwickeln. Deswegen sind Biographien so interessant, dort kann man nachlesen, wie sich Menschen entwickelt haben. Tiere sterben als das, als was sie geboren worden sind. Das ist bei den Menschen anders. Wir sind Entwicklungswesen und stehen immer auf den Schultern der Gemeinschaft, nie auf den eigenen Füßen. Auf eigenen Füßen kann man – bildlich gesprochen – gar nicht stehen.

 

Prof. Götz W. Werner, Jahrgang 1944, ist Gründer und inzwischen Aufsichtsrat von dm-drogerie markt. Er ist Mitglied mehrerer Aufsichtsräte und Beiräte national und international operierender Unternehmen, Gastprofessor an der Alanus Hochschule und Autor des Buchs „Einkommen für alle“. Werner wurde unter anderem mit dem Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet.

 

Ein weiteres Interview mit Götz Werner gibt es hier: http://www.wiesbadener-kurier.de/vermischtes/vermischtes/uns-droht-grosses-unheil-dm-gruender-goetz-werner-fordert-das-bedingungslose-grundeinkommen_18242928.htm#cxrecs_s

 

Und noch eines: http://derstandard.at/2000051252761/Goetz-Werner-Alte-s-stellt-eine-ganze-Gesellschaft-vom-Kopf 

Foto: thinkstock ©guruXOOX

 

Buchtipp:

„Sonst knallt's! - Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“

von Matthias Weik, Götz Werner, Marc Friedrich,

edition eichborn


Neues vom Hof Grummersort: Solidarische Landwirtschaft

Seit Mai 2017 bieten wir Ihnen einen neuen Weg am Hof Grummersort und seinen landwirtschaftlichen Produkten teilzuhaben. 

Wir, die neuen Bewirtschafter-Familien der Hofgemeinschaft, Sebastian Mall und Eva Rotter, Christoph Zimmermann und Marie Martensen sowie Eike und Julia Frahm werden ein Viertel des Hofes nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft bewirtschaften. 

  

Bei der Solidarischen Landwirtschaft trägt eine Gruppe von Menschen die Kosten des Hofes durch einen monatlichen Beitrag und bekommt im Gegenzug dafür alles, was auf dem Hof  erzeugt und produziert wird. Das Ernteglück teilen sich die Mitglieder dabei genauso wie das Ernterisiko. Die geernteten Produkte werden einmal in der Woche an diese Mitglieder ausgeteilt. In wöchentlichen Hofbriefen erfahren Sie, was auf dem Hof gerade los ist und was wir in der Woche liefern werden.

Wir bieten außerdem die Möglichkeit bei gemeinsamen Aktionen auf dem Hof die Zusammenhänge der regionalen Landwirtschaft kennen zu lernen und eine Beziehung zu dem Ort, zu uns Menschen und den Lebensmitteln aufzubauen.

Ausführliche Informationen zur Solidarischen Landwirtschaft in Grummersort finden Sie auf der Internetseite www.solawi-oldenburg.de.

Die bisherigen Vermarktungswege über die Hof-Kiste und die Marktstände bleiben bestehen. 

Für das Erntejahr 2017 gibt es noch 10 freie Ernteanteile. Ein Ernteanteil ist etwa die Menge an Lebensmitteln, welche für die Versorgung einer Person über das Jahr ausreichend ist.

Mit einem Ernteanteil tragen Sie als Mitglied der Solawi Oldenburg Verantwortung für einen Teil des Hofes, indem Sie durch deinen monatlichen Finanzbeitrag die Arbeit der Landwirte ermöglichen. Die auf der Fläche von einem 1/4 ha Land entstandenen Produkte stehen Ihnen jede Woche zur Verfügung. 

 

Das sind: 1,5 bis 3 kg Gemüse je nach Saison, Kräuter und Salate, 1 kg Kartoffeln, 250 g Fleisch (Wurst gibt es über längere Zeiträume, frisches Schweine- und Rindfleisch immer dann wenn wieder geschlachtet wird), 1 Brot, 4 Eier, Milchprodukte aus ca. 8 Liter verarbeiteter Milch

 

Man kann zwischen drei Ernteanteil-Typen wählen: vegan: Brot, Gemüse (Richtwert 120 €); vegetarisch: Brot, Gemüse, Milchprodukte, Eier (Richtwert 164 €); mit Fleisch: Brot, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fleisch (Richtwert 180 €).

 

Freitagnachmittag kann sich jedes Mitglied seinen Ernteanteil zwischen 15 bis 18 h vom Hof abholen. Es gibt jeweils eine Verteilstelle (Depot) in Eversten, Donnerschwee und Osterburg, welche immer am Dienstagnachmittag mit den jeweiligen Ernteanteilen vom Hof beliefert werden.

Für unsere Planung möchten wir Sie bitten, sich unter mitglied@solawi-oldenburg.de an uns zu wenden, wenn Sie verbindlich an einem Ernteanteil interessiert sind. Bitte geben Sie auch gerne Ihre Adresse an, und ob der Anteil mit Fleisch, vegetarisch oder vegan sein soll.


Sommer 2017


Samtusta - Mit leichtem Gepäck - Von Manfred Folkers

Das aber sei dein Heiligtum: Vor dir bestehen können.

(Theodor Fontane)
 
Die Lehre des Buddha ist die unvoreingenommene Anwendung des gesunden Menschenverstands auf das ganze Leben und das Leben als Ganzes. Deren Praxis ist es, jegliches Geschehen in der Gegenwart offenherzig und umfassend wahr (!) zu nehmen.
 
Seit einiger Zeit wird immer klarer, dass die Menschheit in einem Dilemma steckt. Einerseits lebt sie in der erfolgreichsten Zivilisation der Geschichte, deren Technologien und Institutionen scheinbar unendliche Möglichkeiten schaffen. Andererseits beruht dieses Privileg auf einer ständigen Leugnung der Begrenztheit des Planeten Erde.
 
Das Ignorieren dieser Rahmenbedingungen erfolgt systematisch. So entnimmt in Mitteleuropa jeder Mensch jeden Tag der Natur ein Vielfaches dessen, was für eine enkeltaugliche Lebensweise zuträglich ist.
 
Um den Widerspruch zwischen diesem Wissen und dem tatsächlichen Handeln aufzulösen und durch veränderte Gewohnheiten eine heilsamere Perspektive zu entwickeln, werden äußere und innere Kraftquellen benötigt.
 
Anregungen von außen gibt es viele. Aufrufe zur „universellen Verantwortung“ nehmen zu. Schon vor 25 Jahren propagierte eine große Umweltkonferenz das Motto „global denken - lokal handeln“. Der Spruch „all we need is less“ ist in aller Munde und das Lied „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ ein Hit.
 
Um leichteres Gepäck nicht als Verzicht zu erleben, ist ein innerer Wandel nötig. Dieser beinhaltet die Rückgewinnung der persönlichen Integrität, also die Erfahrung, in den Spiegel zu schauen, ohne ein von Selbstüberhöhung und widersprüchlichem Handeln gezeichnetes Wesen zu betrachten. Erst wenn die einzelnen Menschen einen Alltag gestalten, der der Erde und der Zukunft eine Stimme gibt, ebnet sich der Weg zum wirklichen Beenden der Überschreitung ökologischer Grenzen.
 
Es ist genug vorhanden, um ein integres und erfülltes Leben zu führen. Dieses Wissen hat der Buddha als „Samtusta“ bezeichnet: „Versöhnt und zufrieden in dieser Welt anwesend sein und sich in ihr ganz und wach zu Hause fühlen - und entsprechend handeln“.

Dieser Text erschien zuerst im „Interreligiösen Kalender 2017" des Arbeitskreises "Religionen in Oldenburg". Er wurde (zum 3. Mal) herausgegeben von der Stadt Oldenburg (Stabsstelle Integration) und dem "Präventionsrat Oldenburg PRO".


Winter 2017


Das grüne Dilemma oder: Warum wir das Richtige im Falschen tun müssen

Autor: Stefan Brunnhuber

 

Stefan Brunnhuber hat kürzlich in Oldenburg einen vielbeachteten Vortrag zum Thema gehalten. - Textauszug mit freundlicher Genehmigung des Herder-Verlages aus „Die Kunst der Transformation - Wie wir lernen, die Welt zu verändern“

Eine zentrale Aussage dieses Buches ist, dass menschliches Verhalten und Erleben einer Entwicklung unterliegen, dass diese Entwicklung einer inneren Regelmäßigkeit folgt und dass die Entwicklung mit der Ich-Entwicklung nicht endet. Diese Entwicklungslogik hat an mehreren Stellen eine zentrale Beziehung zu unserem Thema. Eine der Herausforderungen, die auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit immer wieder auftaucht, ist das sogenannte grüne Dilemma oder die Frage: Was passiert, wenn wir das Richtige im Falschen tun?


Die Frage begegnet uns regelmäßig in der Diskussion um sinnvolle Lebensstile: Etwa bei alternativen Formen der Mobilität, bei der Einschränkung unseres Fleischkonsums bei der Nutzung von erneuerbaren Energiequellen oder auch bei Vorschlägen für eine intelligente Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen. Wir können einen Wandel hin zu einem richtigen, also bezogen auf die Nachhaltigkeit ethisch guten Handeln sehen. So gibt es etwa in Italien mehr Fahrrad- als Autokäufe, in Deutschland sind über 51 Prozent der Solarzellen in privater Hand, circa ein Drittel der Bevölkerung gärtnert, und in den Städten werden weltweit bereits bis zu 20 Prozent der Lebensmittel durch Urban Gardening hergestellt.

Das ist alles richtig. Potenziell falsch wird es, weil hier eine Minderheit auf eine Mehrheit trifft, die etwas ganz anderes will. Die globale Mehrheit will mehr Mobilität, mehr Fleischkonsum, mehr fossile Brennstoffe und mehr globale Vernetzung – und konterkariert damit das Anliegen der Minderheit. Denn wenn die Minderheit ihren Lebensstil an ihre Überzeugungen anpasst, provoziert sie gleichzeitig einen Nachfragerückgang bei den jeweiligen Gütern (Autos, Fleisch, Öl). In der Folge kommt es zu einem Preisverfall, von dem die Mehrheit profitiert und noch mehr konsumiert, sodass sich die Gesamtsituation weiter verschlechtert. Es entsteht ein Dilemma, das auf dieser Ebene nicht lösbar ist, denn die Mehrheit folgt dem Grundsatz: Je weiter weg (zeitlich und emotional) die Konsequenzen eines Lebensstils sind und je schleichender der Prozess ist, umso geringer ist die Motivation, sich gegenwärtig zu ändern. Wir verhalten uns stattdessen wie der Frosch im Warmwasserbad, der der Legende nach im eigenen Saft verkocht, weil ihm der lebensrettende Sprung aus dem immer heißer werdenden Wasser nicht gelingt. Der Unterschied zwischen Mensch und Frosch ist, dass wir uns zumindest dann ändern, wenn es beginnt wehzutun.

Aber es tut noch nicht hinreichend weh. Jede heute akzeptierte Einschränkung zugunsten einer Reduktion der globalen Erwärmung wird erst in zehn Jahren einen sichtbar positiven Effekt auf das Klima haben. Warum also sollten wir heute etwas tun? Herkömmlicherweise verfolgen wir im gesellschaftspolitischen Umfeld eine Art Doppelstrategie: (…) „Wir glauben nicht, dass fossile Brennstoffe die zentralen Energieträger des 21. Jahrhunderts sind und dass mehr Mobilität und mehr Fleischkonsum dem Klima dienen. Wir wissen auch, dass eine intelligente Regionalisierung, veränderte Lebensstile und ein geringerer materieller Wohlstand bei höherem Zeitwohlstand der gerechtere und nachhaltigere Weg sind. Aber wir sind uns bewusst, dass wir damit das Richtige im Falschen tun und Gefahr laufen, die aktuelle Situation zu verschärfen.“

Warum aber ist es dennoch richtig, das Richtige im Falschen zu tun? Die Antwort scheint zunächst simpel: Weil mitzumachen, weil es alle tun, nicht automatisch eine bessere Entscheidung bedeutet – auch wenn Vertreter der Schwarmintelligenz das gelegentlich behaupten. Gruppenentscheidungen sind Einzelentscheidungen nicht zwangsläufig überlegen, denn ein Zuviel an Vernetzung birgt die Gefahr von Ansteckungseffekten, die eine Entwicklung in die falsche Richtung lenken können. Wir konnten das beim Entstehen der Finanzblasen auf den Aktienmärkten sehen. Auch bei Massenhysterien oder bei eklatanten Fehlentscheidungen im Rahmen basisdemokratischer Meinungsbildung tritt dieses Effekt auf.
An dieser Stelle kommt die sozialpsychologische Forschung ins Spiel: Eine Reihe von  Studien konnte aufzeigen, dass Menschen generell – das heißt unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Gesinnung – anfällig sind gegenüber Konformitätsdruck in der Gruppenkonstellation. Je homogener die Zusammensetzung der Gruppe und je größer die Gruppe ist, umso stärker steht der Einzelne unter Konformitätsdruck. Wenn beispielsweise einzelne Menschen im Kreis gehen, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Menschen im Kreis gehen, auch wenn sich ihnen der Sinn dieser Aktivität nicht erschließt. Ein bekanntes Beispiel aus dem Alltag ist das Verhalten an einer roten Ampel: Je mehr Menschen an der Ampel warten, umso wahrscheinlicher ist es, dass der Einzelne stehen bleibt.

Solche Beispiele sind zwar eher trivial, aber sie verweisen darauf, dass Kooperation und Konformität in uns angelegt sind und wahrscheinlich einen konkreten Überlebensvorteil mit sich bringen. Konformität und kollektive Regelbefolgung sind schon aus dem Grund nicht schlecht, dass wir erst durch Konsens, Rituale, einen gemeinsamen Sprachgebrauch und eine gemeinsame Gesetzgebung die Voraussetzung für ein Zusammenleben schaffen. Das Bedürfnis nach der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist oft sogar stärker als das, seinen  autonomen und individuellen Überzeugungen zu folgen – denn wir begeben uns dann in die Gefahr, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Der Zusammenhang hat auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte in der EU eine zentrale psychologische Bedeutung: Der Umfang und die Vielfältigkeit an Identifikationen bestimmt über weite Strecken die Stabilität der personalen Identität. Das heißt: Solange die personale Identität nur über die ethnische und nationale Zugehörigkeiten definiert ist und keine anderen Identifikationen zulässt (etwa Geschlechterrolle, Religionszugehörigkeit, Körperbild, soziale Rollen wie Nachbarschaft, Vereinszugehörigkeit, Partei, Menschenrechte), so lange kann alles Fremde schnell zu einer Gefahr für die eigenen Identität werden.

Problematisch wird es zudem, wenn der Regelkonformismus trotz besseren Wissens und entgegen der eigenen Gesinnung von uns das Falsche fordert. Eine intrapsychische Lösung des Konfliktes besteht dann darin, dass wir unser konformes, aber falsches Verhalten der Situation und dem Kontext zurechnen, um uns so zu entlasten – während wir die Fehler der anderen mit deren jeweiliger Gesinnung und inneren Einstellung begründen. (…) Der Psychologe Solomon Asch konnte 1965 in seinen klassischen Experimenten zur Konformität zeigen, dass Menschen unter Gruppenzwang sogar einer offensichtlich falschen Aussage zustimmen. Dafür wurde den Versuchspersonen eine Linie gezeigt, deren Länge sie mit Vergleichslinien abgleichen sollten. Eine der Vergleichslinien war jeweils deutlich erkennbar gleich lang. Trotz dieser eindeutigen Sachlage waren Versuchspersonen bereit, sich einer offensichtlich falschen Einschätzung zu unterwerfen, wenn sie einstimmig von der Gruppe kam. Neben Aschs Konformitätsexperimenten ist in diesem Zusammenhang vor allem das Experiment von Stanley Milgram aus dem Jahr 1963 berühmt geworden. Auf autoritäre Anweisungen hin sollten die Versuchspersonen einen vermeintlichen Schüler (eigentlich Helfer des Versuchsleiters) mit Stromstößen bestrafen, wenn er Aufgaben falsch gelöst hatte. Über zwei Drittel der Versuchspersonen gingen in der Bestrafung so weit, dass sie Stromstöße auslösten, die, wenn sie echt gewesen wären, den Tod des Schülers zur Folge gehabt hätten.
(…) Aus der militärwissenschaftlichen Forschung sind diese Zusammenhänge seit über fünfzig Jahren bekannt: Es sind weder spezifische Persönlichkeitsvariablen wie Extraversion, Disziplin, Offenheit für Lernerfahrungen oder Intelligenz noch kognitiv-ideologische Kategorien wie Vaterlandstreue und religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen, die Gruppenverbände zusammenhalten und motivieren, sondern das In-Group-Erlebnis – das heißt das Bedürfnis, nicht ausgegrenzt zu werden. Die Zugehörigkeit zu bestimmten Ritualen, die emotionalen Bindungen, interne Hierarchien und Anforderungen sind die entscheidenden Gruppeneffekte, die genutzt werden, um schwierige Herausforderungen zu meistern. Sie tragen wesentlich zur Identität des Einzelnen bei. Das heißt: Das unspezifische Gefühl der Zugehörigkeit, das mit der gleichzeitigen Abgrenzung gegenüber dem Fremden oder dem Feind einhergeht, übersteuert fast alles.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Menschen vor allem dann an einem bestehenden Gruppenverhalten orientieren, wenn eine Situation zweideutig, unsicher und widersprüchlich ist und die Gruppe eine sehr homogene Meinung ausbildet. Das Verhalten kann dann – von außen betrachtet – rasch dysfunktional, falsch, ungerecht, sinnlos und realitätsfern werden. Was bisher als Ausnahme oder gar Anomalie verstanden wurde, wird zur Normalität. Aber Normalität ist in diesem Fall eben nur ein statistischer Mittelwert. Es ist also ein Fehlschluss, das Handeln der Mehrheit als naturgegeben zu interpretieren, und es ist ebenso falsch, daraus eine ethische Norm abzuleiten. Denn würden wir ein so verstandenes Normalitätsverständnis zur ethischen Grundlage für unser Handeln machen, dann würde das die seltsamsten Blüten treiben.

Was können wir aus den Befunden der klassischen Sozialpsychologie für unsere Nachhaltigkeitsdebatte mitnehmen? Menschen reagieren extrem sensitiv auf unmittelbare Kontextbedingungen, Anreizstrukturen und soziale Umstände. Und zwar so sensitiv, dass auch stabile Persönlichkeitsvariablen, jahrelang eingeübte Verhaltensweisen, charakterbildende rationale Überzeugungen und willentliche Kundgebungen schnell übersteuert werden können. Wenn wir Nachhaltigkeitsziele erreichen und Menschen dabei mitnehmen und begeistern wollen, dann geht es weniger um die ethischen oder religiösen Grundüberzeugungen, die biografischen Zusammenhänge und Motive, philosophische Letztbegründungsstrategien oder ökonomische Effizienzorgien, sondern darum, wie der Einzelne in Gruppen und Gruppen wiederum in Großgruppen unter konkreten Bedingungen reagieren.
(…)Das, was auf individueller Ebene rational, einsichtig und vernünftig ist, verliert auf einer kollektiver Ebene möglicherweise seinen Sinn, wenn es alle tun. Wenn beispielsweise alle sparen oder alle konsumieren, dann fehlt entweder das Geld, oder die Preise steigen ins Unermessliche. Individuelles Verhalten kann aus der Innenperspektive jedes einzelnen Akteurs rational sein – und gleichzeitig auf einer kollektiven Ebene zu massiven Verlusten führen, wenn es nicht entsprechend korrigiert und ausbalanciert wird. Oder, um auf unser Beispiel zum richtigen Verhalten im Falschen zurückzukommen: Die sozialpsychologischen Befunde zeigen deutlich, dass die Gemeinschaft eben keine einfache Verlängerung des Individuellen ist.

Jede Verhaltensänderung trifft auf ein spezifisches Set an Rationalitätsstandards, das den Grund dafür liefert, sich zu ändern oder auch nicht. Die kognitive Einsicht allein reicht  offenbar für eine gesellschaftliche Transformation nicht aus. Die Frage ist vielmehr: Wann tut es weh? Das psychologische Korrelat dieses Schmerzes hat zwei Bestandteile: die Fähigkeit zur Empathie und die Fähigkeit zur Versöhnung von Effizienz und Resilienz. Beim Ersten handelt es sich eher um einen emotionalen, beim Zweiten eher um einen kognitiven  Vorgang.
Die Empathie als die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, lernen Kinder ab dem dritten Lebensjahr. Diese Fähigkeit stellt einen zentralen Überlebensvorteil für uns Menschen dar – und ist auch für das Thema Nachhaltigkeit entscheidend. Denn erst wenn wir das unerträgliche Leid, das über eine Milliarde Menschen tagtäglich in absoluter Armut ertragen müssen, die schreiende Ungerechtigkeit in den Wohlstandsunterschieden, den Schwund an Artenvielfalt und ökologischen Habitaten oder auch die globale Erwärmung als einen Anteil unseres eigenen Selbst und unserer Lebensentwürfe erleben, sind die emotionalen Voraussetzungen für einer Verhaltensänderung innerhalb eines grünen Dilemmas gegeben. Das ist zweifellos anspruchsvoll, aber nicht unmöglich.
(…)
Wenn wir uns auf dem Weg in eine andere Zukunft an den Ergebnissen der Life Sciences (klinische Psychologie, Neurobiologie, Sozial- und Systemforschung etc.) orientieren, haben wir eine gute Chance, friedlicher, gerechter und nachhaltiger zusammenleben zu können. Das Richtige im Falschen bleibt aber so lange ein Dilemma, solange wir nicht die entsprechende globale Empathie und die kognitiven Voraussetzungen für die Stärkung regionaler Resilienz und zur Überwindung von sektoraler Effizienz ausgebildet haben. Beides sind  psychologische Kategorien eines veränderten Bewusstseinsschwerpunkts und nicht Ergebnis innovativer Technologien oder weiteren expansiven Wachstums.

Stefan Brunnhuber wurde 1962 in Augsburg geboren. Nach KfZ-Mechaniker Lehre, Studium in Medizin, Philosophie und Sozialwissenschaften. Nach Promotion Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Homburg/Saar. Weiterbildung in Gruppentherapie, Schmerz, Psychoanalyse. Forschungsschwerpunkte sind Stress- und Affekt-, Psychotherapieforschung. Er beschäftigt sich auch mit gesundheitsökonomischen Fragen und Mind-body Medicine. Zur Zeit Weiterbildung in Komplementärmedizin und Schmerztherapie.

Die Kunst der Transformation – Wie wir lernen, die Welt zu verändern

Stefan Brunnhuber

Herder Vlg.

336 S., 24,99 €

Siehe auch unter "Wortwelten"