Archiv Gesundheit & Heilen


2020


August - Dezember 2020


Gesundheit für Mensch und Erde – der schamanische Weg

Foto: Wolf Ondruschka
Foto: Wolf Ondruschka

Autor: Wolf Ondruschka

 

Ein Schamane besucht den Papst, der ihn mit seinem speziellen Telefon mit Gott sprechen lässt und dafür 500 € verlangt, weil es ein Ferngespräch über „sehr große Entfernung“ war. Beim Gegenbesuch in der Waldhütte revanchiert sich der Schamane und lässt den Papst mit dem Großen Geist telefonieren. Er verlangt dafür 20 Cent und erklärt dem erstaunten Papst: „Ortsgespräch!“

Der alte Witz beschreibt recht gut die schamanische Sicht: In der Natur ist spirituelles Leben, alles ist beseelt und miteinander verbunden. Geist und Materie sind nicht getrennt und „in großer Entfernung“ voneinander, sondern eins.

 

Was Schamanismus (nicht) ist 

Der Schamanismus ist der älteste uns bekannte Weg der Heilung, der Erhaltung von Gleichgewicht und Harmonie in Mensch und Natur. Er ist kein Glaubenssystem, sondern ein Weg der Erfahrung

Und des Herzens, der uns zurück zum Wesenskern unserer Seele führt. Deshalb fällt es vielen Menschen nicht schwer, schamanische Grundtechniken wie die schamanische Seelenreise zu erlernen. Die dabei erlebte Magie ist keine Zauberei, sondern intensiver Kontakt zum Leben jenseits dessen, was die Oberfläche zeigt. Schamanismus ist geerdete Spiritualität und damit immun gegen ‚esoterische’ Schauermärchen und Verschwörungsphantasien. Die Lehren der alten schamanischen Kulturen, die über Jahrtausende in Harmonie mit der Erde lebten kommen jetzt wieder ans Licht, weil sie gebraucht werden.

 

Die Arbeit der Schamanen

Zu allen Zeiten war es Aufgabe der schamanisch arbeitenden Männer und Frauen, für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen zu sorgen. Sie arbeiten dabei direkt mit der Energie der Seele, erkennen so verborgene Zusammenhänge von Krankheit und Krise und können mit Hilfe ihrer geistigen Verbündeten, der Spirits dem Heilungsprozess Raum geben. „Ohne Spirits kein Schamane“, bringt Jonathan Horvitz es auf den Punkt. Hauptursachen einer Krankheit können schädliche Energien sein, die der Seele anhaften oder der Verlust der Verbindung von Körper und Seele. 

 

Trennung macht krank

Alles ist beseelt und verbunden. Dazu gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Wir können diese Verbindung stören; dann verursachen wir Krankheit und Krise – in uns und in der Welt. Die gute Nachricht: Wir können sie nicht zer-stören. Eine tief in uns verwurzelte Sehnsucht nach Einssein mit dem Leben hält die Tür offen, damit wir immer wieder nach Hause finden. Im Grunde sind wir Menschen, die sog. ‚Krone der Schöpfung’ (‚Corona della Creazione’) die abhängigsten Wesen, die von allem brauchen, um zu überleben.

 

Schamanische Ökologie

Wir heilen uns, wenn wir die Erde heilen, denn nur auf einem gesunden Planeten gibt es gesundes Leben. Waren Schamanen früher hauptsächlich für das Überleben ihres Stammes zuständig, so könnte die Renaissance des Schamanismus heute auf die immer drängenderen Probleme des Überlebens auf unserem Planeten hinweisen. Schamanische Erd- und Selbstheilung besteht in der seelischen Kommunikation mit Tieren, Pflanzen, Steinen, mit den Kräften und Geistern der Natur, um mit ihnen in Harmonie zu leben.

 

Und es funktioniert  

Welche wunderbaren Auswirkungen die Zusammenarbeit mit den Mitbewohnern unseres Heimatplaneten haben kann, zeigt ein Beispiel unserer Tage: Als die Gründer der spirituellen Findhorn-Community in Schottland zu ihrer Überraschung feststellten, dass es ihnen möglich war, mit ihren Gartenpflanzen zu sprechen, nahmen sie deren Anweisungen für optimales Wachstum trotz intellektueller Zweifel vertrauensvoll entgegen. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen, und der Findhorn-Garten, vorher nur ein armseliger Streifen sandigen Bodens wurde weltberühmt. Findhorn ist Wunder und Wirklichkeit und zeigt uns, wie der Geist der Natur uns entgegenkommt, wenn wir uns nur dafür öffnen. (www.findhorn.org.uk)

 

Schamanische Wege

Als wir am Ufer der düngeverseuchten Isar ein Medizinrad legten, um Heilung für den Fluss einzuladen, ahnten wir nicht, was kommen würde: Genau 40 Tage später kam es zu einem politischen Beschluss, die Isar in 4 Jahren „wieder zu einem quellfrische, klaren Gebirgsfluss“ zu machen. Die  Kraft der Medizinräder beruht wesentlich auf der natürlichen Magie der Vier, 4 Himmelsrichtungen, 4 Elemente, 4 Jahreszeiten u.m. Wir überließen den Prozess dieser Kraft und baten lediglich um das, was gebraucht würde (mehr dazu auf www.medizinradgeber.de).

Moderne SchamanInnen können sich dazu aufgerufen fühlen, das Bewusstsein für ein gleichberechtigtes Miteinander allen Lebens zu wecken. Es ist Zeit. Wir heilen die Erde, wenn wir uns von ihr heilen lassen: Geh hinaus, lege die Hände auf die Erde und lausche. Auf deinen Herzschlag. Auf den Herzschlag der Erde. Auf ihren Zusammenklang. – Danke, du hast soeben ein Stück Heilarbeit geleistet, für die Erde und für dich selbst.

„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ 

(Che Guevara)

 

Mehr dazu unter www.medizinradgeber.de und in „Geh den Weg des Schamanen“ und „Entdecke die Liebe zur Erde“ von Wolf Ondruschka beim Verlag Neue Erde.

 


April - August 2020


Die Wildpflanzen-Apotheke

© Shutterstock
© Shutterstock

Autor: Dr. Markus Strauß

 

Zum Beispiel: der Giersch

Mit der Vorstellung des Gierschs als Mitglied des wilden Triumvirats möchte ich Sie dazu ermutigen, tiefe Freundschaft mit ihm zu schließen. Als schnell wachsendes Wildgemüse ist er ein wahres Geschenk im Garten, auf der Streuobstwiese oder in lichten Laub- und Mischwäldern – und damit kein Störenfried mehr. Schon im zeitigen Frühjahr können die ersten Triebspitzen geerntet werden, danach die schnell wachsenden Blätter bis hin zu den weißen Blüten – und wenn er ab und zu auch mit der Sense abgemäht wird, fängt der grüne Zyklus wieder von vorn an – bis in den Herbst hinein! 

Die Hinwendung zum Giersch ist heute unerlässlich, denn in Zeiten großer Anforderungen, sei es körperlicher, geistiger oder seelischer Natur, entfaltet Giersch allzu gern sein heilsames Potenzial. Und wer kann heute darauf schon verzichten? Er erinnert geschmacklich an Petersilie oder Sellerie, besticht aber durch sein ganz eigenes »Profil«. Der Geschmack ist für Sie vielleicht zu Beginn noch ungewohnt, doch bald werden Sie ihn genauso mögen wie ich. Egal, ob er im zeitigen Frühling roh im Salat und Kräuterquark, später »wie Spinat« oder mit seinen Blüten als essbare Dekoration zubereitet wird: Er ist ein treuer und zuverlässiger Begleiter im Alltag. Ich nutze ihn in vielfältiger Zubereitungsform, als Gemüse, Saft und Smoothie, aber auch beim Wandern als Erste-Hilfe-Umschlag bei Verstauchungen oder zu Hause als Badezusatz (siehe Wald-Apotheke).

 

Hier wächst er:

 

Oft ist Giersch im eigenen Garten an halbschattigen Plätzen, auf nährstoffreichen und feuchten Böden zu finden. Er wächst recht üppig in der lichten Krautschicht im Laub- und Mischwald, am Waldrand, unter Hecken und Obstbäumen sowie an Gebüschen. Oftmals gesellen sich, wie hier im Bild zu sehen, Brennnesseln und Taubnesseln mit dazu. Zu übersehen ist er wegen seines massenhaften Auftretens jedenfalls nicht! Vielleicht werden Sie schon bald feststellen, dass Sie fast alles durch die grüne »Gierschbrille« sehen.

© Bernd Schönfelder
© Bernd Schönfelder

Daran erkennen Sie ihn: 

Giersch gehört zur Familie der Doldenblütengewächse (Apia-ceae) und hat zwei Erkennungsmerkmale, die man sich gut merken kann: den 3-kantigen Blattstiel sowie die 3-teilige Grundform der Blätter. Nur der Haupttrieb ist rundlich gefurcht und innen hohl. Als junger Austrieb sind die Blätter noch »wie zusammengefaltet«, erst später breitet sich die 3-teilige Form vollständig aus. Die Blattränder haben deutlich sichtbare kleine Zähnchen, die weiße Blüte wächst als flache Dolde. Giersch ist eine mehrjährige Staude und kann Wuchshöhen zwischen 50 und 100 cm erreichen. 

 

So wirkt er:

Der hohe Eiweißgehalt (6,7 g pro 100 g), Magnesium, Kalzium, Eisen, Kupfer, Mangan, Vitamin C sowie Provitamin A toppen jeden müden Kopfsalat aus dem Supermarkt. Dazu kommen wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie ätherische Öle. Giersch ist damit ohne Zweifel ein einheimisches Superfood. Die größte gesundheitliche Wirkung liegt in seiner Fähigkeit, Harnsäure auszuleiten. Bei regelmäßigem Verzehr von Fleisch, insbesondere Schweinefleisch, erweist er damit Ihrem Körper große Dienste, denn Harnsäure gehört zu den häufigsten Stoffwechselrückständen unserer Zivilisation – und nur eine Ernährung mit einem hohen Anteil an basisch wirkenden Lebensmitteln kann diesen Ablagerungen zu Leibe rücken. Auch Stress und Überforderung steuern zur Übersäuerung des Körpers bei. Somit kann der regelmäßige Genuss von Giersch auf ausgleichende Weise sein gutes Werk tun.

 

So bauen Sie Giersch selbst an:

In den mittelalterlichen Klostergärten wurde Giersch als Gemüse kultiviert. Besonders Hildegard von Bingen (1098–1179) hat ihn hoch gelobt. Als dauerhafte Staude ist er – ähnlich wie Brennnessel und Löwenzahn – kinderleicht anzusiedeln. Die Triumvirat-Pflanzen spielen zukünftig auch in Essbaren Wildpflanzenparks (Ewilpa®), bei der natürlichen Gartengestaltung sowie in der fortschrittlichen (Öko-)Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Diese wertvollen Wildgemüse können auf naturschonende Art angebaut werden. Der Fachbegriff hierfür ist »extensiv« – diese Bezeichnung werden Sie sicherlich noch oft im Buch lesen. Im Garten ist Giersch als Bodendecker unter Beerensträuchern wie Himbeeren, Johannisbeeren oder Stachelbeeren sowie unter Strauchrosen oder anderen Sträuchern ideal. Wichtig ist, dass Giersch ungefähr drei- bis viermal im Jahr, am besten immer kurz vor oder während der Blüte abgesichelt wird. Dann wächst in »Frühlingsqualität« wieder frisches Blattgemüse nach und versorgt uns so über ein halbes Jahr mit gesunder Grünkraft. Giersch liebt reichlich Humus und auch Feuchtigkeit. Ideal ist daher eine Düngung mit ca. 3 cm Komposterde im Frühjahr sowie das herbstliche Mulchen mit Laub.

 

Mein persönlicher Rat:

Junge, noch nicht voll entfaltete Gierschblätter – ich nenne diese bei Führungen auch gerne scherzhaft »Klappgiersch« – esse ich gerne auch gleich frisch gepflückt, somit ungewaschen und roh. Dieser kulinarische Genuss kann auch einen Beitrag zur Versorgung mit Vitamin B12 leisten. Dieses Vitamin ist gerade bei Veganern, aber auch bei Fleischessern mit einer veränderten Darmflora oft Mangelware und muss künstlich substituiert werden (mittels Vitamin-B12-Injektion, Tabletten oder einer Vitamin-B12-haltigen Zahncreme). Es ist jedoch nicht der Giersch direkt, der uns mit dem wichtigen Vitamin versorgt: Die auf den Blättern lebenden Mikroorganismen produzieren Vitamin B12. Auch für anderes Wildgemüse sowie Beeren, Früchte und Fallobst empfehle ich aus diesem Grund den teilweise ungewaschenen Rohverzehr. Voraussetzung dabei ist selbstverständlich ein Sammelort ohne Hundeauslauf, zum Beispiel in Ihrem Garten oder einem Hochbeet bzw. an höher gelegenen Büschen (…).

 

Sammelhinweise:

Blattgrün (für Blattgemüse) März–Oktober; Blüten Juni

 

Die Rezepte:

Giersch-Brusschetta - Das regionale Antipasto mit Aha-Effekt

 

Für 4 Personen

1 Handstrauß junger Gierschblätter

1 rote Zwiebel oder 2 Frühlingszwiebeln

1 Knoblauchzehe

4 reife Tomaten

3 EL natives Olivenöl

2 EL Trauben-Shrub oder Saft einer Biozitrone

Salz und Pfeffer

1 Dinkelbaguette

 

Das Baguette in Scheiben schneiden und auf dem Toaster oder im Backofen bei 150 °C Umluft anrösten. Danach mit der geschälten Knoblauchzehe einreiben. Gierschblätter, Tomaten und Zwiebeln feinstückig schneiden und mit Shrub oder Zitronensaft, Öl, Salz und Pfeffer anmachen. In kleinen Häufchen auf die Scheiben verteilen.

 

Giersch-Möhren-Fenchen-Eintopf

Dreierlei von den Doldenblütlern

 

Für 4 Personen

2 Handsträuße Gierschblätter, gewaschen und klein geschnitten

1 Zwiebel

2 EL Kokosöl

4 Möhren, klein geschnitten

2 Fenchelknollen, in Würfel geschnitten

½ l Gemüsebrühe

Pfeffer, Kreuzkümmel und Salz zum Abschmecken

 

Kokosöl im Topf erhitzen, die klein ge¬schnittene Zwiebel sowie die Möhren- und Fenchelstücke andünsten und die Gemüsebrühe dazugeben. Danach den Giersch ungefähr 2–3 Minuten im Dampf unter geschlossenem Deckel mitdünsten. Gewürze nach Geschmack hinzufügen.

 

Das Gemüse passt hervorragend zu Hirse, Quinoa, Vollkorn- oder Dinkelreis.


Textauszug aus „Die Wildpflanzen-Apotheke“ von Dr. Markus Strauß mit freundlicher Genehmigung des Knaur-Menssana Verlags.

Siehe auch bei „Wortwelten“.


2019


Herbst 2019


Eine Frage von Leben und Tod

© Natalie Gi - www.Pixabay.com
© Natalie Gi - www.Pixabay.com

Haben wir die moralische Pflicht, Organe zu spenden?

Ein Gespräch von Karsten Krogmann (NWZ) mit dem Arzt und Medizin-Ethiker Andreas Zieger

 

955 Menschen haben im vergangenen Jahr nach ihrem Tod Organe gespendet – zu wenig, findet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, weil 10 000 Kranke auf ein Spenderorgan warteten. Er sagt: Wir brauchen mehr Organspender! Aber ist das auch so?

 

Frage: Haben Sie einen Organspender-Ausweis, Herr Professor Zieger?

Zieger: Nein, habe ich nicht.

Frage: Warum nicht? „Organspende rettet Leben“, sagt der Bundesgesundheitsminister. Möchten Sie keine Leben retten?

Zieger: Früher habe ich auch so einfach gedacht. Ich kann mich erinnern, dass ich als klinisch tätiger Neurochirurg vor 25 Jahren versucht habe, Angehörige mit dem Argument christlicher Nächstenliebe von einer Organspende zu überzeugen. Mit zunehmendem Nachdenken fragte ich mich aber, ist das wirklich so einfach? Reparieren wir da etwas, oder greifen wir ins Leben ein? Ist eine Organhergabe nach dem festgestellten Hirntod eine Pflicht, die wir gegenüber anderen Menschen haben? Das Wort Organspende sagt bereits alles darüber: Eine Spende ist immer freiwillig und uneigennützig, sonst ist es keine Spende.

Frage: Fakt ist aber, dass es todkranke Menschen gibt, die weiterleben können, wenn sie rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen. Gibt es nicht vielleicht doch so etwas wie eine moralische Pflicht, dieses Weiterleben zu ermöglichen?

Zieger: Die Organverpflanzung ist eine machbare und – pathetisch gesagt – segensreiche medizinische Technik, die ich überhaupt nicht infrage stellen will. Mir geht es darum, dass wir den Umgang mit dieser Technik sehr genau reflektieren müssen. Wir sollten als Gesellschaft wissen, was wir tun, gerade auch vor dem Hintergrund des schon zum vierten Mal geänderten Transplantationsgesetzes. Jetzt im Oktober sind von der Bundesärztekammer noch einmal deutliche Kriterien eingeführt worden: Wir sprechen nicht mehr vom „Hirntod“, weil das missverständlich ist.

Frage: Was ist daran missverständlich?

Zieger: Es bedeutet ja nur den Funktionsausfall eines Organs, das kann niemals der Tod eines integrierten Organismus als Ganzes sein. Deshalb spricht die Ärztekammer jetzt von dem „irreversiblen Hirnfunktionsausfall als sicheres Todeszeichen“. Das ist eine angemessene Versachlichung der Debatte.

Frage: Dann lassen Sie uns sachlich über den Tod sprechen. Es gibt die sogenannten sicheren Todeszeichen: Leichenflecken gehören dazu, Leichenstarre, Verwesung. Wenn diese Zeichen auftreten, haben wir keinen Zweifel: Jemand ist tot. Wir haben aber ein Problem: Wenn diese Zeichen nachweisbar sind, sind die Organe des Verstorbenen ebenfalls tot und nicht mehr transplantierbar.

Zieger: Genau. Sie sind nicht mehr lebensfrisch.

Frage: Umgekehrt gibt es die Merkmale des Lebens: Stoffwechsel zählt dazu, Wachstum…

Zieger: … Fortpflanzung, Reizbarkeit, Atmung …

Frage: … richtig. Die meisten dieser Merkmale lassen sich auch bei sogenannten Hirntoten nachweisen. Sind Hirntote nun tot – oder sind sie es vielleicht doch nicht?

Zieger: Die Hirntod-Diagnose ist ein rein naturwissenschaftliches Kriterium, es markiert den Punkt der Irreversibilität. Dieser Mensch kann nicht in ein selbstbestimmtes Leben zurückkehren. Es markiert den Punkt der Unumkehrbarkeit im Sterbeprozess. Das heißt: Ein hirntot diagnostizierter Mensch ist medizinisch und biologisch ein lebender Mensch im Sterbeprozess. Dieser Prozess ist unumkehrbar geworden dadurch, dass im tiefen Koma alle Schutzreflexe und auch das Atmen ausgefallen sind. Intensivmedizin unterstützt das Leben dieser Menschen durch Beatmung, Herzkreislaufmittel und andere Techniken.

Frage: Verstehe ich Sie richtig: Wir haben es mit einem sterbenden, aber lebenden Menschen zu tun?

Zieger: Ja.

Frage: Diese Definition könnte viele Menschen schockieren, deren Angehörige Organe gespendet haben nach einer Hirntoddiagnose.

Zieger: Ja, das schockiert – aber es zeigt das Dilemma auf, das wir mit dieser rationalistischen Konstruktion des Hirntods eingegangen sind. Beim Hirntod-Konzept hört Leben auf, wenn der diagnostizierte Hirntod eingetreten ist. Das Gehirn steuert jedoch nicht alle Lebensvorgänge des Menschen. Auch das Sterben im Hirntodsyndrom gehört zum Leben. Es ist also eine Lebensäußerung. Die rein naturwissenschaftliche Medizin bemüht sich, strikte Grenzen einzuführen, um in dieser Grenzsituation Kriterien des Handelns zu haben. Das Irreversibilitätskriterium ist ein solches Kriterium. Darüber müssen die Menschen jedoch aufgeklärt werden.

Frage: Was genau sollten wir wissen?

Zieger: Eine Organverpflanzung ist nur möglich und tauglich, wenn lebensfrische Organe entnommen werden. Das heißt: Der Organismus ist noch am Leben, nur das Gehirn hat den unumkehrbaren Funktionsausfall. Hirntod als Tod des Menschen ist eine künstliche Definition, kein wissenschaftlicher Beweis, sondern eine kulturelle Vereinbarung, die auch wieder geändert werden kann.

Frage: Sind Sie ein Gegner der Transplantationsmedizin?

Zieger: Es gibt radikale Hirntod-Gegner, die das Irreversibilitätskriterium und die Transplantationsmedizin insgesamt ablehnen. Zu dieser Gruppe gehöre ich nicht.

Frage: Einen Organspende-Ausweis wollen Sie trotzdem nicht.

Zieger: Ich weiß, dass ich deswegen einem Menschen, wenn ich gestorben bin, ein Organ nicht geben werde. Weil ich auch von diesem „Geschenk“ nicht überzeugt bin. Die Verhältnisse im Transplantationswesen insgesamt halten mich davon ab. Wir müssen aufklärerisch-kritisch sein, damit der einzelne Mensch sich wirklich entscheiden kann. Aber jetzt will uns der Staat mit der Widerspruchslösung die Entscheidung abnehmen, indem er sagt: Ihr seid alle Organspender oder Organhergeber. Wer sollte sich da noch ausführlich beschäftigen mit dem Dilemma, das wir mit dem Hirntodproblem haben? Wie wird eigentlich darüber aufgeklärt, wie es den Organempfängern geht? Sind die dann wirklich wieder gesund? Nein, sie müssen Medikamente zur Unterdrückung der natürlichen und lebensnotwendigen Immunabwehr einnehmen, lebenslang!

Frage: Aber sie leben immerhin!

Zieger: Ein Nierentransplantierter hat eine Ein-Jahres-Überlebensrate von etwa 85 Prozent, ein Herztransplantierter deutlich weniger. Und wir wissen, dass etwa ein Drittel der herztransplantierten Menschen psychiatrisch erkranken, weil sie eine Depersonalisierung mit Körperidentitätsstörung entwickeln. Auch ist durch Immunsuppressiva das Krebsrisiko deutlich erhöht, bis zu 500-fach! Und für das krebskranke Organ braucht man evtl. auch wieder eine Transplantation. Heute weiß man, dass ein transplantiertes Herz vielleicht zehn Jahre halten kann, dann braucht man ein neues. Das alles erhöht den Organbedarf.

Frage: Ist das nicht ein weiteres Argument dafür, wie dringend wir Organspender brauchen?

Zieger: Die Organbedürftigen versterben nicht am Organmangel, sondern an ihrer Grundkrankheit. Hier gilt es, vorbeugend gesundheitlich einzuwirken. Und wer klärt eigentlich darüber auf, was die lobbyistischen Interessen sind? Es werden an den teuren Medikamenten und Transplantationen Milliarden verdient. Transplantation ist zu einem Geschäft geworden.

Frage: Welche Forderung leiten Sie daraus ab?

Zieger: Ich bin nach wie vor für die enge Zustimmungslösung: Nur ich selbst kann bestimmen, ob ich Organspender sein will oder nicht. Mit der erweiterten Zustimmungslösung, dass also Angehörige entscheiden können, und der gegenwärtig geltenden Entscheidungslösung, kann ich noch mitgehen.

Frage: Gehört zu einer freien Entscheidung nicht auch die Möglichkeit, sich nicht zu entscheiden?

Zieger: Natürlich. Die gegenwärtige, angeblich informierte Regelungswut ist jedoch höchst problematisch: Da sollen sich 18-Jährige, die gerade ihren Personalausweis bekommen, schon entscheiden, wie ihr Lebensende sein soll? Obwohl sich das niemand vorstellen kann und in 50, 60 Jahren sich alles, auch technisch, ändern kann, gerade in der digitalisierten Welt! Es gibt im Digitalen nur noch Ja oder Nein, es gibt kein Dazwischen mehr. Der binäre Code zwingt uns zu Entscheidungen, die wir in Wahrheit gar nicht treffen können. Die lebendige Wirklichkeit lässt sich nicht in 0 und 1 auflösen.

Frage: Die Widerspruchslösung verlangt aber genau das von uns.

(„Widerspruchslösung“: Diese Idee von Minister Spahn besagt, dass jeder Mensch automatisch Organspender ist – es sei denn, er sagt ausdrücklich Nein. Der Vorschlag ist im Bundestag umstritten.)

Zieger: Ich halte das für zutiefst undemokratisch. In dieser sensiblen Frage von Leben und Tod, bei dieser Gratwanderung, braucht es eine besondere moralische und philosophische Absicherung durch wahrheitsgemäße Aufklärung. Es wird stattdessen viel verschwiegen, und Zweifel werden ignoriert.

Frage: Es gibt Transplantationsmediziner, die Organe von Hirntoten nur unter Betäubung entnehmen. Wie sicher sind wir uns bei dem, was wir da tun?

Zieger: Laut Umfrage geben 50 Prozent der deutschen Anästhesisten Schmerzmittel, weil sie sichergehen wollen. Die Forschung hierzu ist nicht eindeutig und nicht richtig in die Tiefe gegangen. Untersuchungen zeigen, dass bei der Organentnahme Körperbewegungen auftreten und Blutdruck und Herzschlag wie bei einer Stressreaktion ansteigen. Das ist zwar umstritten, weil man einerseits behauptet, dass seien nur Reflexe – die gehören allerdings auch zum Leben – und anderseits entgegnet, die Hirntodbestimmung sei fehlerhaft gewesen. Gerade weil wir das nicht genau wissen, wenn wir uns auf diese Vereinbarung einlassen, muss darüber endlich ein breiter gesellschaftlicher Diskurs geführt werden.

Frage: Was entgegnen Sie, wenn Ihnen jemand sagt: „Aber wenn Ihr Kind durch ein Spenderorgan gerettet werden könnte, dann würden Sie sich doch auch über jeden registrierten Spender freuen“?

Zieger: Ich würde erwidern: Das ist ein rein moralisches Totschlagargument! Ich weiß nicht, was ich tun würde! Ich habe privat Situationen im Umfeld von inzwischen Verstorbenen erlebt, in denen ich überhaupt nicht wusste, wie ich da entscheiden sollte. Und in denen dann nur in der Beratung mit anderen gemeinsam eine Entscheidung getroffen werden konnte. Jede Entscheidung schließt die Möglichkeit des Irrtums mit ein. Darum geht es doch: Wir müssen ehrlich sein.

 

Experte für Schwerst-Hirngeschädigte

Prof. Dr. Andreas Zieger, geboren 1949 in Nordhorn als siebtes Kind einer Pastorenfamilie, ist Facharzt für Neurochirurgie. Er ist Gründungsmitglied der Ethikkommission der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Oldenburg. Bis 2015 war er Leiter der Frührehaklinik für Schwerst-Hirngeschädigte am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg. Er nahm als Experte an der Anhörung zum Transplantationsgesetz 1996 im Ausschuss für Gesundheit des Bundestages teil. Seit 2017 Vorsitzender des Vereins Neuro-Netzwerk Weser-Ems.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der NORDWEST-ZEITUNG, Oldenburg. Dieser Beitrag erschien in Nr. 24/2019.

Anmerkung des Achtsamen Lebens: Bitte lesen Sie ergänzend dazu auch den Beitrag von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 4.10.2019: www.sueddeutsche.de/politik/organspende-widerspruchsloesung-meinung-prantl

 

Mehr zum Thema auch hier: https://initiative-kao.de/

 


Sommer 2019


Gewitter im Kopf: Migräne und Kopfschmerz nachhaltig stoppen.

Foto: Marisa04 - pixabay.com
Foto: Marisa04 - pixabay.com

Interview vom Mankau Verlag mit Maria Holl

 

Die Maria-Holl-Methode® 

 

Laut Statistik leiden etwa zehn Prozent der Deutschen unter Kopfschmerzen und Migräne. Was versteht man überhaupt darunter, und was ist der Unterschied zwischen den beiden Beschwerdeformen? 

 

Maria Holl: Es gibt ganz unterschiedliche Kopfschmerzen; inzwischen kennt die Medizin zwischen 180 verschiedene Kopfschmerzarten. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet zwischen den drei am häufigsten vertretenen Kopfschmerztypen: Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerz und Migräne. 

Eine Migräne ist sehr viel mehr als Kopfschmerzen, die schon unangenehm genug sind. Bei Migräne kommen noch Übelkeit und/oder Erbrechen sowie Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen hinzu. Während bei Kopfschmerzen Bewegung manchmal die Schmerzen lindert, verschlimmert sich die Migräne dadurch. 

 

Bis heute ist medizinisch nicht eindeutig geklärt, was Kopfschmerzen und Migräne wirklich auslöst. Welche Ursachen werden vermutet, und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? 

 

M.H.: Die bekannten Kopfschmerzarten werden einer von zwei großen Kategorien zugeordnet: primäre Kopfschmerzen, bei denen keine Ursache erkennbar ist, oder sekundäre Kopfschmerzen, die als Folge einer Erkrankung auftreten. Eine klare Ursache können etwa verspannte Nackenmuskeln sein, ausgelöst durch eine Fehlhaltung. Wenn das auszuschließen ist, vermutet die Medizin ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn. Besonders die Funktion von Serotonin wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Aus der Sicht der Maria-Holl-Methode sind Migräne und Kopfschmerz Symptome einer energetischen Imbalance des gesamten Körpers und können durch die Übungen der MHM erfolgreich behandelt werden. 

 

Seit vielen Jahren unterstützen Sie Menschen mit Migräne in Ihrer Praxis bei der Bewältigung dieses Symptoms. Woran kann man feststellen, dass die Kopfschmerzen nicht auf eine andere Erkrankung hinweisen? 

 

M.H.: Die meisten Patienten sind bei ihrem Hausarzt gewesen und haben schon abgeklärt, ob die Kopfschmerzen und die Migräne eine organische Ursache haben und medizinisch behandelt werden müssen. Falls dies vorab noch nicht geschehen ist, bitten wir darum, dies zunächst von einem Arzt ihrer Wahl untersuchen zu lassen. 

 

Nach der Tinnitus-Atemtherapie nach Holl® (TAT) haben Sie nun die Maria-Holl-Methode® (MHM) entwickelt, um Betroffenen zu helfen. Was ist das Besondere an dieser Methode, und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Anwendung erfolgreich ist? 

 

M.H.: Es gibt keine Voraussetzungen für die Anwendung der Maria-Holl-Methode, die für den in unserer Zeit lebenden normalen Menschen entwickelt wurde. Jeder, der bereit ist, 30 Minuten täglich zu üben, kann die Methode erfolgreich anwenden. 

 

Die MHM wirkt vordergründig sehr einfach, da die Übungen am Anfang leicht umzusetzen sind. Dennoch schreiben Sie, dass Sie selbst mehrere Jahre gebraucht haben, um die Methode komplett zu verstehen. Worin besteht die „Tiefe des Programms“ für Sie als Begründerin? 

 

M.H.: Bei der Maria-Holl-Methode kommt es auf das ausdauernde und tägliche Üben an. Der Körper kommt durch die Übungen wieder in Balance, und seine Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Sie beginnen damit, die oberen Schichten der körperlichen Verspannungen und Balancestörungen zu heilen. Auf Dauer dringen sie in tiefere Schichten vor, und die Tiefe des Menschen ist endlos. Deshalb können Sie mit der MHM Schicht um Schicht Ihres Körpers in Balance bringen. 

 

Die Übungen der Maria-Holl-Methode® erhöhen die Lebenskraft und sorgen gleichzeitig schrittweise dafür, dass das Qi im Körper wieder frei fließen und zirkulieren kann. Wie kommt es zu den Blockaden und Verspannungen der Lebensenergie? 

 

M.H.: Täglich kommt es zu Blockierungen und Verspannungen. Sie sind unsere Schutzmechanismen. Immer, wenn Sie sich erschrecken, sich unwohl fühlen, sich nicht entscheiden können oder wenn Sie irritiert sind, ziehen Sie sich zusammen. So entstehen Blockierungen und Verspannungen. Sobald Blockierungen und Verspannungen zu viel werden, entstehen Symptome und Krankheiten. 

 

Zur Unterstützung des Übungsprogramms empfehlen Sie, ein Tagebuch zu führen und einen Vertrag mit sich selbst abzuschließen. Was sollte darin festgehalten werden, und welche Vereinbarungen gilt es einzuhalten? 

 

M.H.: Als Erstes formulieren Sie Ihr persönliches Ziel. Danach wählen Sie aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis einen Motivationscoach, mit dem Sie am Anfang zweimal wöchentlich telefonieren und berichten, ob Sie geübt haben und welche Erfahrungen Sie beim Üben hatten. Als Drittes legen Sie die tägliche Übungszeit fest. 

 

Maria Holl (geb. 1953) ist Diplom-Sozialarbeiterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet seit 1981 in eigener Praxis als Psychotherapeutin, Coach und Meditationslehrerin in Aachen. www.maria-holl-methode.de 

 

Siehe auch unter Wortwelten.


Melisse - über eine Heilpflanze

Foto: © Karin Baumgart
Foto: © Karin Baumgart

Autorin: Julia Gruber

 

Melisse, auch Zitronenmelisse genannt, ist eine 30 bis 100 Zentimeter hohe Pflanze, die das stolze Alter von 30 Jahren erreichen kann. Sie hat aufrechte, verzweigte Stängel, die zumeist mit feinen Haaren bewachsen sind. Die Blätter sind ellipsenförmig mit gesägtem Rand und sitzen gekreuzt gegenständig am Stängel. Die blassen, weißlichen Lippenblüten sind in Halbquirlen in den oberen Blattachseln angeordnet. Von der Pflanze geht ein charakteristischer Duft nach Zitronen aus. Aufgrund ihrer nektarreichen Blüten wird sie auch als Bienenweide angebaut (griech. Melissa = Biene).

 

Geschichte

Der Ursprung der Melisse ist der östliche Mittelmeerraum und West­asien. In der Antike war sie ein beliebtes »Frauenkraut«. In den mittelalterlichen Klöstern setzte man gerne verdauungsförderliche Kräuterliköre mit Melisse an, zum Beispiel den »Karmelitergeist« (als Vorläufer des heutigen Melissengeists). Hildegard von Bingen schrieb, dass der Mensch, der Melisse isst, gerne lacht. Denn sie erfreue das Herz. Heute wächst sie weltweit in der gemäßigten bis warmen Zone, oft auch verwildert an Wegesrändern. 

 

Inhaltsstoffe und körperliche Wirkung

Melisseblätter enthalten verschiedene Polyphenole, Bitter- und Schleimstoffe, Saponine und Vitamin C. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist nicht besonders hoch (0,1 – 0,3 %), doch sehr komplex aufgebaut (aus über 50 Bestandteilen, hauptsächlich Citronella, Neral und Geraniol). Daher ist echtes Melissenöl sehr teuer und wird oft durch Zitronengrasöl ersetzt. Melissentee wirkt beruhigend und entkrampfend. Er unterstützt die Magenfunktion und hilft bei allerlei Stress, Nervosität und Einschlafstörungen. Aufgrund der enthaltenen Rosmarinsäure hemmen die Blätter Viren und Bakterien, daher wird Zitronenmelisse auch bei Bronchitis und Grippe eingesetzt.

 

Tipp: entspannendes Melissebad

Beim Baden Melisseblätter in ein Leinensäckchen unter den Wasserhahn direkt in den warmen Wasserstrahl hängen. Riecht angenehm und lässt die Sorgen des Tages vergessen.

 

Foto: © Dani Vincek
Foto: © Dani Vincek

Verwendung in der Küche

Melisse besitzt einen erfrischenden, leicht säuerlichen Geschmack, der sich vielseitig in Sorbets, Limonaden, Obstsalat und Kräuteressig einsetzen lässt. Eistee mit frischer Melisse ist ein beliebtes Getränk im Sommer, das kalt und warm getrunken wird. Oft sieht man die Blätter auf Desserts als grüne essbare Dekoration. Sie können dafür frisch oder kandiert verwendet werden. In Asien kennt man Zitronenmelisse auch als Würze scharfer Reis- und Fischgerichte, denen sie eine fruchtige Note gibt.

 

 

Vielen Dank für den Textauszug aus dem Buch „Die Heilkraft der Kräuter und Gewürze“

von Julia Gruber

aus dem Königsfurt Urania Verlag. 

Leseprobe und Bestellmöglichkeit


Frühjahr 2019


Erste Hilfe bei Smartphone-Sucht

Dieser einfache Trick kann bei Handy-Sucht helfen

Von Andreas Winterer auf utopia.de

 

Geben wir es zu: Viele von uns leiden an einer gewissen Smartphone-Sucht. Oder wann habt ihr das letzte Mal euer Handy eine Woche lang ausgeschaltet? Eben. Jetzt haben wir einen Trick gefunden, der helfen soll.

Handy-Sucht ist kaum erforscht, doch die Symptome kennt jeder: Wann immer wir uns wenige Sekunden langweilen, nutzen wir die Zeit nicht mehr, um uns zu entspannen oder mal über uns und die Welt nachzudenken – sondern wir checken Whatsapp & andere Messenger auf neue Nachrichten, suchen News auf Facebook, scrollen durch endlose Instagram-Bilder oder posten selber Fotos.

 

Schwarzweiss-Trick gegen Handy-Sucht

 

Die New York Times titelte, mit-dem-Smartphone-aufhören sei das neue mit-dem-Rauchen-aufhören. Nun haben wir eine spannende Idee bei www.treehugger.com/gadgets/smartphone-users-go-gray-curb-addiction.html  gefunden: Gegen Smartphone-Sucht helfe, einfach das Smartphone auf den Schwarzweiß-Modus zu schalten.

Klingt zunächst ein bisschen lächerlich. Das soll der ganze Trick sein?

Und doch ist was dran: Wird das Smartphone ohne Farbe betrieben, sieht alles darauf „grau“ aus. Das Handy büßt deutlich an Attraktivität ein. Denn Farbe hat im wahrsten Sinne des Wortes Signalwirkung auf uns. Farbiges sticht hervor und macht klar: Das ist wichtig! Daher erscheint vielen in der bunten Welt des Smartphones alles immerzu wichtig.

 

Wir haben es selbst ausprobiert, obwohl wir uns nicht für Smartphone-süchtig halten und den simplen Trick anfangs auch irgendwie nicht sonderlich ernst nehmen konnten. Doch die typischen Kommentare unserer Schwarzweiß-Umsteller lauteten stets: „Neee, irgendwie mag ich mein Smartphone so jetzt nicht mehr“. Gut so! Denn genau darum geht es ja.

Werden wir einfach heimlich wieder auf Farbe umstellen? Bestimmt. Daher wäre es vielleicht klug, sich ganz gezielt „Grau-Tage“ gegen die Smartphone-Sucht zu verschreiben. Du könntest zum Beispiel unter der Woche auf Schwarzweiss umstellen und dir nur am Wochenende „Farbe gönnen“ … nur eine Idee.

 

Grau-Modus aktivieren

 

Schwarzweiß-Modus aktivieren – so geht es:

Android: Einstellungen / Eingabehilfe / Sehhilfe und dort Graustufen anschalten (kann je nach Modell variieren).

iPhone: Einstellungen / Allgemein / Bedienungshilfen / Display-Anpassungen / Farbfilter auf Ein schalten (Vorgabe: Graustufen).

 

Handy auf grau stellen: links Android, rechts iPhone (Screenshot: Utopia.de):

 

Smartphone-Sucht: noch 10 Tipps, die helfen

 

Nicht alle Tipps mögen auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, manche klingen sogar unangenehm oder undurchführbar. Probier‘ doch einfach mal einige aus und prüfe selbst, was für dich in Frage kommt:

  1. Schalte es stumm. Ein Schritt gegen die Smartphone-Sucht: reduziere die Signaltöne des Smartphones. Dazu schaltest du die Hinweise der verschiedenen Apps ab bzw. entziehst ihnen die Erlaubnis, Hinweise geben zu dürfen – auch die Vibration solltest du abstellen. Jeder Hinweiston verführt uns nur, wieder zum Smartphone zu greifen.
  2. Reduziere Apps. Whatsapp, Snapchat, Hangouts sind ja nur die eine Seite – hinzu kommen die ganzen News-Apps, Mail-Apps, Dating-Apps, Facebook & Instagram … Abspecken hilft: weniger Apps erzeugen auch weniger Ablenkung. Brauchst du wirklich vier Messenger, reicht nicht auch einer, und nur ein Social Network?
  3. „Verlege“ dein Handy. Aus den Augen, aus dem Sinn – das gilt auch für die Handy-Sucht. Warum nicht einfach das Handy in der Tasche lassen, statt es neben dich auf den Tisch zu legen, wo es stets in der Lage ist, dich aus der Konzentration zu reißen?
  4. Schaffe Smartphone-freie Zonen. Bad und Schlafzimmer wären ein Anfang, bei Familien das Kinderzimmer: Du könntest einfach für dich beschließen, dass ein Smartphone in diesen Räumen nichts zu suchen hat. Es wäre ein erster Schritt gegen die Handy-Sucht.
  5. Geh mal offline. Auch definierte Zeiten ohne Handy sind eine gute Idee. Einfach mal ausschalten – und keine Angst vor „Nichterreichbarkeit“ haben: Wer dir bis 8 Uhr abends nicht mitteilen konnte, wird damit auch bis zum nächsten Tag warten können.
  6. Richte „Sprechstunden“ ein. Es mag manchem ein Trost sein, dass wir früher nicht Smartphone- sondern Mail-süchtig waren. Was bei Mails half empfiehlt sich auch beim Messenger: Begrenze die Zeit, in der du Mails und Nachrichten beantwortest, auf eine bestimmte Stunde. Das ist deine Sprechstunde – außerhalb dieser Zeit bist du nicht zu sprechen. Aus, basta.
  7. Informiere („erziehe“) Freunde. Viele antworten bei Nachrichten per Whatsapp, Snapchat oder anderen Kurznachrichtendiensten sofort – und erwarten das auch umgekehrt. Das macht uns zwangsläufig zu Sklaven des Messengers. Freunden, Verwandten, dem Büro klarzumachen, dass man über diese Kanäle nicht oder nur zu bestimmten Zeiten erreichbar ist, hilft gegen Smartphone-Sucht.
  8. Suche Uhren. Viele Menschen haben heute keine Uhr mehr. Weil sie ja ein Smartphone haben. Dort aber die Uhrzeit zu checken führt nur dazu, dass man auf dem Display die lockenden Hinweise auf Nachrichten sieht – und dann doch nachschauen möchte. Einfaches Mittel ist daher eine simple Uhr in Sichtweite – sie erspart den Blick auf das Handy und seine Verführungen.
  9. Sichere dein Handy kompliziert. Das Smartphone per Passwort zu schützen ist ohnehin sinnvoll. Und es kann bei Handy-Sucht helfen: Statt es dir mit simpler PIN, Entsperr-Muster oder bequemen Fingerabdruck leicht zu machen, stellst du bewusst auf ein möglichst kompliziertes Passwort um. Das hält dich davon ab, ständig zu checken, ob es was Neues gibt. Sicher kein Tipp für alle …
  10. Smartphone-Apps gegen Smartphones: Klingt absurd, gibt es aber – zum Beispiel die App www.realizd.com : Sie informiert dich darüber, wann du wieviel Zeit mit deinem Smartphone verbringst. Noch besser gefällt uns www.forestapp.cc : Diese App lässt in einer frei bestimmbaren, dann also „suchtfreien“ Zeit einen (zunächst leider nur virtuellen) Baum wachsen – und dieser geht ein, sobald du die App beendest (weil du eine andere aufrufst). Die App zwingt einen also auf zwanglose Weise, die Finger vom Handy zu lassen – damit der Baum wächst. Erfolgreiche virtuelle Bäume bringen virtuelle Münzen, die dann auch gegen echte Baumpflanzungen tauschbar sind. (Auch für den Chrome-Browser nutzbar, dort lassen sich Webseiten wie Facebook sperren …)

Ist Smartphone-Sucht überhaupt ein reales Problem oder nur wieder Hype? Wie man es nimmt: Nicht jeder von uns fühlt sich Smartphone-süchtig – aber auch die meisten Raucher halten sich ja nicht für abhängig.

Doch rund die Hälfte aller „Millennials“ (Generation der zur Jahrtausendwende Geborenen) checkt nach einer Studie (B2X) mehr als 50 Mal am Tag ihr Smartphone, 25% der Millennials verbringen mehr als fünf Stunden am Tag mit ihrem Handy.

Viele fühlen sich laut Studie ohne ihr Mobiltelefon frustriert (27%), verloren (26%), gestresst (19%) und traurig (16%) und 4% würden sogar für einen Monat ins Gefängnis gehen, um ihr Gerät nicht für ein Jahr abgeben zu müssen (sagt die Studie).

 

Mit freundlicher Genehmigung übernommen von

 

Utopia.de, Deutschlands größtem Portal für Nachhaltigkeit. Siehe auch den Beitrag dazu.


2018


Herbst 2018


KörperIntelligenz – ganz sein – eins sein

Foto: Dominik Remde
Foto: Dominik Remde

Von Dominik Remde

 

KörperIntelligenz vereinigt unseren intellektuellen Verstand, unsere emotionale Intelligenz und die Ressourcen unseres Körpers. Durch die KörperIntelligenz entsteht eine ideale Balance von Geist, Körper und Seele, die uns befähigt, mit Leichtigkeit Dinge zu vollbringen, die unsere bisherigen Vorstellungen beträchtlich übersteigen und die wir nicht für möglich gehalten hätten. 

KörperIntelligenz ist eine Kompetenz, die weit über rationalen Verstand und logisches Bewusstsein hinausgeht. Dabei ist nicht nur das Hirn gefragt, sondern alle Anteile, die einen Menschen ausmachen. Durch die KörperIntelligenz sind wir gut in unserer Mitte und können so all unsere Fähigkeiten und Ressourcen hervorbringen und optimal zur Geltung kommen lassen. Unser Leben wird erfüllt von Leichtigkeit, Freiheit, Selbstvertrauen und dem Gefühl von Geborgenheit. 

 

KörperIntelligenz hat ihren Ursprung im Aikido, einem japanischen System zur Selbstverteidigung, das eine über zweitausend Jahre lange Geschichte hat. Es gibt einige Meister des Aikido, allen voran der Gründer des modernen Aikido Meister Morihei Ueshiba, die allein durch das Aikido Training ihre Fähigkeiten so weit entwickelt haben, dass sie Angriffe abwehren können, ohne den Angreifer physisch zu berühren. Das heißt, der Angreifer bekommt den Meister gar nicht zu fassen, sondern stürzt vor oder neben dem Meister zu Boden. Oder er wird durch eine Welle aus Energie zurückgeschleudert. Diese Meister können ihre Fähigkeit zwar selbst wunderbar anwenden, haben aber kein Lehrsystem, um ihr Können in kurzer Zeit weiterzugeben. Sie selbst haben typischerweise 20 Jahre lang Aikido trainiert, und die Fähigkeit Angriffe ohne Berührung abzuwehren ist eher zufällig hervorgetreten. 

Bei der KörperIntelligenz liegt das Hauptaugenmerk nicht auf Kampfkunst, sondern vielmehr darauf, den Menschen das Leben zu erleichtern, indem innere Balance, Selbstvertrauen, besserer Umgang mit Stress, Präsenz, harmonische zwischenmenschliche Beziehungen, natürliche Autorität und Ausstrahlung, ganzheitliches Lebensgefühl und vieles mehr entwickelt und gestärkt wird. Hierfür werden Elemente aus Atemtherapie, alternativen Heilmethoden, Entspannungstechniken und Qi Gong intelligent und sinnvoll integriert.

 

Die eigene Mitte wiederfinden

 

Jeder Mensch wird mit der Fähigkeit zur KörperIntelligenz geboren, sie wird aber in unserer Kultur nicht genutzt und daher verkümmert sie. Wir können aber die eigene Mitte wiederfinden und den Zustand der idealen Balance von Geist, Körper und Seele wieder herstellen - also unsere KörperIntelligenz wiedererlangen. Wenn das gelingt, können wir diejenigen Verhaltensmuster, Glaubenssätze und Geisteshaltungen, die uns unglücklich machen, revidieren und so verändern, wie es unserem eigenen Wesen entspricht. Durch die Nutzung der KörperIntelligenz wird es ermöglicht, negative Geisteshaltungen, unglückselige Denkschemata, verfestigte Standpunkte, bedrückende Erwartungshaltungen und unpassende Verhaltensweisen aufzulösen und durch positive Einstellungen und erfolgversprechende Verhaltensweisen zu ersetzen. Somit wird der Paradigmenwechsel vom Reagieren zum Agieren aktiv unterstützt.

Reagieren bedeutet, dass wir uns danach richten, was um uns geschieht. Zum Beispiel, dass wir uns beleidigt zurückziehen, wenn der Partner schlecht gelaunt ist. Dann sind wir fremdbestimmt, denn die Launen anderer bestimmen unser Verhalten. Außerdem richtet sich unser Bewusstsein ganz auf den anderen. Wir sind in Gedanken damit beschäftigt, was ihm wohl über die Leber gelaufen ist und ob er uns wohl Schuld an seiner schlechten Laune zumisst. Damit sind wir sowohl geistig, als auch emotional gebunden. Denn wir richten uns nach der Beurteilung durch andere und lassen zu, dass Emotionen die Situation bestimmen. Dadurch rutschen wir unweigerlich in die Rolle des armen Opfers widriger Umstände.

 

Agieren bedeutet selbstbestimmtes Handeln. Dabei basieren unsere Entscheidungen auf unseren Werten und nicht auf den momentanen Gefühlen. Wir tun, was wir selbst wirklich tun möchten. Das setzt voraus, dass wir unsere eigenen Wertvorstellungen haben und kennen. Wir müssen uns also zuallererst mit uns selbst beschäftigen. Wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, unsere Gefühle, Motive und Zielsetzungen kennen, kann sich unser Potential entfalten. Jeder von uns hat vielfältige Ressourcen. Wenn wir uns darauf besinnen und die eigenen Talente und Fähigkeiten nutzen, gelingt es ganz leicht, die eigenen Ziele zu erreichen und dabei unsere Wertvorstellungen weiterzutragen.

 

Körperliche Übungen

 

Um die KörperIntelligenz selbst zu erfahren, bieten sich spezielle körperliche Übungen an. Das hat hirnphysiologische Gründe, aber es hat auch andere Vorteile. Zum Beispiel kann sofort und ganz einfach überprüft werden, ob die Balance erreicht und aufrechterhalten wird, oder nicht. Wenn ja, gelingt die Übung mühelos. Wenn nein, wird es unmöglich oder zumindest sehr anstrengend.

Wenn wir unsere KörperIntelligenz erreichen, können wir sogar physikalisch Unmögliches vollbringen.

Hier das Beispiel einer Übung: Eine junge zierliche Frau sitzt am Boden, 4 starke Männer stehen um sie herum und drücken sie von oben auf den Schultern nach unten. Sie wollen die Frau mit aller Kraft am Boden halten. Wenn die junge Frau jetzt ihre  KörperIntelligenz aktiviert, kann sie mühelos aufstehen und die 4 Männer haben keine Chance sie festzuhalten. 

Im Zustand der KörperIntelligenz ist diese Übung mit keiner Anstrengung verbunden. Es gibt auch keine Ermüdung. An sich ist es prinzipiell egal, ob wir durch physische Einflüsse (wie in den Übungen) oder geistige oder emotionale Einflüsse unterdrückt oder beschränkt werden. Das Prinzip ist immer gleich. Es geht darum, sich auf sich selbst zu besinnen, die körperliche, geistige sowie emotionale Mitte zu finden und somit unabhängig von den äußeren Umständen und Einflüssen selbstbestimmt zu handeln.

 

Videos von Beispiel-Übungen finden sich hier: https://www.youtube.com/channel/UC7SP9pC4Y8S9ofhVsItNbdQ .

Weitere Infos: www.koerperintelligenz.at , Termin unter Kleinanzeigen.


Sommer 2018


Wildkräuter

Von Michaela Lewitz

 

Wildkräuter- wilde Schätze direkt vor der eigenen Haustür entdecken und nutzen

 

Solange es Menschen gibt, wurden die Kräuter zu unseren Füßen für die Ernährung und/oder medizinisch genutzt. Ihr Wissen war immer gegenwärtig und wurde, der jeweiligen Zeit angepasst, in das Leben und die Heilkunde integriert. In den Grabbeigaben der Ägypter und unserer direkten Vorfahren wurden viele entsprechende Kräuter sicher gestellt. Auch Ötzi führte sehr viele Heil- und Wildkräuter in seinem Köcher mit sich! Karl der Große ließ von ihm vorgeschriebene Kräuter in seinen Gärten an vielen Orten anpflanzen, um seine Soldaten zu nähren und gesund zu pflegen.

 

Dr. Samuel Hahnemann begründete um ca. 1800 mit vielen Kräutern die Klassische Homöopathie und Dr. Edward Bach begründete 1930 die „Bachblütentherapie“. Gerade in unsere rohvegane Küche sollten die Wildkräuter wieder vermehrt einkehren, um dadurch ein großes Plus an Gesundheit und Wohlbefinden zu bringen.

 

Die wilden Kräuter vor unserer Haustür strotzen vor Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Auch natürliche Antibiotika, z. B. Kapuzinerkresse finden sich unter ihnen. Leider laugt unsere heutige konventionelle Landwirtschaft die Böden sehr stark aus und setzt mit Pflanzenschutzmitteln, z. B. Glyphosat den Pflanzen so weit zu, dass immer weniger wichtige Inhaltsstoffe dem menschlichen Organismus zur Verfügung stehen. Ein guter und sinnvoller Weg zum Umweltschutz sind „essbare Städte“ (http://www.essbare-stadt-minden.de/wissenswertes/links-essbare-stadte/) und/ oder der Umstieg auf kontrolliert biologischen Anbau. 

 

Aber gerade mit der Nutzung von Wildkräutern und das in rohem Zustand können wir noch so viel mehr für uns und die Umwelt bewirken! Sie brauchen keinen Transport, keine Zwischenhändler, keinerlei Dünger oder/und Pestizide, bringen uns direkt ohne Verlust der flüchtigen Inhaltsstoffe ihre Kraft und wir profitieren noch von der zusätzlichen Bewegung an frischer Luft! Was will Mensch mehr? Die heimischen Wildkräuter sind unsere Superfoods! Überdies liefern auch unsere heimischen Laub- und Nadelbäume Nahrung und Heilmittel. Wir können Fichtentriebe, Knospen der Laubbäume, Blätter (gerade im Frühling von z. B. Birke und Linde) sehr gut in unseren Speiseplan integrieren.

 

Nun aber Infos zum Sammeln der Wildkräuter generell: nimm ein leeres Glas (Gurkenglasgröße) und ernte soviel, wie du für ca. 4 Tage verwertest. Du kannst das Glas verschlossen gut im Kühlschrank lagern. Sei bitte dankbar und achtsam beim Ernten und nimm nur soviel einer Pflanze, wie du benötigst und wie sie verschmerzen kann ohne zu leiden. Nimm nur von den Kräutern, die du eindeutig bestimmen kannst und lasse im Zweifel die Pflanze lieber stehen.

 

Jedes Kraut ist essbar, aber manches eben nur ein einziges Mal. Viele Korbblütler sind giftig! Beginne lieber mit eindeutigen Pflanzen, wie dem Gänseblümchen, von dem alle Teile essbar sind und dem Löwenzahn, der auch noch die wichtigen, vernachlässigten Bitterstoffe bietet. Vom Löwenzahn bitte von der Blüte nur die Zungenblätter austrennen und genießen, sonst sind alle Teile, auch die Wurzel, essbar. Auch sehr viele Blüten lassen sich für die Rohkostküche nutzen und bringen immer wieder wundervolle Highlights auf Torten, Salat und ins Heilwasser. Setze Blüten der wilden Malve zusammen mit Ringelblume und Stockrose mit gefiltertem Wasser an. Du kannst auch mit Gurke in Scheiben oder Apfel ergänzen. Lasse das Ganze gut eine Stunde stehen und dann genieße! Du trinkst gleich nochmal so gerne und mit Genuss, oder? Genieße mal Nachtkerzen- und Kapuzinerkresseblüten. Du wirst sicher überrascht sein. Auch Taglilie- und Stiefmütterchenblüten sind essbar und ein Augenschmaus. 

 

Hier habe ich noch zwei Kurzsteckbriefe von mir lieben Wildkräutern:

 

Wilde Möhre Daucus carota

Sie ist die Stammmutter aller kultivierten Möhrenformen und genau so verwendbar! Sie gehört zur Familie der Doldengewächse und ähnelt leider oft giftigen „Verwandten“! Bitte deswegen während einer Kräutertour zeigen und erklären lassen, auf die dunkle Mittelblüte achten, auf den gekerbten, behaarten Stiel und die Finger davon lassen beim klitzekleinsten Zweifel!!!

Inhaltsstoffe sind in der Wurzel: ätherische Öle, Flavonoide, Lycopin, Pektin, hoher Mineralstoffgehalt, insbesondere viel Kalium, Carotinoide (wie der lateinische Name schon sagt), Vitamin B1, B2 und C. Diese wiederum erklären die Eigenschaften: Stoffwechsel anregend, harntreibend, entzündungshemmend und appetitanregend, gut für die Augen. Die Wurzel findet den gleichen Einsatz, wie die Kulturmöhre, sie ist nur sehr viel gesünder und härter! Carotinoide schützen die Zellen vor freien Radikalen, wirken also krebsvorbeugend und können gut in das wichtige Vitamin A umgebaut werden! Die Blätter, Blüten, Samen sind auch gut verwendbar! Die jungen Blätter schmecken im Salat, der Suppe, im Smoothie. Selbst die Samen sind ein gutes süßliches Gewürz.

 

Löwenzahn Taraxacum officinale

Der Zusatz „officinale“ bedeutet, dass ein Wildkraut schon lange Zeit als Heilmittel in den Apotheken gehandelt wurde!

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Flavonoide, Cumarine, Phytosterole, Schleimstoffe (über 1%), nur im Frühjahr etwa 18 % Zucker und ungefähr 2 % Inulin, welches im Herbst bis auf 40 % steigt, hoher Kaliumgehalt und um ein vielfaches mehr Mineralien als im Kopfsalat.

Zusammen mit Brennnessel wird er sehr gerne für Frühjahrskuren zur Entgiftung und Regeneration eingesetzt. Er unterstützt die Leber exzellent in ihren Entgiftungsaufgaben, fördert die Gallensekretion und wird gegen Gicht und rheumatische Beschwerden eingesetzt.

Alles an ihm ist essbar, auch die Blütenstengel und die Wurzel. Nehmt aber bitte Rücksicht und lasst die Wurzel stecken. Am feinsten sind die jungen Blätter. Wenn du den Löwenzahn zurück schneidest treibt er neu aus und du kannst ihn bis in den Herbst hinein beernten. Denk aber dran, dass er sich über die Pusteblumen fortpflanzt und lass ihm die Möglichkeit!

 

Bitte besucht Wildkräuterwanderungen, auch mehrere zu unterschiedlichen Jahreszeiten, an unterschiedlichen Wachstumsorten und hört Experten zu um Wissen zu sammeln und die Kräuter sicher zu bestimmen. 

 

Michaela Narayana Lewitz, OL, www.123kraeuterzauberei.de: Wildkräuterwanderungen Vorträge, Workshops, Blog

 

Der ausführliche Beitrag erschien zuerst in der „Natürlich leben!“ Vereinszeitschrift, März 2018.


Vitamin B 12

Von Uta Fernkäse

Vitamin B12- Blutbildung und Nervenschutz

 

Vitamin B12 ist ein Sammelbegriff für eine Reihe unterschiedlicher Substanzen mit verschiedenen Aufgaben. Doch nicht nur die Gesundheitseffekte sind interessant, sondern die gesamte Geschichte dieses Vitamins. 

 

Nobelpreis gekürt

In den 1920er Jahren entdeckte der US- amerikanische Pathologe George H. Whipple, dass Hunde, die an einer bösartigen Blutarmut litten, durch die Fütterung mit roher Leber geheilt werden konnten. Für die Beschreibung dieser Heilmethode erhielten er und seine beiden Kollegen George R. Minot und William P. Murphy im Jahr 1934 den Nobelpreis für Medizin. Die Isolierung des Wirkstoffes Vitamin B12 gelang allerdings erst 1948. Sieben Jahre später wurde die chemische Struktur von der britischen Biochemikerin Dorothy C. Hodgkin entschlüsselt. Auch sie bekam dafür einen Nobelpreis. Den wissenschaftlichen Namen Cobalamin verdankt Vitamin B12 dem Cobalt. Das metallähnliche Element ist Bestandteil der verschiedenen Vitamin B12-Verbindungen: Cyanocobalamin, 5'-Adenosylcobalamin und Methylcobalamin. Häufig sind diese an Eiweiß gebunden, wodurch sich der Heilerfolg mit der rohen Leber erklärt.   

 

Das Zusammenspiel entscheidet

Die Aufnahme und Verdauung von Vitamin B12 ist ein Beispiel dafür, wie in unserem Körper alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. Noch während wir essen, geben die Speicheldrüsen im Mund ein Eiweiß ab, das im Magen Vitamin B12 vor der Magensäure schützt. Gleichzeitig produziert die Magenschleimhaut den sogenannten Intrinsinc Faktor (IF), der im oberen Dünndarm Vitamin B12 übernimmt und auf dem Weg zum unteren Dünndarm begleitet, wo schließlich der B12-IF-Komplex über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen wird. Damit Vitamin B12 optimal verwertet werden kann, muss das Verhältnis stimmen. Ist zu wenig IF vorhanden, kann Vitamin B12 nicht aufgenommen werden. Ist zu viel IF im Spiel, beeinträchtigt das ebenfalls die Resorption durch die Darmschleimhaut. Somit bildet ein gesunder Verdauungstrakt die Grundvoraussetzung für eine gute Vitamin B12-Versorgung. 

 

Stoffwechselaktivator und Blutbildung

Vitamin B12 wird bei vielen Stoffwechselprozessen benötigt. Es ist ein unentbehrlicher Helfer für die Enzyme, welche chemische Umwandlungsprozesse bewerkstelligen. Die Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißverarbeitung hängen u.a. von Vitamin B12 ab. Fehlt es, ist ein Energiemangel in den Zellen die Folge. Überall da, wo sich Zellen ständig erneuern müssen, zeigen sich dann typische Mangelsymptome. Im Mund wären das z. B. eine entzündete Mundschleimhaut und eine raue, gerötete Zunge. Auch die Blutzellen, insbesondere die roten Blutkörperchen, müssen in einem gewissen Zeitrahmen ersetzt werden. Vitamin B12 sorgt im Rückenmark für den Einbau von Eisen in die roten Blutkörperchen. Diese transportieren Sauerstoff in jeden Winkel unseres Körpers. Ist die Blutbildung beeinträchtigt, fühlen wir uns müde und schlapp. Bei einem Vitamin B12-Mangel zeigt sich eine spezielle Form der Blutarmut. Die Mediziner sprechen von einer megaloblastären Anämie, wobei die roten Blutkörperchen nicht vollständig ausreifen und daher als Megaloblasten im Rückenmark und im Blut nachweisbar sind. Äußerlich fallen eine blasse Haut und blasse Schleimhäute auf.    

 

Wichtiger Nervenschutz

Unsere Nerven sind mit einer Schutzhülle (Myelin) versehen, an deren Bildung Vitamin B12 maßgeblich beteiligt ist. Bei Vorliegen eines Vitamin B12-Mangels treten daher Störungen im peripheren Nervensystem auf, die sich in Form von Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Händen und Füßen, einem Verlust des Tastsinnes, einem unsicheren Gang und einer gestörten Koordinationsfähigkeit zeigen. Im zentralen Nervensystem lassen sich Gereiztheit, Aggressivität, Gedächtnisstörungen, Verwirrung, Erregungszustände, Psychosen, Depressionen und Müdigkeit beobachten. Eine Patientin, die an ruhelosen Beinen leidet, beschrieb ihre Situation wie folgt: „Bei mir wurde ein ausgeprägter Vitamin B12-Mangel festgestellt, der höchstwahrscheinlich mit meiner chronischen Gastritis zusammenhängt. Seitdem bekomme ich Vitamin B12 gespritzt, da eine orale Aufnahme nichts bringen wurde, weil ja die Resorption gestört ist. Ich merke genau, wenn ich die Vitamin B12-Spritze wieder benötige, denn dann bekomme ich ganz unruhige und zappelige Beine, besonders am Abend und nachts. Nach der Spritze verschwinden diese Beschwerden komplett.“  

 

Teamarbeit mit Folsäure 

Nicht selten arbeiten verschiedene Nährstoffe im Team zusammen. Vitamin B12 ist für die Umwandlung von Folsäure in ihre aktive Form zuständig. Fehlt es, kann zwar genügend Folsäure in den Körperspeichern vorhanden sein, jedoch nützt das Vitamin in seiner inaktiven Form wenig. Alle Prozesse, wie etwa die Zellteilung und das Zellwachstum sind dann beeinträchtigt. Das zeigt sich zum Beispiel im Verdauungssystem. Durch die Schwächung der Regenerationsfähigkeit treten Entzündungsprozesse an der Magen- und Darmschleimhaut auf, welche in der Folge die Nährstoffverwertung beeinträchtigen. Ein Teufelskreis beginnt. Um herauszufinden, welches der beiden Vitamine tatsächlich einen Mangel in der Versorgung aufweist, ist eine differenzierte Analyse notwendig. Zum Nachweis eines Vitamin B12-Mangels hat sich die Bestimmung von Methylmalonsäure im Urin bewährt. Sie stellt einen frühen Marker dar, da sich Methylmalonsäure auf Grund der ungenügenden Methylierungsreaktionen bei einem Vitamin B12-Mangel anreichert.

 

Tierisch gut

Ausschließlich spezielle Mikroorganismen sind in der Lage Vitamin B12 zu bilden, daher kommt dieses Vitamin vorrangig in tierischen Nahrungsmitteln und in geringeren Mengen auch in fermentierten, pflanzlichen Nahrungsmitteln wie etwa Sauerkraut vor. Auch die Mikroflora des menschlichen Dickdarms produziert Vitamin B12, das dem Organismus jedoch nicht zur Verfügung steht und ungenutzt ausgeschieden wird. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Innereien, z. B. Leber, welche das Vitamin speichern. In Muskelfleisch, Milch und Eiern liegen die Gehalte niedriger. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir oder Camembert gelten ebenfalls als gute Quellen. Der Tagesbedarf von 3 Mikrogramm Vitamin B12 ist z. B. in 100 Gramm Lachs oder 100 Gramm Camembert enthalten. Von Rinderleber bräuchte man nur etwa 5 Gramm zu essen, um genügend Vitamin B12 für den Tag aufzunehmen.  

 

Der Ursache auf der Spur

Obwohl nur eine minimale Zufuhr an Vitamin B12 notwendig ist, zeigen neue Untersuchungen, dass bis zu 90 Prozent der Senioren mit Vitamin B12 unterversorgt sind. Der Grund ist eine gestörte Magen-Darm-Funktion durch Alterungsprozesse, aber auch durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, welche eine chronische Magenschleimhautentzündung provozieren. Zudem kann ein hoher Alkoholkonsum die Magenschleimhaut schädigen. Somit muss bei einem Vitamin B12-Mangel unbedingt die Ursache mitbehandelt und in der Zwischenzeit Vitamin B12 als Injektion verabreicht werden. Die Vitamin B12-Versorgungslage kann sich aber auch durch eine einseitige, vegane Ernährung verschlechtern.  

 

Was tun Veganer?

Mit der Zunahme der veganen Ernährungsweise rückt die Versorgung mit Vitamin B12 mehr und mehr in den Fokus. Pflanzen können selbst kein Vitamin B12 herstellen, weisen aber, wenn sie auf humusreichem Boden gedeihen, gelegentlich geringe Gehalte auf. Eine Kartoffel, Karotte oder rote Beete aus einem nachhaltigen, ökologischen Anbaubetrieb könnte demnach Spuren von Vitamin B12 enthalten, aber darüber fehlen verlässliche Daten. Gerne wird die Bevölkerung der ländlichen Gebiete Indiens als Beispiel herangezogen, wo trotz veganer Ernährungsweise kein Vitamin B12-Mangel bekannt ist. Man geht davon aus, dass die verhältnismäßig schlechtere Hygiene eine höhere Aufnahme an Mikroorganismen z. B. über das Trinkwasser und das Baden in Flüssen wie dem Ganges dafür verantwortlich ist. Auch bei Rohköstlern, die regelmäßig frisch gesammelte Wildkräuter verzehren, lässt sich kaum ein Vitamin-B12-Mangel nachweisen. Mittlerweile werden vegane Produkte, wie Sojadrinks, Cornflakes, Säfte oder Tofu-Produkte mit Vitamin B12 angereichert. Um die Gehalte zu ermitteln, sollten die Angaben auf der Verpackung berücksichtigt werden. Dennoch scheint es schwierig zu sein über eine rein vegane Ernährung den Vitamin B12-Bedarf zu decken, so dass der Versorgungs-Status regelmäßig überprüft werden sollte.    

 

Literatur: Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm „Taschenatlas der Ernährung“ und Hans Konrad Biesalski u.a. „Ernährungsmedizin

 

Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Zeitschrift „Deine Gesundheit“ (siehe auch unter „Wortwelten - Zeitschrift“).