
AutorInnen: Verein "Kleiner Fünf"
Vorwort von den Plaggenborgs: unsere Generation ist unseren Eltern heftig auf die Füße getreten mit der Frage: „Wie konntet ihr das zulassen, dass die Nazis an die Macht kamen und warum habt ihr es nicht verhindert?“ Und heute kommt eine Partei daher mit den gleichen Ideen und wir zucken mit den Schultern? NEIN, denn das alles geht für uns überhaupt nicht. In dem großartigen Buch „Woher kommt der Hass?“ von Anne Otto haben wir dazu zum einen viele Erklärungen gefunden, warum Menschen heutzutage wieder empfänglich sind für solche autoritären Ideen, und andererseits hat sie in dem Buch auf diese großartige Initiative aufmerksam gemacht, die wir hiermit vorstellen möchten:
Kleiner Fünf ist eine Initiative des Vereins Tadel verpflichtet! e.V.
Die Initiative "Kleiner 5" (steht für die 5%-Hürde bei Wahlen, Anm. d. Red.) - https://www.kleinerfuenf.de/ - setzt sich gegen Rechtspopulismus und für demokratische Teilhabe ein. Entschlossen, sachlich und radikal höflich beziehen wir Stellung gegen Menschenfeindlichkeit und Hass. Dadurch treten wir gleichzeitig für eine demokratische und weltoffene Zukunft ein. Wir leisten einen Beitrag zur politischen Debatte, wollen diese auffrischen, und hinterfragen die Positionen der etablierten Akteure. Wir wollen Themen neu setzen und mit Inhalten überzeugen. Wir haben keine Angst vor der Zukunft und vor Veränderung. Denn wir sind überzeugt, dass die besten Zeiten noch vor uns liegen.
Gesprächstipps und Argumentationsleitfäden
Wie verhältst du dich, wenn dein Onkel gegen Geflüchtete hetzt? Wie, wenn deine Kollegin ständig von der Lügenpresse und dem Brüsseler Sumpf spricht? Wir haben für Dich Tipps und Tricks im Umgang mit Rechtpopulismus aufgeschrieben.
Warum glauben wir, dass persönliche Gespräche so wichtig sind?
Jede rechtspopulistische Aussage, der nicht widersprochen wird, verstärkt den Eindruck, dass wir diese Aussagen akzeptieren oder ihnen zustimmen. So werden Menschen- und Demokratiefeindlichkeit normalisiert, marginalisierte Gruppen gefährdet und Vertrauen in solidarisches Miteinander und politische Zukunftsfähigkeit zerstört.
Wir sind überzeugt, dass jede*r Einzelne die Möglichkeit hat, diesen Aussagen entgegenzutreten und Menschen im persönlichen Umfeld davon überzeugen kann, ihre Position zu überdenken und als letzten Schluss ihr Kreuz bei einer demokratischen Partei zu machen.
Unser Ansatz für diese Gespräche: https://radikalehoeflichkeit.de/ ! Das bedeutet, Diskussionen sachlich und respektvoll zu führen und gleichzeitig Hass und Ausgrenzung aktiv entgegenzutreten. Es geht also nicht darum, um jeden Preis ‘mit Rechten zu reden’, sondern um differenzierte und entschiedene Gegenrede, um konstruktiven Streit für demokratische Werte.
5 Tipps für radikal höfliche Gespräche
Rechtspopulistische Ansichten, Parolen und Vorurteile begegnen dir im Alltag an ganz unterschiedlichen Orten: In der S-Bahn ebenso wie in der Kantine, auf einer Familienfeier genauso wie auf einer Party. Nicht selten lösen Sprüche wie „Die etablierten Parteien arbeiten doch alle gegen das Volk!“ oder „Der Islam passt einfach nicht nach Europa!“ erstmal Sprachlosigkeit aus. Aus unserer Erfahrung sind die folgenden fünf Tipps in vielen Alltagssituationen hilfreich:
Tipp 1: Cool bleiben!
Ruhig bleiben. Gerade weil solche Situationen schnell überfordern oder dazu führen, dass man sich schnell nur noch anschreit. Ruhig bleiben kann euch dabei helfen, bewusst zu reagieren, weil ihr euch grundlegende Fragen besser stellen könnt: Was kann ich erreichen? Was will ich erreichen? Desto leichter fällt es euch dann, überlegt zu reagieren. Ruhig bleiben heißt aber auch nicht per se unemotional. Ihr müsst eure Wut oder andere Emotionen nicht unterdrücken, wenn ihr sie habt – sondern versucht, sie so zu nutzen, dass ihr eurem Widerspruch Nachdruck verleihen könnt. Kontrollierte Vehemenz kann überzeugend sein.
Tipp 2: Stell offene Fragen
Häufig geht es vielleicht erstmal darum, nicht direkt zu widersprechen – man hat vielleicht nicht immer direkt eine Erwiderung parat – sondern zu hinterfragen: um sie besser zu verstehen oder das Gegenüber dazu zu bringen, die Aussage nochmal zu formulieren. So findet ihr heraus, ob das Gegenüber weiß, was es sagt und euch, ob ihr es richtig verstanden habt. Es verschafft euch die Gelegenheit, nochmal in euch zu gehen und die nächsten Schritte zu bedenken. Problematisch ist das natürlich bei rassistischen Aussagen, die nicht noch mehr Raum bekommen sollten, hier könnt ihr schon beim Rückfragen Grenzen setzen.
Tipp 3: Höre zu
Wenn ihr Fragen gestellt habt, geht es natürlich auch darum zuzuhören. Gibt es Zwischentöne oder Widersprüche? Häufig denkt man ja, man wisse genau, was das Gegenüber als Nächstes sagt. Zuhören hilft euch, klarer zu wissen, wo ihr ansetzen könnt und es signalisiert dem Gegenüber, dass ihr bereit seid, ein Gespräch zu führen. In letzter Instanz könnt ihr darauf verweisen, um ein Gespräch abzubrechen, wenn das Gegenüber diese Regeln verletzt.
Tipp 4: Formuliere Kritik höflich
Kritik höflich oder sachlich oder persönlich motiviert formulieren. Das heißt, erstmal klarzumachen, wir haben vielleicht eine gemeinsame Basis. Ich erkenne an, dass es ein Problem gibt, über das wir diskutieren können. Das heißt auch, die Aussage nochmal mit eigenen Worten zu wiederholen. „Gleichzeitig stimme ich dir aber auf keinen Fall zu, diese Schlussfolgerung zu ziehen“. Es geht also darum, das Feld abzustecken und sich nicht auf Lösungen einzulassen, die die Grenzen des Sag- oder Denkbaren überschreiten. So gebt ihr dem Gegenüber die Möglichkeit, nachzuvollziehen, was das Problem ist, aber ihr verurteilt es nicht pauschal oder von oben herab.
Tipp 5: Agiere selbst
Irgendwann im Gespräch werdet ihr an den Punkt kommen, an dem es wichtig ist, aus dem Reagieren rauszukommen und selbst zu agieren. Zum Beispiel könnt ihr euch dann fragen, ob die Perspektive auf das Thema eigentlich vorkommt, die ich angemessen finde. Ihr könnt euch ein ganz neues Thema einbringen oder eine andere Sprache verwenden. Das kann aber auch heißen, ein Gespräch abzubrechen, wenn das Gegenüber immer wieder bestimmte Regeln verletzt oder Grenzen überschreitet.
Wie überzeugt und selbstbewusst ist dein Gegenüber?
Es macht einen großen Unterschied, mit wem du sprichst.
Was in den jeweiligen Situationen gut funktioniert haben wir dir in unseren Gesprächsleitfäden zusammengestellt: https://www.kleinerfuenf.de/gespraechstips-und-argumentationsleitfaeden.
Textveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von „Kleiner Fünf“.
Zum Lesen: E-Books: „Sag‘ was“ von Philipp Steffan und „Sprich‘ es an“ von Philipp Steffan, Tobias Gralke, Caroline Morfeld.
Buch: „Woher kommt der Hass?“ von Anne Otto
Zum Spielen: „Sag was! Mischen und Einmischen gegen Rechtspopulismus -Gesprächskartenspiel“ (ISBN 4260160881772).
Alles auf www.buchhandlung-plaggenborg.de.

Zum wahren Selbst finden und wahren Frieden finden
Thich Nhat Hanh
Vorwort von Jane Goodall
Es stimmt mich traurig, dass ich Thich Nhat Hanh nie persönlich kennengelernt habe, denn die Lektüre von »Innerer Frieden – äußerer Frieden: Zum wahren Selbst finden und Liebe in die Welt bringen« hat etwas tief in mir angerührt. Während des Zweiten Weltkriegs war ich noch ein Kind, aber mir war der Horror dieser furchtbaren Zeit – das Töten und Zerstören – sehr wohl bewusst. Wir lebten zwar nicht in einer der großen Städte, in denen deutsche Bomben und V2-Raketen Nacht für Nacht Angst und Schrecken verbreiteten, aber trotzdem mussten auch wir Schutz vor den über uns hinwegdonnernden Flugzeugen suchen, und wir spürten, wie das Haus bebte, wenn gelegentlich Bomben in der Nähe einschlugen. Menschen, die wir kannten, wurden getötet. Und als ich vom Holocaust erfuhr und die ersten Fotos der lebenden Skelette sah, die schließlich aus den Haufen Toter gerettet worden waren, schockierte mich das zutiefst. Wie konnte man so mit Menschen umgehen?
Wann immer ich mich ängstlich fühlte, kletterte ich auf meinen Lieblingsbaum im Garten und versuchte, auf einem der Äste sitzend, zu verarbeiten, was da geschah. Ich glaube, dort habe ich gelernt, wie wichtig innerer Frieden ist. »Das Leben ist voll von Leiden, aber es ist auch voller Wunder«, schreibt Thich Nhat Hanh. Doch auch ohne von diesem wunderbaren Mönch oder seinen Lehren zu wissen, war mir die Wahrheit dieser Worte seit meiner Kindheit gegenwärtig. Für mich bestanden die Wunder in den sich im Wind hin und her wiegenden Blättern, im Gesang eines Vogels, der Liebe in den Augen meiner Mutter und der tiefen emotionalen Bindung zu meinem so besonderen Hund. Und, obwohl es mir zu der Zeit noch nicht klar war, aber damals lernte ich, dass im gegenwärtigen Moment zu leben eine Möglichkeit war, mit Schmerz und Leiden umzugehen. Eine andere Möglichkeit, so entdeckte ich später, lag darin, etwas zu tun, irgendetwas, um zu versuchen zu helfen.
Thich Nhat Hanh war viel näher an den zerstörerischen Kräften, die Vietnam während des von den Vietnamesen so genannten »amerikanischen Kriegs« auseinanderrissen. Zu dieser Zeit befand ich mich weit entfernt von den schrecklichen Dingen, die in seiner Welt vor sich gingen. Ich lebte in den Regenwäldern des Gombe-Nationalparks in Tansania und lernte von den Schimpansen und dem Wald, in dem sie lebten. Lernte etwas über die Verbundenheit allen Lebens. Und spürte eine enge spirituelle Verbindung mit der natürlichen Welt und ein Gefühl des Einsseins mit der mich umgebenden Schönheit. Als ich erfuhr, was in Vietnam geschah – von den Napalm-Bomben, die den Menschen so viel Leid zufügten, und der Entlaubung der Wälder mittels riesiger Mengen von Agent Orange –, war ich entsetzt. Das Leiden der Menschen. Das Leiden der Natur.
Anders als so viele buddhistische Mönche thematisierte Thich Nhat Hanh die Ungerechtigkeit, die seinem Land angetan wurde. Er reiste in die USA (und später in weitere Länder), um gemeinsam mit anderen ein Ende des Kriegs zu fordern. Und dafür zwang man ihn, ins Exil zu gehen; die Regierungen Nord- wie Südvietnams verweigerten ihm die Möglichkeit, in seine Heimat zurückzukehren. Damit begann seine Mission, der Welt die Lehren des Buddhismus zu bringen. So wurde aus seiner persönlichen Tragödie ein Segen für Millionen Menschen auf der ganzen Welt.
Die zentrale Lehre der Jugendbewegung Roots & Shoots, die ich 1991 gegründet habe, ist, dass jeder und jede Einzelne etwas bewirkt, jeden Tag aufs Neue, und man sich aussuchen kann, was man bewirken will. Dass alles auf dieser Welt miteinander verbunden ist und die Handlungen eines einzelnen Menschen Ereignisse auf der anderen Seite des Globus beeinflussen können. Dass Kopf und Herz harmonisch zusammenarbeiten müssen, damit wir unser wahres menschliches Potenzial entfalten können. Dass es wichtig ist, die Herzen der Menschen zu erreichen, um ihre Denkweise zu ändern, denn sie müssen sich von innen heraus verändern. Und dass, wenn einem eine Ungerechtigkeit, eine Grausamkeit, die Menschen oder Tieren angetan wird, nahegeht, man versuchen sollte, dagegen etwas zu tun – die Ärmel hochkrempeln und aktiv werden.
Die Mitglieder von Roots & Shoots verstehen die Notwendigkeit, in Frieden und Harmonie miteinander und mit der natürlichen Welt zu leben. Wenn wir uns eine friedliche Welt wünschen, wie können wir das schaffen, wenn wir aus Wut und Hass heraus für den Frieden kämpfen? Das funktioniert nicht, denn, wie Thich Nhat Hanh lehrt, wir müssen der Frieden sein, den wir uns für die Welt wünschen. Für viele scheint das unmöglich – wenn Ihre Eltern getötet wurden, Sie vergewaltigt wurden, Ihr Zuhause zerstört wurde, wie können Sie dann der Frieden sein, den Sie sich für die Welt wünschen? Aber es wird Ihnen sicherlich helfen, wenn Sie von Menschen umgeben sind, deren Herzen von Liebe und Hoffnung auf Frieden erfüllt sind. Vielleicht hilft das, die ersten Schritte weg vom Hass zu machen. Und hin zur Vergebung. Dies sind die Themen, über die ich so gerne mit Thich Nhat Hanh diskutiert hätte; sie halten mich bis tief in die Nacht wach. Denn ich bin mir sicher, dass seine Weisheit, seine friedvolle Ausstrahlung mir auf meiner eigenen Reise durch das Leben helfen würden, und das wiederum würde mich unterstützen, anderen, die leiden, besser zu helfen.
Kürzlich erhielt ich einen Brief von einem Mann, der anonym bleiben muss und der für ein Verbrechen bestraft wurde, das er nicht begangen hat. Er wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Für nicht mehr als eine Stunde am Tag darf er seine Zelle verlassen und sich in einem kleinen, von hohen Mauern umgebenen Hof aufhalten. Er schrieb: »Ich sitze neben einem üppigen Feigenbaum. Über mir der wunderschöne blaue Himmel, mit Wolken wie aus Daunen. Mauersegler, Turmfalken, Spatzen, Stare und gelegentlich ein Adler zieren diesen Himmel. Der Hof mag nur fünfzehn mal fünfzehn Meter groß sein, aber hier finde ich meine Freiheit. Ich betrachte mich selten als einen Gefangenen.« Hatte er vielleicht die berühmten Worte von Thich Nhat Hanh gelesen: »Das Leben ist voller Leiden, aber es birgt auch viele Wunder, wie den blauen Himmel, den Sonnenschein und die Augen eines Babys. Zu leiden ist nicht genug. Wir müssen auch in Berührung mit den Wundern des Lebens sein. Sie sind in uns und um uns herum, überall und zu jeder Zeit.«
Ein Holocaust-Überlebender erzählte mir, dass er es geschafft hatte, zwei Jahre Einzelhaft zu ertragen, weil hoch oben an der Wand seiner kahlen Zelle ein winziges Fenster war, durch das er den Ast eines Baumes sehen konnte. Und er sah, wie aus den Knospen Blätter wurden, wie sich gelegentlich Vögel dort niederließen, wie sich die Blätter im Herbst golden färbten; und das half ihm, die langen dunklen Winter zu ertragen, denn ihm blieben die Wunder des Lebens – die Blätter, die Vögel – in seinem Gedächtnis, während er darauf wartete, dass die Knospen im nächsten Frühjahr wieder aufbrechen würden.
Während ich diese Zeilen schreibe, leben wir in dunklen Zeiten. Zum Glück gibt es viele tapfere Menschen, die für Frieden und Gerechtigkeit und ein Ende von Diskriminierung kämpfen. Im Kampf gegen die Arroganz und Gier nach Macht und Reichtum, die die biologische Vielfalt und die natürlichen Ressourcen des Planeten Erde zerstören, Millionen von Menschen aus ihrer Heimat vertreiben und Millionen in Armut stürzen. »Innerer Frieden – äußerer Frieden« wurde 1987, vor über dreißig Jahren, erstmals veröffentlicht, aber die Worte sind immer noch lebendig und können all jenen Trost spenden, die für eine bessere Welt beten und arbeiten.
Um die Herzen der anderen zu verändern, sagt Thich Nhat Hanh, müssen wir zuerst das eigene verändern. Diese Lehre ist das Geschenk, das er überall dorthin mitgenommen hat, wohin er gegangen ist. Und dieses Geschenk lebt in seinen Lehren, die in diesem Buch festgehalten sind, weiter. »Zu leiden ist nicht genug«, sagt er. »Wir müssen auch mit den Wundern des Lebens in Berührung kommen.« Ein Soldat trägt ganz vorsichtig ein verwundetes Kind aus den Trümmern eines zerbombten Hauses in Syrien; ein Vogel zwitschert auf dem Ast eines Baumes in einem Flüchtlingslager; eine Mutter singt ihrem Kind ein herziges Wiegenlied vor, während draußen vor dem Fenster die Schüsse eines Bandenkrieges zu hören sind; eine Sterbende erinnert sich an die Umarmung ihres Geliebten, ihre Augen leuchten auf, und sie kann leichter loslassen.
Möge die Botschaft dieses Buches allen, die es lesen, Kraft geben für ihre eigene Reise, ihnen die Gewissheit geben, dass ihr Leben wichtig ist und zählt, und mögen sie immer mehr »in Berührung mit den Wundern des Lebens« sein.
Dr. Jane Goodall, PhD, DBE, Gründerin des Jane-Goodall-Instituts und UN-Friedensbotschafterin
Thich Nhat Hanh:
Innerer Frieden – äußerer Frieden. Zum wahren Selbst finden und wahren Frieden finden
Vorwort © 2020 by Jane Goodall
112 S., 18 €
Siehe auch unter “Wortwelten” S.55.
Textauszug mit freundlicher Genehmigung des © Patmos Verlages. Verlagsgruppe Patmos in der Schwabenverlag AG, Ostfildern, 2023, www.verlagsgruppe-patmos.de

Autorin: Eva Stützel
Viele Initiativen engagieren sich für einen Wandel in unserer Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Sinne. Ein ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit
umfasst für mich das Streben nach einem nachhaltigen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen und unserer Mitwelt, einen respektvollen Umgang mit all unseren Mitmenschen und einen
achtsamen Umgang mit uns selbst. Dieser Wandel ist dringend notwendig im Zeitalter von Klimakatastrophen, Kriegen und erstarkenden faschistischen Tendenzen.
So viele Initiativen scheitern, manchen gelingt Großes – was trägt dazu bei? Gemeinschaftliches Handeln kann Spaß machen und extrem erfolgreich sein, es kann aber auch die Hölle sein. »Die Hölle, das sind die anderen!« ist schon das Fazit von Jean-Paul Sartre in seinem weltberühmten Roman Geschlossene Gesellschaft (Huis clos). Was macht den Unterschied aus? Wann sind gemeinschaftliche Initiativen inspirierend und effektiv, und was macht sie manchmal zur Hölle?
Seit ich ein Teenager war, engagiere ich mich in Initiativen, die zum Wandel beitragen wollen. Meine Geschichte begann bei terre des hommes, ging weiter über die Gründung einer Pfadfindergruppe, eine BUND-Ortsgruppe, und seit 30 Jahren bin ich nun vor allem in ein und demselben Projekt aktiv, dem Ökodorf Sieben Linden.
Lebensgemeinschaften wie das Ökodorf Sieben Linden sind eine Art »Dampfdruckkessel« einer gemeinschaftlichen Initiative. Wir arbeiten nicht nur ein paar Stunden zusammen für eine gemeinsame Sache, sondern wir teilen unseren Alltag miteinander. So begegnen wir uns in vielen verschiedenen Rollen und mit entsprechend vielen Herausforderungen. Kein Wunder, dass sich diese Szene besonders intensiv damit beschäftigt hat, was es braucht, damit gemeinschaftliche Projekte mit Freude am Miteinander und wenig Reibungsverlusten aufgebaut und weiterentwickelt werden können.
Ich habe in dieser Zeit nicht nur durch die Erfahrungen beim Aufbau des Ökodorfes, sondern auch durch mein Engagement in diversen ökologischen, sozialen und politischen Initiativen und in meiner Tätigkeit als Beraterin / Begleiterin für derartige Initiativen sehr viel gelernt, was wichtig ist, um gemeinschaftliche Initiativen gelingen zu lassen. Mein Hintergrund als Diplom-Psychologin, viele Jahre als Geschäftsführerin und diverse Fortbildungen haben die praktischen sozialen Erfahrung ergänzt und vertieft.
Diese Erkenntnisse habe ich im »Gemeinschaftskompass« systematisiert und zusammengefasst. Der Gemeinschaftskompass ist eine Orientierungshilfe, die schon für viele Gruppen dazu beigetragen hat, ihr Handeln so auszurichten, dass es für alle Beteiligten freudvoller ist und sie leichter ihre Ziele erreichen.
Der Gemeinschaftskompass hat sich inzwischen in der Szene der Wohnprojekte und Lebensgemeinschaften als ein ganz wesentliches Modell etabliert, aber meine Erfahrung und das Feedback vieler Menschen, die den Gemeinschaftskompass kennengelernt haben, zeigen: Er ist nicht nur für diese Projekte relevant. Seine Essenz kann allen Initiativen, in der Menschen gemeinsam etwas erreichen wollen, eine wertvolle Orientierungshilfe sein. Für diese Initiativen habe ich dieses Buch geschrieben.
Was ist der Gemeinschaftskompass?
Die Essenz des Gemeinschaftskompasses lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Der Gemeinschaftskompass identifiziert sieben Aspekte, die wesentlich sind,
um gemeinschaftliche Projekte zum Blühen zu bringen:
Individuen, Gemeinschaft, Intention, Struktur, Praxis, Ernte und Welt.
Zentral sind die Aspekte »Individuen« und »Gemeinschaft«. Jede gemeinschaftliche Initiative braucht eine aktive Pflege des Miteinanders von Individuen in Gemeinschaft. Eine Grundbedingung für erfolgreiche Projekte ist es, dass die Menschen gerne miteinander arbeiten, die Treffen Veranstaltungen sind, auf die man sich freut, und dass sie auch zur persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung der Individuen beitragen.
Ich habe einige politische Initiativen erlebt, die tolle Ziele gemeinsam entwickelt haben. Trotzdem fehlte die Energie, sie zu verwirklichen, weil das Miteinander der Individuen in dem Projekt nur holprig funktionierte und keinen hohen Stellenwert hatte. »Ist egal, es geht doch um die Sache! Wir brauchen keinen Psychokram in unserer Gruppe!«, bekomme ich zur Antwort, wenn ich das Thema anspreche.
Es muss nicht für alle Gruppen »Psychokram« sein. Wie tief sich die Menschen aufeinander einlassen und was sie teilen wollen, hängt auch von der Ausrichtung der Gruppe ab. Eine Lebensgemeinschaft, die viele Aspekte des Lebens miteinander teilt, braucht mehr Offenheit für tiefen Austausch und gemeinsame Arbeit am persönlichen Wachstum als eine politische Initiative. Aber ein Fokus auf die Bedürfnisse aller Individuen und die Bereitschaft aller Einzelnen, sich gerade in Konfliktsituationen auch zu hinterfragen und den eigenen Anteil zu suchen, ist für alle Initiativen wichtig. Das verstehe ich unter dem Aspekt »Individuen«. »Gemeinschaft« umfasst ein Hinschauen auf das Miteinander und die Frage, wie es konstruktiv und verbindend gestaltet wird. Wenn die Gemeinschaft vernachlässigt wird, brennen die Menschen zu schnell aus und verlieren die Begeisterung und das Engagement.
Mit einem schönen Miteinander als Selbstzweck lässt sich aber kein konkretes Anliegen umsetzen. Dafür braucht es die anderen Aspekte des Gemeinschaftskompasses.
Was wollen wir gemeinsam? Was ist unsere gemeinsame Ausrichtung, was wollen wir konkret erreichen? Wie viel Gemeinsamkeit muss es da geben, und in welchen Bereichen ist Vielfalt okay oder vielleicht sogar erwünscht?
Diese Fragen zur Intention sind essenziell. Sie geben die Richtung des Projektes vor und sichern ab, dass niemand mit falschen Vorstellungen dabei ist, sondern alle wissen, was das gemeinsame Ziel und die gemeinsame Wertebasis ist und was nicht.
Eine der Intention angemessene, den Individuen Freiraum lassende und die Gemeinschaft fördernde Struktur ist der nächste wesentliche Aspekt. Struktur steht nicht nur für die Entscheidungswege, sondern auch für die Frage, wie Rollen verteilt und Arbeitsabläufe organisiert werden. Weitere wichtige Themen sind auch der Informationsfluss innerhalb der Gruppe, der Ablauf von Gruppentreffen und eventuell die Wahl einer Rechtsform. Eine sinnvolle Struktur für den Ablauf von Gruppen treffen kann sehr entscheidend für ein entspanntes und konstruktives Arbeiten sein.
Der nächste Aspekt, die Praxis, baut wiederum unmittelbar auf der Struktur und der Intention auf. Hier geht es darum, die Ziele in die Realität umzusetzen – wie erreichen wir das, was wir uns vorgenommen haben? Die Struktur schafft dafür den Rahmen, der jetzt »auf die Erde gebracht« werden muss. Zur Praxis gehören die Fachkompetenz und die Fähigkeiten, die es für die einzelnen Projekte braucht.
In diesem Buch fokussiere ich nur auf zwei Praxisaspekte, die für alle Projekte in gewissem Maße notwendig sind: die Frage nach der Arbeitsverteilung und die Frage nach dem Geld. Das Feld »Praxis« ist damit nicht vollständig – allerdings sind die anderen Aspekte für jedes Projekt individuell. Hier ein paar Beispiele: Für ein Urban-Gardening-Projekt wäre der angemessene Praxisteil eine Einführung in den Gartenbau oder die Permakultur, für eine Schulinitiative die Pädagogik, für eine Bürgerenergiegenossenschaft die Erfahrungen mit verschiedenen Energiequellen, für eine Initiative zur Verhinderung einer Autobahn braucht es Kompetenzen im Campaigning und politischen Aktionen sowie verkehrspolitisches Know-how.
Der Aspekt Ernte ist derjenige, der sich am wenigsten selbst erklärt und gleichzeitig ein ganz entscheidender Faktor ist. Mit der Ernte will ich die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Gruppe immer wieder auch die Früchte der Arbeit genießt. Dazu gehört beispielsweise das Innehalten, Zurückschauen, Auswerten und auch das Feiern – wie leicht kann dies im Eifer des Alltagstrubels verloren gehen! Und doch ist es ungeheuer wichtig, ab und zu aus dem Hamsterrädchen auszusteigen und durchzuatmen und zu schauen: Wo wollten wir hin, und wo sind wir gelandet? Wer und was hat dazu beigetragen? Was sollten wir verändern? Und wir sollten uns bewusst an den Früchten unserer Arbeit erfreuen und Erfolge feiern.
Die Ernte erinnert auch an die Notwendigkeit, aktiv Feedback einzuholen, für Feedback offen zu sein und Feedback – insbesondere Wertschätzung – zu geben, denn Wertschätzung ist eine der wichtigsten Burn-out-Prophylaxen.
Die vier Aspekte Intention, Struktur, Praxis und Ernte beinhalten einen Regelkreis, wie ihn alle Projektentwicklungsansätze auf die eine oder andere Art darstellen.
Der siebte Aspekt des Gemeinschaftskompass bringt eine neue Handlungsebene hinein. Das ist die Welt. Dieser Aspekt erinnert daran, dass Projekte nie im luftleeren Raum stattfinden, sondern eingebettet sind in diese Welt, in diese Gesellschaft, mit ihren Vorschriften, mit ihren anderen Interessengruppen, mit anderen Menschen, die uns unterstützen oder auch zerstören können. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein, lenkt den Fokus auf neue Themen:
Welche Vorschriften sind für unsere Ziele relevant, und wie navigieren wir im Dschungel der zuständigen Behörden und Kontrollorgane? Wie können wir Synergieeffekte durch positive Kontakte und Netzwerke schaffen? Von welchen Erfahrungen anderer können wir lernen? Wer kann und möchte von uns lernen und unser Anliegen unterstützen? Aktive Öffentlichkeitsarbeit kann neue Welten und neue Unterstützer:innen erschließen.
Textauszug mit freundlicher Genehmigung des oekom-Verlages.
Eva Stützel: Gemeinsam die Welt verändern
352 S., 32 €
Siehe auch unter „Wortwelten“.

Autor: Christian Salvesen
Künstliche Intelligenz, (abgekürzt KI, Englisch AI von artificial intelligence) ist zu einem Dauerbrenner in den Medien geworden. Das Thema ist umstritten. Die Einen feiern KI als einen Durchbruch oder Sprung in der Entwicklung des Menschen, die Anderen befürchten das Ende jeglicher Würde, Freiheit und Menschlichkeit. Zwischen diesen Extremen gibt es etliche Zwischenstufen.
Die digitalen Technologien entwickeln sich immer schneller und verändern dabei unser aller Leben. Allein die Zeit, die wir täglich mit dem Handy und im Internet verbringen! Die Kommunikation findet überwiegend online statt. Ein junges Pärchen, das nebeneinander auf der Couch sitzt, unterhält sich nicht mehr direkt, sondern per SMS auf dem Smartphone. Roboter, die wie Menschen aussehen, sprechen und handeln. Diktaturen, in denen Maschinen alle fühlenden Lebewesen kontrollieren und unterdrücken. Virtuelle Realität (VR), in der wir unsere Träume leben, während das eigentliche Leben trostlos und die Erde am Ende ist: Das führen uns Romane und Filme aus dem Science-Fiction-Genre schon seit etlichen Jahrzehnten vor. Es scheint, wir sind an der Schwelle, wo die Visionen Wirklichkeit werden.
Was ist Künstliche Intelligenz?
Die einfachste Antwort: Wenn eine Maschine menschliche Intelligenz nachahmt bzw. simuliert. Definitionen von KI haken bis heute am Verständnis von Intelligenz. Meist wird sie daran gemessen, wie bestimmte Aufgaben gelöst werden. Beispiel: Intelligenztest.
Als Anreiz für das Lösen einer Aufgabe gibt es in etlichen Tests Belohnungen. Bei Tieren ist es ein versteckter Leckerbissen, der über verschiedene Hindernisse gefunden werden soll. Doch sogar bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wird Belohnung als Strategie eingesetzt. Vor allem, seitdem als wissenschaftlich gesichert gilt, dass unser Gehirn beim Lernen ähnlich funktioniert.
Hier kommen bereits Faktoren ins Spiel, die mathematisch und rein logisch schwer zu fassen sind. Intelligenz ist eingebettet in einen komplexen Lebenszusammenhang. Nahrungssuche, Empfindungen, körperliches Überleben. Jedes Gehirn braucht (bisher) einen Körper. Auf dieser umfassenden Grundlage entwickelt sich Intelligenz. Und sie ist verbunden mit Qualitäten wie Empathie. Soziales Verhalten und Intelligenz hängen zusammen.
Die Vielschichtigkeit von Intelligenz – dabei sind Fähigkeiten wie Kreativität und Intuition noch nicht einmal berücksichtigt – kann bisher nicht von Computern simuliert, geschweige denn selbstständig entwickelt werden. Doch die Auseinandersetzung mit KI lässt uns fragen: Was ist der Mensch? Wer bin ich?
Die von Microsoft entwickelte Anwendung Chat GPT (Generative Pre-trained Transformer) gibt (scheinbar!) Antworten auf unsere Fragen. Das Programm hat Zugriff auf fast alle bisher digital verfügbaren Texte. Es folgt dem Prinzip der Vervollständigung einer angefangenen Reihe von Worten oder Zahlen. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein meinte, wenn ich eine mathematische Reihe wie 1+1=2, 2+2=4, 3+3=6 richtig fortsetzen kann, dann habe ich sie verstanden. Ich kann mit ihr umgehen, vergleichbar mit dem Umgang eines Werkzeugs. Im Sprachbereich von GPT geht es um Wahrscheinlichkeiten bei der Weiterführung eines Anfangs. Nach drei Worten wie „Ich gehe zum…“ ist die Auswahl weit größer als bei „ich gehe zum Bahnhof“. Es wird eine Geschichte kreiert. Jeder kann nun seine Fragen oder auch Anweisungen eingeben bis hin zu: „Schreibe mir einen Text über die Unsterblichkeit von intelligenten Maschinen, möglichst authentisch, 3.000 Zeichen!“
Die Ergebnisse sind oft dermaßen erstaunlich, dass man meinen könnte, da antworte ein bewusstes, ja weises Wesen. Dem ist nicht so. Allerdings befürchten viele, ihre kreative Arbeit würde nun von Maschinen erledigt, während Schüler hoffen, mit Chat GPT ihre Hausarbeiten erledigen zu können. Das Prinzip funktioniert auch als Umwandlung von Text in Bild: Male mir ein Bild von dir selbst im Stil von van Gogh (ohne Pfeife bitte).
Was in dieser Diskussion noch kaum berücksichtigt wird, ist der kreative Prozess selbst. Denken wir an den Zen-Spruch: „Der Weg ist das Ziel“. Wird hier nicht zu einseitig das Ergebnis zum Maßstab aller menschlichen Tätigkeit gemacht? Wo bleibt die Freude am Erschaffen? Warum sollten wir uns die von Maschinen wegnehmen lassen?
KI in Medizin, Gesundheit und Pflege
Handys, Navis, Suchmaschinen, Google, Metaverse, Facebook, Instagram, TikTok, - wir finden wie selbstverständlich Ergebnisse in Bruchteilen von Sekunden, hinterlassen dafür aber auch unsere Daten. Der Mensch wird gleichsam gehackt. Die Tech-Unternehmen wissen bereits mehr über uns als wir selbst – so ist zumindest die These des Historikers Yuval N. Harari in seinem Buch „Homo Deus“.
Gefahren der Manipulation, Kontrolle und Entmenschlichung auf der einen Seite, aber auch positive Entwicklungen auf der anderen Seite, zum Beispiel im Bereich der Medizin. Da geht es bei der Diagnose und der Therapie heute vor allem darum, wieviel Daten zur Verfügung stehen und wie effektiv sie ausgewertet werden können. In dem Zusammenhang ist vom „Gläsernen Patienten“ die Rede. Je mehr Informationen über den Gesundheitszustand eines Patienten – aber auch von so vielen anderen Menschen wie möglich – vorliegen, desto besser kann eine KI bzw. ein bestimmter Algorithmus aus der gewaltigen Datenmenge Schlüsse ziehen, die zu einer richtigen Therapie führen. Einige Wissenschaftler glauben, dass die meisten Krebsarten auf dieser Basis in zehn Jahren geheilt oder bereits in einem Frühstadium gestoppt werden können. Dabei spielt auch eine Art Frühwarnsystem eine Rolle. Der „gläserne Patient“ trägt ständig kleinste, z.B. in seiner Kleidung eingebaute Messgeräte bei sich, die Daten bis in die Mikrostruktur von Zellen an eine „KI-Zentrale“ senden. Tatsächlich funktioniert das u.a. bereits bei Kühen, deren leicht erhöhte Temperatur per Sender gemeldet und so die kurz bevorstehende Kalbung gemeldet wird.
Enorme Fortschritte gibt es bei Menschen, die eine Prothese brauchen. Zwischen den vom Gehirn ausgehenden Impulsen und den künstlichen Gliedmaßen wird mit Hilfe von KI eine erstaunliche Verbindung geschaffen, BCI /Brain-Computer-Interface genannt. Der Patient kann seine künstliche Hand fast so durch Gedankenkraft steuern wie seine frühere natürliche. Ein ähnliches Prinzip machte es dem berühmten Physiker Stephen Hawking möglich, per Computer zu sprechen – trotz seiner fast vollständigen Lähmung.
Im Bereich von Betreuung und Pflege, wo bekanntlich ein enormer Mangel an Fachkräften und Personal herrscht, kommen zunehmend Pflege-Roboter zum Einsatz. Besondere Modelle wie das vom jungen ukrainischen Team Devanthro können aus weiter Entfernung wie ein Avatar gelenkt werden. Sie heben die Pflegebedürftigen aus dem Bett, bringen ihnen Essen, Getränke oder Medikamente, holen menschliche Hilfe, wenn nötig. Aber ist das nicht eine sehr bedenkliche Entwicklung? Bleiben da nicht Menschlichkeit, Empathie, Fürsorge und Verantwortungsgefühl auf der Strecke?
Buchtipps
Christian Salvesen (Hrsg.), www.christian-salvesen.de: „Gott werden oder Mensch bleiben" – siehe auch unter „Wortwelten“.
Thomas, Iain S/Wang, Jasmine/GPT-3: „Was euch zu Menschen macht", Diederichs Vlg.
Dr. Arnold Kitzmann: "Künstliche Intelligenz", Springer Vlg.
Links zu Dokus: Können Algorithmen gesund machen? (arte) https://www.arte.tv/de/videos/101941-008-A/koennen-algorithmen-gesund-machen/
Scobel, KI im Alltag und in der Politik, Gespräch mit Prof. Kristian Kersting TU Darmstadt https://www.youtube.com/watch?v=rrXjIlLWk5E
Doku von Volker Strübing über KI https://www.zdf.de/kultur/kulturdoku/ich-rechne-also-bin-ich-104.html
Solche Fragen sind Thema des 1. Transdisziplinären Kongresses mit dem Titel „Humane KI – Mensch im Dilemma“.
Er findet von Freitag, 2. Juni 11 Uhr bis Samstag, 3. Juni 17 Uhr in Oldenburg statt.
Vorträge, Diskussionen, Präsentationen und Workshops von und mit ausgewiesenen ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Philosophie und Kunst sollen inspirieren und zum Austausch anregen.
Alle TeilnehmerInnen vor Ort und auch online können Vorschläge einbringen, wie wir Künstliche Intelligenz so menschlich wie möglich nutzen können. Sie sollen in eine abschließende „Oldenburger Erklärung“ einfließen. Dazu schreibt der Bielefelder Verleger Joachim Kamphausen, Mitinitiator des Kongresses: „Wir wollen im Dialog mit den verschiedenen gesellschaftlichen Kräften einen aus der menschlichen Verbundenheit schöpfenden verbindlichen Wertekanon erarbeiten, der unserer Ausrichtung und unsere weiteren Aktivitäten bestimmt.“
Peter Gerd Jaruschewski war maßgeblich an der Organisation des Kongresses beteiligt. Sein plötzlicher Tod hat unser kleines Kongressteam tief getroffen. Er hätte gewollt, dass dieser Kongress Humane KI ein voller Erfolg wird.
Herausgeber Achtsames Leben:
Karl-Heinz & Ulrike Plaggenborg
Lindenstraße 35, 26123 Oldenburg
Tel. 0441-17543
Das Achtsame Leben erscheint drei Mal im Jahr:
am 15. April, 15. August und 15. Dezember.
Der Abgabe-Termin für Anzeigen für die
Ausgabe August - Dezember 2026:
(erscheint zum 15. August 2026):
Marktplätze, Veranstaltungen, Ausbildungen, Praxis & Methoden,
Weitere AnbieterInnen:
spätestens 19. Juni 2026;
Wer macht was im Internet, Kleinanzeigen:
spätestens 19. Juni 2026;
fertige Formatanzeigen: spätestens 10. Juli 2026.
Webservice Ulrike Plaggenborg:
