Kunst & Kultur


Herbst 2017


Hermann Haindl: Leben - Kunst - Tarot

Erika Haindl, Antje Betken, Johannes Fiebig (Hrsg.)

Königsfurt Urania Vlg., 272 S., 59,90 € 

 

Hermann Haindl ist der Schöpfer des weltbekannten Haindl-Tarot, ein visionärer Künstler, dem zahlreiche Ehrungen zu Teil wurden, ein humanistischer Aktivist und ein geistreicher Erkunder von Anderswelten. „Wandelnde Wolke“ lautet sein Indianername.

 

Haindl, Jahrgang 1927, arbeitete für die Bühnen der Stadt Frankfurt am Main als Leiter der künstlerischen Werkstätten und Bühnenbildner. 1977 machte er sich selbständig, widmete sich dem freien Malen. Legendär ist das von ihm mit initiierte Versöhnungsfest, in dem Vertreter verschiedenster Religionen und Kulturen zusammen feierten.

 

Dieses Buch erzählt von einem langen, äußerst schöpferischen Leben, das geprägt war von Kunst, vom Willen, sich einzumischen, und von der Liebe zu allen Geschöpfen der Erde – kurz: Es erzählt von einem großartigen Lebens-Gesamtkunstwerk.

 

Zu Haindls 90. Geburtstag erscheint dieses Opus Magnum, das auf 272 großformatigen Seiten und mit über 500 Abbildungen Beiträge von Dieter Rexroth, Peter Lückemeyer, Rachel Pollack und vielen anderen präsentiert.

 

Das Buch enthält als Beilage eine handkolorierte, signierte Lithographie von Hermann Haindl.

 

 

»Ob ich wach bin oder schlafe – es kommen unweigerlich vergangene Ereignisse in Erinnerung. Es sind meine Hintergründe in der Malerei – wilde Farben und Formen,

die womöglich für andere Betrachtende chaotisch erscheinen, aber für mich realistische Details zeigen, die mein Gedächtnis aufbewahrt hat.«


"Ich interessierte mich nicht für das Wahrsagen mit den Karten. Mich faszinierte das System:

78 Symbolkarten, die jeden Bereich des menschlichen Lebens betreffen. Wir hatten von Günther  Cherubini den Crowley-Tarot kennengelernt, aber dessen Karten

lösten in mir  außer-ordentlich unangenehme Gefühle aus – ja, sie lösten in mir das Bedürfnis aus, meinen eigenen Tarot zu malen. Es wurde daraus ein intensiver Prozess..."


Erika und Hermann Haindl begannen, zusammen mit Antje Betken und Johannes Fiebig vom Königsfurt-Urania Verlag, Ende 2009 mit der Zusammenstellung des vorliegenden Werks.

 

Es brauchte mehr als sieben Jahre bis zur Vollendung. Mitten in diesem Prozess, im Sommer 2013, starb Hermann Haindl. Noch zu seinen Lebzeiten hat er diese Offset- Lithographie geschaffen und als Beilage für dieses Buch bestimmt.

  

Dieses Buch gilt der Erinnerung an ein intensives Künstlerleben: während der Arbeit für dieses Buch 

ist Hermann Haindl, der Maler des weltweit bekannten Haindl-Tarots, in der Morgenfrühe eines strahlend-schönen Tages, dem 16. August 2013, wenige Wochen vor dem 86. Geburtstag in seinem eigenen geliebten »Zuhause« gestorben.



Sommer 2017


Der Bärlapp - Lycopodium clavatum

Der Name Lycopodium clavatum - „Wolfsfüßchen“ - weist auf die Form seiner Blätter hin, die wie Tierfüße aussehen. Der Bärlapp ist eine der ganz alten Pflanzen in Europa. Schon vor 400 Millionen Jahren in der Carbonzeit gab es große baumartige Exemplare, wie man in Form von Versteinerungen aus dieser Epoche nachweisen konnte. Die großen Exemplare starben in Europa aus, heute sind die Bärlapp-Pflanzen kleine moosartige Waldbewohner. Sie haben keine Blüten, sondern vermehren sich durch Sporen. Diese haben besondere Eigenschaften.
Das Sporenpulver ist extrem fein und man kann pyrotechnische Effekte wie Blitze und Aufflammen eines Feuers damit erreichen. Die Sporen waren bei Feuerschluckern beliebt, die die vorher in den Mund genommenen Samen ausbliesen, dabei anzündeten und beeindruckende Stichflammen hervorzaubern konnten. Bitte nicht nachmachen!
Die Sporen sind so weich, dass sie feinste Erschütterungen wahrnehmen, und Erderschütterungen zum Beispiel auf einem Papier als Mandala-ähnliches Muster darstellen. Wegen der besonderen Effekte wurde der Bärlapp in früheren Zeiten für Rituale und schamanische Behandlungen genutzt.
Die Kräuterfrauen schätzten unter anderem seine wundheilenden Eigenschaften bei Hautinfektionen, Nabelentzündungen und Wunden. Sie behandelten auch Schwangere und suchten im Wald nach den kleinen Heilern. Das Wissen wurde mündlich weitergegeben und viele dieser Kenntnisse gingen durch die erbarmungslose Frauenverfolgung im Mittelalter verloren.
Geblieben sind unter anderem ein großes homöopathisches Mittel und gelegentliche naturheilkundliche Gaben bei entsprechender Sachkenntnis. Die wasserabweisenden Sporen verhindern bei handgemachten Heilmitteln ein Verkleben der einzelnen Pillen.
Der Bärlapp ist sehr alt, er kann viel erzählen und bleibt stets ein wenig rätselhaft. Er war unseren Vorfahren wichtig und hat vielleicht noch Dinosaurier gesehen. Heute ist er sehr klein, er beobachtet uns aber noch immer.


 

 

 

 

 

 

Aus dem Buch „Wild und heilsam -
Pflanzenträume in Bild und Wort“
Von Insa Hilbers & Roswitha von der Graefe
www.Einklang-Verlag.de , Zetel

Im Bärlappwald - Lycopodium

 

Dich gab es schon,
als Dinosaurier
die Erde einst bewohnten.
In Riesenwäldern halfst Du,
sie mit Schatten zu belohnen.
Sie waren groß und aßen viel,
und mussten plötzlich gehen.
Ein Meteor, der kam vorbei,
da war`s um sie geschehen.
Nur winzig kleine Wesen noch,
die haben dann gelebt,
als Dunkelheit und Aschestaub
sich langsam haben gelegt.
Aus diesen kleinen Tieren nun
entstanden dann auch wir.
Er hat bei allem zugesehen,
von dort bis jetzt und hier.
Und manch Geheimnis dieser Zeit
und manche Missetat.
Die Weisheit der Jahrtausende,
die hat er aufbewahrt.
Im Bärlappwald da gibt es noch
so manches alte Wesen.
Und schlummert man in seinem Grün,
im Traum sie Dir begegnen.
Er macht mit seinen Samen zart
manch wundersames Bild.
Und zeigt der Sterne Bahnen gar,
so wie sie wirklich sind.
Und wirft man Samen dann von ihm
am Abend in ein Feuer,
so zeigt er uns zum Dank dafür
ein wahres Sternenfeuer.
Er ist so alt und doch vertraut,
weil er so lang gelebt.
War wichtig für die weisen Frauen,
die die Kirche hat erlegt.
Und mit den weisen Kräuterfrauen,
die tausendfach verbrannt,
verschwand viel Kräuterwissen mit,
das uns sonst wär’ bekannt.
Der Bärlapp und der Weltengeist,
die sahen dies Verbrechen.
Ein Denkmal für die Kräuterfrauen
und Hebammen – vergessen ?
Die Menschheit gäb’ es sicher nicht,
hätten in dunklen Nächten,
wenn Frauen einst in Wehen lagen,
nicht Kräuterfrauen gesessen.
Und haben all ihr Pflanzenwissen
und all die Pflanzenkraft
zum Wohl der Menschheit eingesetzt
und Heilung mitgebracht.
Der Bärlapp spürte einst im Wald
noch ihre leisen Schritte.
Ihr Suchen nach dem rechten Kraut
und ihre Zaubersprüche.
Wenn ich im Wald den Bärlapp seh’,
So kommt es mir doch vor,
als flüstere er mir ganz, ganz leis
Geschichten in mein Ohr.



Frühling 2017


Für Menschen, die nicht mit ihrem Handy baden gehen...: aus "Das fliegende Kamel" von Paul Maar mit freundlicher Genehmigung des Verlags Friedrich Oetinger, Hamburg