Nachhaltigkeit & Neue Wirtschaft 2019


Herbst 2019


Klimazerrüttung - von Fred Hageneder

© HardyS - www.pixabay.com
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Textauszug aus dem Buch „Happy Planet“, Neue Erde Verlag, 2019

 

Smoke and Mirrors: Strategien der Desinformation

 

Konzerne

 

Eine Klimastudie, die als »vertraulich« eingestuft und dem Vorstand von Shell Oil vorgelegt wurde, stellte klar und unmissverständlich fest, dass die CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe den Planeten erhitzen würden. Shell fasste zusammen, dass »die Veränderungen die größten in der Geschichte sein könnten«, und listete Auswirkungen auf, wie den Rückgang der Polkappen, den Anstieg des Meeresspiegels (möglicherweise bis zu fünf bis sechs Meter), das Verschwinden bestimmter Ökosysteme, die Zerstörung von Lebensräumen, zunehmende Probleme mit der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und Trinkwasser, den Rückgang des Wohlstands in verschiedenen Teilen der Welt und die unvermeidbare Massenmigration.* Dieser interne Shell-Bericht ist von – 1986.*

Er war nicht der erste seiner Art. Ein interner Exxon Mobile-Bericht von 1982* prognostizierte, dass sich der globale CO2-Gehalt – ausgehend von seinem vorindustriellen Niveau – bis 2060 auf 560ppm (parts per million) verdoppeln und die Durchschnittstemperaturen des Planeten um etwa 2°C anheben würde.* Der richtige Schritt wäre gewesen, Regierungen und Öffentlichkeit zu informieren. Aber stattdessen »erkannten die Ölfirmen, dass ihre Produkte CO2 in die Atmosphäre einbringen und dies zu einer Erwärmung führen würde, und sie berechneten die wahrscheinlichen Folgen. Daraufhin haben sie sich entschieden, diese Risiken einzugehen – in unserem Namen, auf unsere Kosten und ohne unser Wissen«, sagt Benjamin Franta in The Guardian und fragt: »Wer hat das Recht, einen solchen Schaden vorherzusehen und dann die Prophezeiung selbst zu erfüllen?«*

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Wenn der Funke überspringt

Martin Kirchner und Jane Goodall
Martin Kirchner und Jane Goodall

Martin Kirchner, Mitgründer der „Pioneers of Change“ hat im Rahmen des Pioneers of Change Online Summit im März 2019 Interviews mit über 100 herausragenden Pionier*innen geführt – über den Wandel unserer Gesellschaft und was das mit uns zu tun hat. Irmgard Stelzer (TAU-Magazin) hat ihn getroffen und ein Gespräch mit ihm geführt.

 

Der Online Kongress zu Gesellschafts- und Bewusstseinswandel für Querdenker 

Die Themen waren: Zukunftsalternativen zum globalen Wandel, Inspiration zur persönlichen Potentialentfaltung, Visionen von 33 internationalen Experten. Verhaltensforscherin Jane Goodall, Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie Christian Felber, System-Wandel-Experte Otto Scharmer und viele mehr boten in einstündigen Video-Interviews Einblicke in ihre Berufung und ihr Leben. 

Die Links zu den Speaker*innen des Online-Summits findet ihr hier: https://pioneersofchange-summit.org/ (etwas runterscrollen).

 

 

TAU: Was haben die vielen Geschichten mit dir gemacht?

Martin: Zuerst hab ich mir gedacht: „Mein Gott, ich mach halt einfach Interviews.“ Mit der Zeit hab ich dann aber gemerkt, dass mich diese besonderen Begegnungen tief berühren und mich auch als Mensch verändern. Dass ich innerlich wachse, indem ich offen, präsent und innerlich zugewandt mit meinen persönlichen brennenden Fragen in Dialog gehe.

Mit der Zeit konnte ich auf manche Aussagen von Menschen zugreifen, hatte Schlüssel- Zitate präsent. Neben dieser kognitiven Ebene – also was diese „gscheiten“ Menschen alles sagen – gibt es aber noch eine andere Ebene: Durch diese teilweise wirklich emotionalen Begegnungen entstand bei mir tiefe Berührtheit, es sprang ein Funke über.

Ich habe das auch bei den Pioneers of Change immer wieder erlebt, dass das Wesentliche unsichtbar passiert. Im tibetischen Buddhismus gibt es das Konzept von „Transmission“. Da wird etwas übertragen, man dockt an einem Feld an und schwingt mit. Es sind nicht bloß die Worte, die wir sprechen, sondern etwas geht auf einer unsichtbaren Ebene auf mich über, dadurch, dass da jemand dasteht und etwas verkörpert.

Eine Geschichte zum Beispiel, die lang in mir nachgeschwungen ist: Tobi Rosswog erzählt, wie er als radikal liebevoller Aktivist unterwegs ist, u. a. im Hambacher Forst. Wie er den Polizistinnen und Polizisten liebevoll begegnet, z. B. wenn er verhaftet wird.

Von Nicole Lieger hatte ich vor vielen Jahren schon einen Schlüssel-Gedanken dazu bekommen: „Das sind nicht ‚die und wir‘, ‚die Bösen und wir, die recht haben‘ – das sind ‚diejenigen von uns‘, die in diese Rollen geraten sind, die ihnen auch nicht unbedingt taugen.“

Die Geschichte von Tobi schwingt dann in mir nach und regt mich an zur Frage: „Wie kann ich noch radikaler werden? Wie kann ich die Haltung noch mehr in mein Leben bringen?“ Wenn ich z. B. auf die „Extinction Rebellion-Bewegung“ schaue und höre und lese, wie die das angehen – nach Gandhi und Martin Luther King –, das kann ich dann mit dem Gefühl in Verbindung bringen, das ich hatte, als ich mit Tobi sprach.

 

TAU: Persönlichkeiten als Vorbilder sind inspirierend – und sie können manchmal auch stressen. Ist dir das begegnet?

Martin: Ich hör immer wieder, dass Interviews mit Menschen, die keine „Big Names“ sind bzw. die ganz authentisch von ihrem Scheitern berichten, den Menschen so unheimlich gut tun.

Zum Beispiel hab‘ ich ein Interview mit Ben Paul geführt. Der hat die Uni geschmissen und war dann als Bildungsrebell unterwegs und wurde in jungen Jahren ein sehr erfolgreicher Blogger, Online-Unternehmer und hielt vor tausenden Menschen Vorträge. Ja und dann hat er alles hinter sich gelassen, ALLES!

Sein Interview hat die allermeisten Kommentare gekriegt, wie er da von seiner Metamorphose geredet hat, vom Loslassen von Sicherheiten und Vorstellungen, von Traumata, die ihn angetrieben hatten, sogar von Suizidgedanken, von Heilung in der Dunkelheit. Solche Interviews wie das mit Ben helfen den Menschen zu sehen : „Ok, denen geht’s auch so wie mir. Die sind alle nicht perfekt.“

Diese unperfekte, offene Menschlichkeit ist eine Qualität, die ich auch verkörpere und so auch immer reinzubringen versuche. Gerade Menschen, die viel erreicht haben oder viel bewegen, sind durch schwierige Phasen durchgegangen – das sind eben nicht nur die gülden glitzernden Erfolgsstorys.

Und natürlich fordert mich die Begegnung mit Vorbildern immer wieder auch persönlich. Eine Geschichte dazu: Ich hab einen Lieblingshelden, Rob Hopkins, Gründer der Transition Town Bewegung, vor dem hab ich großen Respekt. Nach einem Jahr intensiver Bemühungen ist es mir wirklich gelungen, dass er für ein Interview zugesagt hat. Das Gespräch war relativ lang, weil ich noch so viele Fragen gehabt hatte und nicht aufhören wollte. Es war dann schon wirklich genug für ihn.

Ich bin dann ausgestiegen mit so einem Gefühl von „er mag mich nicht“ und in einen starken Prozess hineingekommen, wo dieses Gefühl da war, klein zu sein, nicht gut genug zu sein. Wo ich mich sehr zerbrechlich gefühlt hab. Es war ein tief emotionaler Prozess, wo ich dann wunderbar von meiner Frau Petra begleitet worden bin. Ich hab die Emotionen da sein lassen und bin mit ihr durchgegangen. Das ist für mich Teil meines Transformations-prozesses mit dem Summit, dass ich mich dem wirklich stelle und spüre, was da zu spüren ist. Dazu hab‘ ich dann ein Video gemacht, wie‘s mir dabei geht, und dass mich das irgendwie trifft. Und dass ich gleichzeitig auch dastehe und sage: „Ich will nicht warten, bis ich perfekt bin, bevor ich was anfange. Ich will da anfangen, wo ich bin.“ Das Video hat dann am allermeisten Resonanz gehabt, ist richtig viral gegangen, denn wir alle kennen das, dass wir uns nicht trauen, weil wir Angst vor Kritik haben. Nun, ich lerne durch das Tun dazu, bin schon viel „beholfener“.

 

TAU: Was ist die Geschichte, die du, Martin Kirchner, gerne erzählen möchtest auf dieser Welt? An die du glaubst oder an die du gerne glauben möchtest?

Martin: Das ist eine gute Frage – „an die du gerne glauben möchtest“… denn es ist eine Entscheidung! Wir wissen nicht, ob wir als Menschheit auf den totalen Kollaps zurasen oder ob wir doch die Kurve kriegen, wie‘s Rob Hopkins kürzlich bei seinem Vortrag in Wien gesagt hat: „What if everything turns out well?“

Es ist nicht wurscht, welche Geschichte wir uns erzählen. Insofern entscheide ich mich für die Geschichte, dass wir als Menschheit in einer zunehmenden Bewusstwerdung und Wiederverbindung sind. Dazu gibt’s die Perspektive von Sri Aurobindo (Indischer Freiheitskämpfer und Guru): Im Vergleich zu dem, was wir Menschen einmal sein werden, sind wir jetzt sozusagen im Status von Affen. Er hatte eine Entwicklungsperspektive von vielen 100 oder 1000 Jahren, er erwartete nicht, dass in unserer Lebenszeit großartig der „Aufstieg in die nächste Dimension“ stattfindet. Und gleichzeitig ist für meine Geschichte, die ich mir erzähle, die Möglichkeit von plötzlichen Umbrüchen und kollektiven Entwicklungssprüngen aufgrund eines Bewusstseinswandels wichtig.

Die Chaostheorie sagt, dass wir in einem dynamischen Equilibrium leben, wo es einen Punkt geben kann, an dem es plötzlich „umschnalzt“ auf eine andere Ebene, wo sich plötzlich ganz viel verändert. ..Ich sehe auch, dass sich vor einem plötzlichen Wandel die Veränderung unsichtbar aufgebaut hat – unter dem Radar der Medien. Da zähl ich TAU und die Pioneers of Change mit dazu, die wir eine kritische Masse mitaufbauen, die an so einem „Um- schnalzpunkt“ wirksam werden kann.

Ich erzähl mir also: „Ganz viel ist möglich!“ Und wer weiß, wenn Fridays for Future und Extinction Rebellion-Bewegung richtig stark werden, ob dann nicht doch radikalere Systemveränderungen möglich werden, von denen wir heute noch nicht zu träumen wagen.

 

Der nächste Online-Summit findet voraussichtlich im März 2020 statt. Infos unter https://pioneersofchange.org/blog/ .

 

Wir bedanken uns herzlich beim TAU-Magazin für die Überlassung des Interviews. Mehr zum TAU-Magazin ...

 


Sommer 2019


5 Jahre Initiative Bedingungsloses Grundeinkommen in Oldenburg

Autorinnen: Petra Keup, Barbara Kosuch

 

BGE - unsere Chance für eine gute Zukunft!

 

Bei den Oldenburger Zukunftstagen im Mai 2014, mit dem Thema: Ideen – Visionen – Projekte, gründete sich die Initiative Grundeinkommen Oldenburg (GE-OL), die sich seit fünf Jahren vielfältig für das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) engagiert. 

Zunächst war das BGE eine Idee, eine Vision, doch heute ist es bereits ein Projekt, an dem in verschiedenen Regionen, in Deutschland, in Europa, immer mehr Menschen arbeiten, es in die Tat umzusetzen. 

Das BGE wird heute von vielen als Chance für jeden einzelnen Menschen und damit auch für neue Innovationen im gesellschaftlichen Miteinander gesehen. Statt Demütigungen, Ausgrenzungen und Überwachung durch das Hartz4-Jobcenter- System, fördert es Freiheit und Würde und macht es möglich, der Gesellschaft neue Entwicklungsimpulse zu schenken.

Diese Idee des BGE aus den verschiedensten Blickwinkeln – Freiheit, Gesellschaftswandel, Philosophie, Finanzierung, soziale und menschenwürdige Gerechtigkeit, Politik etc. – anzuschauen und in die Gesellschaft zu tragen, ist das Anliegen der Initiative GE-OL.

 

Der sehr aktive Mitgliederkern der Initiative ist mittlerweile auf ganz unterschiedlichen Ebenen zum Thema unterwegs. Regional und in der Stadt Oldenburg gab es bereits viele Veranstaltungen, wie Lesungen und Gespräche, Filmvorführungen, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen, Aktionen und Infostände.

 

Doch auch überregional wirkt die Gruppe mit Netzwerktreffen und Kontakten zu anderen Initiativen z. B. der Initiative bedingungsloses Grundeinkommen in Kassel und dem niederländischen Netzwerk Vereniging Basisinkomen in Groningen.

 

Bei den vielen Veranstaltungen der Initiative, auf denen Menschen zum Thema BGE ins Gespräch kommen, wird immer wieder deutlich: Die Finanzierung eines BGE ist gar nicht das zentrale Problem sondern es sind die Denkblockaden in den Köpfen der Menschen und die veralteten politischen Denkstrukturen sowie deren dahinter stehenden Menschenbilder. 

Ein gesellschaftlicher Wandel ist dringend nötig, doch der Wandel kann nur mit einem neuen Denken vollzogen werden. Ein Zitat von Albert Einstein mag uns alle beim Aufwachen helfen: „Wir können unsere Probleme nicht mit dem gleichen Denken lösen, mit dem wir sie erschaffen haben.“

Es geht darum, nicht immer nur Symptome anzuschauen und beheben zu wollen, sondern wir müssen einen Blick auf die Ursachen werfen. Nicht immer nur gegen Symptome rebellieren sondern die tieferen Ursachen erkennen und bewusst machen. Erst so kann ein anderes Handeln möglichen werden und eine Wandlung zum Guten für Alle gelingen.

 

Stellen Sie sich doch einmal folgende Fragen und diskutieren Sie diese mit Menschen in Ihrem Umfeld:

 

1. Was würde sich mit einem BGE gesellschaftlich positiv verändern?

 

2. Was würde ein BGE für die Demokratie in Europa bedeuten?

 

3. Was würden Sie tun, wenn Sie auf Dauer ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten? 

  • Weiterarbeiten wie bisher 
  • Weiterarbeiten, aber in einem anderen Bereich (Nämlich:………………….)
  • Die Arbeitszeit grundsätzlich reduzieren.
  • Endlich die Selbständigkeit wagen.
  • Mich beruflich weiterbilden (neue Ausbildung, neues Studium….)
  • Mich im Sozialen engagieren.
  • Mich in der Kultur engagieren.
  • Mich politisch engagieren.
  • Entspannen, reisen, die Seele baumeln lassen…)
  • Eine Auszeit nehmen, um ganz neue Ideen zu entwickeln.
  • Ich werde ……………………………………………….

Gerne können Sie uns Ihre Antworten zu der Frage auch zusenden!

 

Die Initiative GE-OL trifft sich in der Regel jeden letzten Dienstag im Monat um 18 Uhr im Gemeinderaum der Sophienkirche in der Ulmenstraße. Wer sich für das BGE engagieren oder die Veranstaltungen der Initiative finanziell unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. 

 

www.grundeinkommen-oldenburg.de 

grundeinkommen-oldenburg@t-online.de 

 


Abschied von der Illusion der Berechenbarkeit

Foto: Ekaterina Simonova
Foto: Ekaterina Simonova

Autorin: Petra Beier

 

Verkörperte Spiritualität als integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Wirtschaft

 

Vom 3. bis 6. Oktober 2019 findet in Kirchzarten bei Freiburg der Kongress „WIRTSCHAFT UND SPIRITUALITÄT – Unternehmerischer Erfolg und Mitmenschlichkeit“ statt. Eine Pionierleistung der Veranstalter mit Hoffnung auf eine integrative Unternehmenskultur, die Wirtschaftlichkeit, globale Verantwortung, Sinnhaftigkeit, Würde und menschliche Wertschätzung gleichermaßen beinhalten kann. 

 

Über 30 Vertreter erfolgreicher Unternehmen und hochkarätige Berater (u.a. aus dem Hause McKinsey & Company, Lufthansa und Weleda), bekannte Lehrende, Kreativitätsforscher, Philosophen und Coaches (u. a. Dr. Franz Alt, Prof. Dr. Claus Eurich, Thomas Hübl) haben ihre Teilnahme zugesagt und wollen in Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden als Impulsgeber für eine mitmenschlichere Unternehmenskultur mit Teilnehmenden in Austausch kommen. Aber was treibt sie an?

 

Der erfahrene Unternehmensberater und Coach Hans-Jürgen Lenz, der den Kongress zusammen mit dem IAK-Forum International auf die Beine stellt, sagt: „In unserer Arbeit mit Tausenden von Menschen, von Friseursalons bis zu Großkonzernen begegneten wir vielen Menschen, die, wenn wir ihnen in die Augen schauten, innerlich leer wirkten und nicht wirklich von ihrem Tun erfüllt waren. Es hatte den Anschein, als wäre niemand mehr zu Hause. Menschen, die nur noch funktionieren, sind wie Bioroboter. Oft sind wir Unternehmenskulturen begegnet, die ausschließlich von Effizienz, Konkurrenz, Regeln, Egoismus und Gewinnmaximierung geprägt waren und deren Führungskräfte darüber ganz vergessen hatten, dass sie mit Menschen zusammenarbeiten.“

 

Die Krise der irrlichternden Ratio

 

Seit der Aufklärung folgen wir gesamtgesellschaftlich einer dem kaufmännischen Denken entsprungenen, allgegenwärtig suggerierten Berechenbarkeit, und entsprechend hat jedes Ding in unserer Gesellschaft seinen Preis: Naturwissenschaftliche Kreativität und Forschungsfinanzierung sind fundamental verknüpft. Gier, Aggression und Verblendung - die „drei Geistesgifte“ in der buddhistischen Ethik - begegnen uns als kulturell etabliertes Profitstreben, Konkurrenzdenken und Geldillusion. 

 

Der Kongress will unternehmerisches Bewusstsein dafür schaffen, dass Menschen sich nicht auf Rechenautomaten reduzieren lassen. Unsere innere Rebellion gegen unsere Programmierung auf „Markttauglichkeit“ und unsere unerfüllte Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit spiegeln sich immer häufiger in Burnout und seelischen oder psychosomatischen Erkrankungen. Was uns durch das rationale Fenster als Makel erscheint, ist aus einer beseelten höheren Perspektive ein „gesunder“ Hilferuf unserer menschlichen Natur.

 

Auch kulturell und global wird die Illusion der Berechenbarkeit seit einigen Jahren immer offenkundiger. Die gesamte Natur ist anders als das, was durch die mathematische Brille erscheint. Dieses Andere zeigt sich immer, wenn die Rechnungen versagen: 

 

Fake-Science, Klimaveränderungen, Naturkatastrophen und Finanzcrashs, Kunst als Ware und entmenschlichtes Unternehmertum markieren die tiefe Krise der irrlichternden Ratio.

 

„Die Größe des Problems verlangt langfristig eine große Lösung“, erläutert Prof. em. Dr. Karl-Heinz Brodbeck, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre, Statistik und Kreativitätstechniken. Er hält auf dem Kongress einen Vortrag und gibt anschließend einen Workshop zum Thema „Das Wesen des Geldes aus der Sicht des Buddhismus“. Brodbeck hat zahlreiche Bücher und Schriften, u. a. zum Thema „Geld als Denkform“ und „Buddhistische Wirtschaftsethik“ veröffentlicht. Er sagt: „Eine solche fundamentale Reform lässt sich nicht mit den Mitteln der Vergangenheit bewerkstelligen. Es geht nicht um die Wiedereinführung des Tauschhandels, nicht um neue Etiketten für alte Interessen, sondern um eine grundlegende Reform des Denkens! 

 

Wir brauchen eine ethische Durchdringung von Wissenschaft und Ökonomie von innen heraus. Wir können die Widersprüche, Grenzen und Unhaltbarkeiten etablierter Theorien durchdenkend in unser Bewusstsein bringen und die Illusion der Berechenbarkeit loslassen.“

 

Foto: rawpixel.com
Foto: rawpixel.com

Auf der Suche nach einer gemeinsamen Sprache

 

In einer Welt, in der das Geld zur neuen Religion geworden ist, gilt es, sich an wirkliche Wurzeln der Spiritualität zu erinnern, doch nicht nur in der Wirtschaft gibt es gegenwärtig noch viele Vorurteile gegenüber Spiritualität, vielmehr sind die Vorbehalte auf beiden Seiten groß. Blandina Kalmbach, Geschäftsleitung IAK-Forum International, sagt: „Auch in spirituellen Kreisen gibt es nach wie vor tiefe Berührungsängste mit der Wirtschaft, und es ist in vielen Fällen eine Frage des Selbstbewusstseins. Wir beobachten oft eine innere Haltung, die der Wirtschaft wie selbstverständlich ein Übergewicht an Kompetenz zuschreibt, und die davon ausgeht, dass es ohnehin keine gemeinsame Sprache geben kann.“

 

Es geht also nicht nur um gegenseitige Toleranz, sondern auch darum, selbstbewusst aus der Esoterik-Ecke herauszukommen? „Absolut!“, sagt Kalmbach, „es gibt inzwischen vereinzelt Engagement dafür, Bewusstseinstechniken in die Wirtschaft einfließen zu lassen, aber dafür braucht es mutige, selbstbewusste Führungskräfte, die aufhören, in Paralleluniversen zu denken und integrative Ansätze vorleben. 

 

Es geht um eine lebendige, zeitgemäße Spiritualität, die keine Flucht vom Marktplatz, kein Paralleluniversum und keine Privatsache ist, sondern ein integraler Bestandteil einer gesunden Unternehmenskultur. 

 

Es bedeutet das Hineinwachsen in ein mitmenschliches, zukunftsfähiges Unternehmertum, das Spiritualität nicht abspaltet, sondern Bewusstsein, Sinnhaftigkeit und Würde in den wirtschaftlichen Alltag integriert. Wir brauchen mehr Unternehmer, die sich dafür öffnen, und wir brauchen mehr spirituell erwachsene Führungskräfte, die den integralen Ansatz selbstbewusst verkörpern und in die Welt tragen.“ 

 

Dr. Jens Riese, Senior Partner McKinsey&Company and Senior Expert Mobius Leadership, Executive Coach und Trainer, ist eine solche Führungskraft und einer der Hauptredner beim Kongress. Er erläutert: „Fast alle Manager, die ich berate, stellen sich früher oder später Fragen nach dem Sinn ihres Daseins und ihrer Arbeit. Die Top Talente zieht es zu Firmen, die sich an höheren Werten orientieren. Ethische Erwägungen werden angesichts unserer enormen technischen Fähigkeiten in der Biotechnologie und artifiziellen Intelligenz in der Wirtschaft plötzlich sehr praktisch. All das sind für mich spirituelle Fragen. Die Antworten lassen sich nicht rein analytisch ableiten. Aber sie stehen auch nicht in den alten Schriften. Deshalb ist es wichtiger als je zuvor, Spiritualität und Wirtschaft zusammenzubringen. Im Dialog, als gemeinsame Praxis. Ich freue mich, dass der Kongress einen wichtigen Schritt in diese Zukunft zeigt.“

 

Referenten und Workshopgeber beim Kongress „Wirtschaft und Spiritualität“: https://www.freiburger-forum.com/referenten/  

 

Weitere Infos: https://www.freiburger-forum.com  - siehe auch unter Veranstaltungen

 


PETA – Menschen für ethischen Umgang mit Tieren

Foto: PETA USA
Foto: PETA USA

Quelle: https://peta50plus.de/

 

Was bedeutet der Name PETA? Erfahren Sie, wofür PETA steht und worum es der weltgrößten Tierrechtsorganisation in ihrer Arbeit geht.

 

Ich bin du – nur ein wenig anders.

Der Mensch zieht provisorische und willkürliche Grenzen, um Lebewesen, die sich von ihm unterscheiden, von sich abzutrennen. In der fehlerhaften Annahme, dass jene, die anders sind als wir, nicht leiden und in moralischer Hinsicht nicht berücksichtigt werden müssen, haben wir Kriege, Versklavung, sexuelle Gewalt und militärische Eroberungen gerechtfertigt.

 

Diese menschengemachten Grenzen haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder verschoben. Heute erinnern wir uns mit Entsetzen an die Gräuel, die wir anderen angetan haben, die einst als Außenseiter galten: die Vernichtung des jüdischen Volkes durch die Nazis, die Versklavung von Millionen Afrikanern durch amerikanische Plantagenbesitzer und die Ermordung von Christen zur Unterhaltung von römischen Zenturios. Heute ist die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Rasse, der Religion, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung gesetzlich verboten. Doch es ist gerade einmal 100 Jahre her, dass Menschen, die in den Augen der Mächtigen anders waren, gefoltert, ausgebeutet und getötet wurden. 

 

Es gab Zeiten, in denen jene, die an der Macht waren, behaupteten, Jugendliche oder dunkelhäutige Menschen würden keine Schmerzen empfinden. Es gab Zeiten, in denen jene, die an der Macht waren, glaubten, dass Gott ihnen ihre Vorherrschaft verliehen habe. Unsere heutige Gesellschaft weiß, dass kein Mensch das Recht hat, andere Menschen aus irgendeinem Grund zu vergewaltigen, zu quälen oder zu versklaven. Wir vertreten die gemeinsame Überzeugung, dass jeder Mensch einen grundlegenden Wert besitzt und wir schätzen unsere Unterschiede.

 

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst. 

Diese Goldene Regel lernen wir schon als Kinder. Alle großen Weltreligionen lehren Werte wie Gewaltlosigkeit und Barmherzigkeit. Martin Luther King Jr. sagte: „Wenn irgendwo ein Unrecht geschieht, ist die Gerechtigkeit überall in Gefahr.“ Die goldene Regel der ethisch verantwortlichen Behandlung muss für alle Lebewesen gelten – auch für Reptilien, Säugetiere, Fische, Insekten, Vögel, Amphibien und Krebstiere. 

 

Würden wir unsere Kinder in Käfigen einsperren, die so klein sind, dass sie sich darin nicht bewegen können? Würden wir unsere Schwestern vergewaltigen und ihnen ihre Babys wegnehmen? Würden wir unsere Freunde absichtlich mit Krankheiten infizieren und sie dann nicht ärztlich behandeln? Natürlich nicht! Warum aber behandeln wir dann andere Lebewesen so? Wir müssen die archaische und falsche Abgrenzung des Menschen gegenüber allen anderen Lebewesen aufgeben, die uns fortwährend als Rechtfertigung für das Massaker an Milliarden von Lebewesen dient. 

 

Vor mehr als einem Jahrhundert hat Charles Darwin aufgezeigt, dass alle Lebewesen der Erde einst gemeinsame Vorfahren hatten. Alle Lebewesen wollen leben. Wir alle fühlen Schmerz, Freude, Trauer und Lust. Jedes Lebewesen hat einen eigenen Wert.

 

Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, dass wir sie anziehen, dass wir an ihnen experimentieren, dass sie uns unterhalten müssen oder dass wir sie auf andere Weise ausbeuten oder misshandeln.

 

Alle Lebewesen wollen frei sein und ein Leben führen, das ihren natürlichen Bedürfnissen und Instinkten entspricht. Auch wenn jedes Geschöpf auf dieser Erde in seinem Leben unweigerlich ein gewisses Maß an Leid erfährt, muss der Mensch damit aufhören, allen anderen Lebewesen für seine eigenen egoistischen Zwecke bewusst Leid zuzufügen. Es macht für uns keinen Unterschied, ob wir statt eines Cheeseburgers einen Veggieburger essen oder ob wir einen Geldbeutel aus Kunstleder statt aus Leder kaufen. Die Lebewesen hingegen, die wir ausbeuten, sie bezahlen unseren flüchtigen Genuss oder unsere selbstsüchtigen Vorlieben mit ihrem Leben. 

 

Wir lernen von klein auf, verschiedene Lebewesen unterschiedlich zu behandeln und wachsen in dem Irrglauben auf, es sei in Ordnung, das Fleisch einiger Lebewesen zu essen, die Schreie gejagter Lebewesen zu ignorieren und mit pelzigen Tierbabys zu kuscheln. Wir entwickeln eine konfuse Denkweise. Dies führt dazu, dass die meisten von uns als Erwachsene Abscheu und Betroffenheit empfinden, wenn wir sehen, wie andere Lebewesen gequält und getötet werden. Dennoch kaufen und konsumieren wir tagtäglich das Fleisch, das Fell, die Ausscheidungen und die Haut anderer Lebewesen. Wir geben uns größte Mühe, uns selbst und andere zu täuschen, um die illusorische Grenze zwischen dem Menschen und anderen Lebewesen aufrechtzuerhalten. 

 

Drohender wirtschaftlicher Kollaps, der starrköpfige Anspruch auf angestammte Rechte, die beharrliche Weigerung, althergebrachte Gewohnheiten zu verändern. Im Laufe der Geschichte wurden solche unzulänglichen Ausreden immer wieder vorgebracht – und letztlich für ungültig erklärt. Bei jeder neuen Verschiebung von Grenzen werden die Befürworter, die Abolitionisten oder die Befreier für ihre Forderung nach Gleichberechtigung zunächst verhöhnt und in Verruf gebracht. Doch irgendwann werden die überlieferten Lügen stets als solche entlarvt und die Freiheit siegt – die Freiheit für Frauen, Schwarze, Christen, Schwule und Lesben, Asiaten, Iren, Katholiken oder Juden. Nun ist es an der Zeit, dass diese Freiheit endlich alle Lebewesen dieser Erde umfasst.

 

Wir sind alle Tiere.

Der Mensch verfügt über keine oder allenfalls nur wenige einzigartige Fähigkeiten. Es gibt viele Lebewesen, die eine Sprache erlernen, komplexe soziale Beziehungen eingehen, zum Wohl der Gemeinschaft auf eigene Wünsche verzichten, Werkzeuge verwenden, sich Dinge vorstellen und träumen können. Es gibt viele Lebewesen, die sich an bestimmte Informationen erinnern können, mit ihren Freunden spielen, Intimität genießen, sich unterhalten und um ihre Verstorbenen trauern. Manche Lebewesen verfügen über Fähigkeiten, die unsere eigenen bei Weitem überragen – sei es im Bereich der Navigation oder hinsichtlich von Ausdauer, Kommunikation oder der Früherkennung von Naturereignissen. Noch wissen wir nicht genau, wie alle Lebewesen denken bzw. was sie denken. Aber ihre Gedankenwelt als weniger entwickelt, weniger rational, weniger ethisch oder weniger intelligent als unsere abzutun, ist eindeutig ein Fehler. 

 

Kein Lebewesen hat es verdient, misshandelt zu werden – ganz gleich, über welche Fähigkeiten es verfügt. Wir wissen alle, dass es falsch ist, Kinder oder behinderte Menschen zu quälen, nur weil sie nicht über die gleichen Fähigkeiten wie Erwachsene verfügen. In gleicher Weise haben alle Lebewesen dieser Erde ein Recht auf Freiheit und Respekt – nicht etwa, weil sie über Fähigkeiten verfügen, die wir bewundern, sondern einfach, weil sie Lebewesen sind. Wir alle haben die gleichen evolutionären Wurzeln, wir alle leben auf der gleichen Erde, und wir alle unterliegen den gleichen Naturgesetzen. Wir sind alle eins.

 

Homepage: https://peta50plus.de/ 

 


Frühjahr 2019


Das Leben wählen

Foto ©: Free fotos - pixabay.com
Foto ©: Free fotos - pixabay.com

Von Joanna Macy und Molly Brown

Joanna Macy und Molly Brown möchten dazu ermutigen, eine ökologisch-spirituelle Transformation im eigenen Leben und mit anderen Menschen in Gang zu setzen – für das Wohl aller fühlenden Wesen und dieser Erde, die unser einziges Zuhause ist.

 

Wir können das Leben wählen. Sogar im Angesicht der weltweiten Klimakatastrophe, der weltumspannenden radioaktiven Verseuchung, von Fracking, dem Abtragen der Berggipfel zur Steinkohlegewinnung, der Ölsandgewinnung, den Tiefseebohrungen und genetisch veränderten Lebensmitteln – wir können das Leben immer wählen. Wir haben noch immer die Möglichkeit, zum Wohle einer lebenswerten Welt zu handeln.

 

Entscheidend ist, dass wir uns Folgendes klarmachen: Wir können unsere Bedürfnisse erfüllen, ohne unser lebenserhaltendes System zu zerstören. Denn wir haben das Wissen und die technischen Möglichkeiten, so zu handeln. Wir haben das Können und die Ressourcen, um ausreichende Mengen von natürlicher, unveränderter Nahrung zu erzeugen. Auch wissen wir, wie wir saubere Luft und sauberes Wasser bewahren können. Wir sind fähig, Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Algen und Pilzen zu erzeugen. Wir haben Methoden zur Geburtenkontrolle, um das Wachstum der menschlichen Population zu verlangsamen, um schließlich eine Verringerung zu bewirken. Wir haben die technischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten, um Waffen unschädlich zu machen, Kriege zu verhindern und jedem eine Stimme im Prozess demokratischer Selbstbestimmung zu geben. Wir können unsere moralischen Wertvorstellungen darin üben, unseren Lebensstil und Konsum in Einklang mit den Lebenssystemen der Erde zu bringen. Alles, was wir brauchen, ist der kollektive Wille dazu. (...)

 

In dieser Erden-Zeit das Leben zu wählen ist ein mächtiges Abenteuer. Wie Menschen überall entdecken, entfacht dieses Abenteuer mehr Mut und Solidarität als irgendeine Militärkampagne. Zahllose Menschen sind dabei zu organisieren, zu lernen, Aktionen durchzuführen. Es sind Schülerinnen und Schüler, die Flüsse renaturieren, damit die Lachse laichen können, Stadtbewohner, die auf freien Flächen urbane Gemeinschaftsgärten schaffen, First Nations (Ureinwohner Kanadas), die die Ölproduktion und den Bau von Pipelines auf dem Land ihrer Vorfahren blockieren, und Frauen auf dem Land, die Sonnen- und Wasserreinigungstechnologien in ihre Dorfgemeinschaften bringen.

 

All diese vielfältigen menschlichen Aktivitäten dienen dem Leben. Sie machen weder Schlagzeilen noch werden sie in den Nachrichten erwähnt, aber für unsere Nachkommen wird genau das wichtiger sein als alles andere, was wir tun. Schaffen wir die Veränderung von der Industriellen Wachstumsgesellschaft hin zu einer nachhaltig lebensfördernden Gesellschaft, dann ist die Welt für jene, die nach uns kommen, lebenswert. Schauen die zukünftigen Menschen dann auf diesen historischen Moment zurück, werden sie klarer als wir heute sehen können, wie revolutionär unsere Aktionen waren. Vielleicht werden sie es die Zeit des Großen Wandels nennen. Sie werden es als epochal, als bahnbrechendes Ereignis vermerken. Während die landwirtschaftliche Revolution Jahrhunderte und die industrielle Revolution Generationen benötigte, muss die ökologische-spirituelle Revolution innerhalb einiger Jahre geschehen. Ebenso muss klar sein, dass nicht ausschließlich die Wirtschaftspolitik beteiligt ist, sondern auch die Unterstützung durch veränderte Gewohnheiten, Werte und Einsichten.

 

Die größte Gefahr: Die Apathie von Herz und Verstand

 

Es ist die Zerstörung der Welt zu unseren Lebzeiten Die uns schier um unseren Verstand bringt. Das zu zerstören, was uns anvertraut wurde: Wie halten wir das aus?

Wendell Berry 

 

Indem wir an all diesen Zerstreuungen festhalten, hoffen wir, unsere Aufmerksamkeit nicht darauf lenken zu müssen, wer wir sind, nicht fühlen zu müssen, was wir fühlen, nicht sehen zu müssen, was wir sehen.

Judy Lief 

 

Der Große Wandel hin zu einer lebensfördernden Zukunft ist im Angesicht dessen, was mit unserer Welt geschieht, eine Antwort auf das, was wir sehen und fühlen. Er beinhaltet zwei Aspekte: Wir nehmen die Gefahr wahr, und wir finden Wege zum Handeln. Als bewusste Wesen sind wir mit einem Körper und mannigfaltigen Sinnen versehen, um darauf entsprechend reagieren zu können: Ohne zu überlegen springen wir aus dem Weg, wenn ein Lastwagen auf uns zurast, schütten Wasser auf ein Feuer, springen in ein Schwimmbecken, um ein Kind zu retten. Diese Fähigkeit, angemessen zu reagieren, die auch als prosoziales Verhalten bezeichnet wird, ist in der menschlichen Evolutionsgeschichte immer schon ein wesentliches Merkmal des Lebens gewesen. Sie umfasst unsere Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen und die Entwicklung neuer Möglichkeiten. Sie erlaubt es ganzen Gruppen und Gesellschaften, zu überleben, solange ihre Mitglieder über die erforderlichen Informationen verfügen und in ihrem Handeln frei sind. Systemisch gesprochen, ist die Reaktion auf eine Gefahr Teil einer Rückkopplungsschleife oder eines Feedback-Prozesses, die unsere Wahrnehmung von einem Ereignis mit unserem Handeln verbindet. Situationsgerechte Antworten setzen allerdings voraus, dass solche Rückkopplungsschleifen nicht blockiert werden.

 

Das Leben auf der Erde ist in diesem Moment seiner Entwicklung so massiv und beispiellos bedroht, dass es schwer ist, damit noch fertigzuwerden. Die ernsten Gefahrensignale, die eigentlich unsere Aufmerksamkeit fesseln, unser Blut in Wallung bringen und uns im gemeinschaftlichen Handeln zusammenschweißen sollten, bewirken eher das Gegenteil. Lieber lassen wir die Rollläden herunter und beschäftigen uns mit Nebensächlichkeiten. Von unserem Wunsch nach Ablenkung profitiert eine milliardenschwere Industrie, die uns suggeriert, dass schon alles in Ordnung ist, solange wir nur dieses Auto oder jenes Deodorant kaufen. Wir essen Fleisch aus Massentierhaltung und industriell erzeugte Agrarprodukte. Dabei ignorieren wir die darin enthaltenen Pestizide, Hormone und gentechnischen Veränderungen. Wir kaufen Kleidung ohne Rücksicht darauf, wo sie hergestellt wurde, und denken lieber nicht darüber nach, ob sie vielleicht durch Ausbeutung der Arbeiterinnen in weit entfernten Ländern produziert wurde. Wir gehen nicht wählen, und tun wir es dennoch, dann wählen wir Kandidaten, von denen wir selber nicht glauben, dass sie die realen Probleme anpacken werden. Allen unseren Erfahrungen zum Trotz hoffen wir, dass sie plötzlich aufwachen und mutig handeln mögen, um uns zu retten. Ist unsere Gesellschaft tatsächlich so kaltschnäuzig und nihilistisch geworden? Hat sie damit aufgehört, sich um das Leben auf Erden zu sorgen?

 

Der Schmerz um die Welt

 

Es scheint so. Reformer und Revolutionäre prangern die öffentliche Apathie an. Um das Volk wach zu rütteln, überschütten sie es immer mehr mit grauenvollen Nachrichten und tun dabei so, als wüssten die Menschen nicht, dass unsere Welt in Schwierigkeiten steckt. In moralischem Befehlston predigen sie ihr Wissen so, als würden sich die Menschen nicht schon längst genug Sorgen machen. Ihre Warnungen und Moralpredigten veranlassen uns, die Rollläden noch weiter herunterzulassen, uns zu schützen und alles auszublenden, was zu erdrückend, zu kompliziert, zu sehr außer Kontrolle geraten ist.

 

Umso notwendiger ist es, sich dieser Apathie zu stellen, sie zu verstehen und sich ihr mit Respekt und Mitgefühl anzunähern. Apatheia kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich: Nicht-Leiden. Ausgehend von der Herkunft des Worts, bedeutet es das Unvermögen, Schmerz zu fühlen und ihn abzuwehren. 

 

Was ist das für ein Schmerz, den wir in dieser Erdenzeit fühlen – und krampfhaft versuchen, nicht fühlen zu müssen, um unempfindlich zu bleiben? Es ist etwas völlig anderes als das, was die alten Griechen damit gemeint haben. Dieser Schmerz betrifft nicht den Mangel an Wohlstand, Gesundheit, Ansehen oder geliebten Menschen, sondern er bezieht sich auf so unermessliche Verluste, dass wir es kaum fassen können. Es ist der Schmerz um die Welt. (...) In unserer bedrohten und leidenden Welt ist dieser Schmerz der Preis dafür, dass wir mit einem Bewusstsein ausgestattet sind. Dieser Schmerz ist natürlich und eine unersetzliche Komponente unserer kollektiven Heilung. (...) Wir können versuchen, uns vor dem Schmerz um die Welt zu schützen, jedoch ist der Aufwand enorm groß. Wir bezahlen einen hohen Preis dafür, dass wir unser Bewusstsein, unsere Einsichten und unsere Authentizität willentlich dezimieren. Verdrängung verschlingt eine Unmenge unserer Energie und beeinträchtigt die Mitwelt-Wahrnehmung erheblich. (...) Den Schmerz nicht fühlen zu wollen führt ebenso zu einer Abstumpfung anderer Gefühle – Liebe und Traurigkeit sind oberflächlicher, der Himmel weniger leuchtend, Freude verhaltener. (...) Zugleich beeinträchtigt die Verdrängung von Kummer und Verzweiflung unser Denken und schwächt damit unsere geistigen Fähigkeiten. (...)

 

Engagieren wir uns für das Leben auf Erden, ist unser Schmerz, der Gefühle von Angst, Wut und Trauer beinhaltet, nicht nur allgegenwärtig, sondern zugleich völlig natürlich und gesund. Dysfunktional wird er insofern erst, wenn wir ihn nicht ernst nehmen und unterdrücken.

 

Weder zusammengebissene Zähne noch der Versuch, edle und tapfere Bürger zu werden, befreien uns aus Verleugnung und Apathie. Auch Selbstvorwürfe oder das Weiterkämpfen mit zusammengekniffenen Lippen helfen uns nicht dabei, unsere Leidenschaft für das Leben, unsere wilde, ursprüngliche, schöpferische Intelligenz wiederzufinden. Die Vorstellung vom tapferen Helden gehört in das alte Weltbild des Turbokapitalismus. Die Zeit für Helden dieser Art ist nun vorbei. 

 

Das Bemerkenswerteste dieses historischen Augenblicks ist nicht die Tatsache, dass wir dabei sind, die Erde zu zerstören – denn das tun wir schon eine ganze Weile –, sondern wirklich wichtig ist unser langsames Erwachen wie aus einem Jahrtausende währenden Schlaf. Dieses Erwachen macht eine völlig neue Art der Beziehung zu unserer Erde, zu uns selbst und zu allen anderen Lebensformen möglich. Dadurch kann sich der Große Wandel entfalten.

Auszug aus dem Buch:

 

Joanna Macy & Molly Brown: Für das Leben! – Ohne Warum –

Ermutigung zu einer ökologisch-spirituellen Revolution

 

aus dem Amerikanischen von Barbara Hamburger-Langer und Gunter Hamburger

Junfermann Verlag,

Paderborn 2017

 

Bestellmöglichkeit bei Buchhandlung Plaggenborg, info@buchhandlung-plaggenborg.de oder Tel. 0441-17543


Utopia.de – Deutschlands größtes Portal für Nachhaltigkeit

Von Ulrike Plaggenborg (und Utopia.de)

 

Utopia.de ist eine unerschöpfliche Quelle für Anregungen, nachhaltiger zu leben. Das Themenspektrum ist breit gefächert, die Beiträge gut aufbereitet. Es macht immer Spaß dort zu stöbern und sich anstupsen zu lassen. Wöchentlich gibt es einen Newsletter im Abo, damit man auch nichts verpasst.

 

Die Vision: nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft

 

Die Menschheit steht vor großen ökologischen und sozialen Herausforderungen. Noch aber ist Nachhaltigkeit nicht oberste Priorität: weder auf der politischen Agenda noch bei der Mehrzahl der Verbraucher oder bei Unternehmen. Doch die Zeit drängt.

 

Deshalb möchte Utopia Menschen, Organisationen und Unternehmen zusammenbringen, die gemeinsam einen wirksamen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft leisten wollen.

 

Utopias Beitrag: nachhaltige Kaufberatung

 

Utopia.de möchte Millionen Verbraucher informieren und inspirieren, ihr Konsumverhalten und ihren Lebensstil nachhaltig zu verändern. Nachhaltiger Konsum wird sich nur dann auf breiter gesellschaftlicher Basis durchsetzen, wenn die Angebote attraktiv – und damit massen(markt)tauglich – sind. Deshalb macht es utopia.de den Nutzern so leicht und so attraktiv wie möglich, sich bei Produkten und Dienstleistungen für nachhaltigere Alternativen zu entscheiden.

 

Der Weg: Utopia verbindet die kompetente Kaufberatung einer unabhängigen Redaktion mit den Meinungen und Empfehlungen von mehr als 90.000 registrierten Community-Mitgliedern, die auf Utopia nachhaltige Produkte und Dienstleistungen testen und bewerten.

 

Dabei will Utopia weder belehren noch missionieren, sondern umfassend informieren. Utopia will die Menschen motivieren, den jeweils nächsten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu tun – egal wie groß oder klein dieser ist. Denn: wer einmal angefangen hat, sich mit nachhaltigem Konsum zu beschäftigen, den lässt es nicht mehr los.

 

Die Themen auf Utopia.de

 

Garten, Gesundheit, Lebensmittel, Lifestyle, Plastik, Selbermachen, Auto, Umweltschutz, Fair Trade, Gewusst Wie, Nachhaltigkeit, Vegan, Utopia von A bis Z, Beliebt auf Utopia, Ratgeber, News, Bildergalerien, Siegel. Auch der Newsletter informiert über die besten Infos, Tipps, News, Ratgeber & Kaufberatungen kostenlos per Mail.


Winter 2019


Man kann die Erderwärmung nicht wegmeditieren

Autorinnen: Birgit Stratmann und Cristina Grovu

 

Interview mit Birgit Stratmann, Mit-Initiatorin des Online-Magazins ethik-heute.org von Cristina Grovu

 

Frage: Sie nennen sich Netzwerk Ethik heute, betreiben ein Online-Magazin und organisieren Veranstaltungen. Wie kamen Sie darauf, etwas zum Thema Ethik zu machen?

 

Wir Initiatoren suchten nach etwas Verbindendem zwischen Menschen und Kulturen. Gleichzeitig wollten wir westliche und östliche Perspektiven integrieren, besonders Wissenschaft, Philosophie und Therapie auf der einen Seite, und Meditation, Achtsamkeit und innere Arbeit auf der anderen Seite. 

 

Auch waren wir inspiriert von der Idee der „säkularen Ethik“, die der Dalai Lama seit einiger Zeit promotet. Er spricht viel davon, dass Ethik wichtiger sei als Religion und bezeichnet die Ethik sogar als Schlüssel, um die vielen Probleme in der Welt zu lösen. Seine Definition ist einfach: „Andere Menschen als Brüdern und Schwestern anzusehen, darum geht es bei der Ethik.“

 

Als unser Gründungsmitglied Christof Spitz, der auch sein Dolmetscher für den deutschsprachigen Raum ist, ihm 2013 die Idee eines Ethik-Netzwerks vorstellte war der Dalai Lama begeistert. Spontan spendete er über seine Stiftung 10.000 Euro – das war unser Startkapital. Zu dem Zeitpunkt hatten wir außer einigen guten Ideen und ein paar hochmotivierten Menschen noch gar nichts. 

 

Frage: Wie kam es dann zur Gründung des Netzwerks?

 

Meine Kollegin, die Journalistin Michaela Doepke, und ich dachten zuerst daran, ein Print-Magazin zu machen. Wir haben sogar ein Pilotheft gedruckt und verteilt. Doch als wir dann über den Zahlen brüteten, haben wir die Idee verworfen. Zu teuer, zu riskant und irgendwie nicht mehr zeitgemäß. Dann entschlossen wir uns, ein Online-Magazin aufzubauen. 

 

Parallel arbeiteten Christof Spitz und die anderen beiden Gründungsmitglieder, die Organisationsentwicklerin Uta Frahm und Beate Ludwig, Inhaberin einer Kommunikationsagentur, an einem Veranstaltungsformat „Ethik-Dialoge für Führungskräfte“. Ihnen lag die Frage am Herzen, wie wir Menschlichkeit in Unternehmen bringen können. Irgendwann saßen wir alle zusammen am runden Tisch und beschlossen, eine gemeinnützige Organisation zu gründen – mit Online-Magazin und Veranstaltungen. Das war im November 2013.

 

Ethik hält die Gesellschaft zusammen

 

Frage: Was verstehen Sie unter Ethik?

 

Der Begriff ist, das gebe ich zu, nicht besonders attraktiv. Man denkt an Regeln, Pflichten und den erhobenen Zeigefinger – also alles, was keinen Spaß macht. Für uns ist Ethik das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Ethik als ein Denken und Handeln, das unser Leben ermöglicht und unsere tieferen Bedürfnisse spiegelt – nach einem gelingenden Leben, guten Beziehungen, einer ökologisch und sozialen Gesellschaft.

 

Ethik kommt aus dem Herzen, daher unser Slogan: „Ethik ist Herzenssache“. Wir sehen ja, dass kühle Vernunft nicht immer ausreicht. Nehmen wir zum Beispiel die Erderwärmung: Wir kennen die Fakten, wir wissen um unsere eigenen Anteile daran – aber trotzdem schaffen wir es nicht, unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Wir fliegen, wir konsumieren, wir leben über unsere Verhältnisse. Genau das spiegelt sich auch auf politischer Ebene: Ein wirksames Klimaabkommen gibt es nicht.

 

Vielleicht brauchen wir viel mehr innere Quellen wie Achtsamkeit, Weisheit, ein Gefühl der Verbundenheit, um Lösungen zu finden – natürlich in Kombination mit politischen Veränderungen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die glauben, man könne den Klimawandel wegmeditieren. Die Frage ist aber: Wie motivieren wir uns zu einem Handeln, das dem Gemeinwohl dient? Und da glaube ich, dass diese Motivation aus inneren Quellen kommen muss. Die Frage ist, wie wir Zugang zu diesen Quellen finden.

 

Frage: Und was ist Ihre Antwort?

 

In dieser stressigen, schnellen Gesellschaft ist es wirklich nicht leicht, zu sich zu kommen. Wir wissen gar nicht mehr, dass wir „innere Quellen“ haben. Sie sind verschüttet. Wir haben ein interdisziplinäres „Weisheitstraining“ entwickelt, um Zugang zu diesen Quellen zu ermöglichen. In den Workshops beschäftigen wir uns mit solchen Fragen: Was ist für mich ein gutes Leben? Wie kann ich meine tieferen menschlichen Bedürfnisse sehen und leben? Wie kann ich mich dabei mit anderen verbinden und mehr zum Wohl des Ganzen wirken?

 

Ich kenne mehrere Menschen, die im Laufe des Trainings ihr Arbeitsumfeld anders gestaltet haben. Die meisten davon haben ihre Arbeitszeit reduziert oder Karrierestufen sein lassen, um mehr Zeit zu haben. Wir können in dem Tempo, wie wir es jetzt leben, nicht mehr weitermachen. Wir verlieren uns selbst, und dadurch womöglich auch den tieferen Kontakt zu anderen Menschen. Ja, das menschliche Leben auf der Erde insgesamt ist in Gefahr.

 

Wir müssen also zu uns kommen. Aussteigen und wie Thoreau in den Wäldern leben, ist für die meisten keine Option, denn wir wollen ja gerade in die Gesellschaft hineinwirken. Aber das Leben verlangsamen, mehr Raum haben und tiefer nachdenken, das tut uns gut.

 

Wir haben auf unserem Portal auch Artikel über das Bedingungslose Grundeinkommen und Unternehmerinnen und Unternehmer, die Wirtschaft anders gestalten. Es muss Alternativen geben zu einer Gesellschaft, die auf Leistung und Konkurrenz setzt. Diese Fragen haben mich motiviert, das Netzwerk zu gründen.

 

Politisches Engagement und Meditation verbinden

 

Frage: Was ist Ihr persönlicher Hintergrund?

 

Ich war in beiden Welten unterwegs: im Politischen und im Spirituellen. Die meiste Zeit meines beruflichen Lebens habe ich für Greenpeace als Texterin gearbeitet. Greenpeace wirkt ja vor allem politisch. Ich mag das Kämpferische im Greenpeace-Spirit, den unbändigen Glauben: Alles ist möglich, wenn wir es gemeinsam anpacken.

 

Anfang der 1990er Jahre habe ich angefangen, mich mit dem Buddhismus zu beschäftigen und zu meditieren. Ich war übrigens bei einigen Retreats von Thich Nhat Hanh in Oldenburg. Er hat mich stark geprägt, da er alles integriert. Er spricht in einem neueren Buch davon, dass wir ein „kollektives Erwachen“ bräuchten, ein starkes Wort! Wir kommt es manchmal so vor, als seien wir eine Gesellschaft im Tiefschlaf.

 

Frage: Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in Ihrem Online-Magazin? Was bewegt Ihre Leserinnen und Leser?

 

Wir spannen den Bogen von der persönlichen Entwicklung zum gesellschaftlichen Engagement, weil beides zusammengehört. Das geht von Achtsamkeit und Meditation über Liebe und Vertrauen bis hin zu Bildung, Umwelt und anderen gesellschaftlichen Fragen, sei es Digitalisierung, Demokratie, Flüchtlingsthematik. Es gibt kaum etwas, das wir nicht mit Ethik verbinden. Dabei versuchen wir, andere Perspektiven auf Themen zu ermöglichen, die auch sonst durch die Medien gehen. Das verdanken wir einer Vielzahl von ganz unterschiedlichen Autorinnen und Autoren.

 

Ich glaube, dass viele Menschen regelmäßig unser Portal besuchen, weil sie ihre Hoffnung und Zuversicht für eine bessere Welt bewahren wollen. Und darin bestärken wir sie – eigentlich mit jedem Beitrag, den wir veröffentlichen. Wir machen Mut und zeigen: Bei all den Konflikten und Problemen gibt es viele Lichtblicke. 

 

Frage: Wird heutzutage nicht zu viel geredet? Sind nicht eher Taten notwendig?

 

Viele Menschen sind ja normalerweise den ganzen Tag aktiv, manche sogar hyperaktiv, auch im Guten. Sie machen neben Arbeit und Familie sogar mehrere ehrenamtliche Jobs. Thich Nhat Hanh hat oft gefragt: Wir rennen und rennen, aber was wäre, wenn wir mal innehalten, Sorgen und Vorhaben fallen lassen und einfach im Sein ankommen?

 

Auf der anderen Seite gibt es nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft, die unter dem Gegenteil leiden: Apathie und Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das führt dazu, dass wir kostbare Freizeit vor irgendwelchen Bildschirmen verbringen, statt uns mit anderen Menschen zu verbinden und die Welt zu bewegen.

 

Aber natürlich haben Sie recht: Zur Ethik gehören Herz und Hand. Wir müssen das, was wir als richtig erkannt haben, auch in den Alltag bringen, in die Beziehung zu anderen Menschen. Das ist die eigentliche ethische Praxis. 

 

Das „Netzwerk Ethik heute“ ist eine gemeinnützige Organisation, die Veranstaltungen macht und ein kostenloses Online-Magazin betreibt: Jede Woche gibt es neue Artikel rund um Ethik und Achtsamkeit. Das Portal finanziert sich allein durch Spenden: ethik-heute.org

Sie können das Magazin mit einer Mitgliedschaft im Freundeskreis unterstützen. Für 60 € im Jahr erhalten Sie Zugang zur Audiothek – mit Vorträgen, Interviews und Meditationen – und jedes Jahr ein eBook mit den besten Artikeln.

 

Birgit Stratmann ist Mitbegründerin des Netzwerks Ethik heute.

Verantwortlich für die Redaktion der Website und die Programmplanung,

Texterin für Print und Web, u.a. für Greenpeace.