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Querdenken oder verqueres Denken im Buddhismus

Von Monika Winkelmann

aus Ursache Wirkung

 

Wenn man oder frau einige Jahre dabei ist, ein buddhistisches Zentrum eher regelmäßig aufsucht, die ausliegenden Flyer studiert und sich mit den zu kaufenden Zeitschriften bekannt macht, dann stößt man unweigerlich auf Autoren und Autorinnen beider Kategorien: die quer zum Mainstream Denkenden und diejenigen, die man nicht mehr als zugehörig erleben kann.

 

Zu denen, die querdenken, sind die Säkularen zu zählen. Wir stellen uns vor, wie diese buddhistische Spezies weder Tempel noch Devotionalien braucht wie Buddha-Statue, Räucherwerk, Wassergefäße, doppelte oder dreifache Ausführungen von Blumensträußen oder -gestecken, je nach Linie, keine Sutrenbücher, keine Fotos der Ahninnen und Ahnen.

Sie sind überall anzutreffen, in Wohnzimmern und auf Kongressen, in Meditationshäusern und auf dem Flughafen, schreiben Bücher und Artikel, werden eingeladen: Endlich einer, der aufräumt mit dem Verquasten, der die Essenz des Buddhismus aufbereitet und neu interpretiert vor dem Hintergrund unserer postmodernen Gegebenheiten, der psychologischen Erkenntnisse gegenwärtiger Forschung. Dem Mystizismus möchte man eine ernüchterte, aufgeklärte Weisheit entgegensetzen, die weder abgehobene Gurus noch eine Hierarchie benötigt und somit gegen Machtmissbrauch, der auch sexuell-ausbeuterische Färbungen annehmen kann – und dies nicht zu knapp –, gefeit ist. So wähnt man sich geschützt vor vielerlei und kann den zweifelnden oder suchenden Christen, denen am Buddhismus die Neuauflage von Form, Ritual und Gehorsam missfällt, etwas erfrischend Verständliches und Neuzeitliches anbieten. Zum Beispiel eine Neuinterpretation der Vier Edlen Wahrheiten. Ganz schön mutig, die Wahrheit mit ‚Aufgabe‘ zu übersetzen! Doch ohne Mut bleibt mancher hervorragende und revolutionäre buddhistische Text blass und verschroben, er geht uns nicht ein, verheddert sich irgendwo, und so kann es schlecht zu einer Verkörperung der Weisheit kommen! 

 

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