Nachhaltigkeit & Neue Wirtschaft 2018


Herbst 2018


Der Umwelt- und Bildungsraum „Jeddeloher Busch“

Von Enno und Gunnar Jeddeloh

 

Die Mitglieder des Umweltvereins „De Jeddeloher Busch e.V.“ betreiben seit mehreren Jahrzehnten ein Waldgrundstück in der Gemeinde Edewecht, das sowohl als Lebensraum für Pflanzen und Tiere als auch ein öffentlicher Raum für Umweltbildung und Gesellschaftsleben eine wichtige Rolle in der Region Ammerland-Oldenburg spielt. Durch schwere Stürme im Herbst 2017 kam es jedoch zu immensen Schäden, die Betreten und Nutzung des Geländes derzeit unmöglich machen. Dieses Konzeptpapier beschreibt die entstandenen Schäden sowie das Konzept zur Wiederherstellung des Geländes. Zentraler Teil des Konzepts sind zudem Umgestaltungen des Geländes sowie ein Ausbau der vorhandenen Infrastruktur, die durch die Sturmschäden nötig und möglich wurden. Dabei werden der steigende Bedarf an Naturräumen für die Umweltbildung und die heutigen Erfordernisse an inklusiver Bildungsarbeit berücksichtigt. 

 

 

Seit über 40 Jahren betreibt die Familie Jeddeloh in Jeddeloh I ein ca. 4 ha großes Waldgrundstück, das in langer Arbeit aufgeforstet und für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung gestellt wurde. Seit 2005 ist die Arbeit durch einen eingetragenen gemeinnützigen Verein staatlich anerkannt. Der Verein „De Jeddeloher Busch e.V.“ kümmert sich um die Erhaltung des Naturraumes Wald. Ziel ist die nachhaltige Verknüpfung von menschlicher Nutzung und Erhaltung des reichhaltigen Pflanzen- und Tierreichs. Dazu gehören neben Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen auch forstbetriebliche Arbeiten, die das sichere Betreten und Nutzen des Grundstückes gewährleisten. Zur Stärkung des Umweltbewusstseins in der Gesellschaft ist der Verein auch als Veranstalter tätig, etwa im Rahmen von Ferienpassaktionen für Kinder aus den Kreisen Ammerland und Oldenburg. 

 

Ein Schwerpunkt der Tätigkeiten liegt im Bereich der Umweltpädagogik. Seit vielen Jahren kooperiert der Verein mit Schulen und Kindergärten aus der Umgebung und stellt das Gelände für Bildungsausflüge und Waldunterricht zur Verfügung. Den Bau und Erhalt der erforderlichen Infrastruktur (Wege, Hütten, Sicherheitszäune, Toiletten, Werkzeuge und Geräte) haben die Vereinsmitglieder bisher weitgehend selbst finanziert. Neben Unterrichtstätigkeiten und Ferienpassaktionen wurde das Gelände beispielsweise auch für Theatervorführungen, Firmenausflüge und Hochzeiten zur Verfügung gestellt, stets unter dem Motto: „Mensch trifft Natur“. Der Naturraum Jeddeloher Busch hat damit für das gesellschaftliche Leben des Raumes Ammerland-Oldenburg eine wichtige Bedeutung. Für seine Arbeit wurde der Verein daher 2003 mit dem bundesweiten Muna-Preis des DBU sowie 2016 mit dem Sonderpreis der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ausgezeichnet. Seit 2017 ist der Verein, bzw. das Gelände offizielle Außenstelle des Umweltbildungszentrums Ammerland. Darüber hinaus wird das Gelände seit vielen Jahren für Veranstaltungen aller Art genutzt, darunter Hochzeiten, Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte und vieles mehr. 

 

Im Herbst 2017 kam es allerdings durch das Sturmtief Xavier sowie Folgeunwetter zu gewaltigen Schäden auf dem Gelände. Große Teile des alten Baumbestands sind umgeweht. Infolge von umgestürzten Bäumen ist zudem der Sauerstoffgehalt in einem der Fischteiche soweit gesunken, dass der gesamte Fischbestand abgestorben ist. Zudem sind große Teile der Hütten zerstört worden. Das Betreten des Waldes ist im Moment nur noch unter Lebensgefahr möglich, die Nutzung als öffentlicher Raum für Bildung und Naturbegegnung infolge dessen völlig ausgeschlossen. 

 

Zielsetzung für die kommenden Monate

 

Erstes Ziel der kommenden Monate ist die weitgehende Wiederherstellung des Geländes in ihren Zustand vor den Sturmschäden. Dies umfasst die Räumung von Bäumen, die Entgiftung des Teichwassers sowie die Neuansiedelung von Fischen. Der Sturm Xavier hat jedoch so große Lücken in den Baumbestand gerissen, dass auch eine Umgestaltung des Geländes notwendig ist, um die restlichen Pflanzen vor weiteren Sturmschäden zu schützen. Nötig ist zudem der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. 

Wir sehen in den Schäden durch den Sturm jedoch nicht nur einen Schicksalsschlag, sondern auch eine Chance. Im Rahmen der für die Wiederherstellung nötigen Aufräumarbeiten bietet sich die einmalige Chance, das Grundstück umzugestalten. Als zweites Ziel forcieren wir daher die Erweiterung von Pflanzenbestand und Infrastruktur. Dabei steht einerseits das Schaffen von neuen Brut- und Rückzugsplätzen für Tiere im Mittelpunkt, anderseits auch der Aus- und Neubau von Hütten, Wegen und technischen Geräten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Nutzung als Bildungs- und Veranstaltungsraum zu verbessern, etwa durch Anschaffen einer Einrichtung, die Unterricht auch bei schlechtem Wetter möglich macht. Weitere Maßnahmen wie etwa eine Wasserpumpe plus Stromanschluss sind erforderlich, um auch zukünftig eine hohe Wasserqualität und dadurch große Artenvielfalt zu gewährleisten. Der Stromanschluss wäre zudem für moderne Veranstaltungen aller Art eine große Erleichterung und trüge zur langfristigen und nachhaltigen Nutzung des Geländes bei. 

 

Übersicht der geplanten Nutzungsfelder 

 

Neben dem Umweltschutz, der für die Arbeit eines Umweltvereins natürlich zentral ist, lassen sich die Tätigkeiten des Vereins in die beiden Säulen Bildung sowie Förderung von Kunst und Kultur einteilen. Diese Tätigkeitsfelder sind bereits in der Vereinssatzung fest verankert. Im Folgenden werden Pläne zum Ausbau dieser beiden Säulen aufgelistet. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass das Gelände viele weitere Nutzungsszenarien ermöglicht. Um eine zeitnahe professionelle Umsetzung zu gewährleisten, haben wir hier jedoch nur diejenigen Tätigkeiten aufgelistet, in denen der Verein auf langjährige Erfahrungen und sowie Qualifikationen der Mitglieder zurückblickt, um das Angebot später sukzessive zu erweitern. 

 

Säule Umweltbildung 

  • Fortführung und Ausbau des Engagements zur Kinder- und Jugendbildung (seit Anfang 2017 ist der Jeddeloher Busch offiziell anerkannter Lernort des Umweltbildungszentrums Ammerland) 
  • Ausweitung der Kooperationen mit Kindergärten und Schulen (Durchführung von Aktionstagen im Wald; Schulunterricht im „Grünem Klassenzimmer“) 
  • Einrichtung einer externen Ausbildungsstelle der Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg (Bereich Gartenbau) 
  • Ausbau der Infrastruktur, um eine pädagogische Nutzung auch für Menschen mit Handicap zu ermöglichen 
  • Verstärkte Nutzung des Geländes als Aktionsort für Jugend- und Umweltgruppen wie die Jugendfeuerwehr, Pfadfinder etc. 

 

Säule Kunst und Kultur 

  • Ausbau der Geländenutzung als Ort für Kunst- und Kulturveranstaltungen sowie Weiterbildungsmaßnahmen 
  • Regelmäßige Ausrichtung von Konzerten auf der Waldbühne 
  • Förderung der regionalen Musik- und Kulturszene 
  • Theateraufführungen und Lesungen auf Waldbühne 
  • Live-Rollenspiel auf dem ganzen Gelände 
  • Durchführung von größeren Kulturveranstaltungen wie Wikingerfrühstück, Mittelaltermärkten u.s.w. 

Bitte unterstützen Sie unser Engagement zum Wiederaufbau mit einer Spende.

Nutzen Sie dazu den online Spendenservice von Paypal, oder überweisen Sie uns die Spende auf unser Vereinskonto:

 

Bankverbindung: De Jeddeloher Busch e.V., IBAN: DE50 2806 1822 0055 2054 00, 

BIC: GENODEF1EDE Volksbank Oldenburg

Als anerkannter gemeinnütziger Verein sind wird natürlich gerne bereit Ihnen hierfür eine Spendenquittung auszustellen.

 

Darüber hinaus erreichen Sie uns per Mail unter: jeddeloher-busch@web.de , oder über unsere Webseite www.jeddeloher-busch.de . Dort finden Sie auch Bilder vom Gelände, den Baumzelten und vieles mehr.

 

Zum Thema gibt es auch einen Beitrag in der NWZ vom 19.9.2018.


Frühjahr 2018


Die Wildnis ist zurück: Rückkehr des Wolfs in den deutschsprachigen Raum

Foto © Sam Mittmerham
Foto © Sam Mittmerham

Autor: Sam Mittmerham

 

Angestrengt schaut Peter Schütte, seines Zeichens Wolfsberater, in den Sand der Lüneburger Heide. Sachte umfahren seine Finger die Spur im Sand. Ein, zwei, drei, viele Trittsiegel, gestempelt in die feuchten Körner. Deutliche Hinweise auf ein sonst fast unsichtbares Wesen - scheu, vorsichtig, den Menschen vermeidend. „Das waren vier“, murmelt Schütte schließlich, „zwei Erwachsene und zwei Jungtiere, entspannt laufend in diese Richtung“. Vier Blicke folgen seinem ausgestreckten Arm in die Heide. Vier Blicke aus vier Kontinenten. Vier Blicke die hier sind, weil der Wolf, und mit ihm der Hauch der Wildnis, zurück in Mitteleuropa sind.

 

Julia aus Wien; Rasha aus Australien, Rechtsanwältin einer Naturschutzorganisation aus Melbourne; Brian aus Kanada, der „Glasfaserkabelmann“ aus Vancouver, wie er sich selbst nennt; Lalitha aus Indien, Lehrerin aus Mussoorie. Alle hier, um Schütte zu helfen, Wildnis zu erhalten - oder wieder zu erhalten, denn vor 150 bis 200 Jahren rotteten die Menschen den Wolf in Mitteleuropa aus. Nun kehrt er seit geraumer Zeit zurück - nach Österreich seit 2009 - und sein Schutz ist in der EU gesetzlich verankert. Er dringt, vor allem im ländlichen Raum, immer weiter vor.

 

In Österreich wurden in den Jahren von 2009 bis 2015 jeweils vereinzelt Wölfe genetisch nachgewiesen, allerdings nur Durchzügler aus den Karpaten, der Schweiz und Italien sowie dem slowenisch-kroatischen Raum. Fuß fassen konnte diese Vorhut zunächst nicht. Spätestens Anfang 2016 war es dann soweit: Auf dem Truppenübungsplatz Allensteig im niederösterreichischen Waldviertel ließen sich ein Weibchen und ein Männchen nieder, mit erstem Wolfnachwuchs in Österreich seit mehr als 100 Jahren im August 2016. Deutschland war etwas früher dran. Dort begannen Wölfe im Jahr 2000 aus Polen über die ehemalige DDR bis nach Westdeutschland zurückzukehren. Im Jahr 2006 hatten sie das Bundesland Niedersachsen, und damit Schüttes Einsatzgebiet, erreicht. Und jetzt ziehen sie Menschen aus der ganzen Welt an, denn die gemeinnützige Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions hat jüngst ein Wolfsprojekt in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Wolfsbüro im NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) ins Leben gerufen. "Schon auf der Warteliste waren über 100 Personen", berichtet Dr. Matthias Hammer, Gründer und Geschäftsführer von Biosphere Expeditions, "und als wir den Startschuss gaben, waren zwei Gruppen innerhalb von 24 Stunden ausgebucht.“ 

 

Das Projekt ist offen für jedermann/-frau, es gibt keine Altersbeschränkungen und es sind keine besonderen Fähigkeiten erforderlich. „Bürgerwissenschaft“ (engl. „citizen science“) nennt sich dieses eindrucksvolle Konzept, erprobt seit Jahrzehnten im angelsächsischen Raum; hier bei uns noch relativ neu, aber stark auf dem Vormarsch. Die Expeditionsteilnehmer werden im Rahmen des Projekts geschult, beispielsweise im Erkennen von Spuren oder im Gebrauch eines GPS-Geräts. Einmal als „Bürgerwissenschaftler“ ausgebildet, unterstützen die Teilnehmer das Wolfsbüro und das Netzwerk der ehrenamtlichen Wolfsberater über einige Wochen im Jahr hinweg, wertvolle Felddaten über die niedersächsische Wolfspopulation zu sammeln.

 

"Ich freue mich sehr, dass das Projekt so einen guten Start hingelegt hat", sagt Wolfsberater Peter Schütte. "Mit Menschen aus Deutschland, sicher vielleicht auch aus anderen Teilen Europas, habe ich gerechnet, aber nicht mit den Anmeldungen aus den USA, Kanada und sogar Indien, Singapur und Australien, die alle mithelfen wollen, Daten über Wölfe zu sammeln. Es ist überraschend und ermutigend zugleich zu sehen, wie viel Unterstützung es weltweit für die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland zu geben scheint und wie Menschen bereit sind, ihre Zeit und ihr Geld zu investieren, um uns hier in Niedersachsen zu helfen. Auch Österreicher sind dabei“, schließt Schütte mit einem Augenzwinkern.

 

Foto © Sam Mittmerham
Foto © Sam Mittmerham

Akzeptanz ist entscheidend. In Deutschland, Österreich und anderswo in der Kulturlandschaft Europas hängt das Überleben des Wolfs „hauptsächlich von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab“, so Schütte. Und der Wolf ist nicht immer gern gesehen. In der Tat reagiert der WWF Österreich mehr als deutlich auf die von der Jägerschaft wiederholt ins Spiel gebrachten Abschüsse von Wölfen. Es sei nicht nur ein Skandal, dass Teile der Jägerschaft offen für den Abschuss von geschützten Wildtieren werben, wer das mache, sei mit dem Straf-, Jagd- und Naturschutzgesetz konfrontiert und bewegte sich hart an der Grenze der Legalität. Die Abschussfantasien bedeuteten für den WWF eine Überschreitung der Kompetenzen von Seiten der Jägerfunktionäre. „Die fortgesetzte Hetze gegen den Wolf muss sofort aufhören, sie ist kontraproduktiv und hilft nicht dabei, angemessene Lösungen zu erarbeiten. Der WWF wird der Entwicklung eines weiter um sich greifenden Rufes nach der Flinte jedenfalls nicht tatenlos zusehen“, so Christian Pichler, Artenschutz-Experte des WWF Österreich.

 

Deutliche Worte, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Anfang der 1970er-Jahre nur kühnste Naturschützer vorstellen konnten, dass Mittel- und Westeuropa wieder von großen Beutegreifern besiedelt werden könnte. Trotzdem begannen damals einige Visionäre an der Verwirklichung der Utopie zu arbeiten. An Wölfe oder Bären war damals noch nicht zu denken. Aber mit dem Kleinsten der Großen Drei, dem Luchs, wollte man beginnen. So kam es zu den ersten Auswilderungsaktionen in Österreich der Schweiz und Deutschland. Der Wolf indes brauchte keine menschliche Auswilderungs-Hilfe, außer vielleicht den Wegfall des Eisernen Vorhangs vor gut dreißig Jahren. Wildnis braucht der Wolf auch nicht. Er ist höchst anpassungsfähig und in der Lage, in einer vom Menschen dominierten Kulturlandschaft zurechtzukommen, solange er genug Beutetiere – Rehe, Hirsche, Wildschweine – findet und in Ruhe gelassen wird. Aber spätestens wenn tote Schafe auf der Weide liegen, ist die Willkommensfreude bei den Menschen getrübt. "Die Ausbreitung des Wolfes bedeutet, dass die Bedrohung durch den tatsächlichen und subjektiv empfundenen Konflikt mit Menschen, Vieh und Wildarten immer größer wird. Dadurch entsteht die Notwendigkeit von Information der lokalen Bevölkerung auf Grundlage einer soliden Datenbasis“, sagt Schütte. "Je mehr Wölfe in der Natur von Menschen gesehen und je mehr Nutztiere gerissen werden, desto höher wird die Berichterstattung in den Medien. Dies hat zu einer messbaren Abnahme der Akzeptanz von Wölfen bei der Bevölkerung vor Ort geführt, vor allem bei Jägern und Tierhalten. Und gerade diese Menschen spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben der Wölfe."

 

Hammer nickt. „Es war schon unverschämt und peinlich zugleich wie unsere Expedition emotionsgeladen angefeindet wurde, vor allem von Jägern, die versuchten alle möglichen Schauer- und Lügengeschichten über unsere Arbeit hier zu verbreiten und uns zu diskreditieren. Stattdessen sollten wir ruhig, kooperativ und basierend auf belastbaren Fakten, unsere Energie darauf verwenden, alle an einem Strang zu ziehen. Denn das Interesse an einem möglichst konfliktfreien Nebeneinander von Mensch und Wolf verbindet ja sogar Jäger und Naturschützer“. Allerdings seien Abschussgelüste weder akzeptabel, noch nützlich, da biologisch sinnlos – „das Territorium eines erschossenen Wolfs ist keine Lösung, denn ein anderer Wolf besetzt es einfach wieder. Dagegen sind Herdenschutzmaßnahmen effektiv und mitunter auch Kompensationsprogramme, wenn sie anständig finanziert sind“, so Hammer.

 

„Bei der Rückkehr des Wolfs sind Zyklen zu beobachten“, beschreibt Hammer weiter. Zuerst wird meist wild und emotionsgeladen diskutiert. Darauf folgt eine Beruhigungsphase und der Rückkehr zur Sachlichkeit, wenigstens bei den meisten. Sobald man dann merkt, dass der verteufelte Wolf doch nicht blutrünstig sämtliche Weidetiere auffrisst“, setzt eine Phase der Lösungsfindung und des Arrangierens mit dem Wolf ein. Dabei hängen die Lösungsansätze sehr deutlich vom politischen Umfeld und der Lobbyismus-Stärke der Jäger ab. „Die Lösungen – und davon gibt es viele – sind dabei so unterschiedlich wie die politischen Landschaften“, erklärt Hammer. Wie sich Österreich dabei mit dem Wolf arrangieren wird bleibt dabei offen, denn das Land ist ja erst am Anfang seines neunen/alten Weges mit dem Wolf.

 

 

Foto © Sam Mittmerham
Foto © Sam Mittmerham

Steckbrief Wolf

 

Canis lupus, ca. 50 kg (Weibchen deutlich leichter), lebt in „Rudel“ genannten Familien und kann so relativ große Tiere wie Hirsche oder Wildschweine erbeuten. Nach Ausrottung bis ins 20. Jahrhundert hinein waren Mittel- und Westeuropa nahezu wolfsfrei, derzeit wieder etwa 12.000 Wölfe in 28 Ländern Europas. Um die 40 Wolfsrudel sind in Deutschland belegt sowie eine Gruppe in Österreich.

 

Biosphere Expeditions

 

Biosphere Expeditions ist eine gemeinnützige, mehrfach ausgezeichnete Naturschutzorganisation und Mitglied des IUCN (International Union for the Conservation of Nature) und Umweltprogrammes der UN. Bei ihr arbeiten freiwillige Helfer aus aller Welt arbeiten Hand in Hand mit Feldforschern und den Menschen vor Ort für den Erhalt der Artenvielfalt. Die nächste Wolfs-Expedition in Niedersachsen findet von Juni bis Juli 2018 statt, Gruppenlänge jeweils eine Woche. www.biosphere-expeditions.org/deutschland (auf Englisch).

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der 51. Ausgabe des Magazins BIORAMA aus Wien, www.biorama.eu .

Vielen Dank für die freundliche Überlassung!


Helfen Sie mit bei der Erforschung des Wolfs in Niedersachsen. Bewerben Sie sich für ein einmaliges Expeditionserlebnis!

Bewerben Sie sich für einen Expeditionsplatz und helfen Sie aktiv auf Expedition mit, den Wolf in Europa zu schützen. Voraussetzungen sind Englischkenntnisse und die Bereitschaft auf einer echten Naturschutzexpedition (keiner Luxusreise!) aktiv mit anzupacken. 

 

Neben dem Hauptgewinn der Expeditionsteilnahme gibt es außerdem einen Schnuppertag mit Biosphere Expeditions zu gewinnen.

 

Biosphere Expeditions

 

Biosphere Expeditions ist eine mehrfach ausgezeichnete, gemeinnützige Organisation, die proaktive Naturschutzexpeditionen als Abenteuer mit Sinn für jedermann/frau organisiert. Die Projekte sind keine Touren, Fotosafaris oder Exkursionen, sondern echte, handfeste Forschungsprojekte, an denen jeder teilnehmen kann, der ein bißchen Schulenglisch beherrscht, auch ohne biologische oder irgendwelche anderen Vorkenntnisse oder besondere Fitness. Die Wolfs-Expedition ist nur eine aus einer ganzen Bandbreite wie zum Beispiel Grosskatzen in Südafrika, Wale auf den Azoren, Schneeleoparden im Tien Shan oder Korallenriffe & Walhaie der Malediven. 

 

Weitere Informationen www.biosphere-expeditions.org

 

1. Preis: Die Wolfs-Expedition nach Niedersachsen

 

Diese Naturschutzexpedition führt sie nach Deutschland, um dort mit einem einheimischen Wissenschaftler Wölfe zu erforschen. Sie werden die Spuren der Tiere lesen und verfolgen lernen und damit wichtige Daten sammeln. All dies, um durch Forschung zum Erhalt der streng geschützten Tierart Wolf in Europa beizutragen.

 

Weitere Informationen www.biosphere-expeditions.org/germany (auf Englisch)  

 

2. Preis: Ein Schnuppertag mit Biosphere Expeditions

 

Verbringen Sie einen unterhaltsamen Tag mit uns und schnuppern Sie rein in das Feldforscherleben und Mitforschen bei Biosphere Expeditions. Als Teil eines kleinen Teams erlernen und probieren Sie Seite an Seite mit einem Naturführer und Ihrem Expeditionsleiter Techniken und Fertigkeiten im Natur- und Artenschutz aus. Schnuppertage finden in einigen der schönsten Nationalparkflecken Deutschlands statt, u.a. im Nationalpark Berchtesgaden an der österreichischen Grenze.

Foto © Biosphere Expeditions
Foto © Biosphere Expeditions

 

 

Weitere Informationen www.biosphere-expeditions.org/schnuppertage 

 

 

Bewerben Sie sich jetzt: www.biosphere-expeditions.org/competition-wolf (auf Englisch)


"Fleischatlas 2018" veröffentlicht: Heinrich-Böll-Stiftung und BUND fordern Umbau der Tierhaltung

Foto ©: Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique
Foto ©: Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique

Die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und Le Monde Diplomatique haben am 10. Januar in Berlin den "Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung" veröffentlicht. Der nunmehr vierte Fleischatlas enthält zahlreiche Daten, Fakten und Grafiken zu den drängendsten Problemen der industriellen Fleischproduktion und konkrete Lösungsansätze für eine bessere Tierhaltung. 

 

Ein ökologischer Wandel in der Tierhaltung sei nur mit neuen politischen Strategien und einem geschärften Bewusstsein bei Verbrauchern möglich, so die Organisationen. Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung werfen der Bundesregierung Handlungsunwilligkeit vor und fordern den dringend notwendigen Umbau der Nutztierhaltung endlich zu beginnen. Dazu gehöre auch, eine verpflichtende Kennzeichnung bei Fleisch einzuführen – vergleichbar der Eier-Kennzeichnung, die dazu geführt habe, dass Eier aus Käfighaltung ausgelistet wurden. 

 

Ein zentrales Problem der industriellen Tierhaltung sei die exorbitante Güllebelastung der deutschen Böden und Grundwasser. Dagegen könne laut BUND und Heinrich-Böll-Stiftung nur eine Abgabe auf Stickstoffüberschüsse und eine konsequente Begrenzung der Tiermengen pro Hektar helfen. Der Richtwert dürfe zwei Großvieheinheiten pro Hektar nicht überschreiten, das sind zwei Rinder oder zehn ausgewachsene Schweine. Es sei deshalb unumgänglich, dass einzelne Gemeinden wie Vechta oder Cloppenburg in Niedersachsen ihre Bestände massiv abstocken. 

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte: "Qualvoll, umweltschädlich, ungesund und billig – das charakterisiert heute die industrielle Tierproduktion. Das muss sich dringend ändern. Zudem trägt kein anderer Sektor so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, zur Zerstörung des Klimas, zur Überdüngung und zur Gefährdung unserer Gesundheit bei wie die industrielle Fleischproduktion. Laut Prognosen wird die Nachfrage nach Fleisch bis zum Jahr 2050 voraussichtlich noch einmal um bis zu 85 Prozent steigen. Ohne Umsteuern, vor allem in den Industrieländern, ist dies ein Garant fürs weitere Aufheizen der Atmosphäre, für globale Ungleichheit, Hunger und Tierleid. Es ist höchste Zeit, dass politisch umgesteuert wird. Ein Hebel dazu ist eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik. Jedes Jahr gibt die EU knapp 60 Milliarden Euro für agrarpolitische Maßnahmen aus. Dieses Geld sollte zukünftig in Maßnahmen für eine ökologischere und tiergerechtere Landwirtschaft fließen, damit der Graben zwischen umweltpolitischen Notwendigkeiten und den Wünschen der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Landwirtschaft nicht noch größer wird. Der Fleischatlas 2018 zeigt konkret für Deutschland praktikable Lösungsstrategien für eine ökologische und global nachhaltige Gestaltung der Fleischproduktion." 

 

Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender, sagte: "Abgesehen von Ankündigungen ist in den vergangenen Jahren wenig passiert, um die Bedingungen in der Nutztierhaltung zu verbessern. Die Bundesregierung muss noch in diesem Jahr die Weichen für einen nachhaltigen Umbau der Tierhaltung stellen. Saubere Gewässer und gesunde Böden kann es nur geben, wenn die Tierhaltung wieder an die Fläche gebunden wird. Wichtig ist dabei auch die Einführung einer verbindlichen staatlichen Haltungskennzeichnung. Ein freiwilliges Tierwohllabel mit laschen Anforderungen, wie es Agrarminister Christian Schmidt vorschlägt, reicht für eine echte Trendwende nicht aus. Ein tiergerechter, ökologischer Wandel der Tierhaltung wird von einer Mehrheit der Menschen in Deutschland unterstützt, dem muss die neue Regierung Rechnung tragen." 

 

Quelle: Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique auf www.BUND.net


Winter 2018


NEU: Der „Ernährungsrat Oldenburg“

Quelle: www.ernaehrungsrat-oldenburg.de 

 

Für eine sozial gerechte, ökologisch produzierte und regionale Versorgung mit Lebensmitteln

 

Im Oktober 2017 fand die offizielle Gründungsveranstaltung des „Ernährungsrates Oldenburg“ im Stadtmuseum statt. Dem Rat gehören VertreterInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung an. Der Ernährungsrat Oldenburg ist ein zukünftiges Projekt des Vereins „transfer – Verein für Medienarbeit zugunsten einer gesunden Umwelt“ mit Sitz in Oldenburg. Die Veranstaltung sowie die Koordinationsstelle des „transfer-Vereins“ wird unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ziel ist, Oldenburg als Leuchtturmprojekt für andere Städte in Niedersachsen präsentieren zu können. 

 

Der Ernährungsrat Oldenburg soll ein beratendes Gremium werden, das eng mit der Stadtpolitik und -verwaltung zusammenarbeitet. So erhält die Region Oldenburg und umzu wieder Kontrolle über die Gestaltung ihrer eigenen Ernährungsversorgung. Der Ernährungsrat entwickelt zusammen mit der lokalen Politik eine nachhaltige, gerechte, effektive und ökologische Ernährungsstrategie mit konkreten und messbaren Zielen, in der die Wertschöpfung in der Region und bei den kleinbäuerlichen Betrieben und dem verarbeitenden Handwerk verbleibt. Dadurch wird die ganze Region vielfältiger und lebenswerter.

 

In Ausschüssen werden zu verschiedenen Ernährungsthemen Strategien, Veranstaltungen und Projekte erarbeitet. Der Ernährungsrat regt einen aktiven Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaftsakteuren und der Zivilgesellschaft an, um so langfristig zukunftsfähige Strukturen für eine möglichst regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln aufzubauen.

 

Das Ziel ist eine selbstbestimmte Ernährungspolitik sowie die Stärkung der Reputation für die Stadt Oldenburg als einem Akteur nachhaltiger Entwicklung. So kann Oldenburg schließlich Modellregion für eine regionale, vielfältige, auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit fokussierte Ernährungspolitik im Nordwesten werden, deren Beispiel andere Städte des Landes und Bundes folgen können.

 

Die Ziele des Ernährungsrates

 

Regional: Nahräumliche Versorgung im Einklang mit den Jahreszeiten, um die regionale Wirtschaft zu stärken und mit dem natürlichen Kreislauf der Natur zu wirtschaften. Prinzipien der Nähe und Transparenz.

 

Fair: Lebensmittel sollen so erzeugt werden, dass die sozialen Bedingungen nachhaltiger Entwicklung erfüllt und nicht auf Kosten der ErzeugerInnen konsumiert werden. LandwirtInnen sollen für ihre Produkte so entlohnt werden, dass sie ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit bestreiten und ihren Betrieb langfristig sichern können.

 

Ökologisch: Im Einklang mit der Natur, mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Wasser und Boden gesunde, unbelastete und schmackhafte Lebensmittel erzeugen und dabei die natürlichen Ökosysteme schonen.

 

Selbstbestimmt: Im Supermarkt nicht nur passiv ins Regal greifen, sondern Lebensmittel bewusst einkaufen. Uns interessiert: Woher kommen sie? Wer hat sie angebaut? Wo kann ich regionale Lebensmittel einkaufen und lange Lieferketten umgehen? All diese Fragen führen automatisch zu einem selbstbestimmteren Umgang mit dem, was auf den eigenen Teller kommt. Wir möchten Menschen helfen, diese Fragen zu beantworten.

 

Bedürfnisorientiert: Was brauchen wir wirklich? Für eine nachhaltige Entwicklung führt kein Weg an einer Reduktion von materiellem Überfluss vorbei. Wir fragen uns: Was brauchen wir wirklich und was können wir uns leisten und gleichzeitig unserer Umwelt zumuten? Was brauchen wir - VerbraucherInnen und ErzeugerInnen - und wie müssen sich unsere Lebensstile ändern, um ein gutes Leben zu führen und unsere Bedürfnisse so auszurichten, ohne Natur und Mensch zu schaden?

 

Alle Informationen rund um den Ernährungsrat: www.ernaehrungsrat-oldenburg.de