Kunst & Kultur


Sommer 2017


Der Bärlapp - Lycopodium clavatum

Der Name Lycopodium clavatum - „Wolfsfüßchen“ - weist auf die Form seiner Blätter hin, die wie Tierfüße aussehen. Der Bärlapp ist eine der ganz alten Pflanzen in Europa. Schon vor 400 Millionen Jahren in der Carbonzeit gab es große baumartige Exemplare, wie man in Form von Versteinerungen aus dieser Epoche nachweisen konnte. Die großen Exemplare starben in Europa aus, heute sind die Bärlapp-Pflanzen kleine moosartige Waldbewohner. Sie haben keine Blüten, sondern vermehren sich durch Sporen. Diese haben besondere Eigenschaften.
Das Sporenpulver ist extrem fein und man kann pyrotechnische Effekte wie Blitze und Aufflammen eines Feuers damit erreichen. Die Sporen waren bei Feuerschluckern beliebt, die die vorher in den Mund genommenen Samen ausbliesen, dabei anzündeten und beeindruckende Stichflammen hervorzaubern konnten. Bitte nicht nachmachen!
Die Sporen sind so weich, dass sie feinste Erschütterungen wahrnehmen, und Erderschütterungen zum Beispiel auf einem Papier als Mandala-ähnliches Muster darstellen. Wegen der besonderen Effekte wurde der Bärlapp in früheren Zeiten für Rituale und schamanische Behandlungen genutzt.
Die Kräuterfrauen schätzten unter anderem seine wundheilenden Eigenschaften bei Hautinfektionen, Nabelentzündungen und Wunden. Sie behandelten auch Schwangere und suchten im Wald nach den kleinen Heilern. Das Wissen wurde mündlich weitergegeben und viele dieser Kenntnisse gingen durch die erbarmungslose Frauenverfolgung im Mittelalter verloren.
Geblieben sind unter anderem ein großes homöopathisches Mittel und gelegentliche naturheilkundliche Gaben bei entsprechender Sachkenntnis. Die wasserabweisenden Sporen verhindern bei handgemachten Heilmitteln ein Verkleben der einzelnen Pillen.
Der Bärlapp ist sehr alt, er kann viel erzählen und bleibt stets ein wenig rätselhaft. Er war unseren Vorfahren wichtig und hat vielleicht noch Dinosaurier gesehen. Heute ist er sehr klein, er beobachtet uns aber noch immer.


 

 

 

 

 

 

Aus dem Buch „Wild und heilsam -
Pflanzenträume in Bild und Wort“
Von Insa Hilbers & Roswitha von der Graefe
www.Einklang-Verlag.de , Zetel

Im Bärlappwald - Lycopodium

 

Dich gab es schon,
als Dinosaurier
die Erde einst bewohnten.
In Riesenwäldern halfst Du,
sie mit Schatten zu belohnen.
Sie waren groß und aßen viel,
und mussten plötzlich gehen.
Ein Meteor, der kam vorbei,
da war`s um sie geschehen.
Nur winzig kleine Wesen noch,
die haben dann gelebt,
als Dunkelheit und Aschestaub
sich langsam haben gelegt.
Aus diesen kleinen Tieren nun
entstanden dann auch wir.
Er hat bei allem zugesehen,
von dort bis jetzt und hier.
Und manch Geheimnis dieser Zeit
und manche Missetat.
Die Weisheit der Jahrtausende,
die hat er aufbewahrt.
Im Bärlappwald da gibt es noch
so manches alte Wesen.
Und schlummert man in seinem Grün,
im Traum sie Dir begegnen.
Er macht mit seinen Samen zart
manch wundersames Bild.
Und zeigt der Sterne Bahnen gar,
so wie sie wirklich sind.
Und wirft man Samen dann von ihm
am Abend in ein Feuer,
so zeigt er uns zum Dank dafür
ein wahres Sternenfeuer.
Er ist so alt und doch vertraut,
weil er so lang gelebt.
War wichtig für die weisen Frauen,
die die Kirche hat erlegt.
Und mit den weisen Kräuterfrauen,
die tausendfach verbrannt,
verschwand viel Kräuterwissen mit,
das uns sonst wär’ bekannt.
Der Bärlapp und der Weltengeist,
die sahen dies Verbrechen.
Ein Denkmal für die Kräuterfrauen
und Hebammen – vergessen ?
Die Menschheit gäb’ es sicher nicht,
hätten in dunklen Nächten,
wenn Frauen einst in Wehen lagen,
nicht Kräuterfrauen gesessen.
Und haben all ihr Pflanzenwissen
und all die Pflanzenkraft
zum Wohl der Menschheit eingesetzt
und Heilung mitgebracht.
Der Bärlapp spürte einst im Wald
noch ihre leisen Schritte.
Ihr Suchen nach dem rechten Kraut
und ihre Zaubersprüche.
Wenn ich im Wald den Bärlapp seh’,
So kommt es mir doch vor,
als flüstere er mir ganz, ganz leis
Geschichten in mein Ohr.



Frühling 2017


Für Menschen, die nicht mit ihrem Handy baden gehen...: aus "Das fliegende Kamel" von Paul Maar mit freundlicher Genehmigung des Verlags Friedrich Oetinger, Hamburg